Freitag, 1. März 2013

Endlich wieder normal essen?

Mir bereitet es tatsächlich ein wenig Gedankenberge, dass ich zugenommen habe. Es nervt.

Ich war mir sicher, dass ich nach 3,5 Jahren mit LCHF so im System bin, dass ich mich darauf verlassen kann. Es ist definitiv so, dass ich mein neues Gewicht in diesen Jahren deutlich länger gehalten habe, als die Abnehmerei gedauert hat. Sieht man ganz gut, wenn man sich meine Tabelle über die Gewichtsabnahme am rechten Rand ansieht. Und habe nicht zugenommen.

Warum also jetzt?
Darum kreisen meine Gedanken.

Klar, fest steht, woran es praktisch lag. Ich habe die Zügel gelöst und einfach vor mich hin gelebt. Essen ist schon lange nicht mehr etwas, was mich - im Gegensatz zu meinen dicken Zeiten - rund um die Uhr beschäftigt. Ich hab halt gegessen, wenn es nötig war. Und zwar das, was da war. Ohne Heißhunger, Schmacht, Jieper, nennt es, wie ihr es wollt.

Aber ich habe mich eben auch während des Essens nicht mehr darauf konzentriert. Essen wurde zu beiläufig. Wenig Zeit? Kein Problem. Dann esse ich eben während ich gleichzeitig über meinen Papieren oder dem Rechner brüte, tippe und grübele. Und so haben sich die Mengen nach und nach hochgeschraubt, weil ich gerne schnell und viel esse. Lösung: Wenn ich esse, esse ich. Dann ist Pause. Die Arbeit muss auch mal ruhen dürfen. Schließlich geht es dabei nur um einige Minuten.

Der zweite Faktor ist Überforderung. Ja, ich weiß, dass viele immer wieder besorgt anmerken, dass ich auf mich acht geben soll und mich fragen, ob ich es nicht übertreibe. Aber das Problem ist, dass sich das zur Zeit nicht vermeiden lässt. Im Moment ist es noch so, dass ich mein normales Leben (halbtags arbeiten, Kurse, Familie - das ist ein Vollzeitjob...) quasi mit einem zweiten Vollzeitjob koppele, was mir aber nicht so bewusst ist und im übrigen auch von meinem Umfeld nicht immer registriert, akzeptiert und verstanden wird, weil ich doch "nur Zuhause arbeite". Ich bin ja immer da. Das Projekt macht mir riesig Spaß, es ist eine tolle, neue Chance, aber mein Körper und mein Unterbewusstsein scheinen ein wenig zu meutern, weil ich NULL Freizeit habe. Meine gesamte Freizeit wandert zur Zeit in dieses Projekt. Führt auch dazu, dass ich zu wenig Schlaf habe. Wenn ich schlafe, kann es passieren, dass ich davon träume. Wenn ich nicht schon Licht am Ende des Tunnels sehen würde, würde ich das vielleicht gar nicht durchhalten.

Was auch eine große Rolle spielt, ist der Energieüberschuss. Ich habe keine Zeit, mir die Energie vom Körper zu rennen. Die Baustellen fordern, dass ich still sitze, arbeite und denke. Die Energie ballt sich zusammen, will raus und kann nicht. Ich habe gelernt, meine Emotionen in Energie umzuwandeln und Bewegung ist mein Blitzableiter. Der ist aber gerade "out of order". Hier muss ich ganz stark darauf acht geben, dass ich nicht stattdessen meine Energie wieder aufesse. Brandgefährlich!

Was ich ganz eigentlich mit diesem ellenlangen Post sagen wollte, ist:

Abnehmen und Gewicht halten ist viel mehr als nur eine Frage der richtigen Ernährung. Die Seelenarbeit fordert andauernde Bearbeitung und Aufmerksamkeit. 

Wenn man abnehmen und das Gewicht wirklich dauerhaft halten möchte, kommt man nicht umhin, ständig daran zu arbeiten und bewusst zu agieren. "Einfach nur so leben" können einige vielleicht, aber ich muss mich davon verabschieden.

Das was mein Übergewicht einmal verursacht hat, ist Teil meiner selbst und wird es auch immer, immer bleiben. Genauso werde ich wohl nie ein völlig natürliches Essverhalten haben. Ich werde immer aufpassen müssen, immer die Kontrolle wahren.

Ich hätte es mir sicherlich anders gewünscht und im Verhältnis zu früher ist es auch viel besser geworden. Aber es brennt stets auf kleiner Flamme ganz hinten irgendwo weiter.

