Sonntag, 14. Juli 2013

Sisyphos und ich



Meine schwedische Urgroßmutter hat gerne gesagt, dass Träume, die man ausspricht, nicht wahr werden und durch das Reden darüber abgelegt werden können. Und um ganz sicher zu gehen, beherzige ich ihren Rat.

Die letzte Nacht habe ich schlecht geschlafen. Im Traum hatte ich die Aufgabe aus kleinen Kieselsteinen einen symmetrischen Haufen anzuhäufeln, der exakt 1 m hoch sein sollte. Und so schob ich wieder und wieder Kieselsteine zusammen und wieder und wieder rutschten sie lawinenartig ab. Die Aufgabe zu bewältigen war kein Muss, aber ich wollte sie unbedingt bewältigen. Freiwillig. So wie man manchmal ein Rätsel oder Sudoku hat und die Lösung haben will.

Zwischendrin wurde ich original wach und überlegte, wie ich diese Aufgabe bewältigen könnte, hatte eine "zündende Idee" und versuchte bewusst wieder in genau den gleichen Traum zurückzukehren, um weiter zu schichten.

So ging das gefühlte Stunden.
Ob es mir schlussendlich geglückt ist, diesen Haufen akkurat zusammenzuschieben, weiß ich übrigens nicht!

Solche und ähnliche Träume habe ich immer wieder mal. Schon seit ich denken kann!! Oder bewusst träumen. Das ist jetzt nichts Neues.

Manchmal ist es auch eine unglaubliche Matheaufgabe. Ich weiß das Ergebnis und soll lediglich den Rechenweg dahin richtig rausknobeln. Und ich rechne und rechne und rechne. Werde wach, überlege, kehre in den Traum zurück und rechne weiter.

Als ich klein war, war es gerne beim Einschlafen die berühmte letzte Treppenstufe, die man verpasst und daraufhin feste zusammenzuckt. Oder einen Bach konzentriert von Stein zu Stein entlanghopsen und irgendwann war ein Stein nicht fest und man rutschte weg.

Richtig nervig die Phase in der Pubertät, als ich tatsächlich tagsüber unglaublich viel Backgammon gespielt habe. Die Suche nach den idealen Zügen ging bis in die Träume. Ich würfelte und schob Steine.

Merkwürdig.

Habt ihr auch manchmal so nervige Träume?

Ob das bedeutet, dass ich zu perfektionistisch an Sachen rangehe? Alles zu sehr 1.000%ig machen möchte? Oder befürchte ich, eine Aufgabe nicht lösen zu können?

Keine Ahnung.





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Kommentare:

  1. Jepp, kenne ich auch.

    Dann weiß ich aber, dass ich mich mit einem Thema zu sehr beschäftigt habe. Ich kann nicht abschalten und die Verarbeitung darüber geht eben nachts weiter.

    Im Moment nähe ich sehr viel.
    Da kann es schon passieren, dass ich nachts über Schnittmuster nachdenke. Oder ein bestimmter Arbeitsablauf ist mir nicht klar, so sinne ich dann über eine Lösung nach.
    Es ist tatsächlich passiert, dass ich morgens gleich nach dem Aufstehen mir eine Tasche geschnappt habe und die bis auf den Grundschnitt wieder aufgetrennt hab, weil mir das Ergebnis wie der Reißverschluss eingenäht war, nicht gefallen hat. Und im Schlaf hatte ich die Lösung und es hat geklappt.

    Manchmal nervt es, manchmal finde ich es erschreckend wie unsere Festplatte einfach ungefragt weiterarbeitet und noch erstaunlicher dass es auch funktioniert!

    Wenn ich krank werde und es noch nicht akut weiß..... dann habe ich auch solche Träume. Endlosschleifen. Und da kann ich dann auch aussteigen und nach dem Einschlafen weiter träumen.

    Gruß Minze

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  2. "Manchmal nervt es, manchmal finde ich es erschreckend wie unsere Festplatte einfach ungefragt weiterarbeitet und noch erstaunlicher dass es auch funktioniert!"

    Das hast du schön formuliert. Genau so ist das.

    Sehr beruhigend, zu erfahren, dass ich damit nicht alleine stehe.
    Danke.

    Schöne Sonntagsgrüße!

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  3. Ich schlafwandel nur... und singe im schlaf und tanze im schlaf und esse wenn ich pech habe im schlaf...
    richtig nervig... erschreckend, manchmal gefährlich...

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  4. Das "Zusammenzucken" sind die Nerven, wenn sie sich tiefenentspannen.

