Donnerstag, 24. Mai 2012

Gelöscht

Seit gestern befinde ich mich auf einer Reise zurück zu meinen Anfängen.
Zu den Anfängen meiner Abnahme und somit auch zu meinem Bloganfang.

Die Umgestaltung des Blogs hat die Lust in mir erweckt, ihn generell zu überarbeiten. Und so lösche ich im Moment diverse Posts aus dem Blog heraus. Posts, die meines Erachtens wirklich überflüssig sind und gar keine wirkliche Rolle spielen.

Um aber entscheiden zu können, welche Posts sinnvoll bzw sinnleer sind, ist es wesentlich, alle Posts selbst noch einmal zu lesen, um den Zusammenhang zwischen den verbliebenen Posts zu sichern.

Mittlerweile sind von über 2.000 Posts (herrje, ich hab wirklich ein Schnattergen) gut 300 eliminiert worden und ich "befinde" mich erst im März 2011.

Bis dahin kam mir alles "wie gestern" vor. So als sei es eben erst geschehen. Wobei mir so einige "Ach ja"s entfahren. So manches Mal war ich wirklich versucht, Posts zu ändern, weil ich die Dinge heute dann doch aus einer anderen Perspektive sehe. Aber das wäre nicht richtig, denn damals habe ich es eben genau so gefühlt und erlebt.

März 2011 also.

Ich denke von diesem Zeitpunkt an rückwärts gesehen, geht es so richtig emotional ans "Eingemachte".

So vieles steht bei mir zwischen den Zeilen und das kann dann schon mal reichlich "pieken". Da können die offensichtlichen "Töne" noch so fröhlich sein - ich weiß, was in mir los war.

Oft gelingt es mir, das Gefühl, dass ich damals beim Schreiben meiner Texte hatte, wieder aufzurufen. Mit der Distanz, die ich heute dazu habe, ist es erträglich. Quatsch, im Gegenteil, es tut gut, denn ich spüre, dass sich meine Abnahme eben tatsächlich nicht nur auf körperlicher, sondern auch auf emotionaler Basis vollzogen hat.

Und dass Seele und Körper bei so einer Veränderung in die gleiche Richtung losgelaufen sind, bzw. sich entwickelt haben, ist vermutlich mein Erfolgsrezept gewesen.

Das Übergewicht hatte schließlich seine Ursache.
Bei mir, wie bei den meisten anderen auch.

Jaja, ihr braucht mir nicht damit zu kommen, dass immer noch das falsche Essen oder/und viel zu viel davon verantwortlich für die Ausuferungen des Körpers sind.

KLAR ist es das.

Aber was bringt einen dazu?
Warum verhält man sich so?
Weshalb leitet man die Gefühle in "ich esse" um, statt in "ich lass das jetzt mal zu" oder "ich lass das jetzt mal raus"?

DAS ist der Punkt!

Und dieses Verhalten will erkannt sein, damit es nachhaltig geändert werden kann, das Verhaltensmuster durchbrochen wird.

Nur dadurch, dass ich mein Essen ändere, ändert sich noch gar nichts an dem Grund, weshalb es einmal so ausuferte.

Vielleicht wählen deshalb so viele Menschen Diäten, die auf den Millimeter vorgeben, wann man was in welcher Menge zu essen hat. Es soll einfach nur funktionieren, das Gewicht soll verschwinden, aber an die seelische Arbeit will man nicht ran. Viele merken vielleicht gar nicht, dass da "was ist".

Ich glaub, bei mir war es vorher so.

Ich kenne so einige, die "gut durchstarten", aber es nicht schaffen, ihr seelisches Päckchen auszuwickeln, zu betrachten, zu reflektieren, zu überarbeiten und entspannt beiseite zu stellen.

Das muss nicht immer eine traurige oder heftige Vergangenheit sein.
Nö.

Manchmal ist es beispielsweise die Tatsache, dass man gar nicht den Raum, die Zeit dafür hat, sich um sich selbst zu kümmern. Denn das tut in dem Fall Not. Man muss den kleinen Egozentriker in sich befreien und etwa mehr an sich selbst denken.

Sich an die Poolposition des eigenen Seins schrauben.

Nie vergessen:

Soweit wir es heute wirklich wissen, haben wir nur dieses eine Leben.

Und es ist bannig kurz dafür, es darauf auszurichten, nur für andere da zu sein, die uns gegebenen Rollen zu erfüllen und uns selbst zu sehr zu vergessen.

Stattdessen hat man Kinder, Job/Studium/Ausbildung, andere Verpflichtungen, blablabla, erfüllt die vorgegebenen Normen und Rollen, stellt sich auf jeden Fall hintan. Hinter all diese Dinge.

Und das führte in meinem Fall dazu, dass ich, um mich noch spüren zu können, eben aß. Mir etwas "Gutes" tat. Der schnelle Kick. Das ging mal eben im Stehen vorm Kühlschrank oder war der Schokoriegel auf der Heimfahrt vom Supermarkt.

Trauer, Wut, Frust, Freude, Stress, Langeweile, etc.... aufgegessen!

Hätte ich mich mit diesen Gefühlen auseinander gesetzt, anstatt sie aufzuessen, dann wäre es mir aus damaliger Sicht schwer gefallen, meine Rollen zu erfüllen. Denn damals dachte ich noch, dass es für die perfekte Erfüllung meiner Rollen absolut notwendig sei, mich hinten anzustellen, nicht anzuecken, lieb zu sein, Harmonie zu erhalten und gemocht zu werden. 

Teufelskreis:

Die Dicke soll gefälligst lieb und nett sein, supereifrig und bitteschön fröhlich ihre Pflichten erfüllen und am Besten noch ein wenig darüber hinaus, damit sie nicht auffällt und "aneckt". Wenn man das tut, muss man emotional "vieles Schlucken".

Also schluckt man... Essen!
Und eckt natürlich nicht an, weil man gut gepolstert ist.

Mal drüber nachdenken...

Außerdem war ich viel zu sehr in der Rolle drin.

Da auszubrechen ist schwierig. Mit kleinen Kindern sowieso, denn natürlich kommen die immerimmerimmer an erster Stelle. In dem Fall geht Egotrip nur total begrenzt. Aber auch da lassen sich sicherlich Nischen finden. Es geht ja auch gar nicht darum, ab sofort nur noch an sich selbst zu denken und alles andere liegen zu lassen.

Es macht allerdings Sinn, ein wenig aus dem Schatten zu springen und die Gewohnheiten, auf die man sich eingenordet hat, zu ändern, zu modifizieren. Manchmal braucht es dazu nur eine Kleinigkeit, manchmal erscheint es einem aber sicherlich auch wie eine Mount-Everest-Bezwingung.

Nicht einfach, ein vernünftiges Gleichgewicht zu finden. Wirklich nicht.

Dennoch sehr lohnenswert...

Wie der Mann so gerne sagt:

Wenn jeder ein Stück weit an sich selber denkt, ist an jeden gedacht!





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Naja, dieser Post ist mal wieder ganz anders geworden, als ich mir das vorgestellt hatte.

Eigentlich wollte ich nur davon erzählen, dass ich gerade den Blog von hinten nach vorne lese und überflüssige Posts lösche.

Das, was jetzt alles da oben steht, ist das, was zwischen den Zeilen gestanden hätte, hätte ich es jetzt nicht doch in die Tastatur tropfen lassen.

Tse.



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