Und doch ist das "ein Teil Sudda". Etwas, was mich auch ein Stück weit ausmacht.

Damit muss ich mich anfreunden.
Bewusst.
Tag für Tag.



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Kommentare:

  1. Genau das war auch meine Erkenntnis nach 365 Tagen. Oooops jetzt habe ich die Auflösung der 365er Serie veraten ... und das mit den Baustellen kenne ich - weißt Du ja. Man MUSS sich zwingen wenigstens ein- bis zweimal am Tag innezuhalten, ansonsten entgleist wieder alles. Energieüberschuss habe ich allerdings nicht, "dank" meiner pflegrischen Tätigkeiten ....

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  2. Genau so ist es. Die Achtsamkeit in Punkt Ess-Störung und Seele ist wichtig.
    Gestern noch strahlend mit Dir telefoiert bin ich heute auf die Waage. Oje. Frust.
    Rückgeblickt in die Woche... (schwer, wenn das Herz so schwer): Was ist los?
    Geübt konnte ich schnell erkennen, warum ich die letzte Woche das an Zucker und Fett gegessen habe, was ich nun mal gegessen habe.
    Das versuche ich mir zu verzeihen.

    Am Wochenende habe ich ein Treffen mit Menschen, die mich extrem stressen und es ist zuviel in meinem Kopf und inneren Leben los, was mir Angst macht. Wie bei Dir kommt dazu Bewegungsmangel.
    Ich esse Zucker = Trost und Beruhigung = Fett = dickere Haut.
    Ich setze jetzt bewußt dagegen: ich bin geschützt und sicher, wenn ich auf mich achte und auf meinen seelischen Hunger achte. Ihn sättige ich wirklich durch hilfreiche Nahrung. Reden, eine Runde weinen, ein Bad oder eine liebe Freundin anrufen.
    Schokolade hat keine Arme, um mich zu trösten.
    **

    Deine vielen Baustellen werden sich Stück für Stück auflösen. Und ich kann mir vorstellen, dass soo ein geballtes Aufkommen an emotionalen Bewegungen und Druck dazu führt die Seele und die alte Eßsucht ein wenig aus dem Sinn zu verlieren.
    Aber wie schnell hast Du das nun erkannt und handelst nach dem Erkennen umgehend! Das ist super, Annika.
    Die Antennen sind wieder aktiv und fein aufgestellt.

    Nichts ! hat Vorrang vor Deiner seelischen Balance. Sach ich jetzt mal so. Nichts kann wichtiger sein als der alten Suchtstruktur umgehend und liebevoll !! die volle Achtsamkeit zu geben, um weiter ein kraftvolles und gutes Leben zu haben.
    Achtsam, um ihr nicht nachzugeben.

    Das sage ich auch mir selbst.
    Egal, was ich die letzten 24 Minuten, 24 Tage oder 24 Jahre gegessen habe. Das nächste Mal, wenn ich körperlichen Hunger habe, dann werde ich essen. Achtsam. Genau wie Du schreibst ist das sehr wichtig.
    Danke für die Erinnerung.

    Das Dich die 2,2 Kilo als Fernbedienung unter den Bauchdecke sehr nerven kann ich gut verstehen.
    Mein Mitgefühl für Dich.

    Ich grüße Dich von Herzen
    Phönix

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  3. Ach, ich kenn das so gut *seufz* Ich mache ja 'nebenbei' einen Marketing-Kurs. Das ist ein Vollzeitkurs. Als ich mich angemeldet habe, gab es so eine Unterteilung - diese Einheit ist geplant mit x Stunden zum Lernen und x Stunden zum Schreiben von der Arbeit und ich habe das ausgerechnet und ja, kam irgendwie auf 1.5 Stunden pro Tag - gaaaaaaaaaaaar kein Problem. Nur leider habe ich nicht jeden Tag 1.5 Stunden mit Vollzeit Arbeit, 2 Stunden hin und her fahren, Familie, kochen, einkaufen, Haushalt, Training, ..... was bedeutet ich sitze jedes WE zu Hause und bueffel und schreibe 4500 Woerter fuer dies und 15 Seiten fuer das. Ich bin jetzt bei der letzten Einheit (allerdings zum 2. Mal, weil ich letztes Mal durchgefallen bin) und sehe auch langsam Licht am Ende des Tunnels.

    Ich muss allerdings sagen - ich nehme mir Zeit, morgens entweder zu laufen oder Yoga zu machen. Dafuer stehe ich gerne frueher auf und gehe spaeter ins Bett. Aber ich kann mich dann viel besser konzentrieren und habe diesen Energieueberfluss nicht. Wenn Du im Stress bist, ist es gerade wichtig, dass Du auf Dich aufpasst!!

