Mittwoch, 12. März 2014

Menschenmemory


Ich glaub, ich bin kein normaler Menschenwahrnehmer. Ich komme darauf, weil ich gestern etwas über Typologie gelesen habe. Paar Fragen beantworten und schon - simsalabim - kommt raus, wie man angeblich ist. Lass ich mal so stehen.

Mir fällt jedenfalls immer wieder auf, dass ich anscheinend ganz anders vorgehe, wenn ich neuen Menschen begegne als die meisten anderen.

"Hast du die gesehen, die letztens neu mit war? Die A.?"
"Hö? Was für eine A. und überhaupt... wovon redest du?"
"Na, die Aaaaaaa.! Im Kurs. Die, die die Haare so und so hat. Dunkel. Etwa so groß wie du. Die das chice Oberteil anhatte. Das ist die Schwester der Nachbarin meiner Cousine."
"????"

Zunächst einmal habe ich ein fürchterlich schlechtes Namensgedächtnis. Grottig. Ich muss Menschen schon länger kennen oder sehen, bevor ich mir den merken kann. Und ich muss ihn zumindest einige Male bewusst ausgesprochen haben, sonst setzt sich das nicht nieder.

Gesichter merke ich mir insofern, als dass ich weiß, ob ich die Person schon einmal irgendwo gesehen habe. Da habe ich ein Gedächtnis wie ein Elefant! Nicht selten passiert es mir, dass ich irgendwo Menschen sehe und WEISS, dass ich sie schon einmal gesehen habe, aber erinnere mich nicht mehr an den Zusammenhang. Das war neulich im Sportkurs der Fall. Da war eine neue Frau und ich wusste ganz genau, dass ich sie schon öfter sah, aber wo? Keine Ahnung. Mittlerweile habe ich mir angewöhnt, einfach dezent nachzufragen. Und dann kommt man der Sache meistens recht schnell auf die Schliche. Gesichter merken geht also. Aber nicht die Details, ich merke mir keine Nase oder Ohren, nein, das ist irgendetwas anderes.

Mich interessieren weder Frisuren noch Klamotten. Mich interessiert wenig, wie eine Figur im Detail aussieht. Und am wenigsten interessieren mich Gerüchte. He, ich wohn auf dem Dorf. Da kann es durchaus sein, dass du dir am einen Ende in den Finger schneidest und am anderen Ende wird erzählt, man hätte aus Versehen die Hand in der Kreissäge gehabt. Also überzogen gesprochen. Wertigkeit von Gerüchten? Die geht gegen Null!

Aber dafür sehe ich die Haltung. Und ich sehe den Blick an sich. Ich erfasse die Grundstimmung und beobachte das Verhalten zu anderen, aber auch das instinktive Verhalten anderer diesem Menschen gegenüber. Wenn es jemand aus dem Kurs ist, kann ich sicherlich auch einige Details zum Umgang mit dem eigenen Körper erzählen oder wie gut der in Schuss ist.

Manche sagen, es gäbe eine Art "Schubladensystem", in dem man die Menschen einsortieren oder zumindest vorsortieren könnte. Wahrnehmen, AHA, Schublade auf, Mensch rein, Schublade zu. Ich sage, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass es Schränke mit so vielen Schubladen überhaupt geben kann. Ich sehe das nicht.

Nehmen wir mal Bloggerland. Gut, man kann natürlich sagen, dass unklar ist, ob die Menschen in ihren Blogs so sind, wie sie wirklich sind. Dass sie sich eine eigenen Traumwelt zusammenzimmern könnten. Aber gerade das wäre doch theoretisch besonders interessant. Denn wenn ich frei entscheiden könnte, wie ich sein WILL und das im Blog transportiere, dann würde das doch auch tief blicken lassen, oder? Außerdem glaube ich nicht, dass man eine Kunstfassade auf ewig und drei Tage aufrecht erhalten kann. Das raubt zu viel Energie und man müsste schon sehr geschickt sein, oder?

In einem Blog zeigt man viel. Es fängt bei dem gewählten Design an. Den Farben, den Fotos, den Bildchen, dem Aufbau. Es geht weiter über den Aufbau der Texte, die Absätze und nicht zuletzt natürlich dem Inhalt. Ihr wisst bestimmt, was ich meine. Es steht unendlich vieles zwischen den Zeilen.

Ich behaupte einfach mal, dass ich recht viel Kontakt mit anderen Bloggern habe. Mails, Telefonate, treffen... Und ich hab jedenfalls noch keine/n erlebt, der nicht im reellen Kontakt genauso wäre, wie im Blog! So!

Zurück zu den Schubladen. Meine Gedanken wandern durchs Bloggerland und ich versuche, Menschenmemory zu spielen. Gäbe es Schubladen, müsste ich doch zumindest Pärchen bilden können, oder? Also sagen können "Die ist ähnlich wie die, also pack ich die zusammen in eine Schublade".

Und ich grüble und grüble und suche und Namen bzw. Blogs fliegen durch meinen Kopf und doch finde ich kein einziges.

Wobei es in meinem Leben doch eine Schublade gibt. Exakt eine. Mit einem dicken "A" drauf. "A" wie "aussortiert". Da sind die drin, die ich gar nicht leiden kann. Glücklicherweise ist die A-Schublade in meinem Leben miniklein. Da passt kaum was rein und vor allem ist - noch wichtiger - so gut wie gar nichts drin. Aber das, was einmal drin ist, pflegt drin zu bleiben. Da bin ich dann doch extrem engstirnig.

Hm.
Ich glaub nicht an die Schubladentheorie. Das ist mir viel zu anstrengend. Aber vielleicht ist das auch so, weil ich es mit Ordnungssystemen generell nicht so habe. Ich kann mir wohl super welche ausdenken, sie auf Dauer mit Leben füllen eher nicht. :D

Und du?






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