Donnerstag, 21. Juli 2011

Für Jemanden

Was ist los mit dir?

Was ist eigentlich passiert, dass du dich so gehen lässt, dich verkriechst und versteckst?

Es kann jedem von uns passieren, dass man schwach wird. Das ist wohl allen klar. Es ist lecker mit einer Ausnahme, aber eine Ausnahme ist nur eine Ausnahme, wenn sie eine Ausnahme bleibt. (genialer Satz, was? *lach*)

Du bist also raus, hast dich persönlich aus dem System geschossen... okay. Was hast du nun davon? Was ist jetzt besser als vorher? Nicht viel, befürchte ich. Eher im Gegenteil.

Aufstehen, abklopfen, weiterlaufen...

Das sag ich so gerne.

Und doch?

Statt dessen habe ich das Gefühl, dass du auf deinem Seelensofa hockst, vielleicht die Chipstüte in der Hand, seufzend jammerst und wenn es dir zu viel wird, die Decke der Selbstignoranz bis über den Kopf ziehst und schmollst. Hinterher vielleicht noch ein warmes Bad im Selbstmitleid?

Die Arbeit, die Knie, alles, was irgendwann einmal war, vielleicht noch etwas Rücken, das schlechte Gewissen zieht sich lang wie oller Kaugummi ohne Geschmack...

Aber so wird das nichts. Das wird nur schlimmer. Tag für Tag. Und nicht nur gesundheitlich... ich finde, du mutest deiner Seele viel zu viel zu. 

Weißt nicht mehr, wo du anfangen sollst, dich in den Griff zu bekommen. An welcher Ecke sollst du anpacken. Um alle auf einmal anzugehen, bist du viel zu schwach. Im Moment findest du wohl eher gar keine griffige Stelle. Alles unbequem.

Ich weiß auch, dass die Abnehmerei bei dir - vorsichtig formuliert - zäh läuft.

Und gerade dafür habe ich dich immer bewundert. Dein Mut, dein Biss. Wo sind die jetzt hin? Und du hast selbst gesagt, dass du so nicht glücklich bist mit dir selbst.

Ich kann auch nur sagen, dass ich "das Gefühl habe", denn du ziehst dich zurück... von mir. 

Selbst wenn wir das Thema am Telefon anreißen, weichst du aus. Sagst, dass du das weißt und dass es nichts bringt, dich unter Druck zu setzen.

Dabei will ich nur eine Reaktion, deinen Zorn aufwallen hören, hoffe, dass der alte Kampfgeist aufglimmt und man vielleicht ein wenig hineinhauchen kann, damit er aufflammt und wieder so wird, wie er einmal war.

Ist das noch der Mensch, den ich kennengelernt habe, so schätze und mit dem ich mich stundenlang kaputtlachen konnte, Pläne schmieden und fröhlich in die Zukunft grinsen?

Nur selten entdecke ich ihn in deinen Worten. 

Nein, ich will dir eigentlich nicht weh tun. Ich will dich locken.

Versuche nette Worte - no reaction!
Versuche vorsichtige Worte - no reaction!
Versuche Provokation (die mir schwer fällt) - no reaction?

Dies ist ein ungewöhnlicher Weg. Ich weiß das. Hätte ja auch ne Mail schreiben können. Am Telefon erreichen meine Gefühle dich nicht. Das ist zumindest mein Eindruck.

Vielleicht weil ich mündlich meine Gedanken nicht so verpacken kann, wie schriftlich... Vielleicht weil ich selbst weiß, wie weh Worte tun kann und wie schnell sie vor allem in den falschen Hals abrutschen.

Aber vielleicht ist genau das jetzt nötig.

Hör auf mit der scheiß Jammerei. 

Heb den Hintern vom Sofa, schmeiß die Chipstüte in die Tonne, trete die Selbstmitleidsdecke weit weg. 

Jetzt. 

Ende Gelände. 


Fang - verdammt noch mal - endlich an der ersten Ecke an.

Und wenn du jetzt sauer auf mich bist... Ich weiß mir nicht mehr anders zu helfen.

Wärst du mir egal, würde ich mir den Kopf nicht so zerbrechen. Mir kommt es so vor, als würde ständig eine Ansage in meinem Hirn spulen: "Dieser Mensch zerstört sich selbst." Das ertrag ich nicht.

Nein, das ist nicht mein letzter Versuch, dich wachzurütteln. So schnell wirst du mich nicht los. Ich habe durchaus Pitbull-Qualitäten, verbeiße mich in deiner Wade.





Ein Gruss ans Knie:

Sollte das Wetter wieder gut sein und es anfängt aus Protest zu knacken, dann sag ihm, dass es endlich die Klappe halten soll...




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