Freitag, 24. Februar 2012

Tot essen

Als ich letztens einkaufen war, überholte ich mit meinem Einkaufswagen im fliegenden Gallopp jemanden.

Normal.

Ich kann - aus welchen Gründen auch immer - nicht normal und entspannt einkaufen, sondern "renne" einkaufen. Vermutlich weil ich es nicht leiden kann, weil "schneller daran, schneller davon" ist. Vielleicht aber auch, weil ich es gewöhnt bin, mich beim Einkaufen zu beeilen, weil Zuhause noch Pflicht XYZ lauert.

Nichts Genaues weiß man.

Dieses Mal stutzte ich während des Überholvorgangs, schredderte quietschend um die Regalecke und sah zurück.

Hinter mir keuchte ein immens dicker Mann mit seinem Rollator durch die Gänge. Er konnte kaum gehen und sein Gesicht war vor Anstrengung puterrot. Auch der Rollator musste eine Sonderanfertigung sein, denn der war mehr als doppelt so breit wie eine herkömmliche Version.

Der Mann war kaum größer als ich und meine innere Waage schätzte ihn auf deutlich über 200 kg. Bewusst habe ich einen solch dicken Menschen noch nie angesehen. Immer eher vorbei gesehen, nur ja nicht anschauen, weil es peinlich wäre, dabei entdeckt zu werden.

Aber aus meiner Deckung hinter den Chipsstapeln wagte ich den Blick.

Der Schweiß perlte über sein Gesicht.

Nein, alt war er nicht. Vielleicht etwas älter als ich. Aber nicht wesentlich.

Hart atmend warf er die Feststellbremse in seinen Rollator und ließ sich auf der Sitzfläche nieder.

Pause.
Er brauchte dringend eine Pause.
Das war unschwer zu sehen.

Dabei hatte er gerade mal 30m im Laden zurückgelegt.

Neugierig (gebe ich zu) beobachtete ich ihn. Schob mir eine Packung zur Tarnung vor das Gesicht und tat so, als würde ich die Inhaltsangaben eines Produktes intensiv lesen, sah aber daran vorbei.

Er nestelte ein Stofftaschentuch aus der Jacke und wischte sich den Schweiß von der riesigen Gesichtsfläche. Der Atem ging immer noch schwer.

Er wartete.

Und da kam sie.

Vermutlich seine Frau.
Gertenschlank.
Mit flitzendem Einkaufswagen.

Nach Luft schnappend konnte er nicht sprechen, also deutete er mit seiner massiven Hand einfach nur auf den Chipsberg.

"Vier, wie immer?", fragte sie gut gelaunt.

Er nickte stumm.

Und so porkelte sie vier Bigsize-Chipstüten aus dem Regal und warf sie in ihren Einkaufswagen.

Von meinem sicheren Platz aus konnte ich erkennen, dass die Tüten sich dort mit Schokolade, weißem Toast und Nussnougatcreme tummelten. Außerdem waren da noch drei Sechserpacks Cola. Die großen Flaschen.

Ich war fassungslos.

Was taten sie da?

Langsam hinrichten?
Dass er das nicht mehr lange überleben würde, lag auf der Hand.
Schon in diesem Zustand konnte ich nicht mehr viel Lebensqualität sichten.

Jedenfalls meiner Meinung nach.

Aber was weiß ich denn?
Vielleicht besteht seine Lebensqualität darin, dieses Zeugs zu essen.

Den Rest des Einkaufs über sammelten sich immer mehr ähnliche Produkte im Wagen. Das einzig Grüne war auf der Chipsverpackung aufgedruckt. Noch nicht einmal ein Alibifussel Gesundes.

Nachdenklich verließ ich den Laden.

Habe mich schon so oft gefragt, warum Mitmenschen solchen Menschen die Möglichkeit geben, sich tot zu essen. Denn er wäre niemalsnienicht in der Lage gewesen, sich die Waren selbst zu holen. Wäre noch nicht mal in der Lage gewesen, den Laden zu betreten, weil er bombensicher nicht Auto fahren konnte.

Was wäre denn, wenn sie sich weigern würde, solche Produkte zu kaufen?

"Dann hol du sie dir, wenn du sie haben willst!"
So in dem Stil.

