Sonntag, 30. Dezember 2012

Krönchen richten

Es mag sein, dass es manchen ein wenig albern vorkommt, wenn sie lesen, dass ich mich über ein wenig Erbsensuppe so aufgeregt habe.

Aber es war ja gar nicht die Erbsensuppe an sich, es war die Tatsache, dass ich etwas in Seele und Bauch gespürt habe, was ich seit langem "ad acta" vermutet hatte. Es ist dieses dunkle Gefühl, dass ich oft hatte, wenn ich eine Diät machte und litt, um sie durchzuhalten.

Hattet ihr das als Kind mal, dass ihr ununununbedingt etwas haben wolltet? Ganz unbedingt? Man war vielleicht in einem Geschäft und da war das schönste aller Kuscheltiere? Es konnste miniklein sein und eigentlich gar nicht teuer, aber du konntest es dir selbst nicht kaufen und der Erwachsene fand, dass das jetzt absolut unnötig sei? So ein Gefühl, als ob man ohne DIESES Kuscheltier eigentlich gar nicht weiterleben könnte? Und doch war klar, dass man chancenlos war?

Diese Verzweiflung?

Da ich schon damals nicht die Sorte Kind war, die sich auf den Boden schmeißen und kreischen, wenn sie nicht das bekommen, was sie haben wollen, "blutete" ich mehr nach "innen". Das bedeutet aber nicht, dass ich nicht genauso aufgewühlt war, wie die, die es rausließen.

Ich bin in solchen Situationen wie gelähmt. Es wäre vermutlich besser, zu toben und es rauszulassen, denn diese negative Energie sitzt sonst richtig fest.

Was ich auf die Situation gestern rückblickend gut fand, war, dass ich es geschafft habe, den "Stressor" wegzunehmen. Aufstehen, wegpacken, die Situation (Küche) verlassen und abzulenken.

So wie meine Mutter damals, die dann vielleicht sagte "Komm, wir gehen noch eine Runde auf den Spielplatz!". Und dann war alles gut und vergessen.

Krone sitzt wieder gerade, aber hat noch einen stumpfen Glanz. Vielleicht sollte ich sie die Tage mal polieren.

Als ich heute Morgen aufwachte (und ich habe schon wieder richtig lange geschlafen - Yes!), war mein erster Gedanke:

Omelett mit Käse und einem Hauch von Zwiebel und Tomate

Sehr beruhigend und angenehm.
Schlaftrunken stand ich in der Küche und bereitete es mir zu.

Als es endlich fertig war (ich lasse es immer ganz langsam stocken), hatte ich keinen Bedarf mehr danach. Ich bin zufrieden. Und wenn der Hunger dann doch noch kommt, hab ich es hier... mein Essen.

Danke!


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Kommentare:

  1. Ohja, da kommt das Biest der Versuchung hinterrücks angeschlichen.
    Hast du denn herausgefunden, was genau dich an dieser Suppe angemacht hat?
    Kennst du den Grund, kannst du anders mit solchen Situationen umgehen.

    *drückdichdoll*

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    1. Was mich an der Suppe angemacht hat?

      Der Geruch und der Geschmack.
      :)

      Das ist ja das Dingen. Auch wenn du gewisse Sachen seit Jahren nicht gegessen hast, hast du sie aber in der Erinnerung.

      Manchmal ist das gut, weil du dann denken kannst "Ich brauch das jetzt nicht essen, ich weiß ja, wie es schmeckt." Andererseits kann es einen auch nerven.

      Dazu kam eine gewisse Grundarroganz, die ich mir nicht abschreiben kann. Schließlich bin ich doch SO toll, was sollen mir da eine handvoll Erbsen tun?

      Lektionen in Demut sind manchmal nicht die verkehrtesten...

      War wirklich ein wenig gruselig.
      Und nervig.
      Und ... alles.
      Und so.

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    2. Ich meinte nicht den Geruch oder Geschmack. Sondern die Emotionen und Erinnerungen, die mit dieser Suppe verknüpft sind ;-)

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    3. Emotionen und Erinnerungen?
      Hm.
      Nicht dass ich wüsste.

      Höchstens Langeweile, weil ich ewigunddreiTage in der Küche stand.

