Montag, 9. September 2013

Wie viel Zeit bist DU dir wert?

9.990

Die Zahl prangte oben auf der Tafel.

*töcktöcktöck* klopfte der Vortragende mit dem roten Stift dagegen und unterstrich dadurch seine Aussage.

"Schönes Argument für Kursteilnehmer, um ihnen eventuellen Bewegungsmangel deutlich zu machen à la 'Eine Woche hat 9.990 min und du machst hier im Sportkurs gerade mal 60 min. Meinst du wirklich, dass das ausreicht?'"


Finde ich gut.
Ich mag einprägsame Slogans.

Aber...
Hmmm...

Wenn man mir Zahlen "schenkt", fange ich unweigerlich an zu rechnen. Ihr nicht?

Daher habe ich recht schnell auf einem Blatt ausgekrickelt, dass das gar nicht stimmt. Die Woche hat gar nicht 9.990 min. Nein. Sie hat sogar

10.080 min

So.
War schon mal nicht ganz richtig. Kleiner Trotz wallte in mir auf. Auch typisch. Nicht mit mir. Das muss ich mir genauer ansehen. Das ist mir zu schwarzweiß.

Also..

Wir haben 10.080 min pro Woche Zeit. Aber es gibt ja nun auch Dinge, die erledigt sein wollen. Ha.

Sagen wir mal Trude Trott arbeitet Vollzeit. Und sie hat 1 h Anfahrt und 1 h Abfahrt zur Arbeit. Ist ja jetzt nicht so selten.

Wobei die Argumentation ein wenig hinkt, denn ich arbeite nicht Vollzeit. Andererseits bin ich auch nicht Trude Trott und ich fühle mich verantwortlich für Kursteilnehmer und Mitabnehmer und Mitblogger.. Da sind bestimmt Vollzeitler bei. Ja, so umsichtig und gut bin ich zu euch.. Mutti eben.

Macht 50 h pro Woche. Ich habe jetzt nicht anteilig Urlaubs- und Feiertage rausgerechnet. Ich gehe von einer Nullachtfuffzehn-Woche aus. 50 h sind 3.000 min. Bleiben also noch 7.080 Wochenminuten.

Jetzt braucht der Mensch blöderweise Schlaf. Trude Trott auch. Optimal 8 h. Oder? Das sind 3.360 min. Bleiben noch 3.720 min.

Für Essen, kochen, Haushalt veranschlage ich mal 4 h am Tag. Ist wohl eigentlich ein wenig übertrieben, aber wir klotzen mal ein wenig. Ich ziehe also großzügig noch einmal 1.680 h dafür ab. Bleiben dennoch 2.040 min übrig. Njam.

Da fällt mir ein, dass wir noch gar keine Arbeitspausenzeiten rausgerechnet haben. Haha! Halbe Stunde Pause hat Trude Trott schließlich auch. Mal 5 Arbeitstage. Sind immerhin 150 min pro Woche.

Wobei es sicherlich eine tolle Sache wäre, wenn Trude Trott in der Pause ihren Po in Wallung bringen und ein Ründchen um den Block drehen würde, statt Pommes in der Kantine... Ihr wisst schon, die schöne Theorie.

Jetzt sind jedenfalls noch immer 1.890 min übrig.

Aber man sollte sich auch ein wenig pflegen und so. Wenn es müffelt und klebt ist nicht so schön. Was meint ihr? 1,5 h am Tag? Das sind jedenfalls 630 min in der Woche. Restwochenzeit 1.260 min.

1.260 min übrig
21 Stunden pro Woche

Ja, ich weiß, dass man auch viel Zeit in Warteschlangen, an Ampeln oder sonstwo verschleudert oder noch andere Verpflichtungen hat. Zum Beispiel weil man kleine Kinder hat, oder so. Aber andererseits arbeitet man vielleicht nicht Vollzeit oder putzt/kocht/isst/wäscht nicht 4 Stunden am Tag. Oder macht nur Katzenwäsche und putzt sich die Zähne...

Das ist ja jetzt nur eine grobe Grundrechnung. Mit Pech vielleicht sogar fehlerhaft überschlagen. Egal.

Was für mich persönlich bei der ganzen Rechnerei rauskam?

Ich möchte mehr Zeit für mich selbst nutzen. Mir gut tun. Mich mehr bewegen - mehr Ausdauer. Laufen. Aber nicht nur Sport - auch wenn es dem Vortragenden mit dem Stift in der Hand eigentlich in dem Moment in erster Linie darum ging. Gesundheit ist mehr als körperlich fit sein.