Nein, für mich ist das keine Beschneidung der persönlichen Rechte.

Oder denke ich zu schwarz/weiß?

Ich würde doch auch keinem alkoholsüchtigen und zusätzlich augenscheinlich gesundheitlich schwer angeschlagenem Menschen einen Sechserpack Korn kaufen.

Heim fuhr ich mit der tiefen Dankbarkeit im Herzen, dass ich es geschafft habe, von diesem Zug abzuspringen. Bei voller Fahrt.

Wie seht ihr das?

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Kommentare:

  1. Das is' nicht mal ne langsame Hinrichtung, sondern 'ne relativ schnelle, die einfach in Raten vollzogen wird.
    Aber in Wirklichkeit "leben" solche armen Menschen schon gar nicht mehr, das ist nur noch "vegetieren".
    Manchmal frage ich mich, ob man solche Menschen vielleicht ansprechen sollte und sie fragen sollte, ob sie Hilfe brauchen.... also so Hilfe beim Ändern ihres "Vorgehens" oder beim Lernen, wie man's "anders/besser/schlanker/gesünder" machen kann.
    Vielleicht würde man sich einen bösen Schimpfer einhandeln, vielleicht aber auch nicht - who knows....

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  2. Hui das klingt ganz schön schlimm, für den Mann vor allem und aber auch die Frau, ich meine wenn es wirklich seine Frau ist die ihn liebt warum kauft sie das ganze Zeug?? Sehr unverständlich und unverantwortlich finde ich! Ich guck übrigens auch immer in die Einkaufswägen der anderen und da tümmeln sich echt oft haufenweise ungesunde Sachen, vor allem auch bei Leuten die mit den Kindern einkaufen gehen, was da drinnen ist ... aber ehrlich, wenn die Leute es selber nicht checken, dann kann man eh nichts machen. Ich meine das ist doch bei jedem der abnehmen will oder abgenommen hat auch so, so lange man nicht den Klick hat ist einem egal was die anderen sagen ... ist leider so!

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  3. Ich ertappe mich, seitdem ich voll auf der LCHF-Bahn bin, immer öfter dabei in die Einkaufswagen der anderen zu schauen. Was sich da so tummelt, besonders in den WE-Einkäufen, lässt mich oft fragen ob sie eigentlich wissen, was sie sich da antun.Allein schon diese vielen Fertig-und Halbfertiggerichte!!!
    Obwohl ich auch sagen muss, das ich am Anfang der Umstellung ein ziemlich schlechtes Gewissen hatte meine Einkäufe auf´s Band zu legen.....wat denkt die jetzt???....kein Wunder das die so fett ist...bei den vielen fetthaltigen Produkten....
    Heute hab ich kein schlechtes Gewissen mehr und grinse in mich hinein wenn ich ungläubige Blicke ernte.

    XXX und ein schönes WE für Dich und Family
    Tina

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    1. Hallo Tina, genau so ging es mir auch bei meinem "ersten" LCHF-Einkauf...ich bin wie ein Dieb durch den Markt gehuscht, weil ich die ganze Zeit gedacht habe, daß mich die anderen Kunden/ Mitarbeiter für vollkommen wahnsinnig halten müssen *lach* . Gestern beim 2. Einkauf gings schon viel besser :-)

      lg, auch eine Tina.

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    2. Und ab dem dritten äugst du kritisch in den Wagen deiner Mitmenschen.

      :D

      Liebe Grüße!!

      Sudda

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  4. Vielleicht ist sie ja auch ein weiblicherer Kümmerer. Meistens sind es allerdings Männer, die ihre Frauen förmlich tot füttern...

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  5. Zunächst mal frag ich mich natürlich, was unsere Sudda ausgerechnet hinter einem Chipsstapel zu suchen hat... ;-)

    Ansonsten hat mich Dein Erlebnisbericht sehr berührt. Mir ging es gestern ähnlich, als ich im Supermarkt eine immens dicke, aber ansonsten sehr gepflegt wirkende junge Frau Anfang 20 sah, die sich allerdings nicht beim Junk, sondern in der Obstabteilung bediente. Da ich selbst einmal sehr dick war, konnte ich mich in sie hereinversetzen und war mir auch sicher, sie spürt die Blicke der Menschen im Geschäft unter ihrer Kleidung brennen... . Ich wünsche ihr, sie sucht auch künftig vor allem die Obst- und Gemüseabteilung auf. In jedem dicken Menschen steckt ein dünner, der raus will!