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  2. Lachen tun darüber nur diejenigen, die nicht wirklich verstanden haben, worum es geht. Gerade ein solches Erlebnis zeigt uns doch mehr als deutlich, warum wir gut daran tun, die Finger von solchen Sachen zu lassen. Es zeigt uns, warum es so gefährlich ist, Ausnahmen zu machen. Es sind nicht die paar Gramm KH, sondern die Tatsache, dass die Sucht wieder auflebt, und die Gefahr sehr groß ist, dass sie langsam und unbemerkt auch wieder die Oberhand gewinnt.

    In der Tatsache findest du auch den Grund, warum die, die es nicht schaffen die Finger von KH, Zucker und Geschmacksverstärker zu lassen, keine langfristigen und nachhaltigen Erfolge haben. Klar nehmen alle am Anfang ein paar Kilo ab, aber über die berühmten 10 - 15 kg kommen die meisten nicht hinaus. Oft führt der Weg früher oder später wieder zurück zum Ausgangsgewicht, und teilweise sogar darüber.

    Es hat seine Gründe, das bei LCHF z.B. Zucker incl. aller Ersatzstoffe tabu ist, auch wenn viele das nicht wahrhaben wollen. Es sind genau diese Auswirkungen. Nur wenn man die Finger vollständig davon lässt, kommt man aus diesem Teufelskreis heraus. Das ist nun einmal eine Tatsache, und da helfen alle Ausreden und Rechtfertigungen dieser Welt nichts.

    Das ist auch der Grund, warum man seine Mahlzeiten ausschließlich aus frischen Lebensmitteln selbst zubereitet. Wer fertige Mayo, Soßen oder Suppen verwendet, hat LCHF nicht wirklich verstanden, denn die in den Fertigprodukten enthaltenen Geschmacksverstärker und Zusatzstoffe haben die gleiche Auswirkungen wie Zucker auch. Außerdem sind in diesen Fertigprodukten fast überall Zucker oder Süßstoffe enthalten.

    Entweder man lässt die Dinge konsequent weg und lebt wirkliches LCHF, oder man hat es langfristig sehr schwer, aus dem Teufelskreis zu entkommen und die Sucht zu besiegen.

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    1. Ja, ich habe gelernt, dass ich mich davor hüten muss, mich zu sehr in Sicherheit zu wiegen.

      Das ist nicht gut.

      Danke Schnitzel.


      P.s.
      EJ, in meiner Suppe waren keine Ersatzstoffe und Fertigprodukte. Da war sogar die Brühe Handarbeit. Menno...

      :D

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    2. Und wie sieht es mit der Wurst aus? War die auch frei von Zusatzstoffen? ;-)

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    3. Angeblich ja, wenn ich meinem Landmetzger trauen kann..
      Das will ich auch hoffen, die war nämlich *piep*teuer.

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  3. Das Gute am Erwachsen sein ist, dass wir unser inneres Kind auf den Arm nehmen und trösten können. Du hast den Bezug deinem Leben hergestellt, einen Mangel erlebt. Es ist dir bewusst - und du kannst reagieren. Du kannst - wenn auch unter Anstrengung - entschieden, bist nicht mehr chancenlos einem Erwachsenen ausgeliefert. Die Situationen aus der Kindheit können heilen, wenn du dich selber ermächtigst und die Situation gestaltest.
    Ich habe für mich festgestellt, dass meine "Süssigkeitensuchereien" auch nichts mit dem Kuchen zu tun haben. Sondern mit meinem Gefühl, Energie zu brauchen, der Welt Substanz entgegen setzen zu wollen / müssen.
    Und wenn wir ehrlich mit uns sind, ist alles was wir wirklich brauchen, schon da: wir haben Stofftieren, die wir lieben, wir haben die Liebe, die Energie - und u n s e r Essen.

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    1. Danke für deine Worte, Betti.
      Die sind sehr schön.
      Und du hast völlig recht.

      Die Zügel haben wir selbst in der Hand.
      Wir müssen nur lernen, sie richtig zu verwenden.

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  4. Interessanter Pot und
    interessanter Kommentar...
    Merk ich mir..

    LG, Trudy

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  5. Sudda, das ist eben die Sache mit der Sucht. Du weißt jetzt wieder wie sch..... es sich anfühlt zu "versagen". Beim nächsten Mal wirst Du es Dir dreimal überlegen und Du weißt jetzt auch, was Du tun mußt, die Situation verlassen und ablenken. Seh es nicht als Niederlage oder schiefe, glanzlose Krone, sehe es als Erfahrung die Du nutzbringend zukünftig in ähnlichen Situationen einsetzen kannst. ;)

    Und bevor Du ans Polieren gehst, denk doch bitte mal neulich an Deinen gewonnen Kampf gegen das Milky Way, als du auf dem Sofa lagst. Erinnerst Du dich?

