Montag, 21. November 2011

Wie motivierst du dich?


Luisa schrieb in ihrem letzten Kommentar:

 „Liebste Sudda, 


ich hätte da mal eine Bitte: könntest du mal einen Bericht dazu schreiben, was dich immer in Tiefs dazu bewegt hat doch weiterzumachen, nicht aufzugeben. 


 Oder hattest du etwa nie Tiefs und LCHF macht dauerhigh ;) 


 Liebste Grüße, Luisa“ 


Die Frage fand ich richtig gut, denn über die ganze Zeit motiviert zu bleiben, ist nun wahrlich für Fortgeschrittene, oder?

War ja nicht mein erster Versuch, Gewicht zu verlieren.
Jedes Mal bin ich gescheitert.

Ob an den Gewichtsbeobachtern oder an der Kohlsuppe, Almased, FDH. Ich habe natürlich auch LowFat versucht oder LowCarb (ohne HighFat), Fettaugen gezählt. Dann gab es da noch so eine Diät von meinem alten Hausarzt, in der es vor hart gekochten Eiern, Brötchen, Kaffee, Steak und grünem Salat ohne Dressing nur so wimmelte (sollte angeblich den Stoffwechsel in Gang scheuchen). Blablabla…

Jede Chance, die wie eine Sternschnuppe mit hoffnungsgebendem Charakter am Firmament auftauchte, ergriff ich. Und oft dachte ich, ich hätte das „Ei des Columbus“ entdeckt, war überzeugt, dass ich es dieses Mal schaffen würde. Denn eins war mir immer klar…

Mit dem Dicksein arrangieren, es zu akzeptieren, das war für mich nie eine Option.
Dazu war ich viel zu schwer.

Jeder Schritt schmerzte, ich fühlte mich schlapp und dauermüde, ich war aus der Puste, wenn ich auch nur versuchte 100 m schneller zu gehen.

Und Kleidung?
Ehrlich, das war das Allerletzte.

Nicht genug damit, dass man körperlich ausgegrenzt war. Nö, das durfte man dann auch noch in der optischen Verpackung signalartig unterstreichen.

Irgendwo öffentlich essen und andere sahen einem zu?
Nein, dann doch lieber heimlich, wenn es keiner sah. Zu groß die Angst, dass jemand etwas sagen könnte. 

Überhaupt… Öffentlichkeit…

Am Schluss wollte ich nicht mehr vor die Tür und ich habe so manches Mal Termine oder Krankheit vorgeschoben, um nur ja nicht auf eine Party gehen zu müssen. So ein Event, wo man sich stundenlang schlecht fühlen würde und darüber hinaus nichts essen (oder wenn dann nur am kalorienarmen Salatblatt knabbern), weil was würden die anderen denken??

Kurz gesagt: Das Dicksein an sich beschäftigte mich am Tag 16 Stunden. 

Natürlich nicht dauerhaft, aber immer wieder zuckte irgendein Gedanke oder ein Gefühl durch mein Gehirn, das in irgendeinem Zusammenhang mit dem Gewicht stand. Die anderen 8 schlief ich und ich habe mit Sicherheit auch noch des Öfteren davon geträumt.

On top dann noch die Angst, dass der Mann vielleicht doch irgendwann mal die Nase von seiner fetten Frau voll haben könnte, egal was er auch immer wieder beteuerte. Beteuern musste, denn ich nötigte ihn ständig zu Aussagen dazu, ob er mich noch liebte und ob ich für ihn noch schön sei.

Ich war unsicher.
Die Unsicherheit in Person.
Natürlich nicht nach außen, aber das steht auf einem anderen Blatt.

Zurück zum Thema…

Abnehmen musste ich, wollte ich… Zwingend.

Und der Tag an dem mir LCHF und Nicole über den Weg liefen, war mit Sicherheit der Tag, der mein Leben auf den Kopf stellte.

Zum einen kam ich mit dieser Ernährung wirklich von Anfang an perfekt klar. Sie entspricht meinen persönlichen, ernährungstechnischen Vorlieben.

Natürlich hatte ich großen Respekt vor dem KH-Verzicht. Schließlich war ich persönlich mitverantwortlich für die guten Umsätze des Handels im Bereich Pasta und Brot!

Aber zu dem Zufall, LCHF gefunden zu haben, gesellte sich ein zweiter Umstand:

ICH HATTE DIE NASE GESTRICHEN VOLL VOM ÜBERGEWICHT. 

Ach was, das ist zu schwach…

ICH HATTE DIE SCHNAUZE VOLL DAVON, FETT ZU SEIN! 

Ich war an DEM Punkt angelangt.
Der berühmte KLICK im Kopf.
Jetzt oder nie.

Seit Wochen schon ging es mir so schlecht, dass ich befürchtete mich wegen Depressionen behandeln lassen zu müssen.

Ich wollte so nicht mehr.
Falsch: Ich KONNTE nicht mehr.

