Mittwoch, 22. Januar 2014

Rampensau


Die Menge macht sich bereit. Matten werden ausgebreitet, man sucht sich meistens seinen gewohnten Platz. Erzählt noch ein wenig mit der Nebenfrau. Was halt so in der letzten Woche passiert ist.

Neue sind vielleicht ein wenig unsicher - wo sollen sie am besten hin? Sie tun mir manchmal ein wenig leid, wenn sie sich so ein wenig überlassen sind, nachdem wir uns zur Begrüßung kurz unterhalten haben. Man muss eben ankommen. Das kann ein paar Male dauern.
Aber dann.

Ich sammele mich.
Rede mit der ein oder anderen, sammle mich aber in erster Linie.
Durch den Kopf sausen Übungen, Aufwärmabläufe. Sehe einzelne Teilnehmer detailliert, weiß manchmal, woran es "gebricht" und mache mir meine Gedanken dazu. Frage nach.

Wenn ich mich sammele, gehe ich komischerweise tendenziell im Kreis. Warum? Fragt mich etwas besseres.

Hm. Heute ist es voll. Zähle flüchtig.
27.
4 Neue.
Januar eben.

Räuspere mich.
Brauche Stimme bei der Masse.

Wisst ihr, wie laut es wird, wenn so viele Frauen sich treffen und sich erst einmal freisprechen müssen? Tschuldigung - ein Mann.

Oh, falsch.
Heute 2 Männer.
Wobei.
DER ist so klitzesklein.
Keine 2 Jahre alt.
Steffis.
Ist der süß.
Der kleine Mann hat NULL Berührungsängste. Flitzt von der einen zur nächsten. Erzählt in seiner Sprache. Völlig frei. Alles quiekt verzückt.

Ich sehe auf die Uhr.
Schon fünf Minuten drüber.
Egal.
Das ist der Vorteil, wenn man 1 1/2 Stunden Zeit hat.
Es eilt nicht.
Erst einmal ankommen.

Ist es eigentlich normal, dass man manche so ins Herz schließt, obwohl man sie eigentlich kaum kennt? Mensch, mit IHR will ich wirklich einen Kaffee trinken.

Ich sehe viel, auch zwischen den Worten. Analysiere ständig.

Hm.

Könntet ihr euch vorstellen, Kurse zu geben?

Es ist genial.

Wenn ich da so stehe, weiß ich, dass das absolut meins ist.
Ich fühl mich wohl.
Und reden ohne Punkt und Komma konnte ich schon immer.
Das ist angeboren.

Und doch..
Es gab eine Zeit, da wollte ich nicht vor die Tür.
Mochte nicht auf Fremde treffen. 
Hatte Angst davor, dass sie tuscheln könnten.
Selbst wenn sie noch nicht einmal über mich tuschelten, ich habe es auf mich bezogen.
Ich habe sogar Entschuldigungen erlogen, wenn ich auf größere Parties eingeladen war.
Ich hatte nicht den Mumm.
Und schon gar nicht die Klamotten, die mir die Sicherheit gegeben hätten, Mumm zu entwickeln.

Obwohl... Es lag wohl eher nicht an der Kleidung.
Egal was, ich fühlte mich sowieso unbehaglich.

Ich hab Wochen keine Fremden getroffen.
Nur Menschen, denen ich über den Weg traute.

Vorbei.

Ich hab in den Jahren nicht nur abgenommen.
Nein.
Ich hab eigentlich auch ganz viel DAZU gewonnen.

Ja.

7 Minuten drüber.
Ich fang jetzt an.
Stelle mich in die Mitte.
Durchbreche mit meiner Stimme das Geplauder der anderen.
Fange die Aufmerksamkeit.

Da bin ICH!
Es geht los.

Ich bin eine Rampensau und das ist auch gut so!


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Kommentare:

  1. Ich würde sie ja zu gerne mal beobachten die Rampensau, wie sie alle zum Schwitzen bringt. Und nein, ich bin nicht wirklich scharf drauf Kurse zu geben. Ich habe nämlich einen "Fehler", ich überfordere meine Probanden gerne und möchte ihnen mein Wissen von Jahren am liebsten via Nürnberger Trichter in 2 Stunden reinpressen. Ich habe zu viele Informationen für zu wenig Zeit ... dennoch denke ich immer wieder über Workshops in meinem Metier nach. Über ein ganzes WE. Wer weiß, wenn ich Deine Geschichte hier immer lese, komme ich doch ab und an ins Nachdenken ;).

    Grüsse!

