Sonntag, 5. Februar 2012

So wie Sudda #5

Bisher schrieb ich über meine Ernährungswahl, meine Ernährung, das Sportverhalten und die Grundvoraussetzungen, bzw den seelischen Teil.

Heute versuch ich meine Strategien ein wenig zusammenzufassen und zu erläutern. Die Strategien, die mich bei meiner Abnahme, bzw. der Änderung meines Lebens begleitet und unterstützt haben.


5. Strategien

1. Kopfkino und Powerloader

a) "Filme fahren"

Gerade am Anfang, wenn das Ziel noch so weit entfernt ist und man ein wenig wackelig und unsicher auf seinem neuen Weg unterwegs ist, kann man herrliche Filme im Kopf entwickeln und sollte diese von Herzen genießen.

Bunt, glamourös, alles, was geht.

In meinen Träumen geigte ich Blöden die Meinung und eliminierte sie aus meinem Leben. Nehmt dazu meinetwegen ein Laserschwert wie in "Star Wars" oder beamt sie direktemang von hinnen.

Ich stellte mir auch Situationen vor, die mir Angst machten. Situationen, in denen ich blöd angepöbelt werden würde und bastelte an den richtigen Antworten. Antworten, die den anderen die Tränen in die Augen trieben. Ich zahlte heim... fragt nicht nach Sonnenschein!

Manchmal schämte ich mich zu Anfang für meine Träume, denn ich schwöre "Pretty Woman" und "Flashdance" waren seichte, trockene Filme gegen meine.

Aber durfte ich das?
Durfte ich mir völlig Übertriebenes vorstellen?
Schurken eliminieren und als die Schönste auf den Ball gehen?
Die Bekannten, denen ich unterstellte, dass sie insgeheim über mich lachten, tuschelten oder lächelten als die peinlichen Deppen dastehen lassen, während ich in unfassbarer Robe größtes Entree machte?

OH JA. Das durfte ich, denn meine Gedanken sind frei und Träume sind Träume sind Träume sind Träume.

Ich legte mich öfters abends bewusst früh ins Bett, machte entspannende Musik an und träumte hellwach in den erstaunlichsten Nuancen. Immer war ich die Siegerin, immer ich die Heldin. Nie war ich verzagt oder scheiterte.

In meinen Träumen durfte ich das, auch wenn ich das im wahren Leben bezweifelte und noch unsicher war.

Die schönsten Träume kramte ich immer wieder hervor und baute sie schrittweise aus.

Abstrakt? Egal.

Es hatte Nachhall. Ich fühlte mich stärker und selbstbewusster dadurch. Ich würde es schaffen, das lernte ich daraus. Erst in meinen Träumen, später - wenn auch deutlich abgemildert - im wahren Leben.

Träumt euer Leben, um eure Träume leben zu können!



b) gemeine und geheime Pläne

In meinem Kopf gab es auch eine Ecke für besonders miese Gedanken. Unterirdische!

Ihr habt eine Bekannte/Verwandte, die immer so ein wenig durchblicken lässt, dass es doch nicht so schwierig sein kann, abzunehmen, obwohl sie selbst moppelig ist? Die sich toll findet, nur weil sie eine Unze oder zwei leichter ist?

Super!

Dann überschlagt ungefähr was sie wiegt und beschließt, dass ihr demnächst leichter sein werdet. Und natürlich wird sie es sofort bemerken. Noch natürlicher werdet ihr das gönnerhaft überhaupt nicht weiter erwähnen. Nur ab und an fallen lassen, wie viel ihr jetzt wiegt und dass es ja nicht so schwer sein kann, abzuehmen. Ihr könnt auch gönnerhaft eure Hilfe anbieten.

Genuss zunächst im Kopfkino, später im wahren Leben noch besser!

Ich hatte zwei davon. Und beide habe ich auf meiner Meilensteinliste (s.u.) einsortiert. Nach Gewicht im Verhältnis zu meinem. Natürlich nicht auf der offiziellen, die ich hier im Blog eingestellt hatte. Nö. Ich bin ja nicht blöd.

Bisschen böse sein ist schon okay. Lieb war ich lange genug.

