Sonntag, 29. September 2013

Ende Gelände

Wenn man mit mir schon durch hügelige Landschaften flanieren möchte, gilt es gewisse Grundregeln einzuhalten. Die da wären:

1. Man wähle die Route so, dass man auf dem Hinweg, der etwa 3/4 der Strecke ausmachen sollte, bergAB geht. 

2. Der Rückweg, der, wenn es auf dem Hinweg bergab ging, natürlich zwangsläufig, wenn auch von meinem höchsten Widerwillen begleitet, bergAUF führen muss, soll maximal 1/4 der Strecke ausmachen.

3. Dazwischen plane man eine nette Einkehr zur Stärkung.

4. Man gehe NEBEN mir, nicht 5 m VOR mir.

5. Man kommentiere meine Zornesausbrüche beim bergAUF gehen nicht mit vernichtenden Sprüchen á la "Frau Trainerin, was ist los?" oder "Hätteste diese Woche mal mit dem Sport nicht so übertrieben" oder "Wandern ist eben besser für die Fitness als alle anderen Sportarten" oder "Der Blick! Göttlich!" oder "Schau mal, das Ehepaar dort ist locker 90. Die kommen den Berg aber noch ohne Gejaule hoch!" oder "Wie jetzt, hinsetzen? Wenn wir uns jetzt hinsetzen, kommen DIE DA vor uns in der Straußwirtschaft an und wir kriegen keinen Platz mehr. Die überholen wir noch. Zackzack!".

6. Man verdrehe nicht die augenscheinlichen Tatsachen durch Ansagen wie "Das ist doch kein Berg!" oder "Hier ist es ja wohl recht flach!" oder "Wenn wir um die Ecke rum sind, sind wir oben."

7. Wichtigste Regel. ACHTUNG! Wenn ich schon vor Wut schäume, laufe man nicht kichernd vor mir her und biete mir an, mich bergan zu schieben oder ein nettes Erinnerungsfoto von mir beim Vorwärtskriechen zu schießen.

8. Man renne nicht, man wandere, bzw. passe sich dem Tempo des schwächsten Teilnehmers (hier: ich) an.

Das ist ja wohl nicht zu viel verlangt, oder?

Wie kann ein einzelner Mann, der seit bald 20 Jahren mit mir verheiratet ist, ganz entspannt gegen 6 von 8 wichtigen Regeln verstoßen?

Pause war toll und der Rückweg war tatsächlich nicht länger als 1/4 der Strecke.


Der Rest....
Gut, wegen 5., 6. und 7. war 4. und 8. glasklar überlebensichernd. Denn wenn ich den Burschen erwischt hätte, hätte ich so manchen Moment der Wanderung Schaschlik aus ihm gemacht. Ich schwöre.

Könnt ihr eigentlich auch so böse werden, dass ihr jemandem Schmerzen zufügen möchtet? Dabei... hey... wer mich kennt, weiß, dass ich eigentlich fast die Sanftmut in Person bin, die niemandem Böses möchte. Meistens jedenfalls.

Wenn ich ehrlich bin.. ich bin mir nicht 100%ig sicher, was gestern mit mir los war, aber ich habe eine Ahnung. Die Strecke war eigentlich wunderschön und überhaupt nicht zu lang. Da bin ich schon ganz andere Strecken gewandert, auch in bergigem Gebiet. Aber es lief von Anfang an sehr zäh. Meine Vermutung ist, dass es doch etwas viel war, Samstag, Montag, Dienstag und Mittwoch Stunden zu geben, Donnerstag zwei Stunden zu joggen und dann zu meinen, dass man Samstag fröhlich pfeifend wandern würde.

Wir starteten von Bölingen aus bei perfektem, sonnigen Wanderwetter durch Feld und Wald und es war wirklich hübsch anzusehen. Des Mannes neues Credo übrigens: "Wanderwege kann jeder, wir machen mal querfeldein zwischendrin!" So kamen wir ab und an auf wirklich spannende Wege bei der nicht eine Menschenseele die Bahn kreuzte.

Das hier ist oberhalb von Lantershofen.








Hübsch, oder?

Allerdings gestaltete der Weg nach unten sich ein wenig arg hügelig. Andauernd ging es ein Stück bergab, dann wieder hoch. Eben weil wir nicht die normalen Wege nehmen wollten.

Immer wenn ich dachte, dass es jetzt ja theoretisch nur noch bergab gehen könnte, kam noch eine Schleife mit noch einem Anstieg.



An sich mag ich solche Wege total gerne, allerdings war ich an dieser Stelle bereits im "Meckermodus" unterwegs. Meine Beine fühlten sich sehr schwerläufig an.

Vom Wald aus ging es durch die Weinberge, die wie immer herrlich anzusehen waren. Da wir uns zu 95% geschickt oberhalb der "Hauptverkehrswanderwege" aufhielten, bekamen wir vom Rummel dort wenig mit. Man kann sich sicherlich vorstellen, was an einem Wochenende bei tollem Wetter dort los war!

Auf unseren Wegen - himmlische Ruhe.





Nach gefühlter Ewigkeit, bzw. eigentlich nach 12 km kamen wir in Marienthal an und pausierten bei Schumachers (klick!) in deren Straußwirtschaft (klick!). Dort gehen wir seit vielen Jahren immer wieder mal hin, weil es eben so schön ist. Ich bekam sowohl meine ersehnte Kürbiscremesuppe (sogar mit Garnelenspieß) als auch ein Glas hervorragenden trockenen Rotwein "Pas de deux". Hach ja.






