Samstag, 16. Februar 2013

LCHF und die anderen #2

Na denn, heiter weiter.

Man ist ja selten völlig allein in seinem Leben. Wie ist es denn nun mit den anderen, wie verhalten sie sich, wenn es um abnehmen geht? Wie war es bei mir?

Lebenssitutation "Dick sein"

Wenn du dick bist, haben viele, viele Menschen enorm gute Ratschläge für dich. Und je näher sie emotional an dir dran sind, desto intensiver werden gerne die Tipps.

Andere haben sich damals wirklich große Sorgen um mich gemacht. Punkt. Das ist so und auch wenn es abgelutscht klingt: Sie wollten mir helfen. Sie meinten das gut.

Problem war nur, dass ich das alles natürlich selbst wusste. Ich wusste, dass man nicht abnimmt, wenn man schrecklich viel und schrecklich falsch isst. Ich wusste, dass ich etwas ändern musste, wenn ich gesund bleiben/werden wollte. Ich wusste, dass ich mich mehr bewegen sollte. Aber ich hatte - verdammt noch mal - gar keinen BOCK mit denen darüber zu diskutieren. Weil es mir unangenehm war und weil es lästig war, sich Fehler offen einzugestehen.


Irgendwann war ich am Punkt der Resignation. Ich konnte und wollte nicht mehr. Jede Diät scheiterte nach kurzer Zeit, egal wie euphorisch ich sie begonnen hatte. Und ganz besonders wollte ich nicht mehr das Lamento anderer hören.

Was tut man also?
GENAU!
Angriff ist die beste Verteidigung.

Ich begann, Stein auf Bein aggressiv zu tönen, dass ich mich so mögen würde, wie ich sei, meinen Körper akzeptieren würde und dass sie mich endlich miit ihrem Gelaber in Ruhe lassen sollen. Ich sei alt genug und sie sollten sich gefälligst um ihren eigenen Scheiß kümmern. Das muss man natürlich intensiv durch laute Stimme und bestimmte Körperhaltung unterstreichen, sonst ist die Wirkung nicht groß genug. Ich bin normaler Weise ein entspannter Mensch, aber wenn ich böse werde, sollten alle Umstehenden versuchen, die Flucht anzutreten. Das wird gefährlich.

Ich denke, einige werden Ähnliches durchlebt haben wie ich. Oder?


Dann fand ich LCHF, ich war euphorisch. Merkt man auch, wenn man die ersten Posts dieses Blogs noch einmal liest. Jedem, der nicht bei drei auf den Bäumen war, erzählte ich davon. Ich war so gut drauf, dass ich ständig und immer darüber reden musste, vor allem, als ich tatsächlich rasant die ersten Kilos verlor.

Manche waren aufgeschlossen, hörten zu.

Aber viele andere meldeten Bedenken an, klar, LCHF klingt zunächst total anders als alles, was man uns jahrelang als Stein der Weisen in Bezug auf Ernährung eingetrichtert hatte. Solange eine Unterhaltung über LCHF in normalen entspannten Bahnen ablief und beide Parteien die Sicht des anderen aufnehmen und einfach als den Weg des anderen akzeptieren konnten, war alles gut. Leider rief das auch eine Menge "Ernährungsexperten" auf den Plan. Glücklicher Weise hatte ich mich von Anfang an gut belesen und konnte Argumente kontern. Das ist wichtig.

Und natürlich ist es als dicker Mensch schwierig, sich selbstbewusst mit einem prächtig fettigen Essen und einem Becher Sahne für den Kaffee in der Pause zu den Kollegen zu setzen. Da kann man sich der ungeteilten Aufmerksamkeit sicher sein. Aber richtig!

Es empfiehlt sich daher, ein wenig Selbstbewusstsein aus den hintersten Ecken der Seele herauszuporkeln, auf Hochglanz zu polieren und offen zur Schau zu tragen. Auch hier ist vielleicht Angriff die beste Verteidigung. Ich habe in solchen und ähnlichen Situationen am Anfang oft gedacht: "Warte ab. Wir werden bald sehen, wer hier recht hat!" Das hat mich stark gemacht.

Natürlich bietet eine Ernährung wie LCHF reichlich Stoff zur Diskussion. Was mich immer wieder erstaunte, war aber, dass besonders diejenigen, die offensichtlich selbst eher ein Gewichts- oder Gesundheitsproblem hatten, oftmals extrem kontra waren.

