Montag, 31. Januar 2011

78. Wiegetag nach 1 Jahr 5 Monaten 4 Wochen

Tschuldi-Gänse, aber ich hatte doch erst noch BauchBeinePo bei Schweinchen Schlau, gemeinsam mit datBea, Diaboli und Tatie T.

Wat mutt, da mutt und es war herrlich. Alles mal wieder dahin sortiert, wo es hingehört.

Also...

Ische zeigte sich semignädig und hauchte ein feines

83,8 kg

Damit bin ich einverstanden (tu jedenfalls so), denn das macht ein Minus von 300 g für die vergangene Woche und eine Gesamtabnahme von 37,1 kg.

Ich empfinde das jetzt einfach mal als die Trendwende. Genau wie ich beschließe, dass so langsam Frühling wird, egal, was ihr jetzt sagt. So.

Es ist keine Zunahme, kein Stillstand, auch wenn es nicht die Welt war.
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Esssucht

Bei mir ist die große Zeit des Grübelns und der Reflektion der vergangenen Monate angebrochen. Eben weil ich denke, dass das dringend nötig ist. Denn wenn ich am Ende meine Abnahme dauerhaft halten will, MUSS ich dieses Kapitel meines Lebens beackern, auch wenn es nicht so schön ist und streckenweise echt weh tut.
Ihr habt wohl schon in den vergangenen Wochen gemerkt, dass ich andere Töne in meinem tiefsten Inneren hervor grabe, das ist alles Teil des großen Ganzen. Abnehmen ist eben nicht nur der Verlust von Körperfett.

Auch wenn ich das nicht gerne wahrhaben will, aber dick werden hat in der Regel eine Ursache. Eine Wurzel. Eine fies entzündete Wurzel. Und DIE Wurzelbehandlung durch die ich durch muss… dagegen ist jeder entsprechende Zahnarztbesuch ein Spielchen.

Wenn man rasant abnimmt, quasi auf der Überholspur ist, meint man, dass Nichts und niemand einen aufhalten kann. Dass man es geschafft hat.

Ich kann mich daran erinnern, dass ich damals lange Gespräche mit Allerleirauh geführt habe. Über die Sucht, über Ursachen (zumindest im Ansatz) und ich war mir so sicher, dass mich das nicht mehr tangieren würde. Dass ich es schaffen könnte, ohne an mir und meiner Seele zu arbeiten.

Allerleirauh wünschte mir alles Glück der Erde und doch schwang ein gewisser Zweifel in ihrer Stimme mit. So weise die Frau. So dumm die Sudda.

Allerdings bin ich dankbar dafür, dass ich erst jetzt, mit der Distanz zu den wirklich fetten Zeiten, den Aufruf zum Be- und Abarbeiten verspüre. Denn jedes Mal, wenn ich mich mit meinen Emotionen auseinander setze, tut es weh und das Risiko, mich selbst abzubremsen, weil ich den Schmerz nicht ertragen kann, ist unendlich hoch.

Ist ja logisch.

Ich hab gegessen, WEIL ich meine Emotionen nicht zulassen wollte. Habe meine Gefühle mit dem Essen ausblenden können oder bildlicher gesprochen: An der Wand meiner Seele war ein dicker Fleck und ich habe ihn immer und immer wieder überpinselt.

Dummer Weise ist dieser Fleck aber ein Fettfleck (wie ironisch) und jeder, der schon mal angestrichen hat, weiß, dass man Fettflecken nicht einfach so überpinseln kann. Für den Moment mag das gut aussehen, aber früher oder später durchzieht das Fett die neue Farbe und ist wieder da. In alter „Pracht“, fettig und sichtbar. Oder eben in meinem Fall: spürbar.

Ich wurde also im Prinzip auch deshalb dick, weil ich mit Emotionen nicht umgehen kann. Weil das, was in mir wohnt, nicht einfach zu bearbeiten ist. An irgendeiner Stelle meines Lebens habe ich gelernt, dass man auf Frust, Langeweile, Wut, Trauer und auch auf übermäßige Freude mit essen reagieren kann. Dass es einen für den Moment beruhigt.

Warum ist das so?

Warum nicht in solchen Situationen schreien, toben, lachen, weinen? Warum essen?

Weil ich nicht NEIN sagen konnte.
Weil ich gemocht werden wollte, im Idealfall geliebt werden.
Weil ich alles für andere getan habe.
Weil ich gut sein wollte.
Weil ich brav sein wollte.
Weil ich meine Rollen perfekt erfüllen wollte.
Weil ich leide, wenn ich andere vor den Kopf stoßen muss.

Und da ich mich dafür verbiegen musste, meine eigenen Bedürfnisse zurückstecken, habe ich gegessen. Um mich zu spüren, um zu merken, dass ich da bin. Dass es mich auch noch gibt.

Essen ist ein schneller Kick.

He, wie lange braucht man für eine Tafel Schokolade?
Ich ca. 20 Sekunden.

Ein Brot?
Mindestens genauso schnell.

Ich hab mir nie aufwändige Sachen gekocht, es ging immer nur von der Hand in den Mund. Denn ich wollte meine Gefühle schnell abtönen und vor allem um Himmels Willen nicht dabei auch noch erwischt werden.

Wer schreit, tobt, weint… ist auffällig.
Stört das Gesamtbild.

Fressen geht im stillen Kämmerlein. Im Auto. Nachts der schnelle Zugriff in den Kühlschrank. Auf dem Weg vom Kiosk nach Hause. In der Jackentasche vergraben und immer schön verstohlen ein Stück abbrechen und im Schutze des Ärmels in den Mund schieben.

Ich kenne die Tricks. Ich kenne sie alle.

Der Weg bis hierher war relativ einfach und während ich ihn entlang lief, habe ich schon so vieles gelernt. So vieles über mich erfahren.

Aber das schreibe ich später auf. Dieser Post sprengt schon wieder alle Längennormen.

Was ich eigentlich damit sagen will:
Ich bin noch lange nicht am Ziel. Ich lerne gerade. Auch wenn ich der Optik nach mittlerweile schon recht normal aussehe.

Heute ist der Fettfleck an meiner Seelenwand bei Weitem nicht mehr so groß wie früher, er ist herrlich klein geworden, weil ich ihn anders behandele als nur durch "überstreichen" und Außenstehende sehen ihn vielleicht nicht einmal.

Aber ich sehe ihn und ich weiß vor allem, dass er da ist.

Ganz verschwinden wird er wohl nie. Ein Rest wird bleiben. Aber ich will lernen, damit leben und umgehen zu können.

Der erste Schritt dazu ist und bleibt die Einsicht:

Mein Name ist Sudda und ich bin esssüchtig!

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