Freitag, 11. September 2009

Liebe Modedesigner...

Ich bin Konsument und ich bin dick. Im Gegensatz zu dem, was viele vermuten, konsumiere ich aber nicht nur Essen und das dazu gehörende Klopapier!

Wie wohl fast jeder andere Mensch, würde ich gerne ansprechende Kleidung konsumieren.

Problem 1: Ich trage Größe 50
Problem 2: Das Angebot

NATÜRLICH FINDEN AUCH DICKE LEUTE STOFFGEBILDE, MIT DENEN SICH KÖRPER VERHÜLLEN LASSEN.

Das steht außer Frage. Aber was tun, wenn man einen eigenen Geschmack besitzt?

Als ersten Schritt geht man in die Stadt. Man wählt sicherheitshalber schon einmal eine große „Metropole“, z.B. am Rhein. Dort gibt es unzählige Geschäfte.

Erhöht die Wahrscheinlichkeit etwas zu finden, denkt man.

Dicke Menschen wollen tendenziell nicht unbedingt auffallen (jedenfalls diejenigen, die ich kenne). Da schon so eine große Fläche geboten ist, möchte ich gerne dezent gekleidet sein. Ich persönlich bevorzuge die Farben schwarz, grau, dunkelrot, weiß… Und das prinzipiell in UNI.

Aber da haben wir schon das Problem.

Irgendwie scheint ihr, liebe Designer „dicker“ Kleidung zu glauben, dass unser Leben entweder deutlich farbenfroh gestaltet und aufgemotzt werden muss oder wir uns in Klamotten verstecken sollen, die wir schon an „Tante Trudchen“ vor 30 Jahren schrecklich fanden.

Entweder:
Pullover, Hemden, Jacken etc. “neckisch” und “raffiniert” asymmetrisch geschnitten, mit Fransen bebommelt und gerne in den unmöglichsten Farbkombinationen. Die Schnitte sind entweder superweit und superlang (sackartig) oder viel zu kurz und in der Lage sich JEDER Fettrulze aufs Penibelste anzupassen. Dazu oftmals noch höchst auffällig mit BLINGBLING bestickt. Warum nicht direkt ein lustiges BLINGBLING-Logo mit der Aufschrift „Fetti“ auf die Brust tackern? Seid doch bitte konsequent, wenn es schon so aussehen soll!


Selbst Jeans für Dicke sind nicht einfach nur normale Jeans. Auch da blinkt es und die gewählten Jeansfarben sehen genau so aus, wie die Jeans anno dazumal, für die jeder Schüler früher ins OFF gemobbt worden wären.

Außerdem seid ihr anscheinend immer wieder der Meinung, dass wir mit Accessoires von unseren „Problemzonen“ ablenken können. Also sollen noch Tücher oder vor allem lange, superhässliche Ketten über diese scheußlichen Monstren gezwillt werden.

Stofftechnisch wird alles verarbeitet, was „bei drei nicht auf den Bäumen ist“. Transparente Stoffe können auch mit üblen Mustern bedruckt werden. Oder satt Glänzendes. Meistens in feinster Plastikqualität, auf dass das Deodorant nicht versagt.


Da kann man sich die Haare doch nur noch kurz schneiden, fedrig ins Gesicht föhnen, rote Strähnchen reinfärben und dazu eine rote Nickelbrille kaufen, oder? Den pinken Lippenstift nicht vergessen, meine Lieben!

Jösses!!!

Genauso wenig Verständnis habe ich übrigens für all die Designer, bei denen XL etwa Größe 42 ist. Welche Größe repräsentiert denn nun den weiblichen Durchschnitt in Deutschland? MEDIUM heißt doch Mittel, oder? Ist denn tatsächlich Größe 38 der Durchschnitt? Seid ihr blind?

Oder:
FLEISCHFARBENES! Gerne vermischt mit türkisfarbenen Wischiwaschi-Mustern. Halt all das, was höchstens das Herz des schon zitierten „Hörnchens“ (siehe älterer Post: Verkaufspersonal aufgemerkt!) höher schlagen lässt.

Besonders kompliziert wird es, wenn Dickie versucht, sich einen Badeanzug zu kaufen. Da will man doch nur noch weinen.

Ich will einfach geschnittene Badeanzüge, stabile Qualität, in UNI!


Nicht mit floralem Hawaiimuster. Nicht mit Streifen, Punkten und schon gar nicht mit „ablenkenden“ Schleifchen. Nein, auch keine fleischfarbenen BH-Einsätze! Vielleicht noch mit LED-Dioden arbeiten? Das gibt es bisher zum Glück noch nicht!

Es gibt meines Erachtens NICHTS, was einen fetten Körper im Badeanzug „verschlankt“. Kein „verspielter“ Schnitt der Welt kann das ausmerzen. Vergesst es.

An dieser Stelle möchte ich mich in aller Öffentlichkeit auf jeden Fall schon mal bei der Firma H&M bedanken, die mit ihrer Linie BIB zumindest meine Würde aufrecht erhält.


Ansonsten findet man bei anderen Anbietern nur einen tragbaren Bruchteil im Gesamtsortiment.

Sollten Designer unter euch sein, die der festen Überzeugung sind, mir aus der Patsche helfen zu können… Nicht zögern, SOFORT bei mir melden.

Aber beeilt euch! Bald brauch ich euch nicht mehr!


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