Donnerstag, 20. Juni 2013

Für Lady M: Mein Essen und ich

Auf diesen interessanten Kommentar von Lady M. möchte ich näher eingehen:

Huhu liebe Sudda,
ich hab da noch mal ne grundsätzliche Frage...
Mir fällts einfach mega schwer, die KH Menge einzuhalten, weil ich auch schnell auf Appetit reagiere und Angst hab, wenn ich auf etwas, worauf ich Lust habe, verzichte, dass ich dann Heißhunger darauf kriege. Auch innerhalb LCHF kann man viel zu viele KH essen oder eben einfach grundsätzlich zu große Mengen, dann nimmt man nicht ab.
Nun also meine Frage:
Wie gehst du damit um? Nicht nur mit 3g KH sondern auch vorher.
Planst du wirklich strikt dein Essen durch, bis die KH Menge je Tag und Mahlzeit passt und so wird es dann gegessen? Was ist, wenn du mal Lust auf was anderes hast? Und was tust du, wenn du essen gehst und logischerweise die KH Menge nicht kennst?
Ich möchte jetzt wirklich richtig strikt (innerhalb meiner mir selbst gesteckten KH und E und F Grenzen) LCHF leben und hätt da gern noch mal ein bisschen Theorie. Ist vielleicht auch für andere interessant?!
Danke schon mal!
Und weiterhin gutes Gelingen!
VLG, Melli (Lady M)

Liebe Melli,

ich plane und berechne so gut wie gar nichts mehr.

Ich habe tatsächlich einen Account bei fddb, aber ich benutze den in erster Linie, um anderen Menschen zu helfen, die mich um Rat bitten und mir ihre Daten (Gewicht, Größe) und Speisepläne geschickt haben und eine Einschätzung haben möchten. Oder eben um Tagespläne und Rezepte für den Blog gegenzuchecken und die Werte dazu notieren zu können.

Wenn ich auf Milchprodukte und Nüsse (Nussmehle - Mandelmehl, etc.) verzichte und darauf achte, kohlenhydratarmes Gemüse zu wählen, ist so viel Kontrolle nicht nötig. Gut, du musst auch bedenken, dass ich jetzt bald schon seit 4 Jahren LCHF esse (wie die Zeit vergeht) und es für mich Routine ist.

Wichtig ist mir, dass ich gewisse Lebensmittel immer im Haus habe. Das sind:

Butter, Kräuterbutter

Eier

diverse und unterschiedlichste Stücke Fleisch und Fisch, die ich mir portioniert einfriere. Ich bin da sehr phantasievoll. Du findest bei mir von Hähnchenleber über Lachs über Rindsrouladen oder Steak und schnödem Kotelett bis hin zu Meeresfrüchten. Rinderherz habe ich auch noch da.

TK-Gemüse wie Blattspinat, Blumenkohl, Brokkoli, etc (falls ich mal keine anständige, frische Ware finden kann)

Kräuter aus dem Garten oder auch TK
Oliven - ich liebe sie, aber wähle die kh-ärmste Sorte
Bio-Schlagsahne und Creme fraiche (die fallen zur Zeit allerdings eher raus)

Hartkäse (auch zum Reiben), Feta ist eigentlich auch immer dabei

Bacon, Rückenspeck und leckere Schinkensorten

Olivenöl, Rapsöl, Kokosöl, Butterschmalz
Bio-Zitronen und Weinessig
Leinsamen

Gemüse kaufe ich nach Saison oder wenn ich schönes bekomme, was ich aber immer da habe (weil auch die Familie sehr viel davon isst) sind diverse Salate (unterschiedliche Sorten), Tomate, Gurke, Zwiebel, Champignons, Paprika. Gut 1/3 meines Kühlschranks - und der ist groß - ist für Gemüse reserviert. Da ist extra so ein Fach drin.

Mayonnaise und Vinaigrette (mach ich mir auf Vorrat)

Thunfisch in Wasser und Makrele in Tomatensauce (ich esse den Fisch, die Sauce mag ich komischerweise nicht)

Stückige Tomate in Dose (braucht man immer mal)


Ich hoffe die Liste ist vollständig, sonst ergänze ich sie noch. Aus diesen ganzen Komponenten kann ich mir jederzeit ein geniales Essen zaubern.