Mich mit einer Tasse Tee bewusst hinsetzen. Doch mal einige Seiten im Buch lesen. Bisschen Extrapflege vielleicht. Einen Moment innehalten. Und wenn ich nur kurz tief in den Bauch ein- und ausatme. Geht ganz schnell. Das sollte ich mir wert sein. Ich habe dieses Wochenende leider miterleben dürfen, wie schnell das Blatt sich wenden kann. Ich bin im Hier und Jetzt. Bewusst. Vielleicht nicht immer und auf Schritt und Tritt im Alltag, aber ich werde Nischen suchen und finden. Ich übe noch.

Denn ja! - es ist noch Zeit genug dafür über.

Und wenn es mal eng wird - dusche ich eben 5 min weniger oder spar mir das Bügeln.

;)



Carpe diem, meine Lieben!
Ihr auch?
Ihr auch!



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Kommentare:

  1. "Keine Zeit" ist oft nur eine Ausrede wenn man nicht(s) (mehr) machen will :-)
    Ich mache nicht mehr, benutze aber nicht die Zeit als Ausrede ;-)
    In dem Sinne, bis heute Abend!

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  2. Also ich komme auf 405 min im schnitt... eher mehr als weniger ^^ Lächerlich klein wenn man sich die Große Zahl am Anfang anschaut, aber die frage ist ja dann auch wie effektiv ist mehr? Ich komme auf 6 Stunden und 45 min.
    Das hört sich hingegen schon nach einer Menge an! Ich liege bei im durchschnitt pro Tag bei 57min. *zufrieden*

    Und du?

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  3. Hast du eigentlich auch die Internetzeit rein bzw. rausgerechnet?
    Ich glaub, das summiert sich, auch mit TVgucken, ganz schön, ohne das man es wirklich bemerkt...

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  4. Sicher findet man immer Zeit für Sport....wenn man will.
    Wenn ich aber mal garstig bin und noch nur EINE Sache zu Deiner Rechnung zufüge... hast Du schon WESENTLICH weniger Zeit als schöne gut aussehende 21 Stunden.
    Dabei meine ich nicht SHOPPEN (denn nicht nur Klamotten, sondern auch Lebensmittel wollen geshoppt werden, und haben dabei teils nicht unwesentliche Wegezeiten), nicht das gemütliche Vertilgen der gekochten Lebensmittel inmitten der Familie mit gepflegtem QUATSCHEN (obwohl ich das sehr wichtig finde und dem auch gut Zeit einräume, nicht das Treffen von Freunden oder ähnlich unwichtiges :):):) Zeug.....
    NEIN, was ich meine...... ist die gepflegte INTERNETZEIT.
    DAS IST EIN ZEITKILLER SONDERSGLEICHEN. Ich habe das nur gestoppt bekommen, indem ich einen Kurzzeitwecker neben den Laptop stelle und dann auch wirklich (schnell sicherheitshalber die Finger hinter dem Rücken kreuzen) sofort aufhöre, wenn der (penetrant) rasselt. :)
    Schönen Tag von der Madsikon

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  5. Keine Zeit ist wirklich eine Ausrede, die ich nicht akzeptiere. Ich denke mal Sport sind so 500 Minuten pro Woche. Ich glaube, mehr kann ich rein koerperlich im Moment nicht.

    Ich nehme mir auch bewusst Zeit fuer mich selber. Das kommt aber darauf an, wie ich mich fuehle und was ich glaube, was ich brauche. Gestern zum Beispiel hatte ich 2 Stunden Training im Park, hammerhart. Danach habe ich eine Stunde im Badezimmer verbracht. Heisses Bad mit Tasse Tee und einem Riegel organischer dunkler Schokolade mit ganzen Mandeln, waehrend der Regen gegen das Fenster prasselte.... Hach, war das schoen. Dann von oben bis unten in Kokosoel eingerieben, Manicure, Pedicure, danach war ich so tiefenentspannt, dass ich fast vor dem Abendessen eingeschlafen waere, lach.

    Bikey

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  6. [...]meinst Du wirklich das das ausreicht [..] Wenn man mir solche einseitig ausgerichteten Unterdrucksetz-Slogans pauschal um die Ohren haut, reagiere ich schnell patzig. Du beschreibst es da schon wesentlich besser. Sich für sich selbst Zeit nehmen ist viel wichtiger als mit der Stoppuhr die Glieder zu schmeißen und zu schauen ob man jetzt noch ein paar mehr Sekunden schwitzend zappeln muß, bis man das wöchentliche Bewegungsmindestlimit erreicht. Ich mag solche einseitigen Rechnungen nicht, sie gehen für mich nicht auf.