Am liebsten wäre ich gar nicht mehr aufgestanden. Meine Oberschenkel fühlten sich an wie Blei. Aber es half nix, Mutti musste den ganzen Berg wieder hoch.

Ich war fix und alle.
Die Beinen verwandelten sich von Blei in Gummi.
Ätzend.

Da konnte der märchenartig anmutende Wald auf dem Rückweg auch nichts mehr rausreissen.

Und der Mann?
Nun, der konzentrierte sich darauf, gewissenhaft und intensiv gegen die Punkte 4 bis 8 zu verstoßen.
Mehrfach wohlgemerkt.

Wobei ich ihn wirklich bewundere. Der wandert schneller als ich laufe. Topfit. Macht eben das regelmäßige Wandern. Der hat Wadenmuskeln, auch einen echten Knackpo, da kann man nur neidisch sein. Bin ich auch. Gebe ich gerne zu. Der knackige Anblick hob meine Laune allerdings nur minimal.

Hätte ich nur etwas mehr Mumm in den Beinen gehabt, ich hätte ihn... aber so richtig! Es gibt sogar ein Foto, auf dem zu sehen ist, wie ich eine Attacke auf ihn versuche und er lachend und weghopsend auf den Auslöser gedrückt hat. Aber das erspar ich euch. Falsch, das erspar ich mir.

Selten war ich glücklicher am Parkplatz angekommen zu sein. Zuhause kam ich kaum noch aus der Kiste raus. Moah...

Das fühlte sich an wie Zerrung. Herb. Wirklich herb.

Muskelkater kann das ja nun nicht gewesen sein. Das war Überlastung.

Das war dann der Punkt, an dem ich sogar dem Mann leid tat. Das will was heißen. Ich parkte den Rest des Abends den Po auf dem Sofa und jammerte leise vor mich hin, sobald ich nur eine minimale Bewegung machte. Ich armes Dingen, ich.

Interessant:

Als ich heute Morgen aufwachte, war der Spuk vorbei. Nichts. Noch nicht einmal Muskelkater.
Sehr merkwürdig.

Fest steht allerdings, dass ich diesen Weg in den nächsten Wochen noch einmal gehen möchte. Exakt den gleichen. Dann wollen wir doch mal sehen, ob ich das nicht besser kann.

Was soll es.
Man kann nicht immer gut drauf sein.









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Kommentare:

  1. Die Gegend sieht ja wirklich toll aus! Vielleicht bekommst den speziellen Besuch ja, da bekomm ich auch Schmerzen in den Gliedern von normaler Bewegung, manchmal zumindest.
    Wünsche dir für den nächsten Versuch ganz viel Ausdauer und Kraft, damit du auch die Landschaft und den Mann mal so richtig genießen kannst!

    Viele, liebe Grüße,
    N.

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  2. Haha! Für mich kommt wandern gleich nach Nordic Walking - allein vom Begriff her nix für mich. Oh, ich lege schon mal größere Strecken in schöner Natur zurück, mit geeignetem Schuhwerk und Regenjacke in der Tasche. Damit haben sich die Gemeinsamkeiten aber auch schon. Wir finden, wir sind im Alltag zielorientiert genug, da muss das in der Freizeit nicht auch noch. Wir schauen dann eher mal, wo es uns hinzieht, was in dem Moment interessiert, oder so. Deshalb können die Wege je nach Laune lang oder kürzer werden. Oder mal mit dem Fahrrad gefahren werden. Genau wie das mitgenommene Essen vom Nussriegel bis zum opulenten Picknickkorb variiert.
    Sehr schöne Landschaft!
    Überlege grade, ob ich das bergige vermisse. Nöö, nichts ist schöner, als abends am Strand zu sitzen ;-)
    Denk dran: ein wichtiges Standbein der Fitness ist die Regeneration, sonst nutzt das ganze Gerödel auch nichts!
    LG, Katja

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  3. Ich sag es einmal und auch noch ein zweites Mal und wenn er dann immer noch der Meinung ist er müsste vor mir her rennen, drehe ich um und gehe wieder Heim oder einfach eine Ganz andere Strecke für mich alleine. Der Plan war ja miteinander zu gehen und nicht jeder für sich!

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  4. Liebe Sudda,
    bei mir läuft ;) das ganz genau so... aber frau kennt ihren Liebsten ja. Ich weiß nicht ob du Wanderstöcke besitzt, mir helfen sie jedenfalls sehr beim Aufstieg. Das wäre mein Tipp zum ausprobieren. Und alpin ist zwar vom Aufstieg her sehr anstrengend, aber am Ende lohnt sich die Quälerei und Quengelei! Der Ausblick ist göttlich.
    Liebe Grüße, E.

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  5. Liebe Sudda,

    das nächste Mal kannst du, wenn du es denn möchtest, bescheid sagen.
    Ich gehe mit!
    Ich schnaufe mit!
    Ich schimpfe mit.... okay, steht mir wohl nicht zu.
    Da ich praktisch vor der Haustür wohne vom Arhtal, kein Problem ;-)

    Sag bescheid, ich bin dabei.
    Gruß
    Minze

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  6. Im allgemeinen laufe ich 5 Meter vor meinem Mann .... ich kann da also schlecht mitreden. Mittlerweile halten wir es so das ICH vorher ansage was es wird, gemütlicher Spaziergang, Wandern oder "Doris trainiert vergeblich für Olympia und Matthias rennt entnervt hinterher" :).

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