    Lg Robert aka pinkpoison

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  6. Wow. Krasse Geschichte.

    Man weiß natürlich nicht, was hinter dem Ganzen steht. Aber aus der Betrachter Perspektive sehe ich es wie du.

    Soetwas stimmt einen sehr nachdenklich.

    In dieser Hinsicht ist es wirklich besser vom fahrenden Zug zu springen als auf die Endstation zu warten.
    Da gebe ich dir voll recht.
    Leider haben nicht alle die Stärke, die Kraft und vor allem nicht den Mut, dass zu tun. Viele haben zu viel Angst vor dem Aufprall und davor sich dabei weh zu tun.
    Und selbst wenn sie den Absprung machen würden, stellt sich immer noch die große Frage, was passiert dann wenn der Zug weg ist? Wo bin ich dann? Bin ich dort allein?
    Und so weiter. Diese Metapher könnte man noch ins unendliche weiterführen.

    Ich glaube man kann nur für sich selber entscheiden, was das Beste ist, und ob man bereit dazu ist, den Absprung zu wagen.
    Ich bewundere immer noch sehr, dass du ihn gewagt hast und so weit gekommen bist und mit Sicherheit noch viel weiter gehen wirst.

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  7. Ich selbst schäme mich auch oft für meinen Einkaufswagen. Wenn ich für die Firma Süßigkeiten kaufe oder so und einiges auf das Band packe.....und die Leute hinter mir dann so komisch gucken: "Ja, jaaaa, die Dicke, die frisst jetzt 5 Tüten Weingummi"....

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  8. Interessantes Thema. Wir hatten gerade ein Programm im Fernsehen mit der dicksten Frau in England (254 kg), die nicht mal mehr aus dem Bett kommt. Sie liegt da und wird gefuettert. Ein Thema waren die Kosten fuer die Krankenkasse: Sie kriegt taeglich Besuch von Pflegern, die helfen beim Waschen usw. Wenn sie ins KKH muss, kostet es ein Vermoegen, weil sie nicht mit einer normalen Ambulanz fahren kann und die 8 Maenner brauchen, um sie zu bewegen. Und trotzdem kommt die Familie und fuettert sie (8 Hamburger zum Mittag!!!). Und als sie gefragt haben, warum sie immer noch soviel Essen bringen, sagten sie "Weil sie uns drum bittet!" Die haben total ihre Augen geschlossen vor der Tatsache, dass sie einen grossen Teil mit ihrem Uebergewicht zu tun haben! Es war schockierend. Ich fand die Familie schwerer zu verstehen als die Dame, um ehrlich zu sein.

    Das Argument der Dame wegen der KK-Kosten (worum es hauptsaechlich ging in dem Programm), war dass sie genau so eine Essstoerung hat wie Leute mit Anorexia und da wuerde auch niemand was sagen. ABER fuer mich ist der Unterschied, dass Leute mit Anorexia irgendwann gegen ihren eigenen Willen gefuettert werden koennen. Zumindest hier koennen die eingewiesen und zwangsernaehrt werden. Niemand kann einen Uebergewichtigen sagen "DAS WAR'S! MEHR KRIEGST DU NICHT!!!!"

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  9. PS: Sorry ^ von Bikey natuerlich

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  10. Kennt ihr Alkoholiker? Ich bin einer. Ich weiß um die Mechanismen um Sucht und Co-Abhängigkeit. Auch bei solcher Fress-Unvernunft geht es um Sucht, schätze ich. Der Mann müsste sich helfen lassen wollen, aber dafür müsste er seinen Leidensdruck als zu hoch empfinden, nicht jeder kann das, nicht jeder tut das. Ich kenne, kannte, Alkoholiker, die eine notwendige Änderung ihres Lebens nicht zustande brachten und sich, leider, liebe gute nette Kerle sonst, totgesoffen haben.
    JurekP

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    1. Da hast Du m.E. völlig recht, JurekP - wenn jemand nicht WILL, dann wird alles nichts nutzen...und Druck von außen schon gar nicht. Ich finde man sollte sich seitens der MEdizin andere Strategien überlegen, als Angst zu machen ("wenn Sie nicht abnehmen, dann kirigen sie einen Infarkt", etc.) - man müßte die Dicken (und alle anderen Suchtkranken auch) nach dem Motto von Saint-Exupéry helfen:

      "Denn ein Schiff erschaffen heißt nicht die Segel hissen, die Nägel schmieden, die Sterne lesen, sondern die Freude am Meer wachrufen."

