Sonntag, 28. Oktober 2012

Rezept für eine erfolgreiche Abnahme

Neulich in einem Café.

S., selbst zeitlebens schlank gewesen, rührt gedankenverloren in ihrer Tasse und sagt:

"Ganz eigentlich ist abnehmen doch eine simple Sache. Man entscheidet sich für eine Diät und zieht das ganz einfach durch bis man am Ziel angekommen ist. Peng und gut."

Hm.

Das Tassengeklimper erschwerte das Nachdenken, ich mag dieses Geräusch nur dann, wenn ich es selbst verursache, dann, wenn ich es hören will.

Also, wie ist es nun?
Einfach nur eine Ernährung wählen plus Konsequenz und gut ist?

Weiß nicht.
Vielleicht aber auch deshalb, weil ich kein Mensch der kurzen Texte bin. Das ist mir zu pauschal.

Ich bin jetzt mal so arrogant und bezeichne mich als erfolgreiche Abnehmerin. Als eine, die weiß wovon sie spricht. Ich habe sehr viel abgenommen und - was mindestens genauso wichig ist, wenn nicht wichtiger - ich halte meine Abnahme auch noch ohne mir Mühe zu geben oder mich zu kasteien.

Wie sieht es nun aus meiner Sicht aus, das Rezept für eine erfolgreiche und dauerhafte Abnahme? Was braucht es dazu?

Es folgt ein kleiner Gedankenanstoß für all diejenigen, die gerne erfolgreich und dauerhaft abnehmen möchten.

Ich empfehle an dieser Stelle sich gemütlich zu setzen und ggf in eine Kuscheldecke zu hüllen, eventuell auf dem Herd brötschelndes Mittagessen beiseite zu schieben und etwas zu trinken bereit zu stellen, denn schon in dieser Einleitung schweife ich wieder aus, wie ein Komet am Nachthimmel. Das kann ja heiter werden...

1. Das Konzept

Du musst für dich die Ernährung finden, die zu dir und deinen Bedürfnissen passt. Dafür musst du dir Zeit nehmen und dich umfassend informieren. Lies alles, was dir dazu in die Finger fällt, keine Schnellschüsse, weil vielleicht die Cousine der Tante der Friseurin der Metzgersgattin auf diese Weise mal innerhalb von 2 Wochen 10 kg abgenommen hat. Auch nicht weil LCHF vielleicht bei dieser komischen Sudda das Richtige war.

Du bist einzigartig. Ein Farbklecks in der bunten Welt und es geht hier nur um dich.

Deine neue Ernährung muss zu dir passen und vor allem auf Dauer lebbar sein. Es darf keine Crashdiät sein. Du sollst dich heilen, nicht zerstören.

Woran du im Endeffekt glaubst ist deine Sache, Hauptsache es passt. Zu allen Ernährungsformen findest du, wenn du dich umliest, unzählige Pros und Contras. Finde deins.

Abnehmen kann man vermutlich mit allen Diäten, aber alles, was du nicht dauerhaft durchhältst, führt dazu, dass du ständig denken wirst: "Ich zieh das jetzt mal schnell durch und wenn ich fertig bin, kann ich endlich wieder normal essen. Bis dahin überlebe ich das irgendwie, auch wenn es eigentlich nicht mein Dingen ist."

He, ho, da hast du schon einen Denkfehler...

Denn wäre das, was du VORHER gegessen hast, NORMAL gewesen, warum sitzt du jetzt da und musst überhaupt abnehmen?

Das wird nicht funktionieren, mein(e) Liebe(r)!

Jedenfalls nicht auf Dauer. Weder im Durchziehen noch im Halten der Abnahme.


1a. Offenheit - Bereitschaft, neue Wege zu beschreiten

Neue Wege tun Not, sonst wärst du nicht in der Situation, in der du jetzt steckst. Wie auch immer du zur Zeit isst... erfolgreich scheint es nicht zu sein.

Also öffne deine Augen und dein Herz, trau dich was, sieh dich um:
Was brauchst DU, um erfolgreich abzunehmen und dein neues Gewicht auf Dauer zu halten?
Was brauchst DU, um anzufangen?
Was brauchst DU, um es für dich lebbar zu machen?


1b. Reflektionsvermögen oder Ehrlichkeit mit dir selbst

Du nimmst weder für mich noch für irgendwen sonst ab.
Nur für dich.
Du bist niemandem Rechenschaft schuldig außer dir selbst.
Merk dir das.

