Samstag, 3. November 2012

Sofarebellin

An Halloween kamen nun doch mehr Kinder als ich erwartet hätte. Sogar zweijährige Geister standen auf einmal vor der Tür.

Dennoch blieb Süßes über.
Minischokoriegel.
Natürlich.
Denn irgendwie kann ich prinzipiell nicht wenig kaufen.
"Viel hilft viel", scheint der Kaufmodus meiner Seele zu sein.

Spät in der Nacht lag ich auf meinem Sofa.
Normal.

Ich liebe mein Sofa und bin außerdem recht lange wach.
Mein Sofa ist meine Insel.
Da liege ich und grüble über den Tag und mein Leben.

Die Decke bis zu den Ohren gezogen und gemütlich eingemummelt, dachte ich auf einmal (und fragt mich nicht wieso)

"Du KÖNNTEST jetzt in die Küche gehen und dir so einen Schokoriegel holen."

Da waren noch diese Viecher, die angeblich in Milch schwimmen.

Der Gedanke war so absonderlich, dass noch nicht einmal meine Zweitinnenstimme, die moralisch-vernünftige Instanz, wach wurde, die verschlief diesen Inzident völlig entspannt!

"Nach 3 Jahren und fast 3 Monaten könntest du JETZT aufstehen, dir drüben in der Küche einen Schokoriegel holen und den einfach so aufessen."

"Früher waren das die einzigen Schokoriegel, die du überhaupt mochtest."

Tatsächlich.
Ich mag Schokolade nicht gerne.
Aber wenn dann die!

"Was würde wohl passieren, wenn du dir jetzt einfach einen Schokoriegel holen und ihn essen würdest? Vermutlich gar nichts. Du würdest ihn essen, es würde widerlich in den Zähnen kleben. Und dann wäre er weg. Oder dir wird vom ungewohnten Zuckerschub volle Else schlecht."

Ich verdreht die Augen.
Natürlich würde nichts passieren.

Ich bin doch nicht so blöd zu glauben, dass die Welt explodiert, nur wegen eines fusseligen Schokoriegels. Der würde mich auch niemals von meinem Weg abbringen oder irgendetwas verkomplizieren.

Dafür war der viel zu klein. Laut fddb hat das Dingen gerade mal 11,5 g Kohlenhydrate! 

"Gut, dann müsstest du natürlich noch nach oben gehen und dir die Zähne putzen, denn du weißt, dass wir diese fiese Kleberei zwischen den Zähnen absolut nicht leiden können. Aber dafür wüsstest du wieder, wie so ein Dingen schmeckt."

Albern.
Ich weiß, wie die Dinge schmecken.
Auch nach drei Jahren noch.

Aber das mit der Kleberei war ein gewichtiges Argument.
Das hasse ich.
Dieses Gefühl im Mund, blärk!
Und Zähne putzen würde bedeuten, dass ich eine GANZE Etage latschen müsste, nicht nur 10 Schritte bis zur Küche.

"Würde außerdem niemand merken. Was keiner sieht ist auch nicht wirklich passiert."

Oha.
DAS ist wiederum eine gefährliche Argumentation!
Einer der Gründe, weshalb ich so dick werden konnte.
Heimlich essen.
Hat keiner gesehen.

Dass dieser Satz im Hirn noch auf Abruf stand, fand ich erschreckend.

"Das wär doch ein Dingen, oder? Nach drei Jahren und drei Monaten einfach so einen Schokoriegel essen und vermutlich passiert überhaupt nix. Die Welt dreht sich weiter und so."

"Du Rebell!"

*gnihihihi*

Schokolade essen unter dem Deckmantel der eigenen Wissenschaft!
Herausfinden wie es für mich ist.

Die Serie nach über drei Jahren einmal *petsch* still und heimlich durchbrechen.
Nur für mich.

Ich porkelte mein Fäustchen aus der Decke und wedelte es rebellisch in die Luft.

Sollte ich?

10 Meter zum Riegel.




























Och nö.
Ich war zu faul!

Stattdessen schlief ich voll rebellisch auf dem Sofa ein.


Und freute mich am nächsten Morgen diebisch, dass ich anscheinend mittlerweile viel zu faul bin, um mir einen Schokoriegel zu holen! Es lockt mich noch nicht mal in annähernder Griffnähe. Obwohl ich könnte, obwohl nichts passieren würde.

DAS ist ja wohl ein Dingen.
DAS hätte es vor drei Jahren und vier Monaten garantiert NICHT gegeben.

Damals fuhr ich selbst mitten in der Nacht Meilen zur Tanke, wenn ich was wollte.
Während zuhause alles schlief.
Weil ich mein Dope brauchte.
Mein Essen.












Teilen