Mittwoch, 29. Juni 2011

Suddas Abnehmtipps #3 - Bewegtes Leben

"No sports", soll Churchill einmal geantwortet haben, als man ihn fragte, wie er trotz Whiskey und Zigarren so alt werden konnte. Dabei war Churchill übrigens in jungen Jahren ein sehr aktiver Mensch. Reiten, Polo und fechten waren sein Ding. Und selbst mit über 70 nahm er noch an Fuchsjagden teil.

Wie dem auch sei...

Dieses Zitat wird gerne von Sportgegnern verwendet. So nach dem Motto "Und guck mal, wie alt der Mann trotzdem geworden ist."

Könnt ihr euch also zukünftig quasi an den Hut stecken, stimmt nämlich gar nicht.

"Sport ist Mord!"

Auch so ein beliebter Satz. Ich sehe das etwas anders, wie man sich vermutlich denken kann.

Extrabewegung ist in der Abnehmphase (und überhaupt) wesentlich.


Am Liebsten hab ich mich vorher gar nicht bewegt.

Nun gut, ich hatte meinen Alltag mit 2 Kindern, Haus, Garten und arbeiten gehen. Und damals habe ich mich auch immer damit gerechtfertigt, dass das ja wohl genug der Bewegung sei.

Aber das ist und bleibt nur der normale Alltag. Das ist kein Bonus. 

Der Ausgleich vom Alltag ist aber das, was Sport so interessant macht.

Arbeite ich in Haushalt und Garten tu ich nichts Besonderes für meine Ausdauer. Die Bewegungen sind immer wieder ähnlich, auch wenn sie durchaus vielfältig sind. Darüber hinaus bewegen sich die meisten dabei auch noch rückenschädlich. Wer beugt z.B. schon die Knie, wenn er sich schnell nach etwas bückt? Die wenigsten, behaupte ich.

Und außerdem... wir tun doch dann wieder nichts für uns persönlich, oder? Das ist doch wieder eine Erfüllung der Erwartungen an unsere Rolle.

Zurück zu mir. Ich lag auf dem Sofa, saß auf dem Stuhl, sobald ich nur die Chance dazu hatte. Und genau das beobachte ich bei vielen dicken Menschen. Die Kraft, die Ausdauer sind gar nicht mehr da. Und so rutscht es sich so langsam, aber stetig immer weiter in eine Spirale der Bewegungslosigkeit.

Mir tat die Bewegerei weh. Ich war zu schwer für meinen Körper, die Muskulatur war zu gering, um mich auch nur im Entferntesten auffangen zu können. Und darum begab ich mich immer wieder in Schonhaltung... Sofa, Stuhl.

Und das merkt man.
Da könnt ihr mir nichts anderes erzählen.
Dadurch, dass ich selbst einmal in der Bewegungslosigkeit gefangen war, achte ich bei anderen darauf.

Natürlich fällt einem als Dicker auf, dass andere viel elastischer und stärker sind. Und wenn man in Gesellschaft von "normalen" Menschen ist, tut man alles, um nicht aufzufallen, sich nicht bei jeder Gelegenheit hinzusetzen. Man vermeidet jede schnellere Bewegung, weil es einem peinlich ist, wie eine kurz vor dem Kollaps stehende alte Dampflok mit hochrotem Kopf und schweißnasser Stirn da zu stehen. Immer ungerner begibt man sich in Situationen, wo einem so etwas passieren kann.

Die meisten von uns waren doch Jahrhunderte nicht mehr im Schwimmbad, oder? Und wenn man kurz davor ist, Bus oder Bahn zu verpassen, laufen ist nicht, oder? Selbst wenn man sie noch erreichen würde, möchte man wirklich den ein oder anderen mitleidig grinsenden Blick sehen? Dann doch lieber auf die nächste Bahn warten.

Immer wenn wir nach Köln fahren, parken wir auf einem P&R-Parkplatz und nehmen von dort aus die Bahn. Mein Standardspruch beim Einparken war damals immer:

"Aber ich renne nicht. Und wenn wir eine Bahn verpassen, dann ist das eben so!"

