Dienstag, 30. September 2014

Eine echte Herausforderung


Wie ich bereits berichtet habe, geht es bald in den Urlaub nach Lappland. Mitten rein in den "Dutt", die Wildnis.

Ich wusste wohl, dass es sich bei unserer Unterkunft um das einfach ausgestattete Wochenendhaus meiner Tante und meines Onkels handelt. Satzfetzen wie "keine öffentliche Straße" und "Strom über Generator" waren zwar durchaus an mein Ohr gedrungen, aber irgendwie bis gestern nicht bis an die letzte Ecke meiner Gehirnwindung gelangt. Die Familie wohnt rund 70-80 km von diesem Haus entfernt, eben nicht gerade um die Ecke... Aber Elch und Bär müssen sich halt auch irgendwo mal in aller Ruhe "Gute Nacht" sagen können. *hust*

Und daher konnte sich folgender ungefährer Dialog zwischen meinem Onkel und mir entwickeln. Er entstand aus der Situation, dass ich mir zwar denken konnte, dass es mit Internet dort oben nicht weit her sein könnte, ich aber dennoch Lust hatte, mein Laptop dann vielleicht doch mitzunehmen. Macht der Gewohnheit. Irgendwie erschien es mir recht "abgenabelt", halt ganz ohne. Schließlich bin ich doch neugierig, was ihr in der Zwischenzeit alle so treibt. Also mal schnell nachfragen.

"Du, wie ist denn der Internetempfang am Haus?"

"Na ja, man kann entspannt sagen, dass der Internetempfang dort nicht sonderlich gut ist."

"Hm... Ist er im Haus in Südschweden auch nicht." (bedeutet für mich halt noch gar nichts, ich habe Geduld mit dem Internet!)

Kleine Pause...

"Ihr wisst hoffentlich, dass es keinen Strom im Haus gibt? Das Wasser kommt aus dem See und die Toilette ist draußen..."

Es gibt zwar einen Generator, aber eben nicht für ein solches Stromsystem, das wir hier gewöhnt sind. Rechner habe ich abgehakt. Stattdessen kommen Block (ohne G) und Stift zum Zuge.

Und ja, in DEM Moment kam es im Gehirn an.

Ich bin von klein auf mit Wärme aus den Heizkörpern, Fernseher, Radio und fließendem Wasser aus der Leitung groß geworden. DAS nenne ich mal Kontrastprogramm! Du willst was kochen? Dann mach erst einmal Feuer. Du willst abends Licht? Da sind Kerzen - so stelle ich mir das vor.

Und sofort kreischte es in mir laut:
Yeahaw! Was für eine Herausforderung! Back to basics. Da ist es. 

Fragen über Fragen sausen seither durch mein Gehirn:

* Was MACHT man die ganze Zeit? Klar, ich kann mich mit meinem Mann beschäftigen. Das steht außer Frage. Man kann wandern, Gegend erkunden (Auto ist ja nu auch da). Reden. Und so. Aber 24/7? Geht man sich da nicht auch mal fürchterlich auf den Keks? Kann der Mann sich abends beschäftigen? Also OHNE mich? Es gab da mal so zweidrei Situationen, in denen ich im Urlaub abends lesen wollte und er sich aber beschäftigt wissen wollte. Hm. Wird nur einer von uns aus dem Urlaub zurückkehren?

* Das nächste Geschäft wird auch nicht ums Eck liegen. Und ich vergesse doch so gerne die Hälfte... Hmm.

* Keine Geräusche. Kein Radio, kein Fernsehen. Kein Hintergrundgedudel. Ruhe. Komme ich mit dauerhafter Ruhe klar?

* Habe ich dort nachts Angst?

* Nicht zuletzt: Was sagt meine Psychoblase dazu, wenn sie nachts RAUS muss? DA raus. Was mache ich, wenn ich mich todesmutig aufs Örtchen traue und dann KNACKT es im Wald? Werde ich dann auf der Toilette übernachten? Und ich warne meinen Mann schon jetzt eindringlich davor, mir heimlich hinterher zu schleichen und mich zu erschrecken! Dann ist er Geschichte! Das schwör ich euch aber. Ich bin sehr schreckhaft.

Und so weiter und so fort.

Moah, spannend! 

Wer hat heutzutage dazu noch die Chance? Krass. Ich freue mich tierisch, habe aber eindeutig Respekt vor dem, was ich nicht kenne.

Jetzt mal Hand aufs Herz... Wäre das was für euch?




