Montag, 3. März 2014

Eine kleine Gute-Nacht-Geschichte für M.



Stell dir vor, es ist ein wunderschöner Sommertag und du sitzt auf einer Düne am Meer. Vielleicht auf einem dicken, aber relativ bequemen Stein. Die Sonne scheint dir aufs Haar und du baumelst mit den Füßen durch das "schnibbelige" Dünengras. Du starrst über das Wasser und siehst ganz weit entfernt am Horizont die Umrisse einer Insel. So klein, dass du sie gerade erkennen kannst.

Diese Insel ist speziell. Nein, eigentlich nicht die Insel an sich, aber der Weg dorthin. Menschen, denen es gelingt, dorthin zu gelangen und einen Fuß auf die Insel zu setzen, sind nicht mehr übergewichtig und belastet, sondern sportlich, glücklich, selbstbewusst und frei. Und das möchtest du auch von Herzen gern sein, dein absoluter Traum. Es muss sich toll anfühlen. So wie es jetzt ist, kann es nicht bleiben. Du bist unglücklich und der Körper schmerzt. Es ist anstrengend. Eine Haarsträhne juckt dich und du kratzt dich kurz an der Nase. Am liebsten würdest du dich direkt auf den Weg dorthin machen. Jetzt. Alles an Ort und Stelle liegenlassen und starten. Wenn du nur schon dort wärst...

Es gibt mehrere Möglichkeiten, auf die Insel zu kommen. Du hast viele Berichte darüber gehört und jeder, der es geschafft hat, schwört auf seinen Weg. Einer ist hinüber geschwommen, wochenlang, ließ sich zwischendrin treiben, fand zum Glück immer wieder kleine Felsen und Bojen, um sich auszuruhen. Der nächste baute sich mühevoll mit eigenen Händen und ohne Hilfsmittel ein Floß. Und paddelte eine halbe Ewigkeit gegen Strömungen, um anzukommen. Nicht zu vergessen der Luftweg. Mit dem selbstkonstruierten Heißluftballon, das soll SO einfach gewesen sein. Einsteigen, rüberfahren und ankommen. Zack, peng. Die Luftwegmenschen können gar nicht verstehen, dass es ihnen nicht alle gleich tun. Mag sein, aber du leidest nun einmal leider unter Höhenangst.

Nein, es gibt kein reguläres Schiff dorthin. Weder Flugzeug noch Helikopter. Du bohrst den dicken Zeh in den Sand. Gemütlich klingt das alles nicht. Du weißt gar nicht, welcher Weg der ist, den du schaffen könntest. Und wie lange würde es dauern, dorthin zu kommen? Schaffst du es überhaupt? Und wenn du untergehst? Oder völlig von der Strömung oder den Winden in die falsche Richtung getrieben wirst? Das Wasser ist tief, das weiß man. Und was sich darin tummelt! Bah. Stell dir mal vor, was alles in der Tiefe herumlungern kann. Davor hast du ein wenig Angst. Unbekannt.

Kalt ist das Wasser auf jeden Fall. Das hast du ausprobiert. Vorhin hast du es bis zu den Knien hinein geschafft, nach innen kreischend mit Ganzkörpergänsehaut. Viel Grund hast du nicht mehr gesehen. Aber Algen. Und kleine Fischchen huschten um deine Waden. Igittigitt. Das war nicht gerade gemütlich! Gedankenverloren porkelst du den Sand zwischen den Zehen hervor.

Und überhaupt. Du warst noch nie dort. Oder es ist so lange her, dass du dich gar nicht recht erinnern kannst. Ist es wirklich besser, dort zu sein? Oder glaubst du daran, weil alle das behaupten? Aber es müsste sich perfekt anfühlen. Sicher. Wobei, so minimal schön ist das hier auf dem Stein schließlich auch.

Eine Reise dieser Art wird deutlich mehr als ein schlichter Spaziergang. Und nein, das geht nicht schnell. Aber irgendwann wirst du es schaffen, davon bist du überzeugt. Das muss einfach passieren und wenn andere es schaffen, dann du doch auch. Wäre doch gelacht. Du kannst ja schon mal planen, wie du es machen willst. Gute Idee. Außerdem kannst du gar nicht sofort loslegen, denn du bist doch am Wochenende noch bei Tante Trude auf den Geburtstag eingeladen. Und sie wäre bestimmt enttäuscht, wenn du nicht mit einem Blümchen vorbeikommst und mindestens ein Stück von ihrem selbstgebackenen Schokotraum isst. Oder zwei.

Außerdem geht das Gerücht, dass demnächst eine dreispurige Brücke hinüber zur Insel geschlagen werden soll. Dann wäre es ganz einfach! Könnte man aussitzen.

Du streckst dich gähnend. Grabbelst aus dem Korb neben dir einen Schokoriegel hervor. Den kannst du ruhig essen - zur Stärkung - ist einer der letzten, den demnächst geht es auf die große Reise.




