Montag, 14. Juni 2010

wie es war #1

Der Elternabend ist zu Ende. Wieder mal Laberrhabarber im großen Stil. Draußen ist es dunkel und nass. Schleiche Richtung Parkplatz.

Was hab ich mich wieder unwohl gefühlt. Selbst mein betont cooler Gesichtsausdruck konnte mich nicht vor meinem mangelnden Selbstbewusstsein schützen. Und wieso ist das immer im dritten Stock? Wie soll man mit 120 Kilo lässig im Klassenraum ankommen, wenn man erst einmal so viele Treppen hochsteigen musste? Wenn man oben krampfhaft versucht, nicht aus dem letzten Loch zu pfeifen?

Ich gehe den längeren Weg zum Parkplatz. Der ist sehr dunkel und unheimlich. Aber es hat seinen Grund, dass ich diesen Weg wähle.

„Wie lange dauert das denn heute bei dem Elternabend?“, hatte die Familie mich gefragt. „Keine Ahnung, das kann ewig dauern“, hatte ich entgegnet.

Mein Gewissen hängt jetzt schon bis zum Boden durch. Echt. Kriecht in meine schweren Beine, die über den Asphalt platschen. Warum mache ich das nur? Wieso hält mich auch jetzt nichts auf? In der Ferne sehe ich die Leuchtreklame des Burgertempels. Ich schwör, man riecht es bis hierher. Ich werde magisch angezogen, zögere einen Moment, bevor ich dort hineingehe.

Eigentlich hatte ich mir geschworen, das nicht zu tun. Aber warum habe ich mir dann das Hintertürchen offen gehalten und behauptet, Elternabende wären schier endlos?

Eigentlich will ich das nicht. Ich hab doch heute schon so viel gegessen. Ich will doch abnehmen.

Ab Morgen. Ganz bestimmt. Morgen ist ein guter Tag. Da hab ich nicht so viel vor. Oder so. Nein, eigentlich will ich das nicht…

„Ich nehme vier Hamburger, eine große Cola und zwei große Fritten. Den einen Hamburger bitte ohne Zwiebeln, das mag meine Tochter nicht. Die haben Hunger zuhause.“

Das interessiert die Frittenfachverkäuferin überhaupt nicht. Die macht ihren Job. Unsicher sehe ich mich um. Sieht mich jemand an? Was denken die jetzt? Fetti kauft ein?

Nervös pelle ich das Geld aus dem Portemonnaie, zahle, raffe die Tüte an mich und verlasse den Ort des Geschehens. Warm dampft der Duft aus der Tüte in meine gierigen Nasenlöcher.

Ich eile – so gut ich kann – zum Auto. Wenn ich doch nicht so Rückenschmerzen hätte. Schäme mich einen Moment, weil ich so unelegant ins Auto steigen muss. Ich denke, es wird nicht lange dauern, bis ich wieder ein Loch ins Polster der Seitenpolsterung gewetzt habe, so wie ich darüber scheuern muss, um einzusteigen.

War bei dem alten Auto auch nicht anders. Ein Schandloch.

Der Parkplatz ist relativ leer. Klar, ist ja auch schon nach 21 Uhr. Aber sicher ist sicher. Ich suche mir einen abgelegenen Platz, steuer das Auto dorthin. Ist ja nicht das erste Mal.

Scheinwerfer aus, atmen.

Die Tüte knistert unter meinen nervösen Fingern. Das Kondenswasser tropft aus dem Verpackungsmaterial auf meinen Schoß. Oh nein, Flecken. Hoffentlich sieht man die nachher nicht. Aber jetzt ist alles egal. Gedankenlos stopfe ich alles in mich hinein. Ein Burger folgt dem nächsten. Gut, die sind ja auch nicht soooo groß. Die Pommes pieken im Rachen, wenn man die ganz reindrückt. Egal. Ich spül das mit Cola runter.

Und dann die große Leere.

Leere in der Tüte, Leere in meinem Hirn, Leere in meinem Herzen.

Einen Moment lang kann ich nichts mehr denken. Das ist so selten, oder?

Ich knülle die Papiertüte zusammen und stopfe sie in mein Handschuhfach, umklammer mein Lenkrad. Ich merke, dass mein Gesicht ganz heiß wird. Tränen laufen mir über das Gesicht. Kann sie nicht bremsen. Schluchze laut.

Ich brauche eine Viertelstunde, bevor ich losfahren kann.

Zuhause sind alle im Bett. Es ist ja auch schon spät. Der Elternabend hatte eben länger gedauert.

Ich schleiche ins Bett. Im Spiegel ansehen kann ich mich heute eh nicht mehr…

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46. Wiegetag - nach 10 Monaten 1 Woche und 4 Tagen

Lölölöööööööö!

Tiriliiiii...

Des langen Gezwitschers kurzer Sinn:

93,1 kg

Gut, was?

Eine Abnahme von respektablen 600 g innerhalb der letzten Woche (trotz Weißwein) und somit ein Gesamtverlust von 27,8 kg.

Werde heute Abend den Mann mal auf die Waage zerren. Allzu weit kann ich nicht mehr von ihm entfernt sein. Der verhält sich ein wenig wie ein Diva, was das angeht...

ICH KRIEG DICH EH! (wär ja auch schlecht, wenn nicht...)

Darauf einen Kaffee und ein entspanntes "Ommmmmm" für die kommende Woche!
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