    Alles andere hat eine bestimmte Bedeutung. Deine ganz persönliche Bedeutung, also nix mit Freud und dubiosen Traumdeutungen. Manchmal bringt es etwas sich Träume nochmal laut zu erzählen, sie zu rekapitulieren, um dahinter zu kommen. Oftmals sind diese Bilder nur als Metapher zu verstehen. Also, wenn Du Steine sammelst und die aufschichtest hat das nichts mit Kies schaufeln zu tun. Dein Gehirn verarbeitet nur etwas und sucht eine Lösung. Z.B. viele Steine bedeuten eventuell für Deine Lebenssituation, viele Aufgaben die es derzeit fest zu schichten gilt damit nicht alles zusammenstürzt. Du machst Dich daran diese zu ordnen, Dein Leben neu zu ordnen, aufzuschichten, zu festigen, wollen sie aber noch nicht so recht, weil Du noch nicht die ideale Lösung gefunden hast, sie rutschen Dir immer wieder weg ... das ist nur ein schnelles Beispiel was solche Träume bedeuten können.

    Da sich bei Dir solche Träume in ähnlicher Form immer wiederholen lohnt es sich für Dich diese mal in Bezug auf Deine jeweiligen Lebenssituationen zu setzen - sie scheinen für Dich sehr wichtig zu sein. Bist Du ein Mensch der feste Strukturen braucht? Das geht am einfachsten in dem Du laut den Traum rekapitulierst und Du ihn Dir noch einmal erzählst, meistens macht es dann früher oder später "pling" und Du hast die Bedeutung. Denn das Gehirn arbeitet gerne in Metaphern. Wenn Du dann wieder Träume in ähnlicher Form hast, weißt Du, was Dein Unterbewußtsein Dir dringend zu verstehen geben will. Z.B. verzettel Dich nicht, binde Dir nicht zu viele verschiedene Aufgaben ans Bein, ordne Deine Aufgaben, festige Deine derzeitige Situation. Wie auch immer. Ich will hier aber weitere unqualifizierte Küchenbankpsychologie zum besten geben.

    Ich hatte mal eine Situation in meinem Leben, da habe ich eine Entscheidung getroffen die ich kurze Zeit später bereut hatte. In der Zeit träumte ich immer wieder von Schweinenauch, dass ich ein Schwein hatte, dass mir weggelaufen ist. Ich hab das nicht begriffen, bis ich mir den Traum erzählte und der Begriff "da hatte ich das Schwein gehabt" fiel ... kurze Zeit später entpuppte sich meine Entscheidung, die ich zuvor sehr bereut hatte, als richtig ich hatte im wahrsten Sinne des Wortes Schwein gehabt!

    Übrigens kannst Du Dein Gehirn auch trainieren und es abends vor dem Einschlafen um eine Lösung eines Problems bitten, man nennt das auch Selbstsuggestion. Oftmals bekommst Du eine Antwort, zwar meistens versteckt und als Sinnbild aber sie kommt.

    Und ja, ich habe mich lange mit dem "Träumen" beschäftigt weil ich sehr intensiv träume und früher auch schlafwandelte, so stark, das man mich nachts von der Strasse pflücken mußte, Türen und Fenster verschloss und zuband oder die Party meiner Eltern gesprengt habe. Hat sich aber gelegt, je älter ich wurde.

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  5. Vielen, vielen Dank für deine Meinung. Das ist ganz wertvoll für mich.

    "Wenn Du dann wieder Träume in ähnlicher Form hast, weißt Du, was Dein Unterbewußtsein Dir dringend zu verstehen geben will. Z.B. verzettel Dich nicht, binde Dir nicht zu viele verschiedene Aufgaben ans Bein, ordne Deine Aufgaben, festige Deine derzeitige Situation."

    Genau das ist wohl der springende Punkt. Ich hab da einen Berg von Aufgaben und im Prinzip den roten Faden fest in der Hand, aber ich möchte jetzt unbedingt eine Aufgabe nach der anderen lösen, in sinnvoller Reihenfolge. Frage ich aber, WAS ist die sinnvolle Reihenfolge, ohne mal hier und mal da anzufangen, zu merken, dass ich doch erst etwas anderes tun muss und darum die Aufgabe wechsele.

    Das ist ja auch das, was ich an dem Traum so interessant fand. Ich empfand es überhaupt nicht als belastend, zu schichten. Ich war richtig scharf darauf, es so perfekt wie möglich zu machen. Wollte das unbedingt hinbekommen.

    Oh, Schlafwandler.
    Da hatte ich auch einen in der engsten Familie. Das war nicht immer so unbedenklich. :) Aber ich glaube, dass es sich das bei ihm auch gelegt hat.

    Grüße, du Powerfilzerin!

    Annika

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