P.S. 1:
Mich deucht, ich werde hinterher Interessantes zu berichten wissen.

P.S: 2:
Ich habe irgendwo einen Ersatzakku für das Handy und ein Ladekabel fürs Auto. Aber WO, verdammt, WO?




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Kommentare:

  1. Hahaha, Suddalein, Du bringst mich echt zum Lachen. Mal im Ernst - warst Du in Deinem ganzen Leben noch nie Zelten? Weil da hast Du alles, was Du gerade aufgelistet hast, aber minus dem HAUS. Und die meisten Menschen ueberleben das ganz gut.

    Stell sicher, Du hast eine Taschenlampe und extra Batterien und alles ist gut :)

    Das ist Abenteuer! Ich bin so neidisch!!

    (Highly amused) Bikey

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    1. ICH?
      ZELTEN?

      Mal eine Nacht in der Jugendzeit vielleicht. Quasi "feiern in den 1. Mai" oder so. Mit GANZ VIELEN ANDEREN... Da war man froh, wenn man Ruhe und Schlaf überhaupt finden konnte.

      Hihi.

      Umarmung!

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  2. Ich glaub,ich möchte da auch hin...ruhe,kein internet,kein telefon...ok ddr rest wäre auch eine herrausvorderung...nimm genug meduzin mit...

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  3. Lange Unterhose nicht vergessen: http://www.wetteronline.de/wetter/finnland
    Wie lange bleibt Ihr? Ab wann müssen wir uns Sorgen machen, wenn wir nichts mehr hören?

    Viel Vergnügen - think pink - wünscht Marie Johanna

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  4. Ich finde, das klingt super. Ich wäre sofort dabei (mit der Einschränkung, dass ich mir die Mitreisenden SEHR genau aussuchen dürfen muss).

    Ich empfehle ein batteriebetriebenes Radio. Ein kleines bisschen Musik ist doch sehr nett.
    Nachts aufs Klo kannst du vielleicht mit Walkman gehen? Dann hörst du das Geknacke nicht ;)
    Und das Feuer im Herd solltest du gar nicht ausgehen lassen - so kenne ich es zumindest aus meiner Zeit in der (österreichischen) Wildnis. Den ganzen Tag nachfeuern, dann hast du auch immer warmes/heißes Wasser. Vom "Ofen ist aus" bis zum "jetzt isses heiß genug für ein Spiegelei" dauert das nämlich bei Hitze aus Feuer ein kleines bisschen *gg*

    Ich wünsche euch eine SUPER Zeit da oben im Norden (okay, ich muss auch ein wenig an GoT "Winter Is Coming" denken... hihihi...)!!

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  5. Ich beneide Dich schon jetzt um die Erfahrung der Stille.
    Nach der Sehne ich mich so sehr.
    Und der nächtliche Himmel.
    Danke für´s Bild.
    Herzlichst
    Oona

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  6. Ich wollte ja Spielzeug mitnehmen ;-)

    Wenn es knackt, bleibst du auf Toilette?

    Der Mann

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  7. Kein Internet - kein Problem. Kein Strom und Klo draußen? Nope, echt nicht, Ich habe schon Zelten gehasst als Teenie.

    Irgendwo in der Pampa ohne Zivilisation abhängen im warmen Sommen für 2 bis 3 Tage - kein Thema. Aber wochenlang im Herbst oder Winter? Nur über meine Leiche - so viel nett aussehendes Naturgedöns drumrum kann es gar nicht geben, das mir das jemand schmackhaft machen könnte.

    Wenn es für länger ist, ist mir ein wenig Kultur drumrum sehr angenehm. Ich kann nicht 18 Stunden am Tag lesen, und von morgens bis abends tagein tagaus im immer gleichen Grünzeug rumstapfen ohne jede andere interessante Tätigkeit wäre mir entschieden zu langweilig. Egal mit wem. Das wäre sozusagen das, was ich unter einem Horrorurlaub verstehe. :)

    Anna

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  8. Könnte ich aushalten. Aber ob ich das will?
    Zumindest Strom wäre nett, wegen Kühlschrank und Licht. Nur Kerze ist romantisch, aber auch ein bisschen gruselig. Trotz Taschenlampe. Plumpsklo kenn ich noch von der Schwiegeroma. Internetabwesenheit soll ja die Nerven schonen ;-)

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  9. Schreckt mich nicht, ich komm mit. Endlich Stille!

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  10. Natur pur, Besinnung auf das Wesentliche. Gewohnheiten in Frage stellen. Das ist sehr schön.