      - Antoine de Saint-Exupéry, Die Stadt in der Wüste

      Gruß Robert

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    2. ehrliches und vor allem sehr wahres statement *like*

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    3. @Robert Bock:
      "Denn ein Schiff erschaffen heißt nicht die Segel hissen, die Nägel schmieden, die Sterne lesen, sondern die Freude am Meer wachrufen."
      Den Satz kannte ich noch nicht.
      Gefällt mir sehr gut.
      Gruß
      Oona

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  11. Das war bestimmt nicht seine Frau, sondern seine Pflegerin, oder?? Wie auch immer, mir ist schon oft aufgefallen, dass sehr dicke Mütter mit schon fast genauso dicken Kindern gruselige Dinge einkaufen. Große Packungen von diesem künstlichen Wassereis in Plastiktüten, Billigschokolade und Chips, Säfte in rauhen Mengen und Fleischwurstringe. Ich finde schon, dass man da sehr genau sieht, wer sich mit Ernährung befaßt und wer nicht. Der smarte schlanke junge Mann hat zum Beispiel eher Joghurt, Käse und eine Flasche Rotwein im Wagen. Manchmal überlege ich mir sogar, ob ich gerne bei dem oder derjenigen mitessen würde. Meistens komme ich auf ein Nein.
    Das ist alles eine Kopf- und Bewußtseins-Sache. Manche wollen einfach nicht, da kann man nichts machen. Sehr interessantes und komplexes Thema!

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    1. Also mir fällt an dicken Kindern auf, dass die in den meisten Fällen einen extrem schlanke Mutter dabei haben.

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  12. Da ich nie in einer solchen Lage war, kann ich dazu auch nichts erkenntnisreiches sagen, ausser das, wenn ich solche leidenden Menschen sehe, oft denke:"Warum tun die sich das an?" Ich möchte dann jedes Mal hingehen und sie schütteln und laut anbrüllen:"Du bringst Dich um, merkst Du das nicht? Je mehr Du isst, desto unglücklicher wirst Du."

    Aber ich glaube auch, dass das die Menschen wissen und aus diesem Teufelskreis nicht rauskommen.

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  13. BILD-Leser/Innen wissen mehr ...

    Tiefer Kummer ...
    http://www.bild.de/ratgeber/gesund-fit/uebergewicht/englaender-dickster-mann-der-welt-368-kilo-keith-martin-london-22618318.bild.html

    Ein toter TransMensch ...
    http://www.bild.de/regional/koeln/uebergewicht/deutschlands-dickster-mann-stirbt-qualvoll-17872950.bild.html


    Meine Vorsätze dazu ...

    "Mitgefühl statt Mitleid"
    "Achtung statt Verachtung"

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    1. Verachtung fuehle ich ganz sicher nicht fuer diese Menschen. Aber Unverstaendnis. Und vor allem Unverstaendnis fuer die, die es moeglich machen. Er ist bettlaegrig, er kann sich nicht zum Fruehstueck 8 Hotdogs und 4 Scheiben Brot machen. Das macht jemand anders und DIE sollten sehen, dass nicht helfen. Nicht mit seiner Trauer, nicht mit seiner Gesundheit, nicht mit Lebensqualitaet. *kopf schuettel*

      Bikey

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  14. Das ist meist das Gleiche, wie bei Co-Alkoholikern. Wer so extrem übergewichtig ist, der ißt ja vermutlich nicht mehr, weils so Spaß macht, sondern weil er muß. Genauso wie ein Alkoholiker. Dazu findet sich dann eben oft auch ein Co-Alkoholiker.
    Da gehören dann Beide in Therapie.

    Das Dumme ist nur, dass viele ehemalig Dicke genauso agieren, wie Ex-Trinker oder Ex-Raucher.

