Freitag, 21. Januar 2011

Nicole Lindborg und der Anfang

Im Moment beschäftigt mich enorm die Freude darüber, wie sehr mein Leben sich in den letzten Monaten verändert hat. Ich sehe mich bewusst im Spiegel an, scanne alle Veränderungen ab. Ich gehe laufen und spüre, wie gut dieser doch über Jahre geschundene Körper doch noch funktioniert, ich sehe meine alten Fotos und empfinde Traurigkeit für das, was war und gleichzeitig Dankbarkeit darüber, dass es sich doch so sehr zum Besseren gewendet hat.

Wer hätte das gedacht?

Ich denke, die meisten Menschen in meiner Umgebung nicht. Gut, der Mann hat immer fest geglaubt und gehofft, selbst als ich persönlich schon kurz vor der Resignation war.

Wie Resignation in diesem Fall aussieht?

"Ich mag mich so wie ich bin. Dann bin ich eben dick, aber ich bin trotzdem ein wertvoller Mensch" als Ansage nach "draußen", aber nicht wirklich im Brustton der eigenen Überzeugung.

Wisst ihr eigentlich, wie ich überhaupt zu LCHF kam?

Ich war auf einer Internetplattform (damals bei wkw, heute bin ich dort nicht mehr) in einer Gruppe, in der sich Interessierte auf Schwedisch "unterhielten". Und dort schrieb eine Frau namens Nicole Lindborg eines Tages über LCHF, wie populär es in Schweden sei und dass man damit toll abnehmen könnte. Sie riss nur kurz an, wie es funktioniert, aber es hat mich in den Bann gezogen.

Aha, sie schrieb dazu, dass sie ein deutsches Forum habe. Aber das scherte mich zunächst nicht weiter, denn wenn sie behauptete, dass LCHF in Schweden "groß" sei, dann lag es ja näher, zunächst einmal die schwedischen Internetseiten zu durchforsten.

Und so begann ich zu lesen und lesen und lesen. Und mir ging eine Glühbirne nach der anderen auf.

Aha!

Mir selbst erschienen die Erklärungen völlig logisch, wusste ich doch aus früheren Diäterfahrungen, dass zumindest LC (low carb) bei mir funktioniert hatte. Darüber hinaus war ich schon von jeher eine fleischfressende Pflanze, der "Speiseplan" entsprach meinen Vorlieben.

Mit diesen Infos im Hinterkopf fuhr ich nach Schweden in Urlaub. Wollte mich dort mit Büchern eindecken. Und schon mal versuchen, ein wenig die KHs zu reduzieren. Aber ich war emotional noch weit entfernt von "dem" Punkt.

Den Urlaub verbrachte ich damit, meinen dicken Hintern hoch zu bekommen und viel mit dem Mann zu wandern. Ich verzichtete auf Süßigkeiten, aß im gesamten Urlaub nur ein einziges Eis (aber noch Pizza, Kartoffeln, blabla). Trotzdem fühlte ich mich schon durch diese relativ geringe Reduzierung der KHs schon viel besser und energiegeladen. Ich hatte das Gefühl, dass ich abnahm. Ich hatte das Gefühl, deutlich besser auszusehen.

Und genau darum ließ ich mich fotografieren. Auf dem Stein. Mein bekanntes Vorherbild. Die Aufnahme entstand im Rahmen einer unendlichen Wanderung (so kam es meinen schmerzenden Füßen damals vor... letztes Jahr gingen wir die Strecke wieder und ehrlich... es war ein SCHERZ!).

Ich setzte mich selbstbewusst auf den Stein, ließ mich fotografieren und war der felsenfesten Überzeugung, dass gerade ein Meisterwerk entstand. Die Vorfreude auf ein tolles Foto von mir nach all den Jahren war gigantisch.

Zuhause vor dem Rechner... die Fotos des Urlaubs flackerten auf dem Bildschirm auf. Ich hatte Magensausen vor Freude. MEIN Foto.