Dazu suche ich mir eine normale Portion Fleisch/Fisch oder Ei raus, wichtig ist, dass ich wähle, wonach mir ist, und mache mir eine Portion Gemüse dazu. Da ich in der Regel das Gemüse nach meiner Liste aussuche, muss ich auch nichts großartig abwiegen. Ich weiß ungefähr, wie viel Gemüse ich vor mir liegen habe. Das macht wohl die Erfahrung.

Ich bevorzuge mein Fleisch/Fisch gebraten ohne viel Tamtam. Gemüse bevorzugt in Rohkostform. Vinaigrette dazu (die hat nicht viele KHs). Und dann Kräuterbutter oder verfeinerte Mayo. Damit bin ich zufrieden. Vermutlich bin ich ziemlich genügsam, aber für mich war bei LCHF eben eins der größten Geschenke, dass das Essen nicht mehr im Mittelpunkt steht. Es gibt deutlich Wichtigeres in meinem Leben.

Das klingt sehr unspektakulär, ist es auch.

Heißhunger und Gelüste habe ich nicht. Die habe ich schon lange unterwegs auf der Strecke ausgesetzt. Es sei denn, ich sitze zB im Büro und Lady S. erzählt mir etwas von gefüllter Zucchini und ich habe die Zutaten nicht Zuhause. Dann kann es durchaus vorkommen, dass ich noch mal eben schnell auf dem Heimweg einkaufen fahre. :D

Daher...

Ich habe Hunger, ich esse, ich bin satt/unhungrig, fertig.

Klar, am Wochenende, wenn die ganze Familie gemütlich und in Ruhe am Tisch sitzt, dann kann ich auch zur Hochform auflaufen und mir etwas Besonderes einfallen lassen, aber Alltag ist Alltag.

Wenn ich Essen gehe, gehe ich essen. Das ist nicht täglich der Fall und in der Phase, in der ich beschlossen habe, dass ich abnehmen will, gehe ich eben nicht essen. Ich habe ein Ziel.

Nehmen wir an, ich will abnehmen und gehe doch. Dann muss ich in Kauf nehmen, dass ich mein Ziel eben u.U. später erreiche. Ich weiß, woran die Verzögerung, bzw. evtl. vorübergehende Zunahme/Stagnation liegt, und kann damit umgehen. Ich suche jedenfalls nicht die Schuld woanders. Mein Essen ist meine Verantwortung und meine Entscheidung, es sei denn, ich bin z.B. Kind/Teenie und muss essen, was auf den Tisch kommt. Alle anderen sind groß genug, oder?

Aber sagen wir mal, ich sitze im Restaurant. Dann schau ich in die Karte und überlege mir im ersten Schritt, worauf ich Lust habe. Und auch da... meine Vorliebe liegt auch hier bei Kurzgebratenem und Salat. Das ist bei mir wohl einfach so.

Beilagen wie Pommes, Kartoffeln o.ä. tausche ich weg! Bitte um mehr Gemüse oder Salat, was es halt so gibt. Das war noch nie ein Problem! Und wenn mal eine Sauce semioptimal ist (z.B. fertige Hollandaise), dann nehme ich das in Kauf, esse wenig davon oder lasse sie links liegen.

Wenn der Heißhunger einen nicht verlässt, kann das aus meiner Sicht folgende Gründe haben:

- Man ist zuckersüchtig, entscheidet sich doch für LCHF und anstelle der Zuckersucht die Stirn zu bieten, taucht man als erstes in der "Nachbautenecke" ab. Bastelt sich Brote, Kuchen und Süßspeisen, von denen manche der Meinung sind, dass sie bei LCHF prima geeignet sind. Sehe ich persönlich anders. Man füttert die Sucht mit "Placebos" nach. Man will was ändern und doch soll es möglichst so bleiben, wie es ist. Das ist ähnlich wie wenn aus Tofu Würstchen nachgebaut werden, anstatt kreativ eine völlig neue Form zu basteln.