    Es gibt soooo viele Dicke, die auch schon etliche Male 50, 60, 100 Kilo abgenommen haben und wieder dick sind.
    Nur drei Prozent schaffen es, auf Dauer schlank zu bleiben. Die Angst sitzt im Nacken und der Focus geht auf andere Dicke, die den Klick noch nicht haben.

    Die Menschen, die sich meist am Besten mit Ernährung und Diäten auskennen, sind die Dicken.
    Denn sie haben sich meist erst richtig dick diätet. Jede Diät macht es schlimmer, bringt den Stoffwechsel weiter durcheinander und nimmt wieder ein Stück Selbstbewutsein, wenn das Gewicht wieder hochwandert.

    Da ist es tatsächlich gesünder, von dem Zug wieder abzuspringen und die Finger von "Ernährungsumstellungen" zu lassen.

    Vielleicht sind die Beiden auch an diesem Punkt und thematisieren sein Gewicht nicht mehr.

    Wer weiss das schon so genau ?

    LG

    Kati

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    1. Dem stimme ich absolut zu! Vor allem mit der Coabhängigkeit!

      Ich kenne es so, dass wenn ein Esssüchtiger seinen Stoff nicht bekommt extrem unleidlich zu der Person wird, die normalerweise den Stoff besorgt.

      Ja es ist wohl ein emotionaler Druck und eine Abhängikeit.

      Eigentlich erstaunlich, dass der Mann noch selber mit ist zum Einkaufen, noch einfacher wäre es bestimmt gewesen die Frau mit der Liste loszuschicken.


      Das wichtige ist halt, dass wenn man als Essüchtiger sein Essen selbst kaufen muss auch wirklich die Verantwortung selbst dafür trägt.

      Es ändert nicht unbedingt was an den Mengen, aber man muss sich immerhin der Scham jedes Mal auseinandersetzen.

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  15. :-(

    Was für eine traurige Geschichte!!

    Für mich ist ein solches Verhalten ganz klar eine Krankheit. Das hat nichts mit "jetzt reiß Dich mal zusammen" oder "ich bin so schwach" oder so zu tun.
    Ich bin kein Arzt, habe keine Ahnung, *wo* genau sich diese Krankheit versteckt. Körper, Seele, Herz, Gehirn.... alles irgendwie betroffen.

    Auf der anderen Seite: Dein Beobachten ist genau das, was dicke Menschen fürchten, was ihnen peinlich ist? OBWOHL Du - und das weiß ja der Beobachtete nicht - selbst auch Deine Geschichte hast. Und mit Mitgefühl und "was würde helfen?"-Gedanken schaust, nicht verachtend.
    Ich glaube, das ist wichtig für alle, die sich gelegentlich "unter Beobachtung" fühlen: nicht jeder, der guckt, ist ein Gaffer. Da sind auch GANZ VIELE (vermutlich sogar die absolut überwiegende Mehrheit) SEHR SEHR tolle Menschen, die schauen.

    Ach Mensch, der arme Mann :((

    Ganz liebe Grüße aus Kaarst !

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  16. Ich bin ganz deiner Meinung. Das ist traurig und nicht verständlich. Du hast vollkommen recht, dass das der langsame Weg ins Grab ist und gleichzustellen damit, dass man einem Alkoholiker Alkohol zur Verfügung stellt.
    Es wird sicher einen Grund geben, dass ihm seine Begleiterin alles kauft... mir fällt leider nicht ein welcher Grund das sein kann -.-
    Ich bin zwar wirklich nicht in einem gesundheitsgefährdenden Bereich, aber ich will schnell so weit wie möglich weg davon... und ich werde immer zusehen, dass meine Liebsten auch möglichst weit weg davon sind *_*
    liebe Grüße
    LesFee

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  17. Mir fällt dazu vieles ein. Aber vorallem denke ich a) die Frau ist wahrscheinlich / vermutlich in einer Art Co-Abhängigkeit. Wurde hier ja schon geschrieben.
    WENN sie anders handeln könnte, dann würde sie es tun. Aber ihr fehlt das bewußt-sein.
    Wer mag das werten?

    b) Eßstörungen sind so arg verbreitet. Ob nun Mager-Sucht, Eß-und Brech-Sucht oder Fress-Sucht. Eben eine Sucht. Ich persönlich glaube, dass nur wenige "dicke" Menschen einfach nur zu blöd sich sich richitig zu ernähren.
    Meistens wogt die Eßstörung durch das Leben und beeinflußt einfach ALLES!