Gleichzeitig flog mein Blick immer panisch auf die Anzeigetafel, der man entnehmen konnte, wann die nächste Bahn fahren sollte. Ich hatte Angst davor, dass der Mann mich trotzdem hetzen würde. Dass ich mich blamieren würde.

Was ich wohl die ganzen Jahre trotzdem immer gemacht habe, war Pilates. Bei Schweinchen Schlau. Das tat mir und meinem gepeinigten Rücken unheimlich gut. War mal Ferienpause, merkte ich sehr schnell, wie der Schmerz stärker wurde. Nein, ich habe nicht alleine geübt, dazu war ich zu faul. Ziemlich dumm.

Als ich mit der Abnahme begann, stand für mich recht schnell fest, dass Sport dazu gehören würde. Schließlich war einer meiner Träume, eines Tages joggen zu können! Das wollte ich schon immer. Leicht fedrig durch die Landschaft hüpfen (dass es am Anfang aber eher stampfig und schnaufig war, war in meinem Traum NICHT vorgesehen... *lach*).

Aber was stellt man mit einem über 120 Kilo schweren Körper an? Einem Körper, der nicht will. Einem Körper, der schmerzt?

Fitnesscenter?
Ich steh nicht so auf Krafttraining, das wusste ich schon aus früheren Erfahrungen.

Schwimmen?
Neee, ist klar. Dazu war ich viel zu unselbstbewusst.

Außerdem dachte ich damals noch, dass ich zeitlich Schwierigkeiten bekäme, würde ich Termine einplanen, zu denen ich erst noch hinfahren müsste.

Ich war wenig verlegen, wenn es um Ausreden ging.

Und das waren sie auch...
Verdammte Ausreden!

Ich wusste aber aus einem früheren Leben, dass ich durchaus sehr ehrgeizig sein kann, wenn es um Sport geht. Jemand, der sich selbst gerne drillt. Der alles gibt. Wenn ich im Hype bin.

Aber wie in den Hype kommen?

Der Mann geht gerne wandern. Ich gar nicht. Wer meinen Blog von Anfang an mitverfolgt hat, weiß das. Der Mann geht darüber hinaus ständig wandern und genauso ständig versuchte er, mich davon zu überzeugen, dass ich meiner Abnahme doch Gutes tun würde, würde ich nur einfach mitgehen.

Einfach?

Ich versuchte es. Schnaufte den Berg hinter dem Mann her hoch. Schwitzend, keuchend und vor allem... hassend!

Ihn hassend, weil er (meiner Meinung nach) wenig Rücksicht auf meinen Zustand nahm und elegant wie eine Antilope den Hand hoch schnürte. Mich hassend, weil mir die Grenzen meiner Leistungsfähigkeit mit diesem Körper wie eine Keule ins Hirn gehämmert wurde. Und den Berg hasste ich sowieso.

Ich biss wohl die Zähne zusammen, obwohl ich sozusagen nach innen blutete.

Diese Schmäh und schlechte Erfahrung wollte ich nicht auf mir sitzen lassen. Auf gar keinen Fall. Keine 40 Jahre alt und viele Pensionäre zischten an mir vorbei.

Geht gar nicht.

Also begann ich immer öfter, mir - wann immer ich Zeit hatte - einfach die Schuhe anzuziehen und eine Runde durch Feld und Acker zu ziehen. Erst langsam, Hauptsache überleben. Nach und nach aber immer weiter, länger und schneller.

Und ich veränderte mich.
Ich spürte meinen eigenen Körper ganz neu.

Der Puls lenkte sich in normale Bahnen, auch unter Belastung.
Die Beine entwickelten Muskeln, die ich schon ewig nicht mehr gespürt hatte.
Meine Lunge wurde aufnahmefähiger.
Meine Haut besser durchblutet.
Stress ließ ich unterwegs von mir abperlen.

