Donnerstag, 6. März 2014

Zum Abnehmen brauchte ich...


Soooo... holt euch eine Tasse Tee oder Kaffee, mummelt euch auf dem Sofa ein und deckt euch kuschlig zu, denn das hier kann länger werden. Hm.

Den ganzen Tag gestern hab ich immer wieder gegrübelt. Was brauchte ICH, um endlich abnehmen zu können. Was war damals anders, als ich mit LCHF anfing. Warum hat es damit endlich geklappt? Ich hab ja nun alles Mögliche vorher durch gehabt.

Ich hab mich so sehr danach gesehnt, abzunehmen. Der Körper schmerzte, die Seele schmerzte und ich hab mich immer mehr eingeigelt. Irgendwie hatte es den Anschein, dass alle um mich herum es schaffen würden, nur ich nicht. Ich Loser.

Aber Hoffnung aufgeben? Niemals. Das konnte doch nicht so schwer sein. Stand doch in jedem Diätbuch drinne: Wenig essen, mehr bewegen, dann klappt das schon. Bisschen Disziplin natürlich.

THEORETISCH wusste ich alles, was auf dem Markt zu lesen war. THEORETISCH hatte ich schon hunderte Kilos abgenommen. PRAKTISCH litt ich wie ein... hm... ihr wisst schon, weil ich zwar euphorisch anfing, aber dann nach ein paar Tagen einknickte. Der Körper ist clever, glaubt es mir. Nehm ich ihm zu viel, holt er sich das alles fein wieder zurück. Wie eine gigantische Welle rollte es über mich und ich konnte nicht anders: Essen. Und die Standarddiäten, die man an jeder Ecke findet, in Zeitschriften und sonstwo, die sind nun einmal nicht auf wirklich Hochkalibrige ausgelegt. Dennoch wollte ich es so machen oder sogar noch härter, denn ich wollte unbedingt SCHNELL abnehmen. Sofort diesen Zustand, in dem ich mich gefangen fühlte, beenden.

Nein, es reicht nicht, einfach einen Diätplan zu befolgen, jedenfalls nicht dann, wenn die Ursache für das Übergewicht mehr ist als nur "lecker und zu viel gegessen". Und da ich mich mit vielen Übergewichtigen auch schon hinter den Kulissen ausgetauscht hab, denke ich, dass ich behaupten kann, dass bei den meisten mehr dahinter steckt. WAS das ist, ist so individuell, das kann ich nicht in irgendeiner Form eingrenzen. Und das ist auch zu privat. Ich sag vielleicht nur so viel: Da sind teilweise richtig unglaubliche, traurige Päckchen bei. Meine tiefste Bewunderung für diejenigen, die dennoch jeden Morgen aufstehen und sich der Sache entgegenstellen. Dagegen ist alles, was ich erlebt hab, nichts weiter als Peanuts. Dennoch MEINE Peanuts, denn die Toleranzschwelle ist ebenfalls absolut individuell.

Für mich gab es drei Bereiche, auf die ich mich beim Abnehmen konzentriert habe:

1. Ernährung

Klar. Die muss zu einem passen, es gibt kein Schwarz oder Weiß. Es nützt nichts, sich zu etwas zu zwingen, was man nicht leben kann. Denn so wird das nie etwas, womit man auf Dauer zufrieden ist. Und das sollte man definitiv sein.

Ich war (bin) zuckersüchtig, ich kämpfte mit Heißhunger. Nein, viel Zucker aß ich eigentlich gar nicht. Ich bezog meinen "Stoff" in erster Linie aus Nudeln und Brot. Aber auch die werden im Körper entsprechend umgewandelt.

