Donnerstag, 10. März 2011

Neulich beim Dealer

Verstohlen schlug ich den Mantelkragen höher und sicher nicht nur, um mich vor dem kalten Wind zu schützen. Den Schal ordentlich um 2/3 des Gesichts drapiert.

Ich stand vor dem Laden.
Wollte zum Dealer.

Beobachtete die Menschen, die nichtsahnend die Fussgängerzone entlang wandelten. Als ob es hier in diesem Laden nicht den Stoff gäbe.

Hektisch warf ich einen Blick nach links und nach rechts und enterte dann zielsicher das Ladenlokal.

*ssshrrrrrriiinnngggg* machte die Türglocke und jagte mir Adrenalin in die Blutbahn.

Der Laden war gut getarnt, das musste man dem Dealer - pardon - der Dealerin lassen. Es roch seltsam unbekannt und in den Regalen türmten sich merkwürdige Verpackungen. All die Dinge, die man niemals in einem normalen Supermarkt zu sehen bekommt.

Zögerlich ging ich zur Kasse.
Wo war sie nur, die Dealerin?

Klar war, dass ich den Stoff nicht im normalen Sortiment finden würde. Zu heiß sozusagen.

Ich räusperte mich ungelenk. "Hallo?"

Und auf einmal stand sie wie aus dem Boden gemeißelt vor mir. Die Dealerin höchstpersönlich.

Ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, dass ich sie mir anders vorgestellt hat. Nur so konnte sie aussehen. Klein, dürr, mit spitzem Gesicht (nicht zu verwechseln mit "Spitzengesicht"), angetan in farblich stillos Handgeklöppeltem. Knorrige Finger.

"Sie wünschen?"

"Also... hmmm... ich hätte gern... also führen sie... *flüsterflüster*...???"

Sie riss beängstigt die Augen auf und ihre Hände verrieten zitternd ihre aufkeimende Nervosität.

"Hmm.. jaaaa...mal sehen", flüsterte sie, bückte sich hinter den Verkaufstresen und zog ein Weidenkörbchen mit Deckel hervor, welches sie nur zögerlich auf den Tisch stellte.

"Da, schauen sie selbst. Ich habe es in vier verschiedenen Darreichungsformen. In Pulverform, als Tabletten und in zwei verschiedenen Tropfenarten. Allerdings werde ich sie hierzu NICHT beraten. Sie müssen Ihre Wahl selber treffen. Das ist mir zu heiß. Ist nicht erlaubt. Wenn Sie nicht Bescheid wissen, sollten Sie sich vorher umfassend im Internet informieren."

Aber ich MUSSTE den Stoff haben. JETZT. Das hatte ich mir vorgenommen.

"Nein, nein. Ist schon gut. Ich nehm einfach dies hier", sagte ich und deutete auf ein Fläschchen, das begehrlich in seinem Nest glitzerte.

"Nun gut, das müssen Sie wissen", triumphierte die Dealerin.

Hatte ich mich falsch entschieden? Nun, egal. Ich MUSSTE es haben.

Ich zahlte den horrenden Preis, schob das Fläschchen in die Jackentasche und verließ fluchtartig den Laden.

ENDLICH!

Meine Hand umklammerte meine Beute.
Erleichtert seufzte ich auf.




Aber wisst ihr was?

Das nächste Mal bestell ich mir Stevia einfach im Internet.
Das ist nicht so aufregend.
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