Dienstag, 6. September 2011

Und es fiel ihr wie Schuppen von den Augen

Gestern schien die Sonne herrlich und das obwohl es ausnahmsweise mal nicht unerträglich heiß war. Ein guter Tag, um Suddas Bootcamp Realität werden zu lassen.

Und nachdem ich lange genug auf dem Sofa rumgelümmelt hatte, wohl in der Hoffnung, der Weg würde sich von selbst laufen, packte ich mir die Stöpsel aufs Ohr, den Ipod sturzsicher verstaut, schnürte die Schuhe, packte meine Laufuhr und trabte an.

Immer geradeaus, das Wetter im Nacken, vor mir strahlenden Sonnenschein. Natürlich mit Sonnenbrille für meine empfindlichen Augen, aber auch, weil mich das irgendwie fokussiert. Ich bin dann abgeschottet nach außen, ganz bei mir selbst.

Nein, keinen Stress. Einfach lockerer Lauf. Man hätte es Regenerationslauf nennen können, wenn denn da irgendwas zu regenerieren gewesen wäre.

Und ich fühlte mich sauwohl. Schmetterte die Lieder mit, die sich in mein Ohr dudelten.

Geradeaus weiter ins Feld.

Nach 3 km stand ich auf einmal im Schatten!

Schatten?

Wieso Schatten?

Vor mir blauer Himmel.

Hä?

Als es nach der Hälfte der Strecke Zeit war zu wenden, traf mich fast der Schlag.Ich mitten im platten Feld, welches lediglich durch ein paar häßliche Windräder "unterbrochen" wurde und vor mir...

EINE RIESIGE, DICKE, FETTE GEWITTERWOLKE.

War mein Puls bis dahin total entspannt... Er entschied sich spontan anders.

Ich habe panische Angst vor Gewitter und der Ort war nun wirklich nicht der, an dem ich ein solches hautnah miterleben wollte. Vorbei war es mit der Contenance und dem fröhlich-lockeren Lauf.

Ich gab Gas. Aber so richtig. Rannte mit voller Wucht dieser bedrohlichen Wolke entgegen, die quasi schon über meinem Zuhause hing.

Noch 3 Kilometer bis dorthin. Starker Wind kam auf, was mir das Ganze extrem schwer machte.

Ich rannte, ich rannte, bekam von der schönen Musik nix mehr mit, hörte meinen Atem dafür sehr deutlich.

Die Wolke kam näher und näher.

Mein Puls stieg auf 164!

Das ist bei mir persönlich der Punkt an dem ich mich alles andere als wohl fühle.

Echt, ich hatte riesige Angst. Meine Füße schlugen dumpf auf dem weichen Feldwegboden auf und ich hatte das Gefühl, dass ich nur in Slowmotion vorwärts kam.

Um die Kurve... Noch 700 m bis Zuhause.

Es war auf einmal kalt und der Wind machte mich fertig. Ich hätte schreien können! So ein schönes Leben und dann soll ich mitten auf dem Feld verglühen? Das kann ja wohl nicht wahr sein. Ich bin mir sicher, dass ich vor lauter Angst sogar gequiekt habe!

Der Puls raste lauter als die Musik durch die Ohren.
Ich konnte nicht mehr.
Echt nicht.

Es begann zu regnen. Mist!

Ich schob die Sonnenbrille hoch... und blieb abrupt stehen.

Mir fiel es wie Schuppen von den Augen oder konkret gesagt, mir zog es den Knick aus der Optik!

WIE PEINLICH!

Das war nur eine ganz normale Regenwolke!! Nur der Blick durch die Sonnenbrille hatte sie für mich zur Bedrohung mutieren lassen!!!

Boah, war ich in diesem Moment glücklich, dass ich noch 500 m bis Zuhause hatte. Ich lief locker weiter und versuchte den Puls wieder in normale Bahnen zu lenken.

Vor allem...

Wie peinlich wäre es gewesen, wenn ich wild quiekend und rennend durch unsere Straße geplucht wäre, auf der Flucht vor der vermeintlichen Bedrohung?

So konnte ich dem Nachbarn, der täglich seinen Teil der Straße fegt, wenigstens halbwegs würdevoll im Vorbeilaufen zuwinken.

*kreisch*




Teilen