    Wenn der Mann in dem Einkaufsladen so dick ist, dass er über kurz oder lang sterben wird an seinem Übergewicht, so ist das erschütternd traurig. Eine Folge seiner Sucht. Die wiederum ein Ausdruck dessen ist, was er an Leid/Schmerz (oder was auch immer es sei)in sich trägt.
    Er ist ein Mensch. Der all das sucht, was alle Menschen sich von Herzen wünschen und brauchen. Achtung. Liebe. Respekt. Das frei sein von Leid. Das erfüllt sein von Glück.

    Letztlich kann nur er selbst seine Seele heilen und sich von der Sucht und damit von seinem Übergewicht lösen.
    So wünsche ich ihm und allen anderen Menschen, die an einer Sucht erkrankt sind, dass sinnvolle Hilfe naht und das die Menschen die Hilfe annehmen können. Um sich selbst zu helfen.

    Es ist ein so langer Weg aus der Esssucht.
    Ich heile mich so gut ich es kann.

    **

    Schön, liebe Sudda, dass Du hinschaust und es zum Thema machst.

    **

    Mögen alle Menschen glücklich sein.
    Mögen alle Menschen sich sicher und geborgen fühlen.
    Mögen alle Menschen gesund sein.
    Mögen alle Menschen sorglos leben.

    Herzlichst
    Oona

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    1. Liebe Oona, ich finde, das hast Du ganz toll geschrieben!

      LG
      Chillie

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    2. Liebe Oona, ich finde, das hast Du ganz toll geschrieben!

      LG
      Chillie

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    3. Liebe Oona, Du hast mir aus der Seele gesprochen!
      DANKE!!!

      LG aus dem Norden

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  18. Das Problem liegt meistens ja woanders. Was den Mann dazu bewegt hat so dick zu werden? Wir dicken oder ehemals dicken haben unseren Panzer ja auch aus irgendeinen Grund aufgebaut. Nachdem ich abgenommen habe fallen mir Dicke Menschen viel mehr auf als vorher. Und irgendwie wünschte ich mir ich könnte diese auch von LCHF begeistern, denn wir wissen wie es ist sich nicht mehr oder schlecht bewegen zu können. Wie es war als man nicht mal Treppe gehen konnte ohne zu schnaufen. Der Arme Mann ich hoffe er findet die Kraft und Hilfe etwas dagegen zu tun.

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  19. Liebe Sudda,

    das ist wirklich absolut unglaublich.. Und ein bisschen muss ich Dir recht geben, das man das als Partner eigentlich nicht unterstützen darf.. Aber es ist auch so, dass man aus diesem Teufelskreis nur herauskommt, wenn man es selbst will und man selbst dafür arbeitet.. Das ist auch bei einem Alki so.. Man sagt ja, dass man erst ganz unten ankommen muss (als Alki), bevor man begreift, was los ist. Aber ganz sicher darf man als Partner das nicht so unterstützen, da bin ich voll und ganz bei Dir! Und auch ich bin heute ganz besonders froh, dass ich diesen Teufelskreis verlassen habe!! ;o)

    Herzliche Grüsse
    Chillie

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  20. Vielleicht ist es eine "Schwarze Witwe" die ihr Männchen erst mästet und es dann beerbt :)

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  21. Es ist einfach nur Wahnsinn, wie die Essstörungen in den Industrieländern angestiegen sind und zwar in beide Richtungen.

    Aber solange es die Lebensmittelmafias gibt wird sich da wohl nicht viel dran ändern!

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  22. und nun noch @Sudda:

    Hättest du dich denn getraut ihm ein Kärtchen mit deiner Blogadresse zu geben?