    Oft ist die Tasse Tee und das bewußte Ausruhen, die Seele baumeln lassen wesentlich ausgleichender und wichtiger als sich körperlich unter Druck zu setzen. Druck und Stress haben wir so schon genug, dass muß man sich nicht noch selber antun. Druck und Stress sind auch oftmals DIE Auslöser für seelische und körperliche Disharmonien. Leider wird das von den sportbegeisterten Trainern gerne mal vergessen.

    Bewegung ist sehr wichtig aber auch sehr individuell, wie jeder Mensch. Wird gerne auch mal vergessen. Bewegung ist wichtig und tut gut, aber jeder sollte den Ausgleich auf seine Weise machen. Dem einen reicht der täglich ausgiebige Spaziergang mit dem Hund, der andere benötigt das gnadenlose Eisenfressen 3 x wöchentlich in der Muckibude. Der nächste ist mit einmal wöchentlich Fahrradfahren bestens bedient. Beim nächsten reicht regelmäßige Gartenarbeit und ich bin glücklich wenn ich 3-4 mal in der Woche ca. 1,5 Stunden laufen kann. Das schaffe ich derzeit nicht, so dass ich nur einmal in der Woche walke, aber ich setze mich nicht unter Druck: Ich muß, ich muß, ich muß. Sondern ich freue mich darüber das ich trotz grossen Arbeitsprogramms die Zeit finde wenigstens ein wenig etwas für mich zu tun.

    Bewegung soll Spaß machen! Das ist der allerwichtigste Aspekt dabei. Es wird gerne in unserer Leistungsgesellschaft vergessen, dass die Freude etwas zu tun, die wichtigste Motivation ist und auch der größter Erfolgsfaktor. Diese Leistungsgesellschaft sorgt dafür, das viele glauben sie versagen ... und das Leistungsdenken fängt bereits bei besagten angeblich nicht genügenden 60 Minuten an.

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    1. Wer glaubt, bei der Bewegung gehe es in erster Linie um SPASS, der hat noch nicht verstanden, wie der menschliche Körper tatsächlich funktioniert...

      "Sich Zeit nehmen für sich" ist die Ausrede derer, die noch nicht gelernt haben, wirklich gelassen zu SEIN statt bloß so zu tun oder es ganz stümperhaft immer nur erzwingen zu wollen.

      Und solange Bewegung, Sport oder Sportkurse etwas mit Leistungsdenken und -druck zu tun haben, die "noch mehr stressen als der ohnehin schon stressige Alltag", sind ganz grundlegende Dinge im Leben, die weit über den Sport hinausgehen, auch noch nicht begriffen worden.

      "Ich mag solche einseitigen Rechnungen nicht, sie gehen für mich nicht auf." - Wer nicht fähig ist, über den eigenen egozentrischen (im wahrsten Sinne des Wortes) Tellerrand hinauszublicken, emotionslos und realistisch, für den werden immer nur die eigenen Rechnungen aufgehen... So kann man sich auch alles hindrehen und wenden, wie es ins eigene Weltbild passt. Hauptsache sich selbst in der eigenen Lebensweise bestätigen und beruhigen...

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    2. Liebe Katha,

      Bewegung fängt nicht erst in der Turnhalle an sondern im Alltag. Das mal vorweg und zu meinem persönlichen, grundlegenden Verständnis von Bewegung. Leider kommt die natürliche Bewegung immer zu kurz. Geht man mit dem Hund spazieren bewegt man sich, geht man in den Garten statt vor dem PC zu sitzen, bewegt man sich. Macht man einen Wanderurlaub statt am Pool zu liegen, bewegt man sich. Gezielte Bewegung beginnt im Alltag und nicht erst im Trainingsraum wo ich mit dem Auto hinfahre, obwohl ich diese 5 Kilometer auch mit dem Rad hätte fahren können, um danach wieder auf dem Sofa zu versinken. Wichtig ist, dass der Mensch begreift, dass Bewegung ALLTAG ist und auch dort beginnt. Und das für den Menschen neben der Bewegung genauso Ruhephasen für die Entspannung immens wichtig sind. Es ist ein Ganzes.

