Donnerstag, 14. August 2014

Theorie und Praxis am Stein


Wie die meisten von euch wissen, war es in diesem Jahr Zeit für mein Steinbild nach 5 Jahren LCHF. Unfassbar, oder? 5 Jahre! Ich, die sonst maximal ca. einen Monat an einer anderen Ernährungsweise festhalten konnte... tse.

Bereits die ersten Tage des Urlaubs machten mich in Bezug auf die Durchführbarkeit reichlich nervös. Es war viel zu heiß! Zum Stein fahren (der vom Haus aus auch nicht gerade um die Ecke liegt), bedeutet wandern. Aber wandern bei über 30°C? Auf keinen Fall. Da waren wir uns einig.

Irgendwann in der zweiten Woche kühlten die Tagestemperaturen dann doch etwas runter und los ging es... zum Stein.

Langsam und innerlich höchst feierlich gestimmt, schreite ich zu "meinem" Stein. Ich bin entspannt, obwohl ich dann doch niemals die wirkliche Konsequenz gefunden habe, um mein Ziel, die letzten Kilos zu eliminieren, durchzuziehen. Ich war eher "falsch-rum-konsequent", um es nett zu formulieren. Und doch bin ich persönlich stolz auf mich.

Die Sonne scheint, die Möwen kreischen mir freundlich zu, während ich in aller Ruhe und ungestört Platz nehme, mich sortiere und den Mann fotografieren lasse. Wir haben Zeit, denn wie wir wissen, ist es nicht gerade einfach, mich zu fotografieren. Es gelingt ihm entspannt einige anständige Fotos von mir zu machen. 

Soweit die Theorie.

*rrrriiiiittttttsssccccchhhhhhh*

Nadel wird mit voller Fahrt über die Schallplatte gezogen. Für die, die nicht mehr wissen, was eine Schallplatte ist und wie sich das anhört: Das gab es vor den CDs und es klang schauerlich! Damit will ich sagen... es kam alles ganz anders!

Schon als wir in den Hafen fuhren, war unübermerkbar, dass eine Menge Schweden den Platz für diesen Tag auch zum Ausflugsziel erkoren hatten. Wir bekamen den allerletzten Parkplatz an einem relativ steilen Hang, was den Mann nicht gerade glücklich machte. Gut, die Tochter und ich hätte ihn jetzt nun wirklich nicht die ganze Zeit damit aufziehen müssen, dass der Wagen schnurstracks in gerader Linie und höchst elegant ins Hafenbecken tauchen würde, wenn seine Handbremse nix taugt. Irgendwie machte ihn das ein wenig nervös.

Frech grinsend drehte ich mich auf dem Absatz um und wollte soeben feierlich in Richtung Stein schreiten (siehe oben) als ich zweier Wohnmobile gewahr wurde, die relativ dicht links neben meinem Stein aufgestellt waren. Vor dem Wohnmobil ca. 8 ausgewachsene Schweden bei Grillfleisch und Bierchen, gemütlich auf Klappstühlen den Trubel im Hafen beobachtend. Oha, schon könnt ihr das Wort "entspannt" mal direkt aus meiner Vorstellung streichen...

Dann sah ich die schwedische Familie mit drei Kindern, die genau rechts vor meinem Stein ihre Badetücher und Picknicktaschen ausgebreitet hatte. Die Kinder liefen wild kreischend im Kreis auf dem Platz davor herum und die Eltern relaxten in der Sonne. Was nun? Sollte ich die wegschubsen?

Hier ein schnelles Handyfoto von der Situation (man erkennt auch ein Stückchen Vorzelt von einem der Wohnmobile - links im Bild):




Schöner Mist!
Was tun?

Erst wandern und hoffen, dass der Tumult am Stein sich im Anschluss aufgelöst hat? Auf das Foto verzichten?

Ich entschied mich für "Augen-zu-und-durch", eilte zum Stein, enterte ihn, versuchte auszublenden und zu verdrängen (was mir so gar nicht gelingen wollte), ließ den Mann unter den interessierten Blicken aller Umstehenden und Umsitzenden zweidrei Fotos schießen und verschwand.

Kacke. (Bitte entschuldigt den Ausdruck, aber es gibt keinen treffenderen.)

Als ich mir die Fotos im Anschluss ansah, war ich weit entfernt von wirklich zufrieden. Zum einen, weil ich halt nur noch die Auswahl zwischen einer minimalen Menge Fotos hatte, zum anderen aber auch, weil mir klar wurde, dass ich auf jeden Fall noch Gewicht zu verlieren habe. Aber ist ja logisch. Von den 72 kg, die man netterweise als "okayes Gewicht" für mich ansetzen könnte, bin ich dann doch eine Ecke entfernt. Da nützt es auch nichts, wenn man die Waage ignoriert und sich nicht fotografieren lässt.

Schnaubend ging ich eine Runde um den Block. Anschließend sah ich mir das Ergebnis noch einmal an. Ja, es sind viele Kilos verflossen, seit ich angefangen habe, abzunehmen. Aber es ist nicht nur das. Ich bin glücklich. Ich muss mich nicht mehr verstecken und innerlich verschließen. Ich bin anwesend, zu 100% - auch wenn es im Moment vielleicht sogar noch 110-120% sind.

Ob Haltung, Gesichtsausdruck, was weiß ich, ich erkenne so viel im Fotovergleich, was Fremde vielleicht nicht wahrnehmen. Es ist viel geschehen in diesen fünf Jahren. Darauf bin ich stolz.


Juli 2009




Juli 2014

Juli 2014




Und dann hab ich etwas aus dem Urlaub mitgebracht. Ein sonnenbrillenloses Lächeln, wenn auch nur ein kleines und (wegen des Publikums) hastiges. Für euch.









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