Donnerstag, 12. September 2013

4 Jahre, 1 Monat und 9 Tage


Es geht nicht weg.
Das weiß ich jetzt.

Aha.

4 Jahre, 1 Monat und 9 Tage habe ich ohne geschafft, problemlos, aber nach fast einer Woche psychischer Höchstspannung, Momenten größter für mich vorstellbarerer Angst, habe ich gestern - als der Druck wich - den Kopf in den Kühlschrank gesteckt und für gefühlte Stunden nicht mehr rausgeholt.

So lange bis nichts mehr ging und mir gigaschlecht war.

Und es war mir im Übrigen auch total egal, was ich gegessen habe.
Total egal.
Darüber hatte ich keine Kontrolle mehr.

Ich kann wohl von Glück reden, dass in meinem Kühlschrank von Natur aus nicht sonderlich viel merkwürdiges Zeugs lagert. Und wenn... selbst das wäre mir egal gewesen.

Nein, ich habe hier nicht über das geschrieben, was in den letzten Tagen los war und ich möchte es auch nicht tun. Ich war froh, um jeden "normalen Moment", in dem ich mit Alltag und Normalität beschäftigt sein konnte. Ich will nur, dass ihr wisst, dass es mein persönlicher Super-GAU war, jetzt aber alles besser ist. Ich bin alles andere als empfindlich - das könnt ihr mir glauben. Bei mir muss es wirklich richtig dicke kommen.

Ich brauche auch keine tröstenden Worte, denn es gibt nichts mehr zu trösten. Es ist gut. Und dass ich einen Essanfall hatte, braucht auch nicht getröstet werden, weil ich nicht traurig bin. Ich bin nur...

... sehr erstaunt.

Es kam ganz plötzlich, aber extrem bestimmt. Ich habe zunächst alle Tränen der Erleichterung freigelassen, die ein einzelner Mensch in sich lagern kann, bin anschließend wie ferngesteuert vom Sofa aufgestanden und dann ging es los. Kein Moment des Zögerns, nichts. Einfach gemacht.

Anschließend habe ich die ganze Nacht gegen unglaubliche Übelkeit gekämpft. Das war sehr unschön und nicht nachahmenswert. Auch heute Morgen ist es noch nicht gut. Mein Inneres rumort, das ist nicht mehr feierlich.

Dennoch ist heute ein neuer Tag und ich weiß, dass es vorbei ist. Ich ärgere mich auch nicht darüber. Es ist in Ordnung. Ich kann den Moment weiterziehen lassen.

Ich weiß auch, dass ich anscheinend nie vollständig davor gefeit sein werde.
Das wollte ich euch eigentlich nur sagen.
Ich kann durchaus einknicken, wenn es viel zu viel wird, auch wenn ich das nicht erwartet hätte.
Ich bin nichts weiter als ein normaler Mensch, selbst wenn ich mich eigentlich recht oft auf der Oberholspur wähne.

4 Jahre, 1 Monat und der 10. Tag... 
Es geht weiter!

Umarmung!



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Kommentare:

  1. Danke für diesen Bericht :-)

    Ich selbst habe zum Glück nie damit zu tun gehabt, aber ich denke, dass diese offenen Worte anderen helfen wird, mit ihren eigenen "Anfällen" entspannter umzugehen, anstatt sich selbst dafür zu kasteien.

    Wir sind wie wir sind - mit unseren Stärken und mit unseren Schwächen. Beides gehört zu uns und es ist gut wenn man für sich sagen kann "Ist schon okay - gibt schlimmeres". :-)

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  2. Umärmelung

    La’Chaim!

    nashua

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  3. DAS sind die Posts, die mich dazubringen, jedes Mal wieder aufzustehen und weiter zu gehen, wenn ich mal wieder eingeknickt bin (bin ja noch blutiger Anfängerin).

    Danke Sudda, das hab ich gebraucht.
    *Umarmung*

    Gruß
    schaefchen

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  4. Mensch, dass der 'alte Bekannte' Fressanfall es nach so langer Zeit immer noch nicht begriffen hat, dass du nichts mehr mit ihm zu tun haben willst!!!! Tststs! Drängt er sich einfach ungefragt auf! Puuuuh, selbst alle 4 Jahre ......, kann man den nicht ertragen, oder! Ätzender Vogel!! Soll bloß wegbleiben!! ;)
    LG C

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  5. Genau das schätze ich so, an dir und auch den vielen anderen im Forum: diese Ehrlichkeit, sich selbst und vor allem der "Öffentlichkeit" gegenüber. Und die Tatsache, dass diese Ehrlichkeit weder belächelt noch kritisiert wird.
    Schön, dass das Schlimmste überstanden ist. Und um dich mach ich mir sowieso keine Sorgen, du Stehaufmännchen ;-)
    Schmatz,
    die Andi

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  6. von mir auch *umärmelung*
    mir geht es zur Zeit ähnlich.
    Ich greife dann gerne zu Alkohol um mich zu betäuben.
    GSD! Hab ich nix zu Hause.
    Deshalb hab ich mir gestern 2 Bücher gekauft. So als Trotz-und/oder Trostreaktion.

    Lieb grüßt
    Martina

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  7. Bitte Verstehe das nicht als Tröstversuch, sondern nimm es so zu Kenntnis: :)

    Ich bin verdammt erstaunt das du so verdammt lange durchgehalten hast! Ich für meinen Teil habe es nie so lange ausgehalten - und dann endete es in einem Glas Nutella mit einer Packung Schlabbertoast. (Kombiniert mit "bis Übelkeit") Schon mehrfach. Ganz dran gewöhnen kann ich mich nicht.

    Auch bei mir kommen die eher plötzlich;- das Problem sind allerdings nicht die Anfälle, sondern der Grund für eben diese. Wenn ich wüsste wie man diese nicht nur umschiffen, sondern auch noch lösen könnte, würde ich es dir verraten.

    Auf die nächsten 4 Jahre, 1 Monat und 9 Tage!

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  8. Auch Menschen die keine Probleme mit Essen/Gewicht haben bekommen mal einen "übertrieben Heißhunger" auf irgendwas und essen dann mehr als üblich bis übel!

    Der Mann

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    1. Ups, da habe ich zu schnell abgeschickt.

      "Richtig" bezieht sich auf den Mann.

      Und das ist ja, glaub ich, genau der Schlüssel: wenn Du ein Mal im Jahr den Kopf in den Kühlschrank steckst, ist das nicht schlimm. Bedenklich ist es, wenn Du das jede Woche machst.

      Meine Liebe, ich drück Dich ganz fest. Mit allen Tentakeln :)

      Fette Grüße!!
      Jelly

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  9. Hm, was soll ich sagen, toll hast du das gemacht, denn so etwas ist menschlich. ♥-Grüße Petra

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  10. Drück Dich ;O)
    Das kann jedem,jederzeit passieren, und es ist nicht Schlimm, wenn man Weiß das es auch anders Geht!
    Wünsche dir einen Wunderschönen Tag, voll mit Lachen, Sonne, Regenbögen
    Lieben Gruß Ramona

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  11. Prima! gut gemacht, isso!

    Was war, ist gewesen

    oder

    Das Schönste an der Vergangenheit ist, daß sie vorbei ist.


    LG
    yoyo116

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