Aber es geht noch extremer:

Eine Frau, die ich kenne, hatte es als einziges Ziel, an einer Arbeitskollegin gewichtstechnisch vorbeizurauschen. Und das hat hervorragend funktioniert. Hervorragend. Sie sagt immer zu mir, dass nichts so motivierend ist, wie die Chance auf Rache.



c) Motivationsmusik

Ich habe auf meinem Ipod eine Liste mit Musik, die mich in Fahrt bringt und glücklich macht. Die höre ich immer wieder gerne. Die Musik auf dieser Liste ist so bunt wie das Leben und es sind sogar welche dabei, wo ich niemals auf die Idee käme, mir jemals eine ganze CD des Interpreten anzuhören, weil ich sie/ihn und seine Schöpfungen sonst überhaupt nicht mag.

Warum mich gerade diese Lieder so "angesprungen" haben, kann ich in den meisten Fällen auch nicht wirklich sagen, aber es ist so:



Beweg dein' Arsch - Sido (oh weia - aber guter Text!)
Duffy - Warwick Avenue (weil man es so herrlich mitsingen kann!)
En Vogue - Free your mind (für den großen Auftritt!)
Gloria Gaynor  - I am what I am
Heroes del Silencio - Entre dos Tierras
Kraftwerk - Numbers (zum Laufen genial)
Lisa Koch - Middleaged woman (weil es zum Wegwerfen herrlich ist!)
LMFAO - Sexy and I know it
Manamana - Sesamstraße ( fragt nicht!)
Metallica - Nothing else matters
Peter Fox - Schüttel dein' Speck (Ay Caramba!)
Tom Waits - Waltzing Matilda (alltime favorite!!)

usw usw.


2. Belohnungen

Besonders am Anfang wichtig, da ich mich selbst jahrelang unter "ferner liefen" in meiner eigenen Aufmerksamkeitsskala einsortiert hatte. Und es fühlte sich etwas merkwürdig an, sich zu belohnen.

Und nein, macht nicht den Fehler und belohnt nur 5 bzw 10 kg Schritte. Es gibt so vieles mehr, was auf dem Weg nicht unwesentlich ist. Sind die Abstände zwischen den Belohnungen zu groß, dann belohnt man zu selten und es ist ein wenig frustig. Im Prinzip ist jedes Kilo gleich wichtig, das eine geht eben nicht fort, bevor das davor verschwindet.

Ich war recht kreativ!

BMI-Grenzen, 5er und 10er-Abwürfe, Unterschreitungen von 10ern und 5ern (was weiß ich... UHU oder UHUZE), so-und-so-viel-Prozent-vom-angestrebten-Gewichtsverlust-erledigt, da kommt einiges zusammen.

Am Anfang war ich konsequent belohnend, später weniger, weil ich es nicht mehr so sehr brauchte.

Seid großzügig zu euch selbst und merket:
WENN JEDER AN SICH SELBER DENKT, IST AN JEDEN GEDACHT!


3. Listen

Haltet die Fortschritte fest. Sie tun der Seele so gut!

a) Abmessen

Ich hab von Anfang an meine Maße genommen. Anfänglich monatlich. An allen möglichen Stellen:

Hals, Oberarme (jeweils links und rechts), Handgelenke (beide), Unterbrustweite, ganze Brustweite, Taille, Hüfte, Oberschenkel dickste Stelle (beide), die Stelle über dem Knie (beide), Waden dickste Stelle (beide) und Fußgelenke.

Und mittlerweile sind einige Zentimeter gewichen:
Meine Maße

Das war besonders wichtig, wenn sich auf der Waage längere Zeit zu wenig tat, denn der Körper baut sich trotzdem weiter um. Außerdem tut der Sport bei mir auch ein Übriges.


b) Komplimente

Komplimente sind Seelenstreichler, die man als sehr dicker Mensch recht selten erhält. Gut, außer vielleicht für gutes Kochen oder weil man irgendeine Aufgabe gut erledigt hat.

Viel schöner sind aber die, die man für seine Abnahme erhält, weil man darin konsequent war, besser aussieht.

Notieren!
Verwahren!
Rauskrempeln an schlechten Tagen!!!


4. Hinterfragen bei Krisen 

a) Wieso will ich jetzt essen? Und was soll ich dagegen tun? Ablenkungsmanöver!

Hab ich echten Hunger, dann esse ich.
Ich esse nach LCHF.
Ich esse genug.
Ich bin satt.

