Montag, 21. Oktober 2013

Abfahrt

Der Wecker klingelt extrem früh am Morgen. 
4 Uhr!

Der Mann streckt sich und steht auf.

Ich schlage die Augen auf und meine Gedanken laufen ab dieser Sekunde Samba. Was wollte ich jetzt denn noch schnell vor der Abfahrt erledigen? Mist, ich hätte es mir aufschreiben sollen. Blumen gießen? Nö, hab ich. DER TROCKNER. Waaaahhh... der TROCKNER. Ich springe auf und renne barfuß in den Keller, sammele wichtigste Kleidungsstücke aus dem Trockner. Eine Etage höher und ab in den Koffer.

Und schon ärgere ich mich darüber, dass ich immer so unstrukturiert vorgehe. Der Mann heißt "Plan" mit zweitem Namen und "korrekte Durchführung" mit drittem und viertem! Moaaahhh... Eigentlich passen wir Ü-BER-HAUPT nicht zusammen. Jedenfalls in der Beziehung nicht. Er hat seinen Krempel schon gestern komplett erledigt. Und mich mehr als einmal aufgefordert, das auch zu tun, woraufhin ich schnippisch mitteilte, dass ich selbstbestimmt leben könne und groß genug sei. Da werd ich bösartig! Nun ja.

Der Mann geht ins Bad.

Ich werfe die Kaffeemaschine an. Das brauche ich jetzt. Kaffee! Wacher werden. Hmmm.. Hab ich soweit an alles gedacht? T-Shirts, Schlafsachen, Schuhe, Jeans... Jepp. Unterwäsche, Socken... SOCKEN. Moment. Schnell die Treppe rauf- und mit ausreichend Socken wieder runterrennen. Ab in die Tasche. Puh. Da sind noch ein paar Sachen im Kühlschrank, die die Kinder sowieso nicht essen und die sonst verderben. Einpacken? Andererseits... im Urlaub will ich typisch schwedische Lebensmittel essen. Hmhm. Egal. Einpacken. Feldsalat und grüne Paprika wandern in die Kühltasche. Noch eine Tasse Kaffee. Und ein paar Tassen in Thermostasse des Mannes. Ich bin wirklich fürsorglich, was? Wo ist eigentlich meine Brille? Die brauche ich nur zum Autofahren. Aber dafür ja nu auf jeden Fall. Die ist bestimmt im Bad.

Der Mann zieht sich an.

Ich pese derweil ins Bad, werfe mir Wasser ins Gesicht und putze die Zähne. Schnell noch die Kosmetiktasche packen. Nein, ich bin nicht chaotisch. Ich packe sehr strategisch. Stra-te-gisch! Außerdem packe ich eh nur Zahnbürste, Creme, Deo und Parfüm ein, den Rest kaufe in Schweden neu. Mach ich immer. (Später wird sich herausstellen, dass ich mir auch eine neue Haarbürste und Haargummis kaufen muss. Gut, daran hab ich echt nicht gedacht.).

Schnell anziehen. Wobei schnell so relativ ist. WO IST MEINE GEMÜTLICHE HOSE? Die hab ich doch gestern hierher gelegt? Nichts unangenehmer als wenn man mit ungemütlicher Hose stundenlang im Auto sitzt. Oder mit einem Shirt, das bei jeder Bewegung hochrutscht. Oder einem Bügel, der piekst. Ich renne die Treppe runter, als mir einfällt, dass die Brille noch im Bad ist. Okay. Wieder rauf.

Der Mann konzentriert sich auf Kaffee und Frühstück...

... als ich auf dem Flur an ihm vorbeiwitsche. Auf dem Weg ins Wohnzimmer. Die heilige Techniktasche ist noch nicht vollständig. Als ob ich ohne Laptop in Urlaub fahren würde? Aus gleichem Grund müssen eben auch Ladekabel und Maus mit. Ach, und das schwedische Internetdingens. Ladekabel fürs Handy? Da fällt mir auf, dass ich den "Zettel zum Haus" noch nicht ausgedruckt habe. Da steht alles Wichtige drauf, was ich am Schwedenhäuschen beachten und machen muss. SHIT. Ich pese wieder die Treppe hoch und werfe den Hauptrechner an. Kommschonkommschon, du lahme Mühle. Ich MUSS den Zettel haben. Es dauert eine halbe Ewigkeit bis ich den endlich in der Hand habe.

Der Mann beginnt, meine Taschen in das Auto zu packen.

Waaaahhh... hab ich denn meine Medikamente überhaupt alle dabei? Weiß ich nicht und jetzt ist meine Tasche schon in den Untiefen des Kofferraums vergraben. Egal, nehme ich noch meine Reservemedikamente mit. Lieb lächelnd drücke ich meinem Mann noch ein weiteres Täschchen in die Hand. Zu viel einpacken ist immer besser als zu wenig, oder?

Der Mann räumt weitere Einzelsachen ins Auto.

Hab ich jetzt alles? Allesalles? Meine Gedanken überschlagen sich bei dem Versuch sich zu sortieren. Schnell noch die Küche aufräumen und die Kaffeemaschine säubern. Sonst schimmelt die vielleicht in der Woche. STIFTE UND PAPIER! Ich fahr nicht ohne weg. Niemals. Pack ich in meine Handtasche. Ja, die ist groß. Und wenn ich schon mal dabei bin, kontrolliere ich doch zum hundertsten Mal, ob ich wirklichwirklich Ausweis und Versicherungskarte und Geld undundund dabei habe. Mein Handy. Wo isset? Da isset! Juut!

5 Uhr. Wir sitzen im Auto. Abfahrt nach Schweden. Ohne Kinder (die sind ja auch so gut wie erwachsen und der Hund ist auch noch da). Nur wir zwei. Puls und Gedanken fahren runter. Ich freu mich.

Der Mann:
"Ist doch schön, wenn man so entspannt in den Urlaub starten kann!"

Ich:
"Ja, das stimmt."


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