Donnerstag, 10. Oktober 2013

Popeye-line

Es gibt Aufgaben innerhalb der Familie oder des Haushalts, die ich abgrundtief verabscheue.

Und nein, dieses Mal rede ich weder vom Fensterputzen noch vom Bügeln, wobei diese überaus nervtötenden Tätigkeiten auch sehr weit oben auf meiner persönlichen Bahbah!-Liste zu finden sind, da sie so unfassbar sinnlos sind wie schwärende Pickelpusteln, weil sie zwar immer wieder wie von hinterlistiger Zauberhand auftauchen und bearbeitet werden müssen, das Ergebnis aber im Handumdrehen wieder perdue ist und damit mehr als vorläufig.

(WOW! Was für ein Satz... kilometerlang!)

Nein, dieses Mal geht es um "Tisch tragen".

Vorerklärung dazu:

Wir haben uns vor mehr als einem Jahrzehnt einen riesigen Gartentisch gekauft, dessen Tischplatte massiv Teak ist. Nicht durchbrochen von irgendwelchen Löcherchen oder Geflecht, nö, das Ding ist massiv und die Platte gut 4 cm dick. Kann man sich vorstellen, dass dieser Tisch widerlich schwer ist, oder?

Zweimal im Jahr muss dieser Tisch durch die Gegend gewuchtet werden. Im Frühjahr aus der Garage auf die Terrasse und im Herbst von der Terrasse in die Garage, schließlich war das eine Anschaffung fürs Leben und er soll möglichst lange schön bleiben.

Soweit so gut. Das Gewicht des Tischs ist an sich schon scheiße, aber als kleines zusätzlich erschwerendes Schmankerl kommt noch dazu, dass der Tisch gerade mal so durch die Garagentür passt. Und nein, ich hätte nie und niemals die Kraft, ihn außen um das Grundstück herum zu schleppen und kommod durch das Garagentor in sein Winterquartier zu transportieren! Ich bin doch nicht blöde.

Will man den Tisch durch die Garagentür verbringen, bleiben links und rechts etwa 3 mm Spiel. Da ist echte Millimeterarbeit gefragt - im wahrsten Sinne des Wortes.

Jaaaaaa... sauber.

Nun ist mein Mann ein großer Freund unseres Tischs und niemalsnienicht darf man mit den seitlichen Tischkanten die Türkanten andotzen. NEIN!

Schon deswegen scheiden die Kinder als Tischträger aus. Denen fehlt - laut Mann - der nötige Respekt vor dem guten Stück. Das gäbe Katschen. Fiesefiese Katschen.

Also muss Mutti ran.
Zweimal im Jahr.

Und ob ihr es glaubt oder nicht, Tischtragen führt zu Ehekrise.
Gewaltig.

Denn ich versuche diesen Gigatisch zu wuchten und gleichzeitig nicht zu dotzen. Da das Viech aber abartig schwer ist, gelingt mir das nur mäßig. Immer wieder muss ich ihn schon allein auf dem Weg zur Garagentür absetzen, weil mir definitiv die Kraft fehlt. Während dieses Vorgangs kann man bereits beobachten, wie der Mann langsam innerlich Magma aufbubbeln lässt, ein Vulkan kurz vor der Eruption.

An seinem Tischende schreit der Mann also Dinge wie:  

"Was, schon wieder abstellen? Das war doch nur ein Meter. So schwer ist der auch nicht. Stell dich nicht so an. Aaaaaahhhhh - gerade halten! Bist du blind? GE-RA-DE! Menschmenschmensch. Stopp! Mehr nach rechts, du knallst an die Seiten. Verdammt. DU MACHST DEN KAPUTT!!!"

Und auf der anderen Seite kreische ich wahlweise alle Flüche raus, die mir so einfallen (und die ich hier besser nicht hintippe, denn dann ist jeglicher positiver Eindruck, den ihr von mir eventuell habt, durch!), oder bin so wütend, dass ich mit zusammengepressten Lippen und bebenden Muskeln gar nichts mehr sage. DAS ist wohl besonders gefährlich, denn dann stehe ich kurz vor der Implosion und in dem Fall sollte man niemals in meiner Nähe sein. Fragt meine Mutter - die musste da schon während  meines Heranwachsens solche Situationen überleben, mit wohl mäßigem Erfolg. Ich werde extrem selten wütend, aber wenn... dann!

Jedenfalls...
Riesendramen spielen sich beim Tischtragen im Suddaschen Garten und Garagenbereich ab.

Und sobald der Tisch schlussendlich sein Ziel erreicht hat, zieht jeder schweigend für eine Weile seiner Wege, bis der Zorn verraucht ist. Das dauert.

Zweimal im Jahr.
Seit mehr als einem Jahrzehnt.
Hm.

Als ich in der vergangenen Woche bei meiner Gartentätigkeit immer wieder an dem Tisch vorbei kam, seufzte mein Inneres bereits stetig auf. Konnte ja nicht mehr lange dauern, bis das Dingen wieder geschleppt werden müsste. Es ist Herbst. Es ist Tischschleppzeit. Verdammt.

Da ich mir meiner mangelnden Muskelkraft durchaus bewusst war, habe ich die Arme immer wieder gerne in die Sportkurse eingebaut. Übelste Übungen bis die Arme bei allen Teilnehmern herabhingen, sehr gerne anschließend noch kombiniert durch ausufernde Wiederholungen von "Kleine-Mädchen-Liegestützen" in 6 Variationen - statisch und dynamisch, versteht sich. Fragt die Mädels nach dem "Dreieck der Tränen" und sie rennen kreischend davon. Ich schwör.