    Ach, wenn Du uns doch endlich erzaehlen koenntest, um was es geht!!! Bin gespannt wie ein Flitzebogen.

    Bikey

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  4. Hallo Sudda,

    ich bewunder immer noch was Du so alles auf die Beine stellst und auch schaffst. Auch wenn ich nicht weiß (aber neugierig drauf warte) was da alles für Baustellen sind.

    Ich war faßt erschrocken und gleichzeitig irgendwie beruhigt das Du das so schreibst.
    Da steh ich schon echt den Tränen nah, aber wie Du es schreibst ist es und das mußt ich ja mit meiner Zunahme erfahren. Wir werden nie ohne Vorsicht leben können und die Vergangenheit hinter uns lassen können. Das sind wir gewesen und gehört zu uns. Egal wie schlank wir werden.

    Einerseits weiß ich das nach der extremen Zunahme nun selbst und hab mir das schon im letzten Jahr immer wieder gesagt. Andererseits wars immer noch so ein Funken an Hoffnung, bei Dir zu sehen wie doch locker leicht das doch gehen kann.
    Ja und nun der Schock, nein ich hatte doch Recht. Es ist so. Wir werden immer aufpassen und Kämpfen müssen. Inne halten in unserem Alltag und auf uns und unsere Bedürfnisse horchen.

    Danke für die Bestätigung hier.

    Ich freue mich für Dich, Du hast die Kurve schneller bekommen. Ich mußte da leider erst ein Ühu werden um es zu kapieren.
    Trotzdem, wir schaffen es. Mach weiter so.
    Du bist der Hit.
    LG
    Sandymaus

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  5. Wah, das klingt nach einer Menge Arbeit. Für einen alleine kaum zu schaffen. Ich hoffe, dass sich das ganze bald etwas entspannt. Ich kenne das übrigens auch. Ich arbeite ja ausschließlich zu Hause, bin demtentsrepchend auch gut errecihbar und auch tagsüber im Internet unterwegs, wenn ich mal Ablenkung brauche, dass ich teilweise 12-14 Stunden am Tag arbeite, sehen die Leute dann gar nicht, weil ich nicht aus dem Haus gehe. Wenn ich dann müde und erledigt bin, weil es einfach soviel ist, verstehen viele das nicht. Komisch, dass man anscheinend das Haus verlassen muss um von der Arbeit müde zu werden.

    Ich denke, dass wir alle, die viel abnehmen bzw. abgenommen haben unser ganzes Leben lang auf unsere Ernährung achten müssen. Das Ausgangsgewicht kam nicht con ungefähr und ist über Jahre angefuttert, meist durch falsches Verhalten, das man sich ganz schnell wieder angewöhnen kann (so wie ich letztes Jahr). Sei froh, dass Du jetzt bei 2 Kilo schon die Reissleine ziehst!

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  6. Ich habe immer wieder festgestellt: das Abnehmen an sich ist die kleinere Aufgabe - das Halten die viel größere...
    Ein Normalgewichtiger kann sich das vielleicht gar nicht so recht vorstellen, aber ich vergleiche das "Ding" immer gerne mit dem Suchtverhalten von Rauchern, Alkoholikern o.ä. Klar, das ist es nicht ganz - essen muss jeder, das kann man nicht einfach abstellen und dabei gesund bleiben. Ich meine auch eher die Sache, die sich im Kopf abspielt.
    Nicht einfach...

    Deine Baustellen klingen... grooooß! Und ich bin neugierig! Es schreit förmlich nach einem Kaffee!!!

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  7. Ich kenne das soooo gut. In Stressphasen habe ich viel mehr Hunger, obwohl ich aus Zeitmangel weniger Bewegung kriege. Mein Gehirn hat offenbar andere Vorstellugen von der benötigten Energiezufuhr als der Rest meines Körpers. Zum Glück habe ich wenigstens eine eiserne Regel: am Schreibtisch wird nicht gegessen. Sonst hätte ich wahrscheinlich nicht nur 5, sondern noch viel mehr Kilos wieder zugenommen.

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  8. mir kommt das alles auch sehr bekannt vor.....
    auch ich muss mich gerade wieder auf die Mengen konzentrieren und vor allem KEINE AUSNAHMEN mehr, denn die legen jedes Mal den Schalter in meinem Kopf um!
    Ich bewundere dich, dass du so schnell reagierst....ich denke dann immer, naja, morgen........
    Liebe Grüsse
    Bernadette

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