Die Familie um mich herum. Ich konnte es kaum noch aushalten.

Und als ich dann mich, fett wie Plumpaquatsch, auf dem Stein sitzen sah, wurde mir schlecht und mir schossen die Tränen in die Augen. Als hätte man mir die rosarote Brille von der Optik gezogen. Den Boden unter den Füßen weggerissen.

Ich schluckte und schämte mich. Und während meine Kinder vor Verzückung in größten Jubel über das tolle Foto ausbrachen ("Mama, was für ein tolles Bild. Du bist so schön!"), wurde mir schlagartig klar, dass es so nicht weitergehen konnte, dass der Weg vor mir enorm und nicht mit zwei Wochen halbherzigem LCHF zu ebnen war.

So eine Situation wäre normaler Weise die beste Grundlage für ein ausgiebigstes Fressessen gewesen. Aber ich hatte im wahrsten Sinne des Wortes "die Schnauze voll", die Kehle zugeschnürt, da ging kein Essen durch!

Stattdessen las ich zum ersten Mal in Nicoles Forum (www.lchf.de/forum) und mailte sie an. Ich wollte mitmachen. Jetzt. Hoffentlich würde sie sich schnell melden!

Und das tat sie.

Ich fing an im Forum mitzumischen. Damals war dort bei Weitem noch nicht so viel los wie heute. Und ich war gleichzeitig sehr scheu, denn die "alten Hasen" dort, wussten irgendwie alles und ich irgendwie nichts. So kam es mir vor. Aber ich ließ mich nicht verunsichern, machte meine Fehler, korrigierte, las und kam vorwärts.

Es entstand ein Mailkontakt zwischen Nicole und mir. Sie beantwortete geduldig alle meine manchmal wohl recht merkwürdigen Fragen. Obwohl sie sicherlich öfters mal kräftig lachen musste.

Wir verstanden uns richtig gut. Das ging ganz schnell und völlig natürlich. Die Mails wurden persönlicher und ich werde nie vergessen, als wir die ersten Male telefonierten. Wenn geschriebenes Wort eine eigene Stimme erhält... Interessant!

Und wir kamen auf wilde Ideen... Der Womens Run. Wir beschlossen zu laufen und wenn es das letzte in unserem Leben wäre. Nicole wollte extra dafür aus Schweden einfliegen. Mitlaufen. Eine eigentlich doch wildfremde Frau zuhause besuchen. Und ich? Ich wollte eine eigentlich wildfremde Frau bei uns aufnehmen.

Merkwürdig und doch völlig natürlich!

Vorher trafen wir uns in Schweden als ich dort im Urlaub war. Und ehrlich? Das hat mich total beruhigt und meine Vorstellung von Nicole unterstrichen. Alles prima.

Seitdem wurde viel geschrieben und gesprochen. Nur eins hab ich noch nie so wirklich richtig getan. Und das möchte ich jetzt machen.


Liebe Nicole,

vielen Dank für so vieles...

Dafür, dass du LCHF nach Deutschland gebracht hast.

Dafür, dass du das Forum aufgebaut hast.

Dafür, dass du mir immer geduldig zuhörst und mir auch schon so manches Mal heftig auf die Finger gehauen hast.

Dafür, dass du mich mit neuen Ideen versorgt hast.

Dafür, dass du für mich da bist.

Dafür, dass man sauviel Spaß mit dir haben kann.

Dafür, dass du Vertrauen in mich setzt.

Wo wäre ich heute ohne dich?
Ich hatte doch schon fast alles "durch".

Eines Tages werde ich mich gebührend revangieren. Problem ist nur, was ist "gebührend"?

DANKE!

Deine Sudda

P.s. Hömma! Vergiss nicht... Nach dem Women's Run ist vor dem Women's Run. Weißt du überhaupt noch, wo deine Laufschuhe sind?
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