- Man hat sich bei der Mahlzeit nur unzureichend satt gegessen, weil man fixiert darauf ist, den Moment "unhungrig" nicht zu verpassen. Das hatte ich am Anfang auch, wurde davon fast nervös und habe überlegt, was ich jetzt noch schnell "nachschieben" könnte. Vielleicht einen Pitsch mehr essen, damit man zufrieden ist. Die Mengen regeln sich nach und nach normalerweise runter.

- Man hat sich beim Essen anderweitig beschäftigt. Fernsehen oder Internet daddeln, o.ä. Wenn ich das tue, habe ich hinterher manchmal fast das Gefühl, ich habe gar nicht gegessen oder viel zu wenig. Merkwürdig, oder? Essenszeit sollte Essenzeit sein. Generell sollte man im Leben das Multitasking viel öfter mal vermeiden. Das stresst. Mich zumindest. Und das versuche ich zu vermeiden.

- Man hat sich keine Alternativlösung bei Emotionswallungen ausgearbeitet. Ich war vorher ein "ich-esse-alle-Emotionen-einfach-auf"-Mensch. Stress? Langeweile? Traurigkeit? Wut? Essen! Mit LCHF war ich satt und zufrieden, es war RUHE in meinem Körper. Und das gab mir erst die Chance, anders mit meinen Emotionen umzugehen. Ich erkannte ein Muster und dröselte es auf. Ich zog mir die Schuhe an und ging oder lief die Emotionen weg. Ich lernte auch, dass ich mal laut und böse sein konnte und trotzdem noch gemocht werde. Wie jeder andere auch. Ich schrieb die Emotionen in den Blog, auf Papier und sonstwo hin. Ich kühlte sie in der Dusche ab und kümmerte mich eine Weile nur um mich. Oder rief eine Freundin an.

- Man isst nicht das, was man selbst gerne möchte. Mir ist es sehr wichtig, dass ich meine Wünsche erfülle, wenn denn welche aufkeimen. Meine Wünsche sind darüber hinaus eh nur LCHF. Von daher habe ich bei der Auswahl wenig Probleme. Aber, was wenn die Wünsche ständig alles andere als LCHF sind? Dann bleibt noch die Möglichkeit, dass....

- LCHF nicht die richtige Ernährung für einen ist. Wie ich schon immer sagte, jeder muss SEINS finden. Es gibt wohl keine Universallösung. Kann es auch nicht, weil wir keine Universalmenschen sind.

Das sind meine Gedanken dazu.

Fallen euch noch Gründe für Heißhunger ein?
Her damit!
Lasst uns ergänzen.




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Kommentare:

  1. Mir fällt das immer wieder auf:
    Schlafmangel.
    Wenn ich einen ausgeglichenen Schlafrhythmus habe, ist alles besser.

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    1. Stimmt.
      Da hast du absolut recht. Ich schreib das später oben dazu.

      Danke, Katja!

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  2. Stress. Dann setzt bei mir irgendwie der Verstand aus. Mein Gehirn ist ein zuckergieriges Etwas.
    Ich habe auch nach großer sportlicher Anstrengung Heißhunger. Dann aber eher weniger auf Süßes, da MUSS es abends ein Schnitzel oder Steak sein.

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  3. Durst ist nicht zu unterschätzen!

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  4. - Durst ... wird oft mit Essen befriedigt

    - nach dem Mittags-Nickerchen ;o)
    ich gönne mir da gern einen ButterKaffee (1 Teel. Kokosöl, 1 Teel.Butter od. Ghee)

    Ich bin aber der festen Überzeugung, dass es eigentlich die Zucker-Sucht ist, die diese UN-echten- Hungergefühle hervorruft!

    Nach der Entwöhnung ist auch der Jieper wie weggeblasen *findich* ;o)

    Bin auf weitere Meinungen gespannt!

