Mittwoch, 11. September 2013

Ich hab Rücken #1

Ist schon "ein Kreuz" manchmal - also mit dem Rücken - oder?

Früher hatte ich ständig Rückenschmerzen. Als ich noch so schwer war. Der Rückenschmerz begleitet mich  den ganzen Tag. Sobald ich etwas länger saß oder stand, tat mir alles weh. Dann musste ich mich erst wieder einige Schritte verkrampft und vorsichtig "warmlaufen".

Auch in den Nächten fand ich kaum Ruhe. Jedes Mal, wenn ich mich im Schlaf umdrehte, wurde ich wach, weil es weh tat. Und morgens wieder: warmlaufen.

Ehrlich gesagt bekam ich sogar Probleme in der "Sanitärabteilung".. Ich kam nämlich nur noch sehr schwer "dran" hinterher. Erst jetzt habe ich gelernt, dass es dafür sogar Hilfen zu kaufen gibt. Damals wäre ich nie auf die Idee gekommen nachzufragen. Zum einen, weil ich lieber gestorben wäre, als im Sanitätshaus so ein Teil zu kaufen, zum anderen, weil ich dachte, es gäbe sonst niemanden, der ein ähnliches Problem hat. Peinlich, einfach nur peinlich.

Dabei habe ich damals schon Pilates gemacht. Ohne wäre es vermutlich viel schlimmer gewesen. Und wieder... das waren lediglich 60 min pro Woche. Habe ich wirklich Wunder davon erwartet?

Weil es weh tat, habe ich Bewegung gemieden. Erschien mir damals spontan sehr logisch. Schließlich ist es nicht schön, Schmerzen zu haben. Und Ibuprofen war ein sehr, sehr enger Freund von mir. Wohltuende, freiverkäufliche Pillchen. Und ob ich nun eine nahm oder zwei. Nu ja..

Das verschaffte mir schmerzreduzierte Atempausen.

In meiner Verzweiflung suchte ich einmal einen Orthopäden auf. Ich hatte es lange gescheut, da ich befürchtete, er würde mir sagen, ich sei selbst Schuld, da ich so dick sei. Hat er aber tatsächlich nicht getan. Hm.

Jedenfalls.... die obligatorischen Röntgenbilder wurde angefertigt und er behauptete, ich habe beginnende Arthrose im Lendenwirbelbereich. Ich war damals erst 29 Jahre alt.

Arthrose. Ist da nicht der Zug total abgefahren? Das dachte ich jedenfalls damals.
Verschleiß. Kaputt.

Und der Orthopäde verschrieb mir "Rückenlangziehen mit Wärme" (ich weiß gar nicht, wie das richtig heißt) und eine Familienpackung Ibuprofen. Super. Da hatte ich bis dahin doch alles richtig gemacht, oder? Wenn der mir das Gleiche verschreibt, was ich bereits einnehme, konnte es doch nicht verkehrt gewesen sein.

Ja, ich weiß, was Rückenschmerzen sind.
Ich weiß, wie sie behindern.
Ich weiß, wie sie belasten.

2009
Ich nehme ab.
Ich fange an, mich zu bewegen, weil ich Energie loswerden muss.
Ich gehe zunächst, laufe dann.
Zapple generell viel mehr herum.
Pilates wird ausgebaut - ich übe für mich.
Will Übungen schaffen, von denen ich bis dahin nur träumen konnte.
Verdrücke ein Tränchen, als ich das erste Mal wieder einen Rollover hinbekomme, dann eine Kerze. So wie früher im Sportunterricht.
Und das ohne mich selbst von meinen Körperfettmassen, meinem Busen und meinen inneren Organen zu erdrücken. Ich bin in meinen Bewegungen deutlich flexibler geworden und mein Po zieht mich nicht mehr bleiern nach unten.

2010 
Rückenschmerzen? Was ist das?
Komischerweise habe ich vor lauter anderen Erlebnissen gar nicht bewusst gespürt, dass der Schmerz weg war.

2011 
Trainerschein.
Erste Kurse.
Ich muss mich sehr mit Gymnastik auseinandersetzen.
Möchte schließlich anderen Gutes tun.

2012 
Mehr Kurse.
Dauergymnastik
Ich merke, dass sich meine Haltung verändert hat.
Ich stehe selbstbewusst, stabil und stark auf beiden Beinen.
Mittige Gewichtsverteilung.
Achte auf die Schultern und den Rücken.
Immer noch leichte Abweichungen, wie Kathi mir sagt, aber ich arbeite bewusst daran.

Ich habe schon seit Jahren keine Beschwerden mehr.
Frei!
Wie herrlich.

Wie ich genau jetzt darauf komme?
Mir ist ein Rückenkurs angeboten worden.
Rückenstunde mittwochs.

Und ich sitze hier und überlege, wie ICH meine Probleme lösen konnte. Kann ich so gar nicht sagen.
Das war eine wilde Sammlung an Bewegungsabläufen. Und wir dürfen nicht vergessen, dass ich zumindest nie einen Bandscheibenvorfall hatte, im Gegensatz zu so vielen anderen, die ich in meinen Kursen habe.

Aber in einer Rückenstunde werde ich wohl stärker mit echten Problemen konfrontiert werden. Wie viel kann ich den Teilnehmern abverlangen? Klar, das muss ich natürlich in der ersten Stunde abfragen - will natürlich genau wissen, wo es beim Einzelnen "klemmt". Dennoch muss ich in der ersten Stunde auch etwas mit ihnen machen.

Spontan würde ich sagen, dass ein stabiler Rücken auch stabile Bauchmuskel einfordert. Und natürlich auch Arbeit an der Haltung. Außerdem weiß ich, dass gerade Rücken oft auch psychische Ursachen hat.

"Ich kann das nicht mehr ertragen"
"Rutsch mir den Buckel runter"

"Es ist ein Kreuz"
"Jeder hat sein Päckchen zu tragen"
"Jemandem etwas aus dem Kreuz leiern"
"Da krieg ich so einen Hals"

Für mich sind solche Redewendungen nicht zufällig entstanden.


Hm. Ich google mich gerade durch das Internet und lese Sportbücher.

Aber ich hab ja auch euch.
Jemand "Rücken" hier?

Wenn ja (und ich kenn euch - ihr seid ein unfassbarer Quell an Erfahrungen):
Was erwartest du von einer Rückenstunde?
Welche Übungen tun dir gut?

Eine neue Herausforderung... Ich freu mich!




P.s.:
Wegen der angeblichen Arthrose...
Ich glaub, ich such mir mal einen anderen Orthopäden und zeig dem meine Röntgenbilder von damals. Ich möchte zu gerne wissen, ob der eine damals die richtige Diagnose gestellt hat.

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