Freitag, 9. Juli 2010

Als LCHFler im Supermarkt

Als LCHFler entwickelt man zwangsläufig ein neues Einkaufsverhalten. Ich zum Beispiel war vorher jahrelang darauf getriggert möglichst fettarme oder Light-Produkte zu kaufen. Und jetzt muss man plötzlich nach einem ganz anderen Suchmuster vorgehen.

Gemüse, Eier und Fleisch sind für mich "Rohwaren" und dort fällt mir die Auswahl nicht so schwer. Bei Fleisch geht es in erster Linie um die fetteren Stücke, alles was fettarm ist, kann mich nicht hinter dem Ofen hervorlocken.

Übrigens war das am Anfang eine große Umstellung, aber ich habe schnell gemerkt, dass mehr Fett auch mehr Geschmack und in der Regel auch eine viel angenehmere Textur bedeutet. Aber das ist und bleibt Geschmackssache.

Die Bereiche Süßigkeiten, Chips und Konsorten fallen komplett aus. Gut, man findet dort auch Nüsse, aber ich bin generell nicht so für Nüsse zu haben. Also geh ich da gar nicht erst vorbei.

Bei Einkauf anderer Produkte fällt einem sehr schnell etwas auf...

Je bunter und greller die Farben einer Verpackung, desto schlechter sind in der Regel die Inhaltsstoffe. Meistens wimmelt es dort von Zusatzsstoffen wie Glutamat, Süßstoffen, Zucker und E-Stoffen aller Art. Die Farben sollen zum Kauf animieren und sicherheitshalber liegen sie in der verkaufsträchtigsten Greifhöhe. Sie fallen einem direkt ins Auge. Sollen Kinder angesprochen werden, sind sie sehr, sehr oft noch greller und bunter und meistens mit Comicfiguren bedruckt. Die reinste Quengelware.

Ebenso schlimm die Waren, die z.B. "in Milch schwimmen" oder durch den Aufdruck eines Getreidebündels suggerieren wollen, dass sie besonders gesund und herzhaft sind. Reine Augenwischerei. Lest mal hinten drauf! Zucker, dass es knackt.

Und doch... setzt man sich nicht intensiver mit Ernährung auseinander, so ist man sicherlich verführt, etwas "GUTES" für Kinder und Familie zu kaufen und greift zu. Obwohl... im Prinzip weiß man schon, was man vor sich hat. Aber es beruhigt doch ein wenig, wenn einem weisgemacht wird, dass es soooo gesund ist.

Light- und fettarme Produkte sind meistens dezenter in der Farbgebung. Gerne pastellig oder mit "natürlicherem", "leichterem" Touch, sowohl von der Aufmachung her als auch z.B. vom Schriftzug.

Aber wie erreicht man den "Status" fettarm?

Genau, wenn ich etwas aus einem Produkt herausfische, muss ich etwas anderes beifügen. Das sollte billig sein, sonst ist der Gewinn nicht so groß. Also wird Luft untergequirlt oder z.B. äußerst ungünstige KHs beigemischt. Vergleicht mal ein Produkt in seiner Ursprungsversion mit einem Lightprodukt. Sehr interessant!

Lagetechnisch sind diese Produkte am zweitwichtigsten. Halt hinter den grellen Kollegen!

Als LCHFler verbringt man - gerade in der Anfangszeit - viel mehr Zeit in den Supermärkten. Man muss sich ganz anders mit den einzelnen Produkten auseinander setzen und sich viel, viel bücken.

Der Vergleich einzelner Produkte untereinander ist im Übrigen auch sehr lohnenswert. So reicht die Menge KH/100g allein in Sahnequark von 2,9g bis 5,4 g und wenn man darauf achtet, möglichst wenige KHs zu essen, ist das durchaus ein Unterschied... Bei einem 250 g Pöttchen Quark lassen sich dabei bis zu 6,25 g KH sparen!

Die für uns besten Produkte sind entweder Bio oder lustiger Weise "Billigmarken". Die kommen zum Beispiel auch mal ohne Zucker im Bacon aus. Wahrscheinlich, weil sie kaum Gewinn machen würden, würden sie ihre Waren noch aufwändig "veredeln".

Nach einiger Zeit kennt man allerdings "seine" Produkte. Gezielte Griffe und schön ist.

Hat man sich so sehr im Supermarkt mit dem eigenen Einkauf beschäftigt, bleibt der Blick in die Wagen der anderen nicht aus. Und in gut 90% der Fälle sieht das sehr traurig aus. Ich sehe kaum einen Wagen, der nicht zu einem guten Teil mit Süßwaren, Eis, Convenience Food, "Tütchen" oder Chips gefüllt ist. Und sagen wir es so... viele Einkaufswagen sind an der Kasse sehr, sehr, sehr grellbunt.

