Dienstag, 30. November 2010

Grenzwertig

Neulich, auf dem Weg von der Arbeit nach Hause, passierte ich eine kleine Baustelle im freien Feld zwischen Stadt X und Gemeinde Y (in der ich wohne). Über die Straße hatte man einen Wasserschlauch gelegt, der nun allerdings zerrissen war, was wohl nicht weiter verwunderlich ist, wenn man weiß, dass nicht nur das ein oder andere Auto, LKWs, Busse und vor allem Traktoren mit je zwei Anhängern voll Zuckerrüben darüber brettern.

Aus dem Schlauch lief ordentlich Wasser auf die Straße.

Exquisite Bürgerin, die ich nun mal bin, rief ich sofort bei der Gemeinde Y an. Zunächst hatte ich das Vergnügen, der Dame an Rezeption mein Anliegen vorzutragen, nur um es im Anschluss dem Herrn des Ordnungsamtes noch einmal zu erklären.

Ich erläuterte genau, was ich wo gesehen hatte.

SPRECHPAUSE!

Im Geiste malte ich mir aus, wie er mir zu meiner hervorragenden Weitsicht gratulieren würde, sich überschwänglich bedanken und sofort alles Nötige veranlassen. Zu dem Zeitpunkt hatten wir zwar keinen Schnee, aber es war doch sehr frostig, so dass ein Überfrieren der Wassermassen zu befürchten war. Und auf dem platten Land könnte das durchaus zügig eine tolle Eishockeyfläche abgeben.

Es murmelte. Mich beschlich der Eindruck, dass er gerade ein Brot aß. Gut, war ja auch halb 2. Da kann man schon mal Hunger haben.

„Wo sachen Sie iss dat?“

Noch einmal beschrieb ich die Stelle.

„Iss dat denn noch dä Gemeinde Y oder iss dat schon dä Stadt X?“

Da war ich einen Moment baff und das ist erst einmal zu schaffen.

„Ääähhh….“

Mein Hirn rotierte. Mein Landvermessungsmodul sprang einfach nicht so recht an.
Als ich aber hörte, dass er weiter sein Brot kaute, wurde ich mit einem Mal richtig sauer.

„Hönnsema… Ist das jetzt mein Problem oder Ihres? Mir sind persönlich die Grenzen nie mitgeteilt worden und ich erwarte, dass Sie sich umgehend darum kümmern. Wenn es nämlich heute Abend glatt wird, haben Sie oder die Stadt X ein Problem. Nicht ICH!“

„Iss ja schon juut. Isch kümma misch.“

Das war es.
Also so was.

Erbost rief ich Tatie T. an. Sie fand das richtig lustig, denn sie hatte den zerrissenen Schlauch auch gesehen, erwogen die Gemeinde anzurufen, es aber unterlassen, da sie genau diesen Dialog schon erwartet hatte.

Eine Stunde später passierte ich die Baustelle wieder und der Schaden war behoben.
Immerhin.

Heute Morgen kann ich stolz verkünden, dass ich bereits schon so früh etwas gelernt habe:

Ich kenne jetzt die Grenze zwischen der Stadt X und der Gemeinde Y ganz genau!

Stadt X hatte den Schnee schon perfekt von der Straße geräumt, während Gemeinde Y anscheinend noch ein Brot essen musste.

Hab ich mir direkt gemerkt.
Also für den Fall, dass so etwas noch einmal vorkommt.
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