Sonntag, 10. Januar 2010

Ich weiß schon, weshalb ich keine Berge mag!

War ich also mit dem Mann auf dem Berg. Und ganz eigentlich weiß ich doch, dass ich nicht gerade eine Freundin von stärkeren Bodenerhebungen bin.

Warum also? Warum verdammt?
(Das waren die Gedanken, die mir nach nur einem Viertel der Strecke unablässig durch den Kopf schwirrten...)

Dieser "Berg" liegt quasi um die Ecke rum. Ich bin ja auch öfter da, aber in der Regel treib ich mich entweder am Fusse des Berges oder maximal bis zur 2. Etage herum. Der Berg hat aber 4 Etagen!

Heute Morgen verkündete ich dem Mann gegenüber noch recht vollmundig, wie froh ich sei, heute Mal vernünftig Bewegung zu bekommen und wann wir denn endlich losziehen würden.

Der Mann lächelte so komisch...

Wir zogen los.

Vorbei an der Rodelbahn an der heute natürlich ordentlich was los war.

Der Hund war auch mit dabei und seelig, dass sie heute Mal gescheit laufen durfte. Wenn der Mann dabei ist, ist laufen ohne Leine nämlich kein Problem. DEM hört sie zu UND gehorcht, wenn er ruft!

Zuerst kamen wir an diesem lustigen Schild vorbei.

Da konnte ich noch lachen!






Hier seht ihr eine kleine Übersicht des Berges mit Pfeilangabe, wo ich gerade stand, als dieses Foto gemacht wurde...

NÄMLICH SCHON AUF DER 4. ETAGE!!!






Zu diesem Zeitpunkt war ich puterrot im Gesicht angelaufen... Ich hatte es für clever gehalten, mich für diesen Trip sehr, sehr warm anzuziehen.

ABER... 1 T-Shirt, 1 Pulli, 1 Fleecepulli und eine unschöne Tchibo-Regenjacke sind wohl doch zuviel...


Mir perlte der Schweiß den Rücken runter und die Lunge pfiff in den wirklich harten Steigungen "Oh La Paloma!".

Ich war dann auch recht zackig nicht mehr allzu gut drauf.


Der Mann stapfte vor mir durch den unberührten Tiefschnee. Der war logischer Weise deshalb unberührt, weil kein Idiot ausser uns da oben lang gelatscht ist!!!

Er also voran, sein wunderbares neues Fernglas im Anschlag. Ich murrend hinterher. Da oben pfiff ein eisiger Wind und ich schützte mich davor mit meinem Houdini-Tuch vor dem Mund und Mütze auf dem Kopf sowie Sonnenbrille für die empfindlichen Augen...

Mann dreht sich um, Mann lacht!

FRECHHEIT!

Ich sauer rumgemeckert. Das durfte ich aber auch nicht, weil mein Mann ja WILD beobachten wollte.

Iss klar, eine kreischende Dampflok stampft den Berg hoch mit einem fröhlich überall herumhüpfenden Hund, der alle Gebüsche der Umgebung durchspringt und der Mann glaubt, dass er WILD sehen kann?

Tssss... tssss...

Jetzt weiß ich auch, warum man am Berg immer wieder auf diese dezenten Hinweisschilder trifft:






Die schwarze Seele war wieder voll in ihrem Element. Hier wieder ein Foto vom normalen Betriebszustand des Tieres, nämlich rennend:






Ich habe eine Menge Fotos vom Hund gemacht, um ihn mal STEHEND abzulichten, aber das ist nicht so häufig gelungen. Aber bitte sehr, hier haben wir eines:






Gegendtechnisch war es ganz nett. Aber das erkenne ich erst jetzt, wo ich mir die Bilder am PC ansehe...

Meine Beine fühlten sich wie Bleiplatten an, es ging ewig bergauf und mein Mann begab sich auch noch mit einem einzigen Kommentar in Lebensgefahr! (Oder besser: Wie oft denkt ihr im Monat im Schnitt vorübergehend an Scheidung?)

Er trug meine schlaue GPS-Technik am Arm und just in dem Moment, in dem ich mir überlegte, ob ich mich nicht einfach zum Sterben auf den Boden legen solle, rief er mir nach einem Blick darauf "aufmunternd" zu:

Schatz, mach mal hinne. Du versaust uns die Durchschnittsgeschwindigkeit!

Ja, ist klar!

Aber auf der anderen Seite hat er mich auch schwer gelobt!!! Die Tour war nämlich wirklich anstrengend und das wußte er auch anzuerkennen. So ist jetzt nicht. Und ich wusste ja gleichzeitig auch, wofür ich das überhaupt mache.

Hier also die nicht wirklich genossene Landschaft:









Dieses Foto von meiner schwarzen Seele finde ich besonders schön:






Ganz oben gibt es sogar einen Wetterradar:






Und doch... Ich habe es geschafft.

15 Kilometer, davon die Hälfte rasant BERGAUF, in 3 Stunden und 34 Minuten mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von respektablen 4,2 km/h (Idiot!).

Danach gab es erst den Milchkaffee, dann die heiße Wanne. Der Ofen ist jetzt an, es knistert heimelig vor sich hin und ich werde es mir gleich so richtig gemütlich machen, vielleicht ein wenig meditieren und versuchen die Momente des Tages zu verdrängen in denen ich mich wie folgt fühlte:




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