Und vor allem...

Das erste Mal seit vielen, vielen Jahren war ich wirklich saustolz auf mich und fühlte mich eine Unze sportlich. Tat ich doch mit dem Bisschen schon deutlich mehr als viele andere!

Ich lernte auch, meinen Körper und seine Grenzen zu begreifen. Verspürte Begeisterung darüber, was das "olle Ding" doch noch so drauf hat.

Ein weiterer wichtiger Punkt, der mich in Bewegung setzte, war, dass ich durch meine LCHF-Ernährung unglaublich viel Energie entwickelte. Die musste raus. Ich hibbelte nur noch rum.

Und...

Dadurch, dass ich dringend lernen musste, Gefühle anders zu kompensieren als mit Essen, war Sport ein tolles Ventil.

Langsam schleichen - schneller gehen - walken - joggen

Diese Entwicklung vollzog sich binnen weniger Wochen.

Ich startete mit LCHF im August 2009 und bereits ab Ende Oktober des gleichen Jahres gehörte ich zur joggenden Bevölkerung.

Noch schneller entwickelte sich meine Ausdauer im Bezug auf das Wandern. Das war ganz bald kein Problem mehr. Nur... ein echter Wanderfreak werde ich garantiert nie.

Ich konnte also joggen, aber ich wollte mehr!

Ich wollte einen strafferen Körper, feinere Muskeln auch an anderen Stellen.

Und so begann ich zusätzlich mit Gymnastik. Theraband, Hanteln oder aber auch ohne Hilfsmittel.

Mein Zutrauen zu mir selbst wurde immer größer. 

Je mehr ich mich veränderte, je mehr ich mich mit auch körperlich mit mir selbst auseinander setzte, desto mehr lernte ich, mit meinem Körper zu arbeiten, ihn zu entwickeln und vor allem ihn zu lieben.

Keine zwei Jahre später bin ich Trainerin mit eigenem Kurs. Das ist wirklich ein Dingen. Manchmal überrollt mich der Stolz und die Erkenntnis darüber wie Tsunami. Und das ein oder andere Tränchen ist dann fällig.

Ja, ich war mal eine lebende Leiche. Lebendig begraben auf meinem Sofa.

Und jetzt...
Alles anders.

Das kannst du auch.

Ja, genau DU!
DICH meine ich.


Doch, du hast Zeit dafür.
Hör mir damit auf.

Ansonsten kürz dir die Fernseh- oder Lesezeit am späten Abend ein. Ist sowieso praktisch, wenn du dich schämst. Da sehen dich die wenigsten, weil sie selbst freizeiten und in der Regel in den eckigen Kasten glotzen.

Du bist keine Leibeigene und wie ich schon zuvor schrieb... es wird Zeit, sich selbst in den Mittelpunkt zu rücken. Denk an deine Viertelstunde und mach eine halbe daraus.

Bleibt die letzte Hausarbeit eben bis Morgen liegen. Die Erfahrung hat mir gezeigt, dass die nicht davonläuft!

Und... je mehr du dich bewegst, je stärker du wirst, desto schneller wird dir die Arbeit auch im Haushalt von der Hand gehen. Du wirst weniger Pausen zwischendrin brauchen.

Fang einfach an. 
Heute ist ein guter Tag dafür!

Zieh dir die Schuhe an und geh los. Geh soweit du kannst, geh so schnell du kannst.
Oder mach Gymnastik. Lass dich vielleicht von den Videos auf Youtube - inspirieren. Da ist für jeden etwas dabei!

Auch wenn es nicht viel ist. Es ist ein Anfang.

Und wie sagt man so schön... Selbst ein Weg von 1000 Meilen beginnt mit einem Schritt!

Wenn du hinterher geduscht auf dein Sofa fällst, der Rücken und die Beine vielleicht ein bisschen jammern, du dich aber warm und wohlig fühlst, dann sei einfach stolz auf dich.

DAS HAST DU DIR VERDIENT.
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