Sonntag, 14. Oktober 2012

Wildes Schweden

Pilze faszinieren mich ungemein.

Zum einen, weil ich sie sehr gerne esse, zum zweiten, weil sie einfach so rumwachsen, zum dritten, weil sie wenige KHs haben und sowieso.

Das Herbstwetter in Schweden inspirierte mich jedenfalls dazu, Pilze sammeln zu wollen.

Gut, eigentlich jahreszeitlich schon fast an der äußersten Grenze und Ahnung habe ich auch nicht, aber ich hatte ein Pilzbuch zur Hand und außerdem wollte ich sicherheitshalber nur Steinpilze und Kollegen finden, da kann einem bei einem Fehlgriff allerhöchsten total übel werden, aber man fällt nicht direkt tot um.

Am Mittwoch machten der Mann und ich uns auf. Wir wollten hauptsächlich von Torekov Richtung Hovs Hallar spazieren, aber weil dazwischen ein riesiges Naturreservat liegt, wollten wir dorthin einen Abstecher machen und ein wenig durch die Wälder stromern.

Immer schön auf dem Skåneleden, einem ausgewiesenem Wanderweg.
Und vielleicht würde ich dort Pilze finden?

Gesagt, getan...

Wir fuhren dorthin zum Wald quasi oberhalb von Båstad.


Am Wegesrand noch mehr hier und da geparkte Autos.

"Oh, noch mehr Pilzesammler!", dachte ich kleiner Naivling.

Wir parkten und zogen los.
Noch auf der Straße.

Landschaftlich war schon das Waldrandgebiet sehr hübsch und wir waren gespannt auf die mächtigen Wälder, die uns erwarteten.









Sind das nicht richtig schöne Fotos einer richtig schönen Landschaft, die der Mann da gemacht hat? Ich liebe seine Fotos.

"Wäre doch super, wenn wir einen Pilzsammler fragen könnte, wo man vielleicht suchen sollte!", schug der Mann vor und wie auf Bestellung poppte ein verschrobenes, älteres Männlein von einer Wiese auf die Straße und lächelte uns an.

Pilzkorb sah ich allerdings nicht. Was nix heißen muss.

Geschätzte "jenseits-der-70", ziemlich olle Outdoorklamotten und ein wettergegerbtes Gesicht.

Und weil er so nett lächelte, lächelte ich zurück und ging auf ihn zu.

"Wohin geht ihr?", fragte er uns.

Ich erklärte ihm, wohin wir wollten.

Er lächelte weiter und sagte, dass es besser sei, wenn wir auf den richtigen, befestigten Straßen bleiben würden, da sie gerade eine Treibjagd hätten.

Öh.

Wohl doch nicht so wirklich Pilze.

Er geriet ins Reden und ich übersetzte dem Mann, dessen Lebenstraum es viele Jahre gewesen war, Förster und Jäger zu werden. Dessen Augen glänzten.

Der alte Mann begriff schnell, dass der Mann a) nur deutsch spricht und b) deutlich interessierter an Jagdgeschichten ist und wechselte in erstaunlich gutes Deutsch.

Er erklärte dem Geneigten, dass sie Elch, Wildschwein und Fuchs jagen würden und während er erläuterte, dass sie 7 Elche abschießen dürften und einen hätten sie schon und gestern hätte er ein Wildschwein... so ein Riesenremmel (die Arme wurden immer breiter)... angeschossen... ins Gras abgeduckt... rangeschlichen... angelegt.. das Vieh aufgesprungen und auf ihn zugerannt... aus 2 m Entfernung niedergestreckt... 160 kg... blabla... fielen mir auf einmal in den Wiesen rund um uns Menschen mit teilweise greller Warnbekleidung auf, die ich vorher nicht gesehen hatte.

Die lauerten.




Hier kann man zwei Exemplare sehen. Ich musste sie allerdings stark vergrößern, denn auf dem Gesamtfoto waren sie nur futziklein zu sehen, daher die gelittene Qualität...

Der Mann war begeistert und versuchte allen Ernstes mich zu überreden, darauf zu warten, dass die Tiere an uns vorbei getrieben werden.

Neee.. is klar.

Bei meinem Glück muss ich mir die gehetzten Viecherl ansehen, die panisch an mir vorbeipreschen und dann quasi vor meinen Füßen erlegt werden.

Ich weiß, dass mein Fleisch nicht totgekuschelt wird. Ich bin ja nicht blöd. Aber ansehen muss ich es mir deshalb noch lange nicht. 

Und ich war ein wenig froh, dass ich selbst eine knallrote Jacke trug, ich schwör.

Ich teilte mit, dass ich so-fort da weg wollte.

Und nein, ich wollte auch das Angebot des alten Mannes nicht annehmen, bei seinem Hof vorbei zu fahren und mir das Geweih des gestern erlegten 12-Enders (Elch) anzusehen.

Fand es auch wenig behaglich, als der Mann fragte, wo wir denn wohnen würden und er auf meine Anwort entgegnete:

"Oj, DAS ist ein sehr gutes Gebiet!"

*hmpf*

Dann doch lieber den Wind an der Küste durch die Ohren pusten lassen.


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Kommentare:

  1. Nein, Fleisch bekommt eine nichts durchs totkuscheln... interessante Wortschöpfung.

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  2. Ich war ja nun gerade in den Staaten und durfte dort Handwaffe und Gewehr schiessen, ganz Klasse und ich war sogar richtig gut. ABER..... ich habe auch lieber auf Ziele geschossen als auf Bambi!!

    Bikey

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