Sollte ich zu wenig gegessen haben und habe wieder Hunger, dann esse ich auch wieder.
Ich esse NICHT nach der Uhrzeit oder weil gerader irgendeiner mir etwas anbietet, weil er Geburtstag hat.

Aber manchmal kommt einem der emotionale Hunger in die Quere.
Gewaltig und lautstark.

Man weiß eigentlich selbst ganz genau, wann es echter Hunger ist und wann er eher andere Ursachen hat.

Und die erste Maßnahme für mich war in einem solchen Moment, dass ich mich so schnell wie möglich aus der Situation herausbegeben habe.

Schuhe an, raus, laufen. 
Weg da! 
Auspowern!

[Situationen, die mir nicht behagten, lernte ich,  bisweilen abzubrechen und mit einem "Nö, das ist mir zu blöd, das tut mir nicht gut!" auf dem Absatz kehrt zu machen und weg zu gehen. Natürlich nicht für jeden Popanz, aber andererseits muss ich mir auch nicht alles geben und bieten lassen.


Später, wenn sich meine Emotionen gelegt hatten, konnte ich zurückkehren und weiterreden, aber da ging es manchmal um erste Hilfe für mich!]

Laufen und auspowern half mir am besten. Danach fühle ich mich gut und bin glücklich und müde. DANN kann ich überlegen, woran es gelegen hat, dass ich nun unbedingt essen wollte.

Habe ich direkt versucht, mich damit emotional auseinander zu setzen und ggf. versucht, den emotionalen Hunger zu verdrängen oder auszusitzen, dann wurde es viel, viel schlimmer.

Mein Inneres reagierte darauf wie ein quengelndes Kleinkind an der Kasse des Supermarktes! Das ging gar nicht.

Raus aus der Situation und anschließend weiterdenken.

Anstelle des Laufens kann man auch jemanden anrufen und ein nettes Gespräch führen, einkaufen fahren oder eine Freundin/einen Freund besuchen. Ein ausgiebiges Bad hat sich - jedenfalls bei mir - nicht sehr bewährt, denn da hatte ich wieder zu viel Zeit nachzudenken. Ganz Harte können auch einfach schlafen gehen.

Und nie vergessen:
Ein wenig Egoismus steht einem nicht schlecht!



b) Warum nehme ich nicht (schneller) ab?

Was ich mir immer und immer wieder ins Gedächtnis gerufen habe, ist, dass ich nicht über Nacht so dick wurde. 

Nie vergessen!

Geduld ist nicht meine Stärke, aber gerade die gilt es zu beweisen.

Und man möchte schließlich gesund und vernünftig und vor allem nachhaltig Gewicht verlieren.

Keine Crashdiäten, denn die führen in der Regel vielleicht zu einem schnellen Gewichtsverlust, aber ich habe oft genug beobachtet (auch an mir selbst früher), dass man das nicht lange durchhält und nach einer Weile mehr wieder auf den Rippen hat als vorher.

Und doch... manchmal hakt es länger.
Warum?

Es scheint so zu sein, dass es bestimmte, individuell verschiedene Gewichtsgrenzen gibt, die der Körper eine Weile krampfhaft festhalten oder sichern möchte. Bei mir war die 104 ein gefühlt hartnäckiges Miststück. Oder Mitte 80. Da hilft nur cool bleiben, weitermachen und aussitzen.

Ein zweiter Faktor kann auch sein, dass man nach einer superkonsequenten Phase einfach etwas durchhängt und die Fünfe gerader sein lässt, als man meint.

Ist okay.
Ist völlig okay.

Aber in dem Fall bitte nicht drüber ärgern!
Ehrlich zu sich selbst sein!

Lieber an der Stelle mal die Nahrungsaufnahme analysieren (birgt manchmal echte Überraschungen) und auch, ob man im Moment überhaupt so enorm strikt sein möchte!!

Was ich aber nicht empfehlen kann, sind STOLPERER oder AUSNAHMEN.


Eine Ausnahme hat gerne die nächste am Händchen und man ist schneller aus dem System als man sich vorstellen kann.


Modifizieren.
Aussitzen.
Veratmen!




Genug für heute...
Ich kann nicht mehr richtig denken, glaub ich.
Werde das hier vielleicht noch überarbeiten, irgendwie deucht mir, es fehlt die Hälfte.


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