Montag, 28. Juli 2014

Schweden mit Nebenwirkungen


Wenn ich in Schweden bin, ist vieles in, an und mit mir deutlich anders. Manche Unterschiede sind angenehm, auf andere könnte ich wirklich verzichten.


Mücken:

Mücken interessieren sich für mich in Deutschland NULL. Ich bin quasi als Opfer nicht existent. Sie konzentrieren sich üblicherweise eher auf meine Tochter, die scheint eine Delikatesse zu sein.

Kaum bin ich in Schweden, wendet sich das Blatt! Ich habe bei 20 Stichen aufgehört zu zählen, vor allem vor Zorn, weil eins dieser Drecksviecher sich erdreistet hat, mich in die Nasenspitze zu stechen. Na-sen-spit-ze! Schon mal gesehen? Nein? Gut, ich zeig euch das auch nicht, selbst wenn ich davon ein Foto gemacht habe, weil ich es nicht fassen konnte. Ich verrate nur so viel, es sieht  richtig shice aus, changiert gegen bordeauxrot...

Eine weitere Attacke erwischte meine Fußsohle. Herrlich. Das juckt bei jedem Schritt und es sieht wenig schön aus, wenn eine Frau sich in der Fußgängerzone unsittlich stöhnend die Fußsohle kratzt!

Im Forum kommentierte das eine sinngemäß treffend mit:
"Das sind schwedische Mücken, die essen auch LCHF."


Hunger:

Heeee... unfassbar! Ist das die Seeluft? Ich könnte fast jederzeit ein halbes Schwein mit ohne Toast essen. Man. Sagt mir, dass das die Seeluft ist. 

Es ist aber auch zu lecker hier, schon weil ich echte Fischliebhaberin bin.


Schlaf:

Ich schlafe wie ein Stein. Mit vielen intensiven Träumen, aber dazu komme ich noch. Das Erstaunliche ist, dass ich mich am Morgen danach noch daran erinnere. In Deutschland vergesse ich sie sofort, falls ich überhaupt träume.

Eine Nebenwirkung, die mich im Gegensatz zur Familie überhaupt nicht erwischt hat, ist die Dauermüdigkeit in der ersten Woche. Während alle schon schliefen, schaute ich die miesesten schwedischen Krimis. Macht das mal in einem kleinen Holzhaus mitten im Wald. Da braucht es Nerven, wenn einem mitten in der Nacht einfällt, dass man vergessen hat, im Nebenzimmer die Fenster zu schließen... *gruselgrusel*


Wasser und Befindlichkeiten:

Es ist ungewöhnlich heiß hier. Heute war der erste Tag UNTER 30 Grad - wir hatten moderate 26 Grad. Und ZACK lagere ich Wasser ein. Die Füße, Fußgelenke und Waden sind ordentlich geschwollen, die Finger "brummen" und unter den Augen sieht das auch nicht gerade nett aus. Wie ich das hasse! Es erinnert mich an die üblen, alten übergewichtigen Zeiten, in denen ich tagtäglich damit klarkommen musste.

Ich versuche das durch viel Wasser trinken und Brennnesseldingens zu beheben. Gelingt mäßig. Zuhause habe ich damit keine Probleme.

Zusätzlich habe ich hier jedes Jahr Wadenkrämpfe! Zuhause auch nie! Jemand eine Idee, warum das so sein kann? Es nervt. Also Magnesium hinterher geworfen...


Entschleunigung:

Das ist das allerallerweltallerbeste am Schwedenurlaub. Echt. Die ersten Tage hummele ich noch semihysterisch, verhältnismäßig laut und höchst auffällig zwischen den absolut entspannten Originalschweden herum. Dann werde ich nach und nach langsamer, entspannter. Nach einer halben Woche schlurfe ich völlig in der landestypischen Geschwindigkeit mit den Flipflops an den Füßen durchs Land.

Ab dem Moment werde ich übrigens auch nur noch auf Schwedisch angesprochen. Davor? Auf Englisch oder direkt auf Deutsch... Scheint auffällig zu sein.

Und ich stelle fest: Wenn man langsam geht, kann man dabei richtig herrlich grübeln. Viele ruhige, entspannte, ausnahmsweise eindeutig klare Gedanken. Ich entstresse total. Wie lange ich das wohl als Souvenir in Deutschland behalten darf?


Wisst ihr was?
Auch wenn hier einiges mit mir und generell anders läuft, es tut unendlich gut.
Ich atme ein.
Ich atme aus.
Und bin voll im Moment.





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