    Übrigens Sudda: der beste Freund, ist der Freund mit dem man stundenlang schweigend auf einer Bank sitzen kann und dennoch das Gefühl hat...dies war das beste Gespräch meines Lebens (Richtung Mann schaue)

    Und für deinen nächtlichen Toilettengang, nimm so etwas mit:
    http://intermedical24.eu/index.php/catalog/product/view/id/16801/s/toiletteneimer/category/229/?gclid=CMvK0oGbicECFRHLtAode0wAYA

    Der Mann hat recht, nehmt Spielzeug mit. Welches um alleine zu spielen (für den Mann) und welches was ihr zu zweit spielen könnt.

    Und dann mit dem Licht aufstehen und mit dem Licht schlafen gehen.

    Es wird ein wundervoller Traum für euch. Nach eurem Stress letzes und dieses Jahr könnt ihr das gut gebrauchen.

    nashua

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  11. Ach so, vegessen: Diese Stirnlampe kann ich nur empfehlen:
    http://www.amazon.de/Petzl-E98-PR-Zipka-Plus%C2%B2/dp/B009063R1O/ref=sr_1_2?s=sports&ie=UTF8&qid=1412090243&sr=1-2&keywords=Petzl+Stirnlampe+Zipka+Plus+2
    Sie kann man auch ums Handgelenk tragen.
    Gibt es auch in anderen Farben.

    nashua

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  12. also ich empfehle, die kalten nächte nicht zu unterschätzen... !
    ich habe seit einer handvoll jahren ein kleines refugium im schönen allgäu, in einem alten bauernhaus, nicht heizbar. nun bin ich wirklich nicht sehr verfroren (laufe immer noch mit kurzen hosen rum, wenn alle schon nur noch kopf schütteln), aber: nachts im bett wirds dort trotz mehrerer decken und 2 großer kupferwärmebottiche arg schnell unangenehm kalt! weil das bett an sich halt recht gut durchgekühlt ist. meine frisch gefundene lösung eine heizdecke ... äh, ja, das nützt euch jetzt nicht viel ... außer: der sportliche mann könnte vl parallel ein standfahrrad bedienen, das strom produziert? .... ansonsten vorsichtshalber echt was gscheids zum nachts-anziehen mitnehmen! :-)
    aus münchen grüßt: daniela

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  13. 1990 !!! bin ich mit einer Motorradgruppe in Weißrussland unterwegs gewesen - zwar geführt von und mit Weißrussen - aber Kulturschock pur. Wir haben in der Pampa oder mitten im Wald gezeltet, uns in Flüssen und Seen gewaschen, Plumpsklos in unbeschreiblichen Zuständen benutzen müssen oder den nächsten Busch aufgesucht, die Armut der Menschen und dennoch die Offenheit und ehrliche Neugier uns gegenüber erlebt. Es war ein Erlebnis, das Du nie mehr in Deinem Leben vergisst!
    Allerdings gab es damals noch nix mit Internet und Handy und son Kram! Ergo hat man das auch nicht vermisst.
    Ich bin heute aus dem Urlaub von Usedom zurück gekommen und hänge schon seit Stunden im Internet. Nachholbedarf, weil wir in der absoluten W-LAN Wüste hingen. Internet über das Netz vom Hafenmeister funktionierte nur auf der Terasse - toll, wenn es dann Di, Mi, Do regnet.
    Man ist doch schon arg süchtig geworden.
    Und in der Wildnis campieren und Bärenwanderwege benutzen, Kerzenschein und Outsideklo - heute never ever!!!
    Ich wünsche Euch aber trotzdem einen schönen Urlaub!
    P.S.: Früher benutzte man einen "Nachttopf" für das kleine Geschäft in der Nacht !!!???
    Liebe Grüsse
    Djiella

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  14. Afrikanische Verhältnisse. :-)
    Ich freue mich für euch, dass ihr das erleben könnt. Du glaubst garnicht wie sehr ihr es geniessen werdet, wenn ihr wieder zu Hause seid und den Lichtschalter betätigen könnt. Klospülung und vorallem Klo im Haus, normales Duschen wird zum kleinen Wunder.

    Das MUSS man mal erlebt haben. Das schärft die Sinne enorm.

    Ich habe nachts immer den Mann geweckt. Er ist mit mir zum Klo gegangen. Denn im afrik. Busch gibt es Schlangen, Spinnen und vorallem Skorpione. **grusel** Davor hatte ich Respekt, vorallem in der Dunkelheit.

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