Mittwoch, 1. Februar 2012

So wie Sudda #4

4. Sport

Manche sagen, dass abnehmen ohne Sport nicht wirklich funktioniert. Andere sagen, dass Sport die Abnahme erschweren kann, weil es zu mehr Hunger kommt und daher gerade am Anfang dem Abnehmenden ein Beinchen stellen kann. Dritte nehmen in erster Linie dank Sport ab...

Für jede dieser Theorien gibt es - wie generell für fast alle Meinungen zu fast allen Themen - eine Fülle von Links, Texten und Ausführungen, nicht nur im Internet.

Je nach Gusto kann man sich dort die Fakten, die die eigene Einstellung untermauern, herausfischen und sich mit einem "Siehste!" entweder entspannt zurücklehnen oder erst recht eine Laufeinheit einlegen.

Da kann man richtig wuschig werden im Kopf.

Und wie so oft, wenn ich wuschig im Kopf werde, entscheide ich mich dafür, dieses ganze Hullabalu zu ignorieren und auf mich selbst zu hören und zu vertrauen.

Ich bin mit der Zeit eher zum Praktiker und Ausprobierer geworden, Theorie und Wissenschaft liegen mir weniger, jedenfalls wenn es um mich selbst geht.

Wie war es mit mir und dem Sport?

Generell bin ich nicht gerade der sportlichste Mensch. Aus mir wäre niemals eine echte Leistungssportlerin geworden und schon gar nicht eine Olympiasiegerin.

Gemeinheit der Natur!

Immerhin war ich mal Jahrgangsbeste im Kugelstoßen.

Da schaut ihr, was?

Gut, es haben auch nur zwei Mädchen aus unserem Jahrgang die Kugel gestoßen, die anderen haben sich fürs Bällchen werfen entschieden..

Und da ich zu den unfassbaren Talenten gehöre, die kleine Bällchen, wenn überhaupt, eher HINTER sich landen lassen, weil mir die Technik bis heute nicht klar ist, war Kugelstoßen meine einzige Chance, mich bei den Bundesjugendspielen (um die ich mich ansonsten immer recht erfolgreich herumgedrückt habe - Warum gibt es DAFÜR eigentlich keine Urkunden? Also für die phantasievollste Drumherumdrückausrede??) nicht bis aufs Mark vor den ganzen Jungs zu blamieren.

Als ich ganz dick war, hatte ich null Bock mich zu bewegen. Ich kann total super auch 500 m mit dem Auto fahren! Kein Problem.

Und es nervte mich schon, wenn ich die Treppe nach oben musste, um etwas zu holen. Kinder haben viel flinkere Beine oder ich erledigte mehrere Aufgaben in einem, wenn ich sowieso dorthin musste. Ich mied Bewegung, wo es auch nur im Ansatz möglich war.

Denn so eine blöde Treppe kann schon sehr anstrengend werden, vor allem, wenn man schnell nach oben muss, weil wieder irgendeines der Kinder kreischend in Not war, weil so unfassbar Schreckliches geschehen war, wie dass der Bruder der Schwester ein Kuscheltier vorenthalten wollte. Oder DEN Legostein.

Einen solchen Treppengang merkte ich in den Beinen und vor allem in der Atmung! Und auf dem Sofa war es so viel angenehmer.

Aber stop!
Ehrenrettungsversuch.

Es gibt für mich zwei Sorten dicke Menschen.

Einmal die, die durch ihr Gewicht sehr stark in ihrer Bewegung eingeschränkt sind. Gut, oft sagt man dann, man habe "Rücken" oder "Knie". Aber wenn man schon "Rücken" oder "Knie" hat, dann sollte man sich darüber klar sein, dass Extragewicht nicht gerade förderlich ist. Und in manchen Fällen ist das Gewicht sogar verantwortlich für "Rücken" und "Knie"! Diese Menschen fallen - tschuldigung - dadurch auf, dass sie kaum noch normal gehen können. Sie "wobbeln" in Schlenkerbewegungen vorwärts. Und üblicher Weise suchen sie sich jede Gelegenheit, um sich hinzusetzen und so schnell nicht wieder hoch zu kommen. Sie müssen sich ausruhen. Müssen sie wirklich. (Ich darf sowas Gemeines schreiben, ich war selber dick!)

Die zweite Gruppe ist zwar auch dick, aber beweglich und sie sind in der Lage normal und energisch bzw. energiereich zu gehen.

Ich war wohl irgendwas dazwischen. Ich wollte auch nicht, aber ich konnte. Habe trotzdem Fitnesscenter und Pilateskurse aufgesucht und gehörte sicherlich nicht zu den Schlusslichtern, was mir in solchen Fällen immer ein kleiner, innerer Triumph war.

Aber ich mied.
Ich verschwendete sehr viel Energie und Gedanken in Vermeidung!
Aus Bequemlichkeit.
Aber auch aus Angst davor, mich als keuchendes Fettie zu outen.

Wenn zum Beispiel Elternabend in der Pubertistenschule war, bekam ich schon vorher eine feinstoffliche Krise. Tage vorher. Denn mir war klar, dass ich in den dritten Stock musste.

Oben pustend und mit hochrotem Kopf den Klassenraum entern?

Neeeneeee...

Kurz gesagt:
Ich kenne alle weiter vom Klassenraum entfernt liegenden Treppen, die sonst keiner benutzte, damit ich mich oben schnappatmend am Geländer festhalten und die Röte meines Kopfes erst einmal veratmen konnte, bevor ich mit versuchter Würde und Contenance den Klassenraum gemäßigten Schrittes betreten konnte...

Das dauerte locker 5 Minuten und endete hinterher immer - nachdem die Anspannung nachgelassen hatte - in einem Fressflash! (klick drauf!)

