Dienstag, 27. November 2012

Zuckersucht

Mein Name ist Sudda und ich bin süchtig.
Zuckersüchtig. Kohlenhydratsüchtig.
Was aus meiner Sicht das Gleiche ist.

Ich bin "trocken" dank LCHF - oder besser: dank mir - aber einmal süchtig, immer süchtig, oder? Selbst nach drei Jahren mit LCHF würde ich nicht leichtsinnig werden und mehr davon in meine Ernährung einbauen. Ich ahne, dass ES mich sofort wieder packen würde. Vielleicht bin ich empfindlicher als andere. Vielleicht. Aber ich habe einige erlebt, die sich ihrer Sache sehr sicher waren und einmal tief in die "Ausnahmeschublade" griffen. Warum? Gute Frage.

WEIL man süchtig ist und es sich nicht eingesteht?
WEIL man nicht begriffen hat, dass es nicht einfach verschwindet?
WEIL man leichtsinnig ist?
WEIL man sich nie wirklich damit beschäftigt und davon verabschiedet hat?

Sehr viele kamen anschließend mit dem Kopf nicht mehr aus der "Ausnahmenschublade" raus, denn aus einer Ausnahme, die im schlimmsten (ja, schlimmsten!) Fall keine Konsequenzen auf der Waage zeigte, wird schnell die zweite oder dritte… 

Ich befürchte instinktiv, dass ich rückfällig werden würde. Da bin ich ehrlich. Das würde ungefähr so gut funktionieren wie "Partyrauchen" beim Ex-Raucher oder "das eine Gläschen" beim Ex-Trinker: Es würde auf extrem fruchtbaren Boden fallen, der verkapselte Samen ausschlagen und im Handumdrehen  zum stabilen Unkraut heranwachsen.

Das Fatale an der Zuckersucht ist, dass es sich um LEGALEN Stoff handelt. Gibt es überall, frei verfügbar ohne jegliche Altersbeschränkung. Unsere Supermärkte quellen davon über, sogar an der Tankstelle liegt es im Überfluss, immer schön im Zugriffsbereich ab Kleinkinderhöhe an der Kasse. Obendrein wird man häufig zusätzlich auf Sonderaktionen hingewiesen: „Wollen Sie zwei Schokoriegel? Nur EIN Euro!“

Wir lernen früh, dass Zucker tröstet, dass er gesellschaftlich hoch angesehen ist, sonst wäre er nicht an besonderen Tagen gerne der Mittelpunkt der Festtafel. Aber es ist eben nicht nur der Zucker an sich, ich höre oft, dass man sich im Leben nicht vorstellen könnte, auf Sättigungsbeilagen wie Brot, Nudeln oder Kartoffeln zu verzichten. Warum eigentlich? Sind Sättigungsbeilagen pur wirklich lecker? Nackig? Ohne alles? 

Nein, natürlich ist nicht jeder Mensch zuckersüchtig. Aber ich bin fest davon überzeugt, dass es deutlich mehr sind als man denkt. 

Ich bin eine trockene Zuckersüchtige, obwohl ich relativ selten süß aß. Stattdessen bezog ich meinen ‚Stoff‘ aus Nudeln und extrem viel Brot. Bevorzugt aus Weißmehl natürlich, aber auch Vollkornversionen konnte ich bergeweise vertilgen. Vielleicht deshalb bergeweise, weil ich mehr davon essen musste, um an die gleiche Menge ‚Stoff‘ (Zucker halt) zu kommen? 

Gut, versucht man eben dieses LCHF. Einige machen sich mittlerweile auf die spannende Reise und viele, die es gewagt haben, haben am eigenen Leib spüren können, dass man zunächst eine körperlich schwierige Phase durchlebt, die gewisse Ähnlichkeit mit Entzug hat. 

Ungünstig finde ich, dass auch in LCHF-Kreisen sehr viele ‚süße‘ Rezepte kursieren. Nicht falsch verstehen, einige können bestimmt problemlos damit umgehen. Ich nicht. Hätte ich versucht, die Kohlenhydrate, auf die bei LCHF verzichtet wird, kreativ nachzubauen, wäre ich vermutlich nie davon losgekommen. Dadurch gäbe ich diesen Produkten einen hohen Stellenwert – mache sie nachbauensWERT. Das Begehren und Vermissen nimmt auf diese Weise jedenfalls wohl kaum ein Ende, oder?

Ganz selten habe ich es dann doch getan, an einer Hand abzählbar. Aber allein Panna Cotta hat mir fast das Genick gebrochen. Immer und immer wieder habe ich sie mir gemacht und mit Freuden genossen. Bis ich begriffen habe, dass das „Nachbauen“ der Süßspeise System hat, dass ich schon am Schalter stand, um den Rückfahrschein zu lösen.
Nein, es funktioniert nicht. Jedenfalls nicht bei mir. Da kann der Nettoanteil an Kohlenhydraten noch so gering sein.


Zu guter Letzt entschuldige ich mich in aller Form für die "süßen" Rezepte in meinem Blog. Es gibt wie gesagt noch viel mehr davon.

Aber seid versichert:
ICH esse das nicht mehr.

Ich frage mich, ob ich sie rausnehmen oder entsprechend kennzeichnen sollte.

Mein Name ist Sudda und ich bin süchtig.
Zuckersüchtig. Kohlenhydratsüchtig.
Was aus meiner Sicht das Gleiche ist


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