Sonntag, 9. Dezember 2012

Rückfall #6: Die Waage

Fast hätte ich sie vergessen, die Grande Dame der Stimmungsmanipulation. Wie konnte das nur passieren?

Dabei gibt es mehrere Gründe weshalb sie eine der Hauptverdächtigen im Bezug auf Rückfälle ist.

1. Schlechtes Wiegeergebnis

Ein schlechtes Wiegeergebnis ist immer wieder ein böser Fallstrick.
Man kann sich am Morgen noch so beschwingt, leicht und gut gefühlt haben, ein Tritt auf die Waage kann dieses Grundgefühl sofort mittels aufblinkendem Display zerstören.

Es nagt, es brennt sich ein, begleitet unter Umständen negativ durch den Tag. Hat man eh schon eine schlechte Zeit, kann diese Anzeige einer Sammlung von Drähten, Metall, Glas, Kontaktdingensens und Batterie wirklich traurig machen. Oder aggressiv. Man läuft Gefahr in den "Jetzt ist eh alles egal, bringt eh nichts"-Modus zu geraten.

Und wenn dann zufällig Tante Trude noch Geburtstag hat.. Ich sag's euch. Uiuiui.


2. Gutes Wiegeergebnis

Hoffentlich ist es bei euch so, dass euch ein gutes Wiegeergebnis so beschwingt, dass ihr motiviert an eurem eigenen Plan bleibt, dass ihr den nötigen Biss behaltet.

Nur.. der Schuss kann auch nach hinten losgehen.

Nämlich dann, wenn die gute Tante Trude Geburtstag hat und man sich zurücklehnt und "das kann ich mir leisten/gönnen" denkt.


3. Stagnation

Vielleicht hast du dich über Tage oder Wochen zusammengerissen und die Waage sieht das überhaupt nicht ein. Dabei sitzen sogar die Klamotten tatsächlich lockerer.

Egal, Waage bleibt unerbittlich.

Das kratzt das Ego extrem an, das ist so.

Wofür das Ganze? Warum soll ich mich so unter Druck setzen? Warum verzichten, wenn es doch schmeckt?

Hausinternes Beispiel:

Sobald ich bei SiEn8kauhsdfB! gemerkt habe, dass ich chancenlos war, dass ich die Wette eh verlieren würde, kam ich in den "Leck mich"-Modus.

Wofür kämpfen? War doch eh alles gelaufen.

Und ich ließ eine Weile die Zügel lockerer als ich sollte. Rappzapp zeigte die Waage fast zwei Kilo mehr an, bis ich endlich wieder "wach" wurde und das Ruder rumreißen konnte. Nein, ich habe nicht das Falsche gegessen, sondern einfach nur zu viel.

Sobald ich wieder in der Spur war, verschwanden die Kilos so schnell wie sie gekommen waren. Glücklicher Weise im Endeffekt folgenlos auf dem Lügenluder (Waage), aber dennoch. Hätte auch anders laufen können.

SIE HAT MICH RICHTIG IRRITIERT, DIE STAGNATION.
Richtig stark.

Tante Trude hätte in der Situation sicher ihre heile Freude an mir gehabt. Ich hätte größere Portionen in mich gepackt und vor allem das ein oder andere Gläschen Wein mehr getrunken.


4. Gesündigt und die Waage verrät es am Folgetag nicht! 

ULTRAHEIKEL!

Lese ich immer wieder.

Jeder scheint zu erwarten, dass eine Sünde schon am nächsten Tag voll durchschlägt. Aber doof gesagt... Wenn die Sünde nur 200 g gewogen hat, wie soll denn da ein Kilo mehr bei rumkommen?

Oder anders:

Ob ich am Vorabend ein 200 g Steak hatte oder 2 Tafeln Schokolade müsste doch der Waage zahlentechnisch am nächsten Morgen sowas von egal sein, oder?

Tatsächlich waren es aber vielleicht zwei Tafeln Schokolade. Im Prinzip eventuell auch nicht schlimm, wenn man nicht zuckersüchtig ist und ansonsten sofort wieder auf die Essbremse latscht.

Man reibt sich "am Tag danach" den Schlaf aus den Augen, geht mit schlechtem Gewissen auf die Waage und sie zeigt keine Zunahme an. Jippieh!

Was denken dann viele dummer Weise?

"Och, siehste, ist gar nicht schlimm. Kann man also mal machen. Ab und zu."

Und man füttert den Zuckertroll in sich mit liebgemeinten Kleinigkeiten. Macht ja nichts.

Erst ab und zu.
Dann öfter.
Dann zu oft.

Den Rest kann man sich denken.

Kenn ich, hab ich alles früher selbst erlebt.

Sollte Tante Trude dann demnächst ihren 70. feiern, lässt man sich so richtig gehen. Man weiß ja, dass die Waage die "einmaligen" Sünden gar nicht registriert und den 70. feiert sie schließlich nur einmal.



Wenn wir das alles geschmeidig summieren, ist die Waage - wenn man nicht gerade ein sehr distanziertes Verhältnis zu ihren Ansagen hat - richtig gefährlich.

Ich kenne viele Menschen, deren Leben von der Waage viel zu sehr bestimmt wird. Manche sogar, die nicht nur am Morgen, sondern auch am Abend draufsteigen, damit sie wissen, was ihnen am nächsten Tag HÖCHSTENS blüht. Denn am Morgen wiegt man normaler Weise weniger als am Abend. Ich hab schon die dollsten Rechentheorien gehört, wie man ungefähr berechnen könne, wie viel man am Morgen zu erwarten hat.

Wiegen kann süchtig machen.
Ich war grenzwertig gefährdet.

Früher sowieso und auch am Anfang meiner Abnahme mit LCHF. Da kreisten viel zu viele Gedanken um das Wiegen. Aber eigentlich doch nur menschlich und natürlich. Irgendwie.


Mir ist sie mittlerweile richtig egal.
Zum Glück.

Ich halte es da mit LCHF-Coco, die in ihrer Signatur folgenden Spruch stehen hat:

"In der allergrößten Not, schlag ich halt die Waage tot!"


Wie stehst du zum Wiegen?
Täglich?
Nie?
Egal?
Wichtig?
Hast du gar keine?
Oder eine mit allen Raffinessen der Technik?
Hat sie einen Namen?

Jemand hier, der ohne nicht kann?
Gerne auch einfach anonym.

Das würde ich gerne wissen.

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