Andererseits wusste ich aus meinem noch früheren Leben, dass ich auch enorm viel Spaß an Sport haben konnte... schwimmen, tanzen und wenn ich erst einmal Biss gefunden hatte, habe ich mich kopfüber hineingestürzt und konnte mich ohne Ende knechten. Ich liebte es, den Körper zu spüren und an den Fortschritten zu merken, wozu er in der Lage ist.

Denn das ist wahrlich erstaunlich!
Und es gibt kaum etwas Schöneres, als wenn man feststellt, dass Grenzen sich nach und nach aufweichen und man immer mehr erreichen kann, wenn man nur dran bleibt.


Wie kam ich also bei meiner Abnahme zum Sport?

GAR NICHT!

So.

Denn der Sport kam ganz von selbst zu MIR!

Durch die Ernährungsumstellung und die Abnahme bekam ich sehr zügig richtig viel Energie.

Ich verlor am Anfang sehr viel Wasser und dadurch schmerzten meine Beine nicht mehr bei jedem Schritt. Und ich war wach und entspannt. Außerdem forderte der Lernprozess, zukünftig Gefühle jeglicher Art nicht mehr aufessen zu wollen, eine neue Strategie damit umzugehen. Und ich konnte ja nun schlecht auf einmal meine Umwelt andauernd anpöbeln und anschreien.

Ich saß also auf meinem Sofa rum und spürte, dass Unruhe und Zappligkeit in mir aufkeimten. Ich sagte mal im Forum, dass ich mich fühlen würde, wie ein "Karnickel auf Droge". Und das trifft es ziemlich.

Und die eine Stunde Pilates pro Woche reichten schnell nicht mehr aus. 

Mein Mann nahm mich zum Wandern mit und ich musste dabei harsch an meine Grenzen und durch alle Gefühlsebenen... Guckstu zum Beispiel hier! (klick drauf!)

Daher kam ich auf die Idee, walken zu gehen. Oder spazieren. Wie man möchte. Um mich ein wenig konditionstechnisch aufzumotzen. Ich ging so oft es  mir möglich war mindestens eine halbe Stunde. Zusätzlich zu den Wandergängen mit dem Mann. Erst ganz langsam, dann wurde ich schneller und stabiler.

Und schon waren wir bei 1 Stunde Pilates und 2-3 mal walken pro Woche sowie gelegentliche Wanderungen!

Schnell merkte ich, dass mir das Mehr an Bewegung sehr gut tat. Ich konnte meine Gefühle in Form von Bewegungsenergie abgeben! Herrlich. Außerdem fühlte ich mich hinterher saugut. Ich war stolz auf mich und der Körper fühlte sich herrlich bewegt an.

Außerdem glaube ich - unabhängig von allem Bla an Information - dass die Bewegung sehr förderlich für meine Abnahme war. Denn nach dem Sport war ich zufrieden und hatte keinen Hunger PLUS dass Bewegung logischer Weise Energie verbraucht. Und wenn ich mir weniger Energie in Form von Essen zuführe als ich im Grundumsatz zuzüglich Sport verbrauche, dann nehme ich ab. Punkt. Ob man die Energie jetzt als Kalorien, die uns glasklar quasi mit einem Holzofen gleichsetzen, bezeichnen möchte oder meinetwegen auch als "Schlumsdibumsdis" ist mir gigaegal. 

Ich war ruhig, entspannt, ausgeglichen, glücklich und ich nahm ab.

He, was will man mehr?

Nach und nach wurden die Strecken länger, bis ich mich eines Tages mit immer noch gut über 100 Kilo ans Laufen wagte. Festgehalten hier! Gänsehaut pur!

Recht schnell war ich bei 1 Stunde Pilates und 2-3 Mal etwa 1 Stunde laufen pro Woche sowie gelegentliche Wanderungen.

Ich entschloss mich 2010 am Womens Run in Köln teilzunehmen und entwickelte Ehrgeiz. Zur optimalen Vorbereitungen besuchte ich eine Weile ein Fitnesscenter.

Ergo war ich bei 1 Stunde Pilates, 2 Mal Fitti und 2-3 Mal etwa 1 Stunde laufen pro Woche sowie gelegentliche Wanderungen.

Darauf folgte der Trainerschein sowie eigene Kurse. Fürs Fitti fehlt die Zeit und ist wohl auch überflüssig geworden, nicht wahr?

Also macht das 4,5 Stunden Kurse pro Woche plus eine halbe Stunde Gymnastik/Kursvorbereitung am Tag sowie gelegentliche Wanderungen.

Seit einer Woche laufe ich wieder (mein warmer Dank geht an den Arschtritt von Sissy Sisco) und mein Ziel ist klar formuliert. Der nächste Womens Run steht auch schon quasi vor der Tür.

4,5 Stunden Kurse pro Woche plus ca. eine halbe Stunde Gymnastik/Kursvorbereitung am Tag und 2-3 Mal etwa 1 Stunde laufen pro Woche sowie gelegentliche Wanderungen.

Das reicht.
Wobei... so ein Halbmarathon....

Ich kann sagen, dass meine Sportentwicklung eine spannende Wundertüte war. Nicht ich kam zum Sport, sondern der Sport zu mir. Völlig natürlich und in dem Maße, in dem ich dazu körperlich in der Lage war.

Und ich glaub, meine Mutter schlockert immer noch mit ihrem Kopf, wenn sie darüber nachdenkt. Sie sagt oft genug, dass sie das kaum realisieren kann.

Also... Öffnet vorsichtig die Wundertüte und lasst euch überraschen. Aber übertreibt es nicht. Fordern ja, überfordern auf gar keinen Fall.

Denn auch hier gilt:

Selbst ein Weg von 1000 Meilen beginnt mit einem Schritt.














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