Freitag, 2. Mai 2014

Rollator-Woman


Mal wieder höchste Zeit, laufen zu gehen. Der Women's Run rückt erschreckend schnell näher. Schuhe an, bevor ich mir es wieder anders überlege.

Laufe los.

*Pamm*pamm*pamm* knallen meine Schuhe über den Asphalt, die Straße runter. Nein, ich bin keine elegante Läuferin. Nein, eigentlich bin ich noch nicht mal eine Läuferin. Aber ich tu es trotzdem, auch wenn meine Füße nie dieses *fttfttfttfttfttfftt* Geräusch machen werden, wie ich es bei diesen Sausegazellen manchmal hör, wenn sie wie ein Windhauch an mir vorbeizischen. Wurschtegal, so bin ich eben. Ich bin Bulldozer, kein Sportwagen. 

Langsamer laufen, ermahne ich mich selbst. Typischer Suddafehler, ich bin am Anfang immer zu ungestüm. Das rächt sich schnell, so viel weiß ich mittlerweile.

Am Ende der Straße links abbiegen, ich wähle die Straße durch die Allee, um am Ende ins geliebte Feld zu gelangen. Ich lauf gern dort, denn als Schisser seh ich über Meilen alles, was auf mich zukommt.

Ich seh sie schon vom Weiten.
Rollator-Woman.
Den Namen hab ich ihr irgendwann mal gegeben. Ich denk mir gerne eigene Namen für Fremde aus, so lange sie Fremde sind. Gut 100 m vor mir geht sie ganz langsam mit ihrem Rollator die Allee entlang. Schritt für Schritt schiebt sie sich voran, und ja, man sieht deutlich, dass ihr jeder einzelne Schritt schwer fällt. Das Gewicht lastet schwer auf ihren alten Beinen.

Als ich bis auf 50 m an sie herangekommen bin, hat sie mich wahrgenommen. Klar, *pamm*pamm*pamm* ist eben nicht flüsterleise! Sie wendet ihren Rollator langsam, bestimmt und erstaunlich elegant auf der Allee, dreht sich zu mir um und ruft: "Ich lass Sie durch. Sie sind viel schneller." Warum sie sich wohl diese Gedanken macht? Auf der Allee ist knapp Platz für zwei Autos nebeneinander.

"Danke!", schreie ich ihr entgegen. Noch ca. 20 m Distanz.

"Ich kann nicht mehr SO!", ruft sie zurück und zeigt auf mich.
"Dafür können Sie immerhin SO!", rufe ich zurück und zeige auf ihren Rollator. Ich bin neben ihr.
"Das stimmt nu' auch", sagt sie und grinst offen und glücklich.
Ich ziehe (relativ) zügig an ihr vorbei, weiter bis zum Ende der Allee. Dahinter geht es in mein geliebtes Feld.

Nein, ich weiß nicht, wer sie ist. Ich weiß auch nicht, wo sie wohnt. Muss wohl in meinem Dorf sein. So weit wird sie wohl nicht kommen.

Und doch...
Sie tut es. Sie tut es einfach. Vermutlich deutlich häufiger als ich.

Rollator-Woman.
Starke Frau!




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