Mittwoch, 1. Januar 2014

Eigenverantwortung

Ich hoffe, ihr seid alle gut im Neuen Jahr angekommen. Bei uns war es sehr ruhig und schön. Wir haben viel miteinander geredet und aus diesem Grund kaue ich heute schon den ganzen Tag auf einem Thema herum, dass ich für das Abnehmen total wichtig finde: Die Eigenverantwortung.
 
Das spielt so eine große Rolle!

Für meine Ernährung bin ich als erwachsener Mensch selbst verantwortlich. Ich entscheide, was ich zu mir nehme. Ich musste mühsam lernen zu akzeptieren, dass ich mich damals selbst in diese Situation gebracht hatte. Mich hat niemand dazu gezwungen, was mich formte, habe ich mir persönlich über den Mund zugeführt.

Es mag sein, dass manche Erlebnisse verletzt oder geprägt haben, aber Probleme dieser Art werden sich nicht davon in Luft auflösen oder dadurch ungeschehen gemacht, dass man versucht, sich mit Lebensmitteln zu trösten. Im Gegenteil: Wenn man als Konsequenz daraus übergewichtig wird, ist unter Umständen eine weitere Seelenbaustelle aufgerissen. Das ist für das Wohlbefinden äußerst kontraproduktiv ist. Für viele Erfahrungen ist sicherlich eine dicke Haut nötig, aber sollte die zwingend aus Fett bestehen?

Es kann auch sein, dass wir von Zuhause aus an Essen gewöhnt wurden, das uns nicht bekommen ist. Dennoch bin ich ab einem gewissen Alter mündig und darf bei jeder Mahlzeit selbst die Entscheidung treffen, wie viel und was ich zu mir nehme.

Mir war es nicht sonderlich angenehm, das zu realisieren. Zunächst habe ich diesen Gedanken sogar wütend weit von mir geschoben, war es doch einfacher, die Schuld auf andere abzuwälzen, als selbst verantwortlich zu sein.

Es ist wichtig, Eigenverantwortung zu übernehmen. Daher lehne ich Ernährungsformen ab, die des eigenständigen Denkens berauben. Damit wird das Abnehmen auf „Autopilot“ geschaltet. Es muss nicht an Punkten der Seele gerührt werden, die vielleicht arbeitsam oder unangenehm sind. Einfach die bis aufs Gramm vorgegebenen Mahlzeiten nach Punkt und Komma befolgen und das Ziel erreichen. Das ist kein Stück besser als stillschweigend und kritiklos zu essen, was auf den Tisch kommt, ob es einem nun bekommt oder nicht.

Natürlich habe ich das früher auch ausprobiert. Ich entschied mich z.B. einmal für eine Diät, bei der man ausschließlich von Eiweißshakes leben sollte. Das Risiko für meine Gesundheit war mir bewusst, auch dass eine kulinarisch eher frustrierende Zeit vor mir lag, aber ich überzeugte mich damit, dass die gesamte Diät lediglich rund 15-20 Wochen dauern würde, dann hätte ich mein Ziel erreicht und könnte endlich wieder „normal“ essen. Das war mir den Preis wert. Definitiv.

Denkfehler bemerkt? Wäre meine Ernährung vorher NORMAL gewesen, woher kam dann das Übergewicht, das nicht nur an mir klebte wie Pech, sondern auch noch langsam aber sicher anwuchs? Für eine dauerhafte Ernährungsumstellung ist völliges Umdenken ist erforderlich! Sonst werden die Kilos ebenso schnell ihren Heimathafen - den Körper – wiederfinden wie Brieftauben nach hunderten Kilometern blindlings ihren Schlag. Plus dass der Stoffwechsel durch das Hungern auf Sparflamme schalten und künftig mit weniger Energie klarkommen wird. Der berühmte Jo-Jo-Effekt! Da ist er.

Ein kluger Mann hat einmal zu mir gesagt:

Wer wieder wie vorher isst, sieht schnell wieder wie vorher aus. 

Aber zurück zu meinem damaligen Diätplan. Wie gut hat der wohl funktioniert? Wie lange hält ein schwer übergewichtiger Mensch, der leider ein wenig Probleme mit emotionalem Essen hat, es aus, sich von nur drei Eiweißshakes am Tag (bei einer Gesamtenergiemenge von ca. 900 kcal) zu ernähren?

Mit gewissem Stolz in Hinblick auf meinen „Biss“, teile ich mit, dass ich es immerhin rund zwei Wochen ausgehalten habe. Der Gewichtsverlust in dieser Zeit war imposant – aber zu welchem Preis? Nie habe ich mich schlechter gefühlt als in diesen Tagen und ich habe lange gebraucht, bis ich mich davon erholt habe. Dummerweise hat sich mein Gewicht schneller erholt als ich.

 Selbst wenn eine solche Diät bis zum Wunschgewicht durchgehalten würde, erreicht man das Ziel, dauerhaft das neue Gewicht zu halten, auf diese Weise tatsächlich? Wie geht es weiter? Hat eine Veränderung der Ernährungsgewohnheiten stattgefunden? Hat man die Ursachen des Übergewichts reflektiert und Fehler bearbeitet? Gab es ausreichend Lerneffekt, um in Zukunft selbst Verantwortung für den eigenen Körper übernehmen zu können? Ist ein starrer Diätplan überhaupt universell für jeden geeignet? Ich lasse diese Fragen zum Weiterdenken einfach mal so im Raum stehen.

Teilen