Übrigens lassen sich vom Wageninhalt wenig Rückschlüsse auf die Besitzer schließen. Die sind nicht zwangsläufig dick. Nö.

Immer wieder mal stöber ich durch die Regale. So auch gestern. Dabei fand ich ein Produkt, auf dem es hieß, dass es sich um Remoulade handele, die "von Oma selbstgemacht" sei. Ist schon interessant, was Oma da so alles reinwirft... Es quoll in der Inhaltsangabe nur so von Süß- und Zusatzstoffen. Ich war versucht, das Produkt zu kaufen, um euch die Inhaltsstoffe mal in aller Ruhe aufzuschreiben, denn es waren so viele, dass ich sie mir nicht merken konnte... Aber dafür gebe ich doch nicht fast 2 Euro aus...

Augen auf beim Einkauf.

Ob LCHFler oder nicht. Schaut euch doch mal an, was ihr kauft. Genau wie ich.
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Kommentare:

  1. ja ist schon komisch - auch ich spickel öfters in den einkaufswagen anderer leute - verkürzt die wartezeit an den kassen ungemein - bis auf eine fertigsalatsosse (wenns mal wieder schnell gehen muss) kaufe ich nur noch "rohstoffe" ein - allerdings bin ich immer noch ziemlich dem obst verfallen und muss mich oft abends des öfteren ausbremsen

    liebe grüsse silke

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  2. Ich hatte heute morgen genau das, was Du gerade beschreibst und zwar beim Huettenkaese (den esse ich gerne als Low Carb Snack nach dem Training): Normal - 114 Kal/11.5 EW/3.4 KH/6.0 Fett. "virtually fat free" 93 Kal/9.0 EW/8.6 KH davon 8.5 Zucker / 2.1 Fett. Beide pro 100 gr, ist klar. Und der Kalorienunterschied macht es das nicht mal wert!

    Ich versuche auch, vor allem "Rohstoffe" zu kaufen und ich denke, jeder, der sich mit seiner Ernaehrung wirklich auseinander setzt, wird zu dem Ergebnis kommen. Natuerlich gibt es auch Ausnahmen, aber eber nicht jeden Tag.

    Bikey x

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  3. Hüttenkäse ist richtig gut. Vor allem auch vor dem Laufen, finde ich! Ja, es läuft darauf hinaus, Rohwaren zu kaufen. Es sei denn, man ist völlig auf dem Light-Zug unterwegs. Da gibt es ja satt und reichlich Convenience-Dreck!

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  4. Sudda, das ist eine tolle Empfehlung: "Bunt ist ungesund!". Ich versuch das mal meiner Enkeltochter (8 J.) beizubringen - mal sehn, ob das klappt. LG Rainer

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  5. Für solche Fälle, braucht man doch nur die Kamera im Handy herauszuholen und einen kurzen Schnappschuss zu machen. Das mache ich auch manchmal wenn ich einen unaussprechlichen Zusatzstoff nicht verstehe und ihn in Ruhe zuhause nachschlagen möchte :-)

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  6. >>>Die für uns besten Produkte sind entweder Bio oder lustiger Weise "Billigmarken". Die kommen zum Beispiel auch mal ohne Zucker im Bacon aus.>>>

    Hmm, die Billigmarken der Discounter leben von dem Ruf preiswert, aber gut zu sein. Sie stehen oft im Fokus der Tester und ganz viele Produkte bekommen ja auch gute Noten von Test und Ökotest. So werden auch zahlngskräftigere Kunden von A.ldi oder Lid.l angelockt.

    Markenprodukte leben eben vor allem von ihrem Namen - ist ja auch ein bischen Image, sich die leisten zu können - und das sie angeblich besser schmecken, liegt dann an dem ein oder anderem Zustazstoffe, den unsere Geschmacksnerven halt gewohnt sind. Wenn man bedenkt, dass selbst ein Bio-Erdbeerjoghurt Lichtjahre vom natürlichen Geschmack einer Erdbeere entfernt ist, kann eine echte Erdbeere eben nicht mithalten, wenn man bisher nur die "Erdbeerzubereitung" der Joghurthersteller kannte.

    Wenn man drauf achtet, stellt man übrigens fest, je teurer ein Produkt und je besser das Image der Marke, um so weniger steht über die Inhaltsstoffe auf der Packung :-(.

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  7. Sudda, das ist mal wieder ein toll geschriebener und obendrein informativer Artikel, den du da geschrieben hast. SUPER und DANKE dafür! (Man kann es nicht oft genug hören/lesen)

    Liebe Grüße,
    SOLEILrouge :-)

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