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    1. Das solltest du unbedingt machen! Du kannst nun wirklich so viel beibringen. Es wäre schade drum!

      Übrigens hab ich endlich DEINE Zeitung gefunden und gekauft. Herrje, wie viele Zeitungen es mit "Land"-irgendwas gibt!!! Kracher. Das war mir noch nie aufgefallen. ♥

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  2. Aber wehe die Rampensau hat ihr Handy verlegt... *lach*

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  3. Und immer, wenn ich einen Artikel von Dir lese, in dem Du so sprühst, ich Dich förmlich leuchten sehe, auch wenn wir uns noch nie getroffen haben, dann denke ich an einen Spruch, den ich einst auf spanisch las: verlieren ist gewinnen. (Perder es ganar).
    Je weiter Deine Kleider wurden, desto weiter und offener wurde auch Dein Leben.

    Was hat Du mit den Kilos zusammen nicht alles abgelegt oder angegangen! Und angefangen erst!
    Ja, Du hast Dich ent-puppt, innerlich und äusserlich frei gemacht, und bist Deine eigene Lottofee geworden.

    Ich freue mich einfach grad so für Dich.

    Alles Liebe,

    Fabienne

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  4. .....jaaaaa!!!! ich erinnere mich gerne daran...!

    Die Märchentante

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  5. *hach*
    wie lieb von Dir und 1ooo Dank, dass ich den kleinen Mann mitbringen konnte.
    Kaffeetrinken - sooooo gerne, Lieblingsrampensau *kreisch*

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    1. Er ist aber auch ein echter Kracher. Ich glaub, den hätten so einige gern unauffällig hinterher mitgenommen! Und es hat doch so geschmeidig funktioniert.

      Ich schmeiß mich jetzt noch weg, wenn ich daran denke, wie er brav beim "durch die Gegend hoppeln" schnell zwischendrin ein paar Kniebeugen gemacht hat - wie die Großen. Oder wie er sehr fürsorglich mein Wasser neben mich auf die Matte gestellt hat. :))))))

      Wann?

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  6. Hi!

    Die Phase von früher, die Du geschildert hast, ist mir mehr als bekannt. GENAU in der Phase stecke ich gerade. Bzw. VERstecke ich mich gerade. Ich freue mich sehr für Dich, dass Du nun eine Rampensau sein kannst. :) Und finde es für mich schade nicht zu Deinen Kursen gehen zu können, zu weit weg. Da würde ich mich wohl auch wohlfühlen. :) Viel Spaß noch mit Deinen Kursen - ich gehe mal wieder bei Deinen Rezepten schmökern, es muss für das Wochenende Essen geplant und eingekauft werden.

    LG von der Wolke! :)

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    1. Ja, mach lecker Essen und dann wünsche ich dir, dass du vielleicht später genauso empfindest wie ich. Rampensäue braucht das Land.

      Grüße!

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  7. Genau das, was Du geschrieben hast, habe ich auch schon so oft erlebt.
    Es ist einfach genial.
    Mehr Endorphine kann man sich gar nicht durch die Adern schießen, oder????

    Perfekt gescildert. PERFEKT!

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  8. Oder man lernt zu akzeptieren, dass man eben keine Rampensau ist, und dass das völlig i.O. ist :). Du hattest mal einen Artikel darüber geschrieben, dass schwarz einfach DEINE Farbe ist und es eben nicht nur Tarnung in den dicken Zeiten war, wie anfangs angenommen. Bei mir ist es so mit gesellschaftlichen Zusammenkünften aller Art: es lag nicht hauptsächlich am Übergewicht mit all seinen Begleiterscheinungen, ich bin auch mit 30kg weniger am liebsten alleine. Wenn ich nicht notgedrungen auf der Arbeit mit anderen interagieren muss, gibt es in freien Zeiten tatsächlich mehrere Tage am Stück, an denen ich kein Wort spreche, einfach weil ich keinen sehen/sprechen will (und hier rappeln auch weder TV noch Radio nebenher). Es war so befreiend das mit der Abnahme für mich anzunehmen und zu akzeptieren und mich eben nicht mehr verstellen zu müssen, um dem gängigen Sozialverhalten nachzueifern. Kann ich nicht bedienen und möchte ich auch nicht mehr.
    Ich finde es sehr wichtig in sich reinzuhören, was einen tatsächlich ausmacht oder was nur überspielt oder auch verdrängt wird. Diese Dinge dann für sich anzunehmen, seien sie auch noch so unkonventionell, kann ein steiniger Weg werden, der sich aber auszahlt.
    LG, Em

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