    Liebe Grüße

    vom Urselchen

    PS: Du Liebe "Sudda"... wie war´s denn nu gestern???? ;o)

    jedenfalls lebst Du noch *gg* ... froi♥

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  5. Liebe Sudda,
    ich finde, das das Essen nicht mehr so eine wichtige Rolle spielt, das IST ´(für mich zumindest) tatsächlich total spektakulär.
    Ich habe soeben ein Kochbuch durchgelesen, und bei jedem 2. Rezept stand "als Seelentröster" und "nach einem harten Tag" und "wenn alle supigemein zu einem sind" (leicht paraphrasiert, das.). Und ich las das und dachte mir, hä, da geht's ja gar nicht um unhungrig und so, wie sinnlos, irgendwas Süßes zu essen, weil alle gemein zu einem waren. Und da fiel's mir wie Schuppen von den Augen: ich hatte jahrelang genau so gegessen, aus emotionalen Gründen, nicht aus Hunger. Nach gut 1/2 Jahr LCHF passiert mir das nur noch selten. Es gibt gutes Essen (so ähnlich, wie Du das beschreibst, mit weniger Fleisch), aber irgendwie hilft das nicht bei Seelenschmerz, sondern ausschließlich bei Hunger. Gegen Seelenschmerz muss man andere probate Mittel finden. Und so soll es ja auch sein.

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  6. Liebe Sudda,
    danke für den tollen, ausführlichen Post!
    Ich glaube, bei mir ist es eigentlich nur die ANGST, die sich meldet. Es KÖNNTE ja vielleicht nicht gut ausgehen, wenn ich zu streng zu mir bin. Anstatt es einfach mal zu probieren. Die Angst, zu kurz zu kommen. Und ständig der Gedanke "was man sich verbietet, begehrt man um so mehr".
    Komisch nur, dass für mich als Schokojunkie Schokolade plötzlich nach Umstellung auf LCHF nicht mehr wichtig war (und mittlerweile - ja, ich habe wieder welche gegessen - gar nicht mehr schmeckt!!).
    Ich werde jetzt, für mich, LCHF noch mal neu starten und in Angriff nehmen, erstmal mit Unterstützung von fddb, um ein Gespür dafür zu kriegen, wo überall KH "lauern" oder versteckt sind. Auf meinen Hunger achten, auf den Unhunger achten, genug Alternativen bei emotionalem Hunger parat halten.
    Ausnahmen machen geht bei mir persönlich nicht gut, dann rutsche ich schnell wieder ganz in mein altes Verhalten, ich brauch eine strenge Struktur. Da ich nur für mich allein kochen muss ist es auch nicht so schwer. Kann mir vorstellen, dass das mit Kiddies und Mann und Job und Hund ;) noch viel schwerer ist!
    Also: fddb, auf Hunger achten, unkompliziert bleiben, TV/PC aus, Sporteln statt essen bei emotionalem Hunger. Ganz grob zusammengefasst.
    Und vor allem: anfangen! Handeln! Aktiv werden! Konsequent sein!
    :-*
    Ganz liebe Grüße, Melli

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  7. Liebe Sudda,

    erst mal vielen lieben Dank für den ausführlichen Post.

    Zu Heißhunger fällt mir eigentlich mein alltägliches Problem ein. Abends, wenn der Körper zur Ruhe kommt vom Alltagstress, ich wirklich Feierabend habe, müde und schlapp am Sofa falle, noch was für mich tun möchte, aber außer TV einfach zu müde zu allem bin, und selbst dazu, aber nicht ins Bett will weil das meine Zeit ist "Zeit für mich" ja dann, genau dann überfällt mich dieser Heißhunger. Leider oft Süßkram.

    Ganz liebe Grüße
    Anja

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  8. Ich kann ja nur für mich sprechen, vielleicht empfindet und erlebt ihr es ähnlich, aber ich glaube, bei mir ist es eigentlich nur die Angst vorm Heißhunger, weil ich mir ja etwas "verbiete" (verbieten könnte, denn eigentlich schmeckt mir das, was ich dann nicht mehr konsumiere, ja auch nicht sehr gut). Aber ich glaube, wenn man sich dieser Angst stellt, also ich zumindest, dass es dann sehr gut funktioniert. Denn in der Zeit, als ich mich stark an die LCHF Regeln gehalten habe, war ich immer angenehm unhungrig und zufrieden. Kein Schokojieper, kein "mir fehlt xy, aber meine KH sind schon voll UND ich hab wirklich noch Hunger oder meeeeeeega Appetit darauf genau jetzt". Hab mir auch mal ältere Posts, zum Thema Rückfälle, durchgelesen, die fand ich auch sehr passend und hilfreich!

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