Freitag, 15. Oktober 2010

Die Sudda mit der Maus

Wir haben einen recht wilden Garten. Und wie sich das so für recht wilde Gärten gehört, haben wir am hintersten Eck einen Kompostkasten. So einen häßlichen aus Plastik. Schwarz mit Deckel. Schnellkomposter oder so.

Der ist so häßlich, dass wir einen großen Hollunder davor gepflanzt haben. Der ist wiederum wunderschön, weil wir den alljährlich auf Baum trimmen. Also kein wildes Gebüsch, sondern wirklich hübsch.

In dem Kompostkasten wohnt seit gefühlten ewigen Zeiten eine Maus. Wir nennen sie die Kompostmaus. Als ich sie damals zum ersten Mal entdeckte - ich öffnete den Deckel des Kastens - starrte sie mich eine Millisekunde an und verschwand dann. Ich weiß nicht, wer sich mehr erschreckt hat, Maus oder ich.

Nein, nicht falsch verstehen. Ich hab nix gegen Mäuse. Und ich hab vor allem keine Angst. Aber das war so unerwartet, dass ich automatisch erschreckt reagiert habe.

Kompostmaus lebte sich gut ein und wurde nach und nach zutraulicher. Abends zieht sie ihre Runde durch den Garten. Aber nicht dezent leise... nöööö, laut piepsend beginnt sie ihren Weg vom Kompostkasten an der Mauer entlang, über das Hügelbeet... Ziel: Hundenapf.

Sie liebt Trockenfutter!

Leider ist unser Hund ein wenig egoistisch und so bleibt selten auch nur ein Krümel übrig.

Ist der Napf leer kehrt die kleine Maus noch lauter fiepend über das Hügelbeet, an der Mauer entlang wieder zurück zu ihrem Kompostkasten. Man kann hören, dass sie dann wirklich so richtig beleidigt ist.

Kompostmaus kann es sich im Übrigen leisten laut fiepend durch den Garten zu ziehen. Der ist nämlich katzenclean! Der Hund vertreibt alles, was sich im Garten regt... Vögel, Katzen, ich hab auch schon tote Wühlmäuse gesichtet (örks). Alles, außer die Kompostmaus.

Kompostmaus hat Narrenfreiheit. Darf tun, was ihr behagt. Vom Hund als Haushaltsmitglied voll akzeptiert (im Gegensatz zum Igel, der zumindest schwer verbellt wird. Was unseren Igel aber im Übrigen nicht beeindruckt!).

Also zieht Kompostmaus gerne mal abends auch quer über die Wiese und sammelt sich das, was ihr behagt, ein. Ich gehe abends also eher im Schleppschritt durch den Garten. Schließlich will ich sie nicht eliminieren.

Sitze ich auf dem Holzdeck und trinke eine Tasse Kaffee und telefoniere, kann es vorkommen, das die Maus just in diesem Moment auf dem Weg sonstwohin unter dem Deck her vorbeiläuft und piepst. Ist halt so.

ABER...

Vorgestern sitz ich so in meinem Garten und genieße das Leben und die letzten Sonnenstrahlen.

Kompostmaus kreuzt meinen Weg (die Wiese) im Abstand von 5 m. Stockt... bleibt stehen... schaut mich an (ich schwör!). Tochter beobachtete die Situation vom Zaun aus.

Maus kommt einen Meter näher. Ich lache noch.

Maus stockt, setzt sich, schaut mich an. Rückt wieder einen Meter näher.

Ich denke "Hhhhmmmmm!"

Maus rückt noch einen Meter näher. Nur noch eine kurze Strecke trennt uns. Sie starrt mich an und kratzt sich. Mir gefriert ein wenig das Lächeln.

Als sie weiter auf mich zukommt, springe ich auf und geh mal lieber ins Haus.
Wer weiß, vielleicht war das eine Wermaus? Oder Tollwut? Blutrünstige Killermaus?

Was soll ich sagen. Ich wurde ausgelacht. Von der Familie und ganz sicher auch von der Maus.

Aber das war mir echt unheimlich!

Hinterher dachte ich noch, dass das vielleicht gar nicht unsere Maus war, sondern Pieps (kennste nicht? drauf klicken!).

*gruselgrusel*


P.s. Gestern versuchte sie im Übrigen meinem Sohn den Weg in die Garage zu versperren, wohin er sein Skateboard bringen wollte. Gar nicht witzig!
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