Montag, 24. Mai 2010

Satz mit X - dat war wohl NIX!

Am Samstag war der Mann gesundheitlich noch nicht in der Verfassung, das Ahrtal zu durchklimmen und bezwingen...

Also ruhten wir am Samstag und wanderten am Sonntag. Es war schon richtig schön warm, als wir am Parkplatz in Kalenborn oberhalb des Ahrtals ankamen, die Vögelein zwitscherten, ich war höchst motiviert und bereit mich der 18 Kilometer langen - ÄUSSERST BERGIGEN Herausforderung zu stellen.

Der Mann durfte den Rucksack mit dem Proviant und sonstigem Zubehör schleppen, dafür hatte ich den GARMIN (meine intelligente Trainingsuhr) am Gelenk und das ist auch schon nicht von schlechten Eltern (die ist nämlich relativ groß).

Erst ging es bergab durch den Wald und ich war höchst erfreut, zu sehen, dass wir doch mit einer Durchschnittgeschwindigkeit von 5,7 km/h unterwegs waren. Schon bald verliessen wir den Wald und stießen auf die Weiten des Ahrtals... Hier sieht man genau den Übergang. Das ist total schön!





Und dann geschah der SUPERGAU!!

Bei ziemlich genau KILOMETER 3, verreckte meine rechte Ferse. Eine Blase von gefühlten 5 m² machte sich bemerkbar.

UNFASSBAR!

Denn mit diesen Schuhen war ich bereits den ganzen Winter problemlos gewandert. Die sind eigentlich ultrabequem und haben noch nie gedrückt.

Ich befürchte, dass die Kombination aus Zyklus und Hitze nicht gut für die Füsse ist. Anscheinend haben sie sich dadurch extrem breit gemacht. Anders kann ich mir das nicht erklären. Zum Glück hatte der Mann Blasenpflaster dabei...




Was ich an dieser Stelle noch nicht bedachte (bin ja ne Harte. Hmmm... oder vielleicht eher eine Naive und Dumme... ich sag jetzt mal nix!), war, dass ich noch 15 Kilometer vor mir hatte, wovon der größte Teil (nämlich mindestens der komplette Rückweg) steilsten bergauf führen würde....

Also Pflaster dran, Schmerz verdrängen, heiter weiter...

Hier ein paar Impressionen des Weges:












Nach der Hälfte der Strecke ab in die Straußwirtschaft Riske in Dernau. Da kann man phantastisch essen und trinken und ausruhen. Meine Füsse summten an dieser Stelle übrigens schon. Zu diesem Zeitpunkt war ich einfach nur froh sitzen zu können....




Ab der Halbzeit wurde der Weg echt beschwerlich. Der Fuss brannte wie Feuer und ich ging zu so einem platschenden Schritt über (also der ganze Fuss wird aufgesetzt, damit man nur ja nicht mehr die Ferse berührt). Das führt aber gleichzeitig auch dazu, dass man heftig mit dem Oberkörper ausgleichen muss. Ab der Pause ging es auch fast nur noch bergauf. Bergauf bedeutet, dass man in den Schuhe wohin rutscht?

GENAU... IN DIE FERSE.

Und NEIN, rückwärtsgehen ist keine Option auf Dauer.

Ich musste dann auch das Pflaster erneuern, weil es derbe verrutscht war. Alles in allem fühlte ich mich, als müsse der Fuss bald amputiert werden...





Hier zur Entspannung noch ein paar hübsche Bilder der Strecke von Dernau nach Mayschoss...





An dieser Stelle sah ich die Weinberge hinauf und wusste, dass unser Parkplatz noch weit hinter dem dort zu sehenden Wäldchen lag... Alles klar?




Wieder mussten wir eine Pause machen. Es war glühend heiß. Der Schieferstein in den Weinbergen erhöht die Temperatur deutlich und die Brisen, die dort aufkommen, sind WARM!

Auf diesem Foto sehe ich dann auch nicht mehr allzu entspannt aus. Und hätte ich mir nicht am Morgen mit 15er LSF das Gesicht eingecremt, dann hätte ich mir wahrscheinlich auch noch deutlich die ""FRAISE" verbrannt (das klingt netter, finde ich!).

Zusammengefasst lässt sich sagen, dass ich an dieser Stelle nicht wirklich gut drauf war.




Und es ging weiter und weiter...




Bergauf und bergaufer!

Mit so ermunternden Anfeuersprüchen des Mannes wie etwa... "NOCH 80 HÖHENMETER... DU SCHAFFST DAS!"




Damit man richtig Spaß bekam, ein paar Treppen... Übrigens nicht mit an der Schritthöhe genormten Stufen. Neinnein... Man durfte immer schön die Knie bis unter das Kinn ziehen!

Eigentlich wollte ich hier schon die Schuhe ausziehen, barfuss weiterlaufen und die Teile in die Tiefe stürzen.

Mich vielleicht hinterher...

Aber sagen wir es mal so... Noch 7 Kilometer bis zum Auto!!

Fragen?




Kein Bock mehr auf Fotos. Ab durch die Hecke mit Sudda...




Ich war selten so froh, mein Auto zu sehen. Heldenhaft wollte ich meinem Mann bei dieser Wanderung zeigen, wieviel Kondition ich in den vergangenen Monaten gesammelt habe. Ich wollte unseren Zeitrekord brechen. Ich wollte IHN vielleicht sogar mal japsen sehen, oder zumindestens sollte er mich gehörig bewundern.

Gut, ich wurde bewundert... für den extremen Teint, den ich im Gesicht bekommen habe und auch dafür, dass ich auch noch die letzen 5 Kilometer geschafft habe, obwohl ich echt nur noch gehumpelt bin. Dazu ruderte ich mit dem Oberkörper... wahrscheinlich optisch eine Trottellumme auf Drogen oder so... Ich weiß es nicht.

Und doch... Ich hab überlebt. Und wir haben die 18 Kilometer geschafft, wenn auch nur mit einem Zeitdurchschnitt von 4,2 km/h. Ich versuche nachher mal die Daten vom Garmin auf den Blog zu spielen, dann könnt ihr euch das Elend mal auf ner Landkarte ansehen...

Abends bekam ich wegen der ganzen verkniffenen Haltung extremste Rückenschmerzen. Ich hab mir erfolgreich was in der Rückenmitte eingeklemmt (rechte Seite). Darum habe ich in dieser Nacht nur 1-2 Stunden geschlafen. Konnte nicht sitzen, nicht stehen, nicht liegen, bin nur auf und ab gewandert.

Hypochonder wie ich haben dann natürlich mindestens einen Bandscheibenvorfall. Ich war dem Sterben nahe! Ich schwör.

Doppelte Dröhnung Schmerzmittel, Wärmflasche und absolute Müdigkeit ließen mich dann heute Morgen nochmal drei Stunden schlafen. Dann noch tolle Massage von der Tochter und es geht mir bereits viel besser...

Jaja, das Ahrtal ist definitiv eine Reise wert...

Aber überdenkt euer Schuhwerk... Ich mach heute ein langes Fussbad. Und ihr???

Schöne Restpfingsten!
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