Montag, 8. November 2010

Mein Arm gehört mir!!!

Gestern war Sonntag. Gerne ein sterbenslangweiliger Tag. Aber der nicht.
Und weil so viel passiert ist, gehe ich einfach chronologisch vor.
Da müsst ihr jetzt durch.

Manchmal beschleicht mich der Eindruck, dass derjenige, der für das Schreiben meines Lebensdrehbuchs inklusive dazugehöriger Regieanweisungen zuständig ist, extrem Phantasie hat.

Anders kann ich das nicht erklären.

Warum?

Darum:

Gestern machte ich mich auf zur Bahn. Wollte ja Schmitt's endlich mal treffen.

Parkte mein Auto und ging zum Bahnsteig.

Auf dem Weg dorthin begegnete mir ein junger Mann auf seinem Fahrrad. Angetan mit orangefarbener Warnweste und Helm. Ein Blick in sein Gesicht machte eindeutig klar, dass er eine geistige Behinderung hat.

Er zirkelte mit seinem Rädchen und kam vor mir zum Stehen.

"Du hast aber einen schönen roten Schal!"

"Nein,", sagte ich, "der ist schwarz."

"Stimmt. Darf ich den mal kurz anfassen?", fragte er und nahm ihn einfach in die Hand.

Ich wurde verlegen. Fühle mich in solchen Situationen oft unsicher.

"Wo fährst du denn hin?", fragte ich ihn.

"Nach Düren. Das ist zwar sehr weit, aber ich bin ja schon groß. Ich darf das schon!"

"Oh!", sagte ich. "Das ist wirklich weit!"

Er nahm meine Hand, als wolle er sie schütteln, es ging alles so schnell und doch irgendwie Slowmotion, versuchte den Ärmel meines Mantels hochzuschieben.

Er strahlte mich warm an.

"Darf ich deinen Arm ablecken?", fragte er mich.

"Nein, das möchte ich nicht!", sagte ich.

"Das ist aber richtig schade,", entgegnete er mir traurig.

"Ja, aber so ist das eben. Ich muss jetzt zur Bahn."

Wir verabschiedeten uns und ich stieg in die Bahn.

Von meinem Platz aus konnte ich sehen, wie er noch eine Weile mit seinem Rädchen um die Parkplätze zirkelte, bis die Bahn ruckelnd anfuhr.
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Kommentare:

  1. Eine Begegnung der besonderen Art war das!
    Ich wünsch dir einen schönen Wochenanfang,
    liebe Grüße,
    SOLEILrouge :-)

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  2. Hm... warum ihm das wohl gefällt, deinen Arm abzulecken? So ein Verlangen hat mich noch nie heimgesucht *wunder.

    LG Tina

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  3. Cool reagiert, ich wüßte nicht ob ich das gekonnt hätte. Ich wäre wahrscheinlich zur Salzsäule erstarrt oder einfach nur weggerannt.

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  4. Oh mein Gott.....ich hoffe das passiert mir niemals. Ich wäre vielleicht nicht so cool geblieben oder doch? Ich weiß es nicht. Aber das ist auch so eine Geschichte die man in ein Buch nicht schreiben darf, weil der Lektor sie ohnehin rausstreichen würde, weil unglaubwürdig. Aber so ist das Leben, voller Überraschungen......
    Ju :->

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  5. @Schatzepummel

    Salzsäule und einen schleckenden Menschen am Arm? Waaaaa...

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  6. na immerhin hat er gefragt und ist nicht einfach zur Tat geschritten *gg*

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  7. Es ist so verdammt schwer, in solchen Situationen die "richtige" Reaktion abzuliefern und ich finde, Du hast das toll hinbekommen!

    Und ich finde die Frage und das Tun dieses Radlers viel weniger verwerflich als den abartigen Spacken, der mir einen "Handkuss" bis zum Schultergelenk gegeben hat! Weil dessen Handeln halt leider mit weit weniger "reinen" Gedanken behaftet war!

    Liebe Grüße
    Britta

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  8. Wobei du da ja - wie gesagt - noch echtes Glück hattest... Weia!

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  9. boar ...ich glaub ich hätte dem den Schal geschenkt und hätte dann das weite gesucht ...mal im ernst ...solche Menschen sind manchmal auch körperlich sehr stark ....das hätte auch anders ausgehen können! Hast aber sehr cool reagiert ...Kompliment!

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  10. Eh, das war aber mein Lieblingsschal. *grins* So ein riesiges, flauschiges Teil. Mehr ein Tuch. Geht gaaaaarrrrr nicht.

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