Mittwoch, 31. Oktober 2012

Schön ist scheiße!

Eigentlich denke ich, dass ich über ein recht ausuferndes Repertoire an Wörtern verfüge. Ich träller euch hier ja auch immer wieder die Augen voll und habe durchaus den Eindruck, dass viel Schreiben die Wortwahl und den Stil weiterentwickeln.

Gut, persönlicher Stil bleibt persönlicher Stil und daher fällt mir immer wieder auf, dass ich eine Vorliebe für bestimmte Worte habe und eine Tendenz zu überflüssigen Füllwörtern:

so, sehr, mal, immer wieder, ja, fast, enorm, total, schon, eigentlich, aber,... (beliebig ergänzbar)

Ich war zeitlebens eine Laberbacke.
Garantiert genetisch bedingt, kann ich nix für, müsst ihr mit meiner Mutter ausdiskutieren.
Beschwerdebriefe leite ich gerne weiter.

Legendär als ich einmal eine intensive Ausarbeitung im Bereich Recht schreiben musste. Der Stil dort ist eher klar und jedes überflüssige Wort muss weg.

Was tun, wenn man die Reinkarnation einer schnatternden Gans ist?

Ich schrieb in meinem Stil, seitenweise.
Danach nahm ich einen Rotstift und ging den Text Wort für Wort durch.
Alles Überflüssige strich ich durch (und überflüssig war da aus dieser Perspektive eine Menge) und schrieb den Text neu. Weniger als ein Viertel war vom Ursprungstext über.

Herrlich kurz.
Null Sudda.
Klang aber total wichtig.

Trotzdem keine sonderlich gute Note.
:)

Wo war ich...
(Verdammt... siehste.. schon wieder eine Menge Wörters für nix)

Als Kursleiterin turnt man nicht nur vor und schaut, dass die Teilnehmer alles richtig machen, nö, man muss man auch über die Dauer des Kurses fast ohne Punkt und Komma labern. Die Übungen anleiten, motivieren, ihr wisst schon.

Dürfte mir ja eigentlich nicht schwer fallen.
Tut es auch nicht.

Wobei ich niemanden kenne, der die Menschheit im Kurs besser mit Anekdoten vergessen lässt, was sie durchleidet, als mein Vorbild Schweinchen Schlau, die Meisterin der Wortwahl.

Gestern Abend stellte ich jedenfalls fest, dass ich trainerspezifische Lieblingswörter gebunkert habe.

"Akkurat", "ruhig", "in eurem Tempo", "herrlich", "konzentriert euch auf die exakte Ausführung der Bewegung", "entspannen" und vor allem: "schön",

"Zeichnet mit der Hacke ruhig und akkurat schöne Kreise in die Luft", "atmet schön ruhig weiter",, "hebt das Bein schön und ohne Schwung an"...

*narf*

Alles irgendwie schön, schön, schön,

Und das kann mich richtig nerven, weil ich mir ja interessiert zuhören muss. Sonst weiß ich ja nicht mehr, was ich denen sage.

Ich werde mir umfassende Gedanken machen und das Wort "schön" zukünftig ersetzen.
So!

Ende.

Was mein Buch angeht:
Da bleibt alles wie gehabt, auch wenn ich zugebe, dass ich meine Texte bestimmt hundert Mal lese und immer wieder Wörtchen ausmerze oder austausche.

Sudda ist Sudda und bleibt Sudda.

Das habt ihr mir in euren Kommentaren klar zum Ausdruck gebracht, wofür ich euch sehr dankbar bin.


Wenn ich nämlich alles theoretisch Überflüssige streiche, wie in diesem Text... Was bleibt da noch über?



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Kommentare:

  1. Schon schön, dass da nun soviel Schönes ist in deinem Leben :-)

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    1. Das kannste wohl laut sagen.

      Und eigentlich haste recht.

      Was schön ist, ist nun mal schön und nix anderes.

      Drück dich!

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  2. Sudda, da ist nichts überflüssig! Wenn das Überflüssige weg wäre, wäre es strunzlangweilig bei Dir zu lesen ;). Meine Lieblingswörter u.a. UND sowie SOZUSAGEN. Aber ich mag meine Füllwörter und sie machen meinen Schreibstil aus, sozusagen.

    Grüsse

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    1. Sozusagen?

      Auch ein gutes Wort.

      Beruhigend, dass andere das auch haben.
      Und vielleicht sollte ich mir die gleiche Einstellung zu MEINEN Füllwörtern zulegen, wie du sie zu deinen hast.

      Danke!

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  3. Suddalein, in dem letzten Post haben wir es Dir schon alle gesagt: Wir moegen Dein Gelaber, Deine Um- und Beschreibungung, wie Du Worte benutzt, um uns Bilder und Emotionen zu geben. Wenn Du nur das wichtigste schreiben wolltest, haettest Du auf diesem Blog einfach eine Gewichtstabelle machen koennen :)

    Schoen!