Nein, ich hab nichts eingenommen. Ich wurde um eine kleine, spontane Geschichte gebeten, nur für M, der es nicht gelingt, anzufangen. ♥

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Kommentare:

  1. Wie wahr!
    Sehr schön geschrieben. Vielleicht noch ein neues Standbein, Buchautorin (nicht nur 1 Buch über LCHF) oder Motivationstrainerin ( die arbeiten auch mit Visionen) ?
    LG, Tisi

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  2. Guten Morgen!
    Das ist ganz, ganz, ganz fantastisch geschrieben!! Es beschreibt meinen Kampf gegen das Übergewicht genau! Ich habe mich in das Wasser getraut... zwar steht es mir erst bis zu den Knöcheln aber ich habe nicht vor umzukehren. Und wenn ich erstmal auf meiner Insel angekommen bin wird all die Last von mir abfallen die ich all die Jahre mit mir rumgetragen habe =)

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  3. Wunderbar! Ein ganz tolles Bild hast du da heraufbeschworen!
    die Andi

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  4. Stimmt! Auf einen Tag mehr oder weniger kommt es ja auch nicht an. Schon so viele Jahre dick... Und außerdem, wo soll denn der Schokoriegel hin, wegschmeißen ist doch viel zu schade!!! Und außerdem habe ich ja noch den ganzen Kühlschrank voll mit so tollen Sachen, ganz zu schweigen vom leckeren Honig und der Lieblingsmarmelade. Das Glas ist ja auch noch angebrochen. Und alte Marmelade schmeckt nicht. Weiß ja jeder. Ja morgen, morgen fange ich dann an! ....Und Jahre später: Ach, abnehmen, das wäre soooo schön....!! Morgen fange ich an! :-)

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  5. Wunderschön, einfach wunderschön!! Jetzt bin ich ein wenig nachdenklich und gleichzeitig froh darüber zu wissen, dass ich ja (eigentlich) gern schwimme, wenn ich nur erst einmal den Badeanzug anhabe und im Wasser bin ... Ich schaffe das und komme drüben an, ich weiß es :)

    Danke für diese berührende Geschichte!

    PS: Und M. drücke ich ganz ganz fest die Daumen. Auch DU schaffst es!

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  6. Die Geschichte berührt mich. Ich bin nach 30 Jahren Bayern und 7 Jahren Frankreich vor drei Jahren endlich wieder in meiner Heimat Norddeutschland gelandet - Marie-Johanna

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  7. Wunderschön Liebes. Taugt zum Rückzugsort beim autogenen Training...
    müsste man malen....

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  8. Liebe Annika,

    ich nehme mir das M., fühle mich angesprochen, fühle mich mal wieder ganz, ganz positiv von dir in den A.... getreten und fange jetzt sofort wieder an zu rudern und zu paddeln...!!!
    Danke!
    Scarafaggio

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  9. Wahnsinnig schön. Und sehr, sehr treffend.

    Liebe Grüße,
    N.

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  10. Wenn wir dann alle "Drüben" sind, dann grillen wir (Y)

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  11. Liebe Sudda,
    das ist eine wunderbare Geschichte.Ich hoffe,viiiiiiiiiiiiiiiiele werden sie lesen und sich auf den Weg machen zu ihrer Insel.
    Ich bin da und warte auf euch ;-)
    L.G. Alma

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  12. Die Geschichte ist sehr schon. Leider ist es aber mit ankommen auf der Insel nicht getan,sondern man muss sich darüber im Klaren sein, dass man sich auf der Insel angekommen nicht zurücklehnen kann und wieder zurück zu alten Gewohnheiten kehren kann.
    Einmal auf der Insel heisst, die neue Ernährung (mit kleinen Abwandlungen) ein Leben lang beibehalten. Deshalb wirken auch Sachen wie Almased und Co nicht, weil sie nicht für lange Zeit gedacht sind.
    Auf der Insel bleiben dauerhaft nur ca. 5 % Aller, die losschwimmen. Deshalb sollte man sich die Methode und die Motivation genau überlegen. Jeder der losschwimmt und aufgibt, wird dicker als vorher und dicker, als der der gar nicht erst beginnt.
    Das ist das Fiese. Entweder man findet einen Lebensstil, den man auf Dauer leben kann oder man sollte es besser ganz lassen und versuchen sein Gewicht zu halten.

    LG

    Kati

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    1. Stimmt, Kati.

      Das greif ich gleich mal auf. Super Vorlage.
      :)

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  13. Gern...schliesslich sitze ich schon seit ein paar Jahren auf der Insel (mal eher mittig und mal am Rand) und arbeite daran, dass ich nicht wieder ins Wasser falle:D
    LCHF ist übrigens eine sehr praktikable Form des "auf der Insel bleiben" .....und sooo lecker....

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