Der Heißhunger splittete sich quasi in zwei Abteilungen:

a) Heißhunger, körperliche Art
Verursacht durch die Blutzuckerschwankungen wegen absolut übermäßigem Kohlenhydratverzehr. Fiel der Blutzucker ab, stand ich am Kühlschrank. Ferngesteuert!

b) Heißhunger, seelische Art
Selbst wenn ich versuchte, mich "im Griff" zu haben und gegen den körperlichen Heißhunger ankämpfte... kam die Seele ins Spiel, wurde es hakelig! Ich hatte mir über die Jahre angewöhnt, stärkere emotionale Gefühle mit Essen zu dämpfen. Und stärkere Gefühle gab es reichlich: Traurigkeit, Wut, Müdigkeit, Langweile, aber auch unbändige Freude. Alles aufgegessen. Ich hab es in mich gesteckt, anstatt es rauszulassen. Traf beides aufeinander, war ich chancenlos.

So, dann hab ich LCHF gefunden und ich gebe zu, dass es für mich natürlich der absolute Hammer war, dass ich fortan auf meine geliebten Nudeln und mein Brot verzichten sollte. ICH! Aber ich wollte es definitiv wissen. Also fing ich an. Und im Nullkommanichts war der körperliche Heißhunger weg. Das dauerte keine drei Tage, rappzapp.

Das war meine Chance. "Heißhunger, körperliche Art" konnte ich zu den Akten legen, das hatte ich mit LCHF wunderbar im Griff. Aberaber... Ernährung ist eben nur EIN Teil.

2. Die Seele

"Heißhunger, seelische Art" war eben immer noch da. Hat man sich über Jahre daran gewöhnt, Druck aufzuessen, fühlt es sich fast wie ein Reflex an. Nachdem ich die Ernährung umgestellt hatte und "Heißhunger, körperliche Art" ausgeschlossen war, wusste ich, wenn doch Heißhunger auftrat, dass es die seelische Seite sein musste. Und ich war in der Lage, die Hand, die schon am Kühlschrankgriff klebte, zu bremsen und zu hinterfragen, WARUM ich jetzt dringend essen wollte.

Aber noch vor dem Hinterfragen machte ich etwas ganz Wichtiges: Schuhe an und raus aus der Situation. Denn ich brauchte Abstand, um meine Emotionen runterzufahren und wieder klar denken und reflektieren zu können. Noch wichtiger war zu lernen, Emotionen rauszulassen, aber das würde jetzt hier zu weit führen.

3. Der Körper

Als ich sehr schwer war, dachte ich oft, ich wäre in einem gigantischen Anzug eingesperrt. Wie so ein Sumo-Kostüm, dummerweise mit Reißverschluss auf dem Rücken. Ich kam nicht dran!
Seele und Körper waren irgendwie getrennt. Schwer zu erklären.. Versteht mich einer? Es fühlte sich so an, als sei meine Seele im Körper GEFANGEN. Dabei sollten Seele und Körper eine eingeschworene Einheit sein. Die gehören zusammen, denn zusammen sind sie schließlich ICH! Es wurde also quasi Zeit für eine Art interne Familienzusammenführung. :)

Ich fing an, meinen Körper wirklich wahrzunehmen. Ich ging spazieren und spürte, wie er arbeitete. Für mich! Ich spürte nach, wie hübsch er nach der Bewegung summte. Entspannte. Ich feierte jede Veränderung, jeden Knochen, der plötzlich wieder sichtbar wurde. Selten habe ich so viel an meinen Schultern, Ellenbogen oder Hüften rumgefummelt, wie auf meiner Abnehmreise! Das war alles ICH. Oder die Geschichte mit dem Eincremen, die ich letztens ausgebuddelt habe. Anfassen und be-greifen. 


Was ich damit zusammenfassend sagen will - ihr habt vielleicht noch etwas anderes an diesem tollen, sonnigen Tag vor - und mehr dazu steht eh im Buch:

Ja, Ernährung ist wichtig, aber es gibt deutlich mehr zu tun, wenn man abnehmen möchte. Wer viel Gewicht zu verlieren hat und glaubt, dass es reicht, grammgenau irgendwelchen extremen Plänen zu folgen, wird vielleicht abnehmen, aber auf Dauer? Die anderen Baustellen sind dann immer noch vorhanden und die haben viel, viel, viel Kraft. So hatte ich Kati auch in ihrem Kommentar verstanden.