    LG Doris

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  6. Mit Ausnahmen gibt man sich auf ein gefährliches Terrain, das musste ich über die Weihnachtsfesttage auch wieder einmal feststellen. Ein paar kleine Ausnahmen da und dort und schon zeigt die Waage 2kg mehr an.

    LG Kia

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  7. In all deinen Postings erlebe ich dich immer so entschlossen, zielstrebig. Vielleicht ist über die Feiertage etwas passiert, das dieses Verlangen in dir wachgerufen und dich aus der Bahn geworfen hat?
    Letztlich wird einem die Entscheidung genau so, und nur so zu essen, ja nicht besonders leicht gemacht von der Umwelt die sich ernährt wie's ihr grade passt.

    Liebe Grüße,
    N.

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  8. Übrigens, das hatte ich gestern noch vergessen Dir zu schreiben.

    Du hast genau das Richtige gemacht. In meiner Therapie zur Binge-Eating-Störung haben wir als wichtigste Maßnahme gegen Fressanfälle erarbeitet, die auslösende Situation zu erkennen, zu verlassen und schnell eine neue zu schaffen, damit dieser fiese Drang erstmal weg ist. Denn bleibt man in der Situation ist es nicht schaffbar, dagegen an zu kommen.

    Ich kann Dir da auch empfehlen den Hund zu schnappen und erstmal rauszugehen. Das mache ich dann...

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  9. Mal ganz ehrlich, ich bin so richtig froh, dass dein Krönchen mal gerade nicht meine Augen blendet!!!! Du bist also doch noch ein Mensch, puhhhh! Toll, wie du wieder so schnell ins Lot gefunden hast, muss ich mir ein Scheibchen von abschneiden!!! Fettig natürlich :o) Drück dich Margit

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  10. ...Und morgen ist wieder ein neuer Tag Neues Spiel, neues Glück.

    Dein "Krönchen richten, weitermachen" ist übrigens innerhalb kürzester Zeit zu einem geflügelten Wort bei uns avanciert - kann man schöner sagen, worauf es ankommt? Und ganz ehrlich: Dein Krönchen ist meiner Ansicht alles andere als matt und angelaufen, so zielstrebig und gut organisiert, wie Du hier rüberkommst!

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  11. Ich glaube du verlangst zu viel von dir, wenn du glaubst dieses "willichjetzthaben" Gefühl kommt nie wieder. Eine Sucht bleibt nun mal. Unsere Stärke liegt darin, damit umzugehen. Und das hast du doch bestens geschafft!

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  12. Sudda, Du hast super reagiert.
    Auch wenn es für Dich der pure Kampf war, hast Du nicht aufgegeben, sondern tatsächlich gekämpft. Gegen die Versuchung und auch ein bisschen gegen Dich bzw. den Teil in Dir, der dich schnell mal sabotieren kann.

    Ich kenne dieses kleine, jammernde innere Kind sehr gut und auch die Dinge, die es einem ins Ohr flüstert... "Ach, komm, das kleine Bisschen, das macht nichts. Du warst doch jetzt so lange so gut. Das kannst Du dir mal leisten. Und außerdem: wie unfair! Die Anderen dürfen das ja auch einfach so essen, nur Du nicht und das, obwohl Du diese tolle Suppe gekocht hast. Komm, nimm Dir'n Hieb, dann fühlst Dich dich zufrieden!"

    Und wenn man dann nachgibt, dann ist man alles andere als zufrieden. Erst kommt die Reue weil man schwach geworden ist, dann ärgert man sich über sich selbst, weil man schwach geworden ist und wenn es ganz schlimm kommt, kann das der Anfang einer fiesen Orgie bzw. eines fiesen Rückfalls sein, weil man wieder "auf den Geschmack" gekommen ist und im "Jetzt-Ist-Eh-Alles-Egal"-Autopilot-Modus unterwegs ist.

    Ich finde es stark von Dir, wie Du die Situation gemeistert hast. Ganz echt.

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  13. Liebes, ich wünsche Dir und Deiner Familie einen guten Rutsch ins 2013! Fühl´ Dich gedrückt! <3

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