Sterben hatte ich auch schon erwogen, so hart das klingen mag.
Nein, kein Suizid.
Aber hätte mich der Schlag getroffen, wäre ich mit Sicherheit nicht undankbar gewesen.

Ich begann mit LCHF. Nicht ein bisschen, sondern direkt total. Und bereits in der ersten Woche nahm ich enorm ab. Einfach weil ich die Kohlenhydratspeicher leerlebte und die gespeicherten Kohlenhydrate enorm viel Wasser mit sich führen und im Körper einlagern.

Klar, nur Wasser.
Aber ich sag’s immer wieder gerne: Auch Wasser sieht – prall unter die Haut gelagert – echt shice aus! Der Druck wich aus dem Körper und die Waage zeigte rasant immer schönere Zahlen an.

Und wenn das nicht motiviert...

ICH WITTERTE EINE CHANCE, ES ZU SCHAFFEN. 

Der Verzicht auf Brot, Nudeln, Reis, Süßes, etc. fiel mir dadurch erstaunlich leicht und vor allem verschwand der Heißhunger, der mich sonst immer begleitet hatte, sofort.

Und ich war satt.
Richtig satt.

Bei so mancher Diät vorher habe ich geweint. Vor Heißhunger, vor Hunger, vor Verzweiflung. Ganz schrecklich.

Dieses Mal nicht.
Ich aß leckere Sachen, das Wasser wich, die Kilos auch. Und sehr schnell wichen auch die Schmerzen aus meinem Körper. Anstelle dessen hatte ich enorm Energie.

Nach all den Jahren war ich einfach nur energiegeladen und vor allem glücklich. So von innen raus. Das war der Anfang…

Nein, ich habe tatsächlich nie ein echtes Abnehmtief gehabt. Ich war meist dauerhigh.

Wenn ich aber merkte, dass es mir mal nicht so prickelnd ging, half mir Folgendes:

LCHF-Forum 

Es ist nicht ganz einfach, wenn man sich so „exotisch“ ernährt, wie ich das tue. Was man braucht sind Gleichgesinnte.

Und im Forum fand ich immer meine Anfeuerung, meinen Trost, meinen Zuspruch, Austausch, Informationen. Fragen wurden beantwortet. Wir teilen unser Leben sehr liebevoll miteinander.


Blog 

Jede Woche Wiegetag und ich wusste, dass meine treuen Leser darauf warteten.

Herrlich motivierend. Oder auch tröstend, wenn es mal nicht flutscht.

Wenn man sich jahrelang shice gefühlt hat und auf einmal so viel Aufmerksamkeit und nette Worte hört, getröstet wird, einem so viele gute Tipps zugetragen werden, das pusht enorm.


Familie und Freunde 

Die konnten einem schon ein wenig Leid tun. Ich habe ständig davon gequasselt.

Es beschäftigt mich eben. Und ich brauchte die Meinung anderer manchmal wirklich richtig dringend!

Dumm vor allem für jene, die selbst nicht LCHF leben oder gar nichts mit Übergewicht an der Kappe haben. Musste sie nämlich trotzdem geballt durch. Ich habe schon versucht, meinen Redebedarf gleichmäßig zu verteilen und niemanden zu sehr zu strapazieren, aber… naja.

Mittlerweile ist das nicht mehr so tragisch. Ich bin sehr mit mir selbst zur Ruhe gekommen, aber einen Telefonjoker habe ich immer zur Hand. Sicher ist sicher. ;o)


Musik 

Ich habe da so ein paar Motivationslieder, die mich aus der finstersten Ecke wieder hervorlocken.
Die höre ich immer wieder gerne.


Selbstsuggestion 

Abends im Bett, vor dem Einschlafen, habe ich mir immer und immer wieder in den buntesten Farben vorgestellt, was ich alles tun würde, wenn ich schlank wäre.

Wie ich aussehen würde, was ich anziehen würde, was ich HinzundKunz für Retourkutschen verpassen würde, wie mein Mann mich anschmachten würde. Ich sah mich als schlanker Mensch in sportlichem Alltag.


Kleidung

Ich hatte immer ein "tolles Teil" im Schrank, dass zu klein war. Supermotivierend für mich. Und jetzt passt alles!


Listen und ähnliches 

Ich bin bekennender Listenjunkie…

Und so erstellte ich die merkwürdigsten Listen: Geplanter Abnahmeverlauf (wann ich wiege ich etwa wie viel?), Belohnungslisten, Einkaufslisten.

Schnitt aus den Zeitschriften und Katalogen Bildchen aus… Anregungen, was ich später mal anziehen wollen würde, Frisuren, Gymnastikübungen. Was weiß ich.

Die klebte ich mir in Kladden, so dass ich später immer wieder darin blättern konnte.

Klar, die ganz ehrgeizigen Ziele, die ich mir bisweilen in meinen Listen setzte, waren teilweise nicht einhaltbar. Aber egal, schrieb ich mir eben wieder eine Neue. ;o)


So, mehr fällt mir nix dazu ein.
Aber ich denke, das reicht auch.

*lach*
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