Nehmen wir an du hast dich freien Herzens für eine Ernährung entschieden, dann zieh es aber auch durch. Und wenn du mal daneben haust, dann bescheiß dich nicht selbst und schieb es nicht auf sonstwas, wie kosmische Strahlung oder was weiß ich.

Sei ehrlich zu dir selbst.
Ausreden helfen dir nicht weiter.

Oft (definitiv nicht immer, aber oft) finden sich bei genauer Analyse Fehler und die solltest du für dich reflektieren. Dann gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder du merzt sie aus und hältst dich wieder beinhart an die Vorgaben oder aber die Ernährung, für die du dich entschieden hast, war eventuell nicht die richtige.

Um die Fehler zu finden, ist es definitiv nötig, dass du nach bestem Wissen und Gewissen informiert bist.

Und schon sind wir bei einem ganz wichtigen Punkt, der


1c. Eigenverantwortung

Du nimmst ab.
Nicht deine Gruppenleiterin oder andere Spezialisten.

Es ist wirklich an der Zeit, dass dir das klar wird.

Und ich lehne Ernährungsformen ab, die uns das eigenständige Denken rauben. Wo es nur gilt, Tagesplan 1-10 zu befolgen oder aber eine fertige Nahrung zurecht zu machen (schütteln, aufwärmen, jedenfalls nicht kochen) und das wird das Ding schon schaukeln.

Nein, wird es nicht.
Oder nur vorübergehend.

Denn was machst du an Tag 11?
Wieder Tag 1?
Willst du ewig dieses Zeugs essen?
Was tust du, wenn du fertig abgenommen hast?
Hast du dich dann wirklich weiter entwickelt, genug gelernt um in Zukunft Verantwortung für deinen Körper zu übernehmen?

Du hast ein Hirn, also nutze es.
Denke.
Arbeite daran.

Wir sind keine Häuser, die man nach Bauplan erstellen kann.
Kein Kuchen, der immer gelingt, wenn man sich nur akribisch an das Rezept hält.
Wir sind individuell.

Mach es dir selbst.
Probier aus.
Spür nach, was du brauchst, was dir gut tut.

Nur wenn du Eigenverantwortung übernimmst und dir deine eigene für dich perfekte Ernährung schaffst, wirst du auf Dauer Erfolg haben.


2. Leidensdruck

Das ist irgendwie ein ömmeliges Wort, aber mir fällt kein besseres ein.

Erst wenn der Leidensdruck hoch genug ist, erfolgt der berühmte "Klick im Kopf". Ausreichender Leidensdruck ist es, der dich durchhalten lässt.

Aber wann ist dieser Zeitpunkt erreicht?
Das ist eine interessante Frage, denn das ist völlig unterschiedlich.

Es gibt Menschen, bei denen kommt das nie. Die können noch so belastet und krank sein, da passt noch einer rein.

Und so starten sie halbherzig, um ebenso halbherzig wieder abzubrechen. Weil Tante Trude Geburtstag hat und sie doch so enttäuscht wäre, wenn man ihren berühmte Kuchen nicht probieren möchte. Oder weil das eigenständige Denken so lästig ist.

Ich war definitiv an dem Punkt "Ich hab die Schnauze gestrichen voll von meinem Zustand" und das nicht nur in einem Moment, sondern schon länger.

So doof oder gemein das jetzt klingen mag:
Ich wünsche dir ausreichenden Leidensdruck.
Von Herzen.

Denn das ist die Grundlage für...


3. Biss 


Erst dann wirst du nämlich in der Lage zu sein, Gedanken wie "Dusch mich, aber mach mich nicht nass" beiseite zu legen und wirklich etwas zu bewegen.

Es IST Veränderung, es IST nicht immer einfach, es HAT mit Verzicht zu tun, es DAUERT das erfolgreiche Abnehmen.

Beschließe, mach, beiß dich durch.


3a. Konsequenz

Du hast beschlossen.
Zieh durch.

Klar, da ist immer noch Tante Trudes Geburtstag inklusive Kuchen, aber...

ÜBERRASCHUNG...

... der wird wohl jedes Jahr wieder kommen, bis die Gute nicht mehr lebt. Aber dann sind da andere besondere Tage. Und auch denen wirst du dich in aller Regelmäßigkeit stellen müssen.