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  23. Ich hab das Gefühl, dass eigentlich jeder beim Thema Ernährung das Gefühl hat, den heiligen Gral entweder gefunden zu haben oder nahe zu wissen. Man kann ja kaum sagen, dass man Leber isst, ohne zu hören, dass man "das aber nicht zu oft" essen soll. Mal ehrlich, wer isst schon oft Leber? Oder, dass man jeden Tag Eier isst, ohne dass jemand mit "OhGotthmpfhmpfCholesterin" reagiert.
    Dieses Ernährungsthema ist so allgegenwärtig und emotional belastet, dass eigentlich kaum noch einer richtig im Kopf ist bei seinen Entscheidungen.
    Und dann mal guckt, was die anderen so im Wagen sammeln (obwohl man ja auch nicht unbedingt guckt, wer sich was bei H&M aussucht) und mal vergleich
    Und dann sagt die Kundin zur eigentlich voll desinteressierten Kassiererin beim Kauf eines Kartons Milchreis/Joghurt/Brei und zehn Tafeln Schokolade "Ich kaufe das für eine ganz reizende ältere Dame ein". Zweimal.
    Aber was will man machen, den Leuten noch mehr reinreden? Die Geister scheiden sich vielleicht an Kohlenhydraten/Fett, aber zumindest bei diesem Chips/Süßkram/Softdrinkgedöns glaubt ja jeder, dass das ungesund ist.
    Oder etwa nicht?
    Und dann kommt noch dazu, dass zumindest ich der festen Überzeugung bin, dass die DGE mit allem, was seine Pfoten drin hat, falsch liegen.
    Und dass den Leuten, die kaufen, für das sie meinen, sich rechtfertigen zu müssen, einen LCHF-Flyer in die Hand zu drücken, möglicherweise deren Erlösung wäre.
    Und es juckt mir in den Fingern, der Mutter, die ihr zweijähriges Kind mit FastFood füttert, den Burger aus der Hand zu schlagen.
    Ganz schwierig.

    hmpf
    allesinbutter

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  24. Sowas ist wirklich schlimm.
    Ich bin auch immer ganz erschüttert, wenn ich so dicke Menschen im Fernsehen oder (ganz selten) mal in echt sehe.
    Ich denke mir einfach, dass sie wie ich auch schleichend so viel Gewicht zugelegt haben. Nur dass es bei mir eben "nur " 40 kg zuviel sind, während es bei ihnen das drei- oder vierfache ist.

    Was ich sagen will: Ich glaube, dass es IMMER möglich ist, sein Leben zu ändern, abzunehmen, sich (wenn auch in Maßen) zu bewegen usw.
    Nur muss man an den Punkt, an dem man das einsieht eben auch erstmal ankommen.
    Ich bin froh, dass ich den Punkt rechtzeitig erreicht habe, mache aber niemandem einen Vorwurf daraus, dass er oder sie stark übergewichtig ist.

    Es ist eben nicht so einfach, sein Leben völlig umzukrempeln. Alles so lassen wie es ist, ist wesentlich bequemer.


    Zur Ehefrau: Wie teilweise meine Vorredner schon sehe ich das als Du. Wenn Du mit einem Suchtkranken zusammenlebst, gerätst Du selbst in den Strudel. Du versuchst, ihm so viel Leid wie möglich zu ersparen, sprich Du besorgst ihm wenn nötig auch seinen "Stoff". Hier ist es eben das Essen.

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  25. Bittere Geschichte... Da fallen mir echt kaum Worte ein.

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  26. Ich denke der gute Mann weiß, dass er nicht mehr lange mitmacht.
    Vielleicht will er das auch garnicht. :-/
    Eventuell ist er von Haus aus psychisch belastet, so dass er keinen Sinn im Leben sieht und deshalb macht was ihm gefällt. (Als Beispiel )

    Man müsste die Hintergründe von suchtgesteuerten Menschen kennen, um ihnen helfen zu können.

    Direktes Ansprechen halte ich ebenfalls für falsch. Ich wäre ja auch angepisst, wenn sich jemand wildfremdes erlaubt sich in mein Leben einzumischen.;-)

    Man muss die Psyche hinter Menschen ergründen, um ihnen wirklich helfen zu können.

    Es kann nur denjenigen geholfen werden, die Hilfe wollen...

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  27. Ich tue mich ja etwas schwer mit diesen typischen Dicken-Cliches - auch wenn da natürlich immer auch ein Körnchen Wahrheit drin steckt. Ich habe aber auch schon viele schlanke Menschen Chips-Tonnen und 5er Packs Schokolade kaufen sehen.