    Bikey

    PS: Ich habe letzt eine Anfaenger-Klasse als Vertretung unterrichtet. Du haettest mich mal hoeren sollen, die richtige Schlagtechnik erklaert anhand von Holzhacken und Ball werfen, hihihi xx

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    1. Aaawwww... danke!

      Und ja, wenn man viele bildliche Umschreibungen nutzt, macht es das Neulingen deutlich einfacher, nachzuvollziehen, welche Bewegung gemeint ist. Das hast du völlig gut und richtig gemacht.

      Ich will auch ma ne Karatestunde bei dir!!

      Drücker über den Teich.

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  4. ...Sch...so einen Freund habe ich auch noch, auf den ich aber *fast* verzichten könnte...schönen Tag noch, den ich in der Küche verbringe und meinen Schnellkochtopf schinde...

    lG Geli

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    1. Schnellkochtopf?

      Respekt!

      Vor diesen Dingern hab ich echt Schiss.
      Hab ich daher gar nicht.

      Und was hast du gekocht?

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    2. ...Eisbein, dazu dann Sauerkraut und ich bin für 3 Tage eingedeckt ..:-)))

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  5. Wie sagte schon der großartige Konrad Beikircher im 10. Teil seiner rheinischen Trilogie: Am schönsten isset, wenn et schön is!

    Ansonsten könntest du dies auf deinen Weihnachts-Wunschzettel schreiben:

    http://www.amazon.de/Duden-W%C3%B6rterbuch-Stichw%C3%B6rter-allt%C3%A4glichen-Schreibgebrauch/dp/3411744820/ref=sr_1_2?ie=UTF8&qid=1351673425&sr=8-2

    Muss aber nicht, denn ich find's schön hier ... ;-)

    Lieben Gruß
    die Andi

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    1. Danke!

      Das schau ich mir gleich mal an.

      Jo, ich denke eigentlich auch, dass ich eben so bin und wenn ich es anders versuchen würde, wäre es vielleicht ebenfalls nicht schlecht, aber vermutlich nicht mehr Sudda.

      Ich freu mich schon darauf, dich zu treffen!
      Müssen wir echt bald mal machen.

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  6. So schlimm finde ich "schön" gar nicht.

    Es gibt schlimmeres,... Meine ehemalige (!!!!) Friseurin sagte vor jedem (!!!) Satz: "Siehste woll". Solche Wiederholungen fallen auf.

    Ich glaube, dass deinen Mädels das schön gar nicht so auffällt. Sie muessen sich ja schließlich auf ihre Übungen konzentrieren.

    Liebe Grüße

    Julia.

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    1. Ich denke auch nicht, dass sie das merken.
      Stört vermutlich nur mich selbst.

      "Woll" ist ähnlich schön, wie die hier vorherrschende Angewohnheit, einen Satz ständig mit dem Anhängsel "Ne?" (sprich: Nö - mit ganz kurzem ö oder e) abzuschließen. Bestätigung für Gesagtes einfordern sozusagen.

      Grüße zurück

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  7. Gut zu hören, dass das Buch nun doch Sudda wird und irgendwas Formelles ;)

    Und diese spezifischen Worte hat doch jeder von uns- solange sie niemandem auf den Sack gehen... tzzz egal!

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    1. Welche hast du denn?

      Ich finde das echt interessant.

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  8. Lol, quasi :-) einer deiner besten Texte, Honey!

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    1. Tse.

      Wie charmant.

      Den Text OHNE das Durchgestrichene oder mit?

      Du bist mir eine...

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  9. Endlich mal ein kurz und knapp gehaltenes Posting und man nicht so viel lesen muss ... *grins* ...

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    1. Wieso wundert es mich nicht, dass diese Bemerkung von dir kommt.

      :D

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  10. Schöne Scheiße :O)

    Ich hoffe, dass ich jetzt wieder den Anschluß in Deinem Blog finde.
    Wie Du lesen kannst: es ist vollbracht. ICH BIN FREI !! :O)
    Also habe ich Ressourcen frei bei dir wieder mehr zu lesen und zu kommentieren.

    *
    Das Buch wird ein Sudda-Buch über LCHF, xyz und das Leben. Und deswegen wird es gut.

    Herzlichst
    Oona

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  11. Neulich las ich einen Artikel in einem Fachblatt. Der Autor hatte anscheinend kein Vertrauen ! in seine Leser, denn er streute an jeder ! Stelle, die er wichtig! fand, Rufzeichen ein. Seltsam. Ich habe mir ! den Spass ! gegönnt und den Text laut ! vorgelesen und die Worte mit Rufzeichen auch als solche gelesen. Lauter nämlich. Gerufen also. Das war ein witziger ! Effekt.
    Davon abgesehen finde ich Texte interessant, die lebendig sind. Nicht reduziert und aller "Unnötigkeiten" beraubt. Lesen macht mir Vergnügen wenn ich Persönlichkeit rauslesen kann. Es wäre schade, das nicht in deinem Buch zu finden.
    Viele Grüsse Betti

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