Ganz am Anfang hieß es "So ein Blödsinn. Das KANN gar nicht funktionieren. Du und deine merkwürdigen Ideen. Wirst schon sehen, was du davon hast. Und dann noch so ungesund. Du musst nur gesunde, fettarme Dinge essen und auf die Kalorien achten, das weiß ich genau.". Dabei rollten sie verächtlich ihre Augen und schaufelten sich gerne parallel Kuchen oder noch eine handvoll Chips ins Gesicht.

Wichtig ist, von Anfang an als LCHFler selbstbewusst zu sagen "Ich mach das jetzt, weil ICH das WILL und PUNKT!" Ich habe von Anfang an allen erklärt, was ich esse und was nicht, Feierabend.

Es empfiehlt sich absolut, Tante Käthes Kuchen vehement abzulehnen, auch wenn sie lautstark jammert, und die eigene Ernährung demonstrativ durchzusetzen.

Das ist im Übrigen kein Problem, denn wenn ich wusste, dass ich auf einer Feier vermutlich wenig passendes zu Essen bekommen würde, habe ich mich einfach vorher zuhause satt gegessen. Als LCHFler ist das einfach, denn wenn ich gegessen habe, bin ich über gut 5-7 Stunden satt und zufrieden. Da lässt sich so eine Feier spielend aussitzen.

In Restaurants und bei Buffets gibt es kein Problem. Man kann sich entweder das vom Buffet fischen, was passt oder man fragt, wenn man von der Karte bestellt, einfach nach, ob man statt der Sättigungsbeilage ein wenig mehr Gemüse oder Salat bekommen kann. Ich habe noch nie erlebt, dass man schräg angesehen wird. Im Gegenteil, man war stets bemüht, mir meine Wünsche zu erfüllen. Sprechenden kann eben geholfen werden.

Im Übrigen ist es für mein eigenes Leben deutlich wichtiger, dass ich mich wohlfühle, als dass Tante Käthe glücklich ist. Wenn sie traurig ist, weil ich ihre liebevoll gebackene Torte verschmähe, ist es ihre Sache. Da kann ich ihr nicht weiterhelfen. Ihr Verhalten empfinde ich eher als respektlos mir gegenüber und reichlich albern.

Die Erfolge wurden irgendwann offensichtlich und ich hatte mich vollständig in meine neue Ernährung eingelebt. Auch meine Umwelt hat sich gewöhnt, was die Sache deutlich vereinfachte.

Gleichzeitig wurde mein Bedürfnis geringer, ständig darüber zu reden. Es lohnt sich meistens nicht. Auf die Frage, wie ich denn abgenommen hätte, antwortete ich entspannt "Mit gesunder Ernährungsumstellung und Sport."

War ja auch richtig. Was mein Gegenüber daraufhin für ein Kopfkino zum Thema "gesunder Ernährungsumstellung" schob (vermutlich viel Obst, Gemüse und Fettarmes), war mir schnurz. Nur wenn das Gegenüber dann mehr Details wissen wollte, habe ich weiter ausgeführt. Darüber zu reden macht nur Sinn, wenn der andere aufnahmebereit ist, sonst ist es blanke Energieverschwendung.

Natürlich wurden die Kontra-Stimmen eh immer leiser, offensichtlich funktionierte es ja doch. Jedenfalls bei mir.

Nur die Chips-und-Kuchen-Spezialisten versuchten es noch mit "Ich habe gestern im Fernsehen gesehen, wie wichtig Kohlenhydrate sind. Die kann man nicht weglassen, dann funktioniert das Gehirn nicht mehr richtig!".

Aha. Okay.
Tante Käthe hat noch ein Stück Torte für dich über, vielleicht denkt es sich dann besser.

Und heute?
Alles gut.

Es wird nur noch selten über LCHF gesprochen, ist einfach meine Ernährung.
Normalität eben. Allgemein akzeptiert.

Ein letztes Aufbäumen der Chips-und-Kuchen-Fraktion "Das kann nicht gesund sein. DU wirst noch sehen, was du SPÄTER davon hast."

Stimmt, vermutlich wäre es für mich deutlich gesünder gewesen, weiterhin fast 126 kg zu wiegen und den viel zu hohen Blutdruck mit Tabletten zu bekämpfen.

Mist jetzt.
Echt.





Fazit:

Finde deinen Weg.
Geh ihn.
Für dich.
Ohne Umwege.
Lass dich nicht beirren.

Wenn jeder an sich selbst denkt, ist an jeden gedacht.

Und...

Wer zuletzt lacht, lacht am Besten.













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