Dienstag, 15. Juli 2014

Fotos machen - wie ich es hasse!

Ich saß heute über einer knobeligen Aufgabe. Ein Interview. Ich ging Frage für Frage durch und am Ende blieb mein Blick erstarrt auf dem "P.S." hängen:


"P.S. Bekomme ich ein aktuelles Foto von Dir? #selfie oder so???"


Och nöööö, bitte nicht. 

Menno.

Meine Unterlippe bebt angestrengt.


Ich mag das nicht.
Ich mag mich immer noch nicht fotografieren lassen, schon gar nicht aus der Nähe. 
Das ist jedesmal SO ein Krampf für mich. 

Bin ich zu anspruchsvoll?

Ich seziere jedes Bild von mir und aus ca. 165 Stück gefällt mir maximal eines.
Unerträglich.

Besonders schlimm war es übrigens zu dicken Zeiten. Ich konnte rekordverdächtig vor Kameras fliehen. Gelang es doch einmal jemandem, ein Foto von mir zu machen, war ich nervlich am Ende. Ich hätte alles dafür gegeben, wenn ich eine Chance gehabt hätte, die so geschossenen Fotos zu vernichten. 

Fotografiert werden ist pestig.

Warum?

Weiß nicht.
Eigentlich wurde ich von klein auf sehr viel fotografiert, schon weil mein Vater Werbefotograf war. Es gibt Zillionen wundervolle Kinderfotos von mir. Es gibt mich dank Papa auch vorne auf einem Post-Spiel drauf und auf weiteren Werbungen.

Gut, es gibt auch ein Foto auf dem ich als 8-jährige angetan in türkis-grünen Blümchenwickelrock, einer gelb-blauen Strickjacke und einer 1. FC-Köln-Mütze ein Schwein im Zoo kraule, aber okay.. DAS Foto ist wirklich ein Brüller. Müsste ich eigentlich mal raussuchen. Hm.


Ich kratze meine juckende Augenbraue.


Foto. 

Scheiße.  
Wisst ihr, was mir nämlich ganz schwer fällt? 
Mein Mund will nicht.
Ich mag nicht lächeln, ich kann nicht lächeln, das fühlt sich total "verkehrt" an, wenn ich für ein Foto lächeln soll.
Dabei lache ich in echt sowohl viel als auch gerne. 

Fotos mit grimmigen oder blöden Gesichtsausdrücken kann ich dagegen wirklich super. 


Ich finde es übrigens total unfair, dass alle anderen Menschen auf Fotos so wie in echt aussehen. Nur ich nicht. Oder meine ich das nur, weil ich kritisch ins Detail schaue. *gnah*


Ach, Menno!
Aber ist ja für einen guten Zweck quasi.

Tiefes Seufzen macht die Sache nicht besser, stelle ich nach vier gründlichen Stoßatmern fest. 


Und jetzt?
Soll ich den Mann zwingen, mich stundenlang zu fotografieren, auf dass er sich hinterher stundenlang mein frustriertes Zetern anhören kann? 

Kann man fotografiert werden trainieren? Wenn man sich wieder und wieder knipsen lässt, ist es einem dann irgendwann egal?

SELFIE... ich mag das Wort schon nicht. Hab ich noch nie gemacht. Das ist bestimmt noch doofer, sich selbst zu fotografieren, oder? 


Schlückchen Kaffee.


Das krieg ich bestimmt nicht hin.






Stunden später... Ich war mit den Dienstagsmädelz laufen. 


Jaha, 5,5 km! Wisst ihr Bescheid. Ging aber heute höchst... zäh. Dennoch, getan ist getan, während andere lediglich ihr Sofa belümmelt haben, trommelten meine Füße über den dumpfen Waldboden des lokalen Naherholungsgebiets.


Als alle weg waren, zog ich still und heimlich auf dem Parkplatz mein Handy aus der Tasche.

Und BÄM! Mein erstes Selfie. 

Gut, immer noch mit Sonnenbrille und das Lächeln.. na ja. Aber es ist eben mein allererstes. 







Herrjehchen ist das ein doofes Gefühl, nur damit ihr es wisst. 


Wenn man genau hinsieht, erkennt man in den Gläsern der Sonnenbrille meine verkrampften Pfoten, die den Auslöser suchen. Und gedreht krieg ich das auch nicht bzw. gespeichert ist es in gedrehter Version, aber das interessiert Blogger mal gar nicht.


Eben sah meine Tochter mein erstes Selfie an.

Und schwieg.
Und schwieg noch ein bisschen.

Und sagte dann:

"Mama, das geht aber besser. Ich mach das am Donnerstag mit dir. Aber ohne Sonnenbrille und mit offenen Haaren. Keine Angst, es gibt hoffnungslosere Fälle!"

Bin ich froh, dass ich Kinder habe.

Puh!









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