      Ich habe 8 Jahre als Marketingleiterin in einem Unternehmen für ergonomische Sitzmöbel gearbeitet. Ich habe dort gekündigt weil ich wegen Depressionen, dank Vorgesetzenmobbing nicht mehr arbeitsfähig war. Ich habe viel mit der AGR zusammengearbeitet. Ich habe mich mit dem Thema Bewegung sehr intensiv auseinandergesetz, beruflich wie privat. Ich bin seit 11 Jahren eine sehr ambitionierte Läuferin, reite, schwimme, Mountainbike und halte viel von regelmäßiger Bewegung. Ich bin 156 mtr. groß und wiege 45 Kilogramm. Ich glaube, ich führe ein sehr bewegtes Leben, mit gesunder Ernährung und Idealmaßen. Ich bin mit meinen fast 50 Jahren kerngesund, nehme keinerlei Medikamente, rauche nicht und trinke keinen Alkohol. Das zum Thema egozentrisches Weltbild, mein Verständnis über den menschlichen Bewegungsapparat, eigene bequeme Lebensweise bestätigen, beruhigen und nicht begriffen haben wie es sich mit Druck und stressigen Alltag verhält ... und jetzt kommst Du mit Deinen etwas sehr aggressiv und fast schon beleidigenden Worten. Ich nehme sie einfach mal so hin und glaube das Du mich grundsätzlich mißverstanden hast.

      Ich halte nichts von solchen pauschalen Aussagen im Gießkannenprinzip über alle geschüttet, weil die Praxis sehr oft zeigt, dass das nicht so einfach funktioniert und oftmals zum Scheitern verurteilt ist - jeder Mensch IST anders. Darum ging es mir und nicht darum, mitzuteilen das man sitzen bleiben und nichts tun soll! Sondern, das am Anfang kleine Schritte und der Spass (im Sinne von gerne wollen aus sich selbst heraus) etwas zu verändern eine große Rolle spielen um DAUERHAFT seine Lebensweise zu verändern. Nicht ein Trainer der mich und meine Lebenssituation nur sehr bedingt kennt mir sagt, ich solle mehr Sport machen. Gerne doch, kein Problem, aber habe ich dann das grundsätzliche Prinzip begriffen worum es geht, bei mir? Verinnerliche es für mein Leben änder ich etwas oder gehe ich nur dreimal in der Woche zum Alibi-Sport und ansonsten bleibt mein Alltag wie er ist? Das ist das Problem und das wird sehr oft NICHT begriffen, dass alles zusammenhängt und nicht getrennt gesehen werden darf. Mir nutzen 90 Minuten Sport gar nichts, wenn ich mir danach 'ne Pizza in den Ofen schiebe und am nächsten Tag 12 Stunden auf dem Hintern sitze ... ich darf das hab ja Sport gemacht - ne, eben nicht. Aber genauso passiert es immer und immer wieder und die Leute wundern sich, warum nichts bei ihnen passiert. Aber der Trainer hat doch gesagt ....

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  7. "Die Zeit, die man nicht hat, muss man sich nehmen"

    wieder so ein Spruch ;-)

    Grüße
    schaefchen

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  8. Das Thema "Zeitmanagement" ist mir in letzter Zeit auch immer wieder durch den Kopf gegangen... Ich frage mich immer:
    "wo ist die ganze Zeit hin und was hast du gemacht?"

    Zeitmanagement ist nicht so mein Ding und daher verschiebe ich unliebsame Sachen immer so weit, bis sie fast zu spät sind...

    Selbst wenn ich das Spazierengehen mit dem Hund als "körperliche Betätigung" ansehen würde, wäre die Zeit lächerlich gering.


    gegenüber 10.800 Minuten

    ;-)

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  9. Dieser Blog ist ein echter Sonnenschein für's Hirnschmalz, eine Fundgrube gegen das todbringende Unwissen bezüglich der schwierigen Frage: "Was muss ich essen, damit richtiges Leben im eigenen Körper stattfinden kann?"
    Als mittlerweile regelmäßige Mitleserin möchte ich einfach mal ein ganz herzliches Dankeschön für die viele Mühe, die eigenen Erfahrungen, das angesammelte Wissen sagen! Ich bin zwar normalgewichtig, aber die streng ketogene Ernährung (unter 5 g KH) hat mir wieder das Gefühl gebracht, dass das Leben weiter gehen kann...
    Ich investierre gern Zeit, um hier zu lesen und auch in vielen Büchern, um damit etwas für mich (und meine Familie) zu tun. Das "Sich-um-mich-kümmern" ist sehr wichtig geworden, dafür muss einfach Zeit sein!

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  10. Ich hab jetzt 5 Minuten in diesen wundervollen Beitrag investiert und werden nun eine halbe Stunde auf die Terrasse hocken und darüber nachdenken.
    Danke Süße!

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