Bemerkt hatte ich, dass sich die Muskulatur in den Armen dadurch mit der Zeit immer schöner angefühlt haben. Das weiß ich, weil ich ein Armstreichler bin. Das fühlt sich so toll an, dass ich immer wieder gerne meine Armmuskeln anspanne und drüber streichle. Jaja, mir egal, was ihr jetzt denkt.

Und so kam er - der Tischschlepptag.

Der Mann sprach:
"Es ist soweit, wir tragen IHN rein!"

Mehr Worte bedarf es nicht, um mich schon in Vorwallung emotionaler Art zu bringen. Erste Schweißperlen bildeten sich in schönster Pavlowscher Manier auf meiner Stirne, dennoch ergab ich mich leise seufzend meinem Schicksal, schlich auf meine Seite des Tischs, behandschuht, versteht sich. Selbstredend trage ich "vorwärts" und der Mann darf "rückwärts" schleppen. Denn das wäre eine Schikane, der ich mich niemals aussetzen würde.

Ebenso seufzend griff ich die Tischplatte, hob an und *schwuppdiwupp* war der Tisch durch die Tür an seinem Bestimmungsort!

Hö?

Gut, absetzen mussten wir doch. Aber nicht wegen mir. Neinnein, der Mann forderte Absetzen ein, um den Tisch perfekt durch die Tür tarieren zu können.

Triumphierend wedelte ich mein muskulöses Fäustchen in die Luft.
Yay!

Popeye ist ein Dreck gegen mich!

Manchmal sind es wirklich die kleinen, feinen Veränderungen im Leben, die mich breit lächeln lassen. Soll mal einer sagen, dass Muskelaufbau während der Ketose schwierig sei.

Mal sehen, wenn ich mit den Mädels die Arme so weitertrainiere... Schaffe ich es dann, den Tisch nächstes Jahr allein rein und raus zu tragen? Schließlich ist der Mann so schlapp. Höhö. Und jünger wird der Kerl auch nicht.

:))))

Ich wünsch euch eine phantastischen Morgen.
Darauf einen Kaffee.

Und nein, ich werde nicht ausprobieren, ob das Fensterputzen und Bügeln bei so viel genialer Muskelkraft jetzt auch viel einfacher funktioniert. Das wäre derart übertrieben...




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Kommentare:

  1. Hahahaha, geile Geschichte!! Ich habe bei mir den Unterschied festgestellt, als wir auf einem Kinderspielplatz waren (mit Kindern versteht sich) und ich dieses Affenklettern auf einmal konnte. Weisst Du die Stangen, wo man drunter haengt und sich von Rang zu Rang vorarbeitet). Die habe ich noch nie gekonnt!!

    Bikey x

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    1. Das kann ich nicht!! Oder doch? Ich überlege gerade, wo hier in der Gegend ein einsamer, abgelegener Spielplatz ist, wo ich das unbeobachetet ausprobieren kann.

      Nicht dass es mir in diesem Leben doch noch irgendwann gelingt, so ein blödes Tau raufzuklettern.

      Alles gut?
      Was macht die Flosse?
      Sieht ja heftig aus.
      :(

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    2. Mein neues Ziel sind Klimmzuege. Leider noch ein weit entferntes Ziel, lach.

      Der Flosse geht es langsam besser, aber das nicht trainieren macht mich jetzt schon fuchsig. Werde morgen mal ein bisschen Yoga probieren, das kann ich ja entsprechend abaendern und am WE werde ich einen Spaziergang im Park versuchen. Jaaaa, aufregend lol xx

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  2. Die Beschreibung des vorherigen Zustands fand ich trotzdem interessanter ;)

    Ein Hoch auf die Armkraft, die ich leider auch net hab!

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    1. Och, ich könnt dir da Übungen aufdrücken.
      :))))

      Liebe Grüße!

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    2. Hahaha das glaub ich glattweg ;)

      Ich arbeite ja auch schon dran! Aber dat wird noch dauern, bis man von Armkraft sprechen kann ;)

      Liebe Grüße ;)

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  3. Bügeln mit Kraft ist garantiert kontraproduktiv, da brauchts doch Feinmotorik.
    Und nachher drückste noch die Fensterscheibe ein.... nennennneeeeee liba nich.

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  4. Das macht einer Mut!
    Abgesehen davon:
    Du machst meinen Tag!
    Herzlichst
    Oona

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  5. Herrliche Geschichte *lach*

    Liebe Grüße
    Kia

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  6. Lol, diesen Unterschied durfte ich letztes oder vorletztes Jahr mit den Winter-/Sommerreifen feststellen. Die waren plötzlich auch ganz leicht zu heben ;)
    Allerdings finden der Gatte und ich immernoch genug Gründe uns anzuzicken, wenn wir gemeinsam etwas wuppen müssen:D

    LG

    Kati

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  7. Das war so schön geschrieben, dass ich es meinem Mann vorlesen musste, denn auch uns sind solche "Vulkan-"Situationen bekannt. Wir haben uns köstlich amüsiert. Und der Mann hatte auch direkt eine gute Idee für euer Tischproblem: Kauft euch doch im Baumarkt so einzelne Rollwagen, die können 250 Kilo aushalten.

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  8. Hihi, das eine von diesen Geschichten, die einem ein leises, gehässiges "Ääätsch" entlocken und ein fremdstolzes Ganztageslächeln auf die Lippen zaubern... :-)

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