Dienstag, 14. Juni 2011

Mein Blutdruck und ich

Bevor ich mit LCHF anfing, also "früher", wie ich es so gerne nenne, litt ich unter extrem hohen Blutdruck.

Der wurde 2006 oder 2007 eher durch Zufall entdeckt.

Ich hatte an diesem Morgen beschlossen, dass es ein guter Tag sei, eine Diät zu beginnen. Über 120 kg schwer. Mal wieder.

Ihr kennt das sicher. Manchmal ist man total motiviert, will sofort die ganze Welt verändern. Adios Fettleibigkeit, adios Schmerzen im Körper beim Aufstehen und hallo chice Kleidung. Glücklich sein, stark sein, gesund sein und vor allem nie wieder Angst davor haben, mit dem Bagger aus dem Schlafzimmer geholt werden zu müssen, um überhaupt ins Krankenhaus zu gelangen.

Und weil es so immer in den Fachbücher zu lesen steht, ging ich zum Arzt. Zum ersten Mal vor einer Diät. Hatte ich noch nie gemacht. Aber ich brauchte auch ein neues Rezept für meine Schilddrüsenhormone (wegen Unterfunktion) und wenn ich eh schon Maut (die 10;- € pro Quartal) bezahlen musste, wollte ich auch was davon haben.

Ich spazierte gut gelaunt ins Behandlungszimmer meines Hausarztes und erklärte ihm mein Begehr. Ich wollte gewogen werden, Blutdruck sollte gemessen werden, so stellte ich mir das vor.

Er war zu allen Schandtaten bereit und wir fingen mit dem Blutdruck messen an.

Wie gesagt, ich fühlte mich persönlich an dem Tag bombig. Fit, motiviert, volles Programm. Nicht so wie an manchen Tagen, in denen ich unter Herzstolpern litt. Tage, an denen es mir psychisch nicht so gut ging, konnten mir durchaus Unbehagen in der Pumpe verpassen.

Und er maß.
Stutzte.
Setzte ab.

Maß auf der anderen Seite und nuschelte etwas von "Das kann eigentlich nicht sein".

Dann ging er in den Nebenraum und holte die Manschette für "stärkere Arme".

Maß wieder.

Mein Blutdruck war jenseits von Gut und Böse. Im oberen Bereich über 200. Aber ich solle mich erst einmal beruhigen. Im unteren - so meine ich mich zu erinnern - lag er um die 130 (was schon vollständig für den oberen Bereich genügt hätte...).

Gut, ich habe Weißkittelblutdruck. Will meinen, dass mein Blutdruck schon beim Anblick eines Arztes oder eines Messgerätes ansteigt. Aber so dolle?

Und ich will gar nicht wissen, wie hoch der Druck war, wenn es mir schlecht ging. Neinnein!

Ich wurde eine Woche krank geschrieben, bekam Medikamente für jeden Tag und sollte mich die nächsten Tage täglich zum Messen melden. Vom Abnehmen sprachen wir nicht mehr, erst einmal musste der Blutdruck runter. Was aus meiner Sicht heute ein Fehler ist. Es mag sein, dass ich sehr rabiat und wild rüberkomme, als wüsste ich genau über alles Bescheid. Aber ich wusste eigentlich gar nichts.

Gut, mit den Medikamenten bekam ich den Blutdruck relativ gut in den Griff. Immer noch etwas erhöht, aber wenigstens außerhalb der Lebensgefahr. Ich gewöhnte mich daran.

Ich denke, dass das vielfach das Problem ist. Es gibt Medikamente gegen alles Mögliche. Der Blutdruck wird stabilisiert, die Schilddrüse ausgeglichen, Schmerztabletten gegen die Rückenschmerzen, der Diabetes in Schach gehalten. Und wenn es nicht zwickt, dann vergisst man ganz leicht, dass man eigentlich doch krank ist. Dass eben doch etwas nicht stimmt.

Und wenn es nicht zwickt, wer kämpft dann noch um Veränderungen?

Zumal Veränderungen oft auch leicht anstrengend sind. Man muss konsequent sein und an sich arbeiten. Sicher, es gibt in vielen Fällen Möglichkeiten, die Situation zu verbessern, aber es geht einem doch soweit gut, Medikamente sei Dank.

Besonders auffällig war das bei mir übrigens mit den Rückenschmerzen. Wenn es zwickte, turnte ich intensiver und warf ordentlich Ibuprofen ein. Rezeptfrei aus der Apotheke. Aber viel zu oft und auch viel zu viel. Zwickte es nicht mehr, "entspannte" ich mich. Bis es eben wieder zwickte.

Dann fand ich LCHF oder LCHF fand mich. Das kann man nicht mehr so genau sagen. Ich glaube nicht an Zufälle. Alles zu seiner Zeit.

Mit LCHF nahm ich schnell ab. Und die Kombination aus LCHF, abnehmen und viel mehr Bewegung als vorher, ließ meinen Blutdruck sinken.

Nach kurzer Zeit durfte ich die Medikamente halbieren und irgendwann war ich sie komplett los und mein Blutddruck blieb stabil und normal. Völlig ohne Medikamente. 120/80. 120/90. Sowas eben.

Und je mehr Sport ich mache, desto besser wird er.

Allerdings schlägt es mittlerweile auch gerne mal in für mich niedrigen Blutdruck um.

Gestern Abend war mir total schwummerig. Musste manchmal innehalten und gegen das Schwarze vor den Augen ankämpfen. Mich festhalten.

Blutdruck gemessen.

105/60.

Ist jetzt nicht soooo niedrig, aber mein Körper ist das anscheinend nicht so gewöhnt..

Aber auch das schaffe ich noch.

Manchmal ist es nicht so leicht, gesünder zu sein. Aber allein die Tatsache, den Sprung vom Hochdruckpatienten weg zu schaffen, ist so viel wert.

Soweit ich weiß, schaffen das nicht so viele Menschen und mein Arzt hat mich vorsorglich davor gewarnt, den Sport an den Nagel zu hängen. Er prophezeite mir, dass dann der hohe Blutdruck früher oder später zurück kommen würde.

Aber ich schreibe das hier nochmal auf, um mich selbst daran zu erinnern, dass es nicht die immer optisch auffälligen Veränderungen sind, die das Leben positiv verändern. Es lohnt sich so sehr, das Leben auf den Kopf zu stellen!!

Das sollte man nie vergessen, auf der Jagd nach der nächstkleineren Kleidergröße. Denn die ist eigentlich sekundär!

Ein angenehmer Nebeneffekt. Und doch machen wir es so oft zur Hauptsache.

Also... Holzauge sei wachsam!

Eure Normaldruck-Sudda
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