Überleg dir:
Abnehmen oder Kuchen?
Abnehmen oder wasweißichwasnichtindeinKonzeptpasst?

Und hör mir mit dem dämlichen "Man muss sich was gönnen auf".
Echt jetzt.

Was GÖNNST du dir denn dann?

Den Rückfall? Eine Zunahme?

Herrlich klug, was?

In dem Moment, in dem du dir einen Fehltritt GÖNNST, stellst du außerdem das zu Gönnende quasi in deine Vitrine der Begehrlichkeiten. Vermisst. Es wird etwas ganz Besonderes.

Ist es aber nicht.

Du Dösel stehst aber davor und polierst deine Vitrine der Begehrlichkeiten am Besten täglich auf Hochglanz, vermutlich mit einem Tränchen der Trauer nach den guten, alten Zeiten im Auge.

Komm zu dir.
Wenn das gute, alte Zeiten gewesen sind, warum überhaupt etwas ändern?

Und schon kann man eine Schleife im Text ziehen und wäre wieder beim mangelnden Leidensdruck.


3b. Geduld

Davon bitte reichlich.

Nein, du wirst wohl vermutlich nicht Morgen aufwachen und schlank sein.

Wenn sich Ungeduldige bei mir beschweren, weil sie nicht schnell genug oder erst einmal gar nicht abnehmen, dann frag ich gerne nach, wie lange es gedauert hat, sich das Übergewicht anzuzüchten.

Denn ich denke, dass es dem eigenen Körper und der Seele gegenüber nur fair ist, mindestens den gleichen Zeitraum für die Abnahme einzugestehen.


4. Umfeld

Ich wünsche dir ein ebenso offenes und verständnisvolles Umfeld, wie ich es hatte/habe. Menschen um dich herum, die dich unterstützen, lieben, loben und tragen. Die dir zuhören und immer für dich da sind.

Ohne geht bestimmt auch.
Aber es ist ungleich schwerer.

Sprich mit ihnen.
Denn nur Sprechenden kann geholfen werden.
Sag, was dich drückt, was dich freut, was du brauchst und erwartest, um erfolgreich dein Projekt durchzuziehen.


5. Eigenliebe

In diesem Text kam sehr oft das Wort DU und EIGEN vor.
Bewusst.

Noch mal:
Du sollst das für dich machen.
Das ist dein Projekt.
Hier geht es um dich, nicht um das was andere von dir erwarten.

Sei gut zu dir.
Hör auf, Emotionen aufzuessen, lass sie raus.

Okay, vielleicht hast du Familie, für die du verantwortlich bist.
Hab ich auch.
Und immer, wirklich immer, sollten die auch bekommen, was sie brauchen.

Aber dennoch gibt es keinen verdammten Grund auf dieser Welt, warum du dir nicht die Poleposition der Wichtigkeit in deinem Leben mit ihnen fair teilen solltest.

Sie können deine Nummer eins sein, aber du selbst auch.

Schätze dich wert.
Sei achtsam mit dir, wie Oona es so gern sagt, wofür ich sie knutschen könnte.

Egal was man glaubt, aber Fakt ist, dass du jetzt lebst, was dann kommt, kannst du dann sehen.
Aber jetzt ist Zeit für dich. Du hast ein schönes Leben verdient. Absolut.

Und wenn du mir jetzt sagst, dass du von einem Haufen Egomanen umgeben bist, die ihr Dingen machen und wenig Rücksicht auf deine neuen Ideen nehmen, dann sag ich dir nur eins:

Wenn jeder an sich selbst denkt, ist im Endeffekt an jeden gedacht.

Lern dich lieben, stell dich vor den Spiegel, sieh dich an, mach dir eine Liste, was du an dir toll findest, innen und außen. Immer wieder.

Für mich war das ein langwieriger Prozess, der nicht immer schmerzfrei war.

Aber jetzt grinse ich breit, wenn oftmals dieses kurze, erstaunte Schweigen auftritt, wenn ich sage, dass ich mich selbst total super finde und absolut liebe. Anscheinend "sagt man sowas nicht".

Wisst ihr was?
Mir egal!



So weit meine Gehirngewitter zum Thema und doch habe ich das Gefühl, dass ich vermutlich noch einiges vergessen habe.

Hilf mir weiter!
Was braucht es noch?
Lass uns ergänzen.







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