Selbst heute, wenn es mir emotional richtig schlecht geht (und glaubt mir - im Moment knallt mir privat einiges um die Seele), steh ich manchmal mit hängenden Schultern da und mein Hirn kreischt:

LAKRITZSCHNECKEN!

Es wird nie vorbeigehen. Es wird mich immer begleiten. Ich werde immer reflektieren und kontrollieren. Aber es geht, man kann es tatsächlich im Griff haben. Daher wünsche ich jedem von euch da draußen, dem es so geht wie mir, Nerven aus Drahtseilen, die Erkenntnis, dass Lakritzschnecken das Problem nicht wirklich lösen können, und die Kraft, diese Erkenntnis mit Leben zu füllen.

Ich drück euch. ♥

Eure Annika








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Kommentare:

  1. Danke Annika.
    Seit Wochen in Fressanfällen wie ferngesteuert und darin sehr unglücklich.
    Phönix

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  2. Jepp.
    Genauso.

    Und ich hab heute schon "Angst" vor nächster Woche, weil ich weiß dass ich ein paar Tage ganz allein sein werde.

    Gruß
    Minze

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  3. bald geht es hier auch wieder los, nur noch ein paar tage dann ist der kleine frosch da und dann geht es wieder los, zwar noch obst und gemüse, da ich ja stillen werde, aber kein brot und keine nudeln mehr, bin gespannt wie lange ich brauchen werde

    ich bewundere wie viel du inzwischen geschafft hast meine liebe :)

    lg
    fio

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  4. Hast Du wunderbar beschrieben. Man hängt zwar in einer Phase, in der man glaubt, Essen sei alles (weil man mental dauernd darum herumkreist), aber Abnehmen ist soo viel mehr… und nicht alle Anfechtungen sind von der essbaren Sorte, da gibt es vieles, wogegen man sich verteidigen muss, damit man nicht in lange antrainierte Ausweichmanöver (dem Ganz zum Kühlschrank/ zur Laktritztüte) fällt. Jeder Tag ist der Anfang einer neuen Herausforderung.

    Liebe Grüße,

    Silver

    (die sich schon ganz dolle auf Dein Buch freut!)

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  5. Wow... ein sehr schön geschriebener Bericht, in dem ich mich sogar wiedererkannt habe.
    Leider ist mein "Leidensdruck" ob meiner Körperfülle noch nicht groß genug, um mich mit dem Thema LCHF intensiv zu beschäftigen. Zu viele andere Dinge verlangen derzeit nach sehr viel Aufmerksamkeit. Ausrede? Ja, womöglich ist es so. Aber derzeit für mich nicht anders machbar.
    Dennoch ist es schön zu lesen, wie andere Personen es bewerkstelligt bekommen, sich ihrem "Traumkörper" wieder anzunähern.
    Hut ab.. meinen Respekt.. weiter so :)

    Gruß
    Sandra P.

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  6. "Druck aufessen" - danke für die Formulierung und den Artikel und überhaupt. Das kommt genau zur rechten Zeit.
    LG
    Sonja

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  7. Ich sitze immer noch auf deiner Zuschauer Tribüne. Kurz bin ich ein wenig neben die her gelaufen. Aber konnte nicht Schritt halten. Und wenn ich dich lese, dann macht es für mich soviel Sinn. All das kenne ich. Nur eben nicht die Wende. Die lässt auf sich warten.

    Momentan tun wieder meine Knie weh. Ich merke beim Eincremen, dass mein Fett Anzug wieder strammer wird. Ich kriege gerade die Kurve nicht. Dabei sollte ich gerade jetzt gut drauf sein, Gas geben.
    Wie nur kann ich diese Trägheit überwinden?? Ich weiss es echt nicht. Ab 21.03. bin ich für eine lange Zeit zu Hause. Da hätte ich endlich die Zeit, die mir sonst "angeblich" immer gefehlt hat. Walken wär wieder mal schön.

    Sicher geht es besser, wenn ich dann dein Buch in der Hand halte. Das hoffe ich. Das muss mir einfach den Kick geben. Wär das nicht schön?

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