    Warum die Frau das macht? Warum kaufen Frauen ihrem alkoholabhängigen Mann Schnaps, warum bringen Männer ihren übergewichtigen Frauen Pralinen mit, warum lassen Frauen sich verprügeln, warum akzeptieren Männer den Liebhaber der Frau...es gibt neben der Abhängigkeit eben auch die Coabhängigkeit.

    Und es gibt Liebe die keine ist "Ich möchte nicht, das meine Frau mit dem Trinken aufhört, hat mir mal jmand gesegt. "Dann habe ich sie nicht mehr unter Kontrolle" Eine von x Antworten, die zum Teil auch für die Beroffenen selbst im Dunkeln liegen.

    Ich glaube, wenn man als Mensch an diesem Punkt angekommen ist, wie der von dir beschriebene Mann, braucht man kein LCHF, kein LowFat 30, keinen Dr. Pape, keine Trennkost etc. ... sondern ein gute und liebevolle medizinische, psychotherapeutische und sportmedizinische Betreuung.

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  28. "Ich würde doch auch keinem alkoholsüchtigen und zusätzlich augenscheinlich gesundheitlich schwer angeschlagenem Menschen einen Sechserpack Korn kaufen."

    ich teile Deine Meinung ausdrücklich! Auf jeder Zigarettenschachtel stehen Todeswarnungen drauf, Alkohol darf nicht an Jugendliche ausgegeben werden und unser erstes Stück Schokolade bekommen wir mit Sicherheit vor dem 1. Geburtstag :-(

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    1. Vor allem muss man sich mal eines durch den Kopf gehen lassen..

      Zu meiner Kindheitszeit gab es viel weniger Süßes als heute.
      Von den Generationen vor mir mal ganz zu schweigen.
      Da waren das doch echte Highlights!

      Und heute?

      Das Jahr hat 365 Tage.

      Weihnachten, Ostern, Sylvester, Nikolaus, St. Martin - es gibt Süßes
      10 Tage abziehen - bleiben noch 355 Tage ohne süß

      Feiern innerhalb der Familie...
      Bei uns sind das rund 20 - bleiben noch 335 Tage ohne süß

      Weihnachtszeit generell, Adventskalender, Adventszeit... Einverstanden mit 27 Tagen? - bleiben noch 308 Tage ohne süß

      Die Kinder werden zum Geburtstag bei Freunden eingeladen, feiern ihren eigenen. 11 pro Jahr? Bleiben 324 Tage.

      Freunde kommen zu Besuch - man stellt was "Leckeres auf den Tisch".
      Circa einmal pro Woche = 52 mal pro Jahr. Bleiben 272 Tage.

      Man fährt in den Urlaub und "gönnt" ihnen täglich was. 14 Tage.
      Bleiben 258 Tage.

      Die Kinder gehen schon allein ins Freibad. Im Sommer locker 20 Mal.
      Bleiben 238 Tage.

      Omma/Oppa/Tante/Onkel kommen zu Besuch - bringen "was" mit.
      20 Mal pro Jahr? 218 Tage verbleiben.

      Man fährt einkaufen. "Bring uns doch was mit!" Man ist kein Spielverderber. 40 Mal? Und schon sind es nur noch 178 Tage.

      Im Sommer ist es so heiß. Und der Eismann fährt klingelnd durch die Straße. 30 Mal ist wohl kaum untertrieben. Macht 148 Tage.

      Ach ja, die Klassenkameraden bringen zu ihrem Geburtstag auch noch was mit in die Schule. 27 Kinder in der Klasse? 121 Resttage.

      Viele lassen ihre Kinder relativ viel Fruchtsaft oder Limo trinken - das wäre dann wohl täglich.

      Ganz zu Schweigen von den angeblich "gesunden" Süßigkeiten - N*tella, F*uchtzwerge, wie sie alle heißen...

      Und so weiter und so weiter.
      Das ist jetzt natürlich nicht genau.
      Aber da sollte man mal drüber nachdenken.

      Und he... die haben auch noch Taschengeld und Büdchen an der Schule...
      Das lässt sich kaum erfassen...

      :(


      Da muss man sich echt mal an die Nase fassen.

      Wir bekamen schon mehr als die Generationen vor uns, aber WO FÜHRT DAS HIN?

      Die nachfolgende Generation wird in den meisten Fällen krankverwöhnt.

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