Freitag, 17. Oktober 2014

Sacken lassen...


Der Mann fährt morgen freiwillig mit der Tochter und mir zu IKEA.
Ich setz noch einen oben drauf: Es war SEIN Vorschlag.

Was will er?
Was hat er verbrochen?
Ist das ein spezielles Männer-Manöver?

Vor lauter Überraschung weiß ich gar nicht, was ich da wollen würde.
Egal.
Kerzen brauche ich auf jeden Fall.
Und neue "Nupsi"-Spülbürsten.

Und doch: Dubios!
Hm.


:)




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Die Bedingungen vor Ort - so looks it out!


Hihi, ich liebe dieses direkt übersetzte Englisch, da kann ich mich immer wieder innerlich in die Ecke schmeißen. Mein Favorit nach wie vor übrigens: Take you yes in eight! (Nimm dich ja in acht!) Aber ich will ja nicht direkt am Anfang des Posts abschweifen, wo soll das sonst noch hinführen?

Neuer Tag, neues Glück.
Wir sollten endlich zum Ferienhaus meines Onkels gebracht werden. Moah, waren wir gespannt! Schon der Weg dorthin war recht abenteuerlich. Zunächst hielten wir in Jokkmokk, der größten Stadt in der Gegend. Die Gemeinde Jokkmokk an sich ist so groß, dass auf einen Quadratkilometer (!) ein Einwohner kommt. Ich vermute, dass meine Witzelei, dass dort mehr Rentiere und Elche als Einwohner leben, gar nicht verkehrt ist...

In Jokkmokk haben wir ein paar Kleinigkeiten eingekauft, die ich für wichtig hielt. Wobei mein Onkel immer wieder sagte: "Brauchst du nicht, habe ich schon für euch dorthin gebracht." Tatsächlich hat er uns sehr verwöhnt und die Vorräte mit allerhand Leckereien ausgestattet. Butter, Fleisch, Käse, Aufschnitt, Toilettenpapier, sogar an reichlich Kerzenvorräte hatte er gedacht. Das ist mein Onkel, so kenn ich ihn schon immer - total lieb. ♥ Auch als ich meinte, wir sollten doch wohl besser Trinkwasser in Flaschen kaufen, sagte er, dass das unnötig sei, da Wasser im Überfluss vorhanden sei. Okay, das war doch schon mal ein Wort.

Von Jokkmokk bis Vuojat, wo das Haus liegt, sind es rund 70 km. Davon gut 40 km Schotterstraße. Gewöhnungsbedürftig. Da fährst du nicht mal eben schnell zurück, wenn du etwas im Supermarkt vergessen hast... Und das mir! Ich vergesse andauernd etwas. Ich bin die, die ewigunddreiTage Einkaufszettel schreibt, um dann im Geschäft festzustellen, dass die Liste immer noch zuhause auf dem Esstisch liegt. Jaja.

Ein Bildchen von der Straße, inklusive Berg Jarre, mit dem ich noch engere Bekanntschaft schließen durfte.





Der Mann fuhr vorsichtig hinter meinem Onkel her, weil immer wieder Steinchen flogen. Auf der ganzen Strecke kam uns nicht ein Auto entgegen. Dafür sahen wir unfassbar viel Gegend! Man meint wirklich, dass man in einen Dokumentarfilm über Nordschweden gebeamt wurde. Wälder, Seen, Flüsse, ganz viele verstreute Steine.

Margareta saß bei uns im Auto und erklärte uns einiges zu der Gegend. Sie ist in diesem Gebiet aufgewachsen, ohne den ganzen Tamtam, der für uns einfach normal ist. Und damals gab es in weiten Teilen noch nicht einmal eine Straße. Während wir lernten, wie man sicher über die stark befahrene Straße in den Kindergarten kam, lernte sie vermutlich eher, wie alt die Bärenspur vor ihr war. Richtig Kontrast, quasi.





Das Haus ist wundervoll! Es liegt auf einem großen Grundstück, umgeben von Wald. Zwei Häuser gibt es in der "näheren" Umgebung, aber da wohnt niemand mehr. Gegenüber bzw. eigentlich drumherum liegt ein riesiger See, dessen Wasser aus dem Fjäll kommt (aus den umliegenden Bergen). Das Wasser ist kristallklar, sowas habe ich noch nie gesehen. Alles in allem wildromantische Lage.

Das Boot gehört zum Haus. Damit hat mein Onkel uns ein wenig über den See getuckert, was herrlich war, weil man die Pracht der Gegend dadurch sehr schön von der Wasserseite aus erfassen konnte.





Die beiden haben erst im letzten Jahr bauen lassen und erweitern jetzt nach und nach. Ich schätze, dass das Haus an sich rund 50 m² groß ist. Wenn man durch die Tür reinkommt, steht man in einem kleinen Vorflur, der in einen großen Raum übergeht, der aus Wohnzimmer, Essbereich und Küche besteht. Zusätzlich gibt es ein schnuckeliges Schlafzimmer.

Und?
Gemerkt?
Fehlt was in der Aufzählung?

Ja, genau. Es gibt kein Badezimmer.
Aber auch für diese Bedürfnisse ist gesorgt, es gibt stattdessen ein Plumpsklo, wie es im Buche steht: Holzbüdchen mit Tür und einer Sitzfläche mit Deckel und dann "plumpst" es halt. Dazu eine richtig geniale "Bastu", was die schwedische Bezeichnung für Sauna ist. Aber dazu komme ich noch im Detail, hier möchte ich euch erst einmal mit den Rahmenbedingungen vertraut machen.

Im Haus gibt es keinen Strom und keine Heizung. Obwohl das nicht ganz stimmt.. Es gibt im Schuppen einen Generator, den man im Falle des Falles für 1-2 Stunden anwerfen kann, um eben mal schnell zu staubsaugen oder wichtige Dinge aufzuladen, wie beispielsweise die Autobatterie, über die die LED-Leselampen, zumindest eine gewisse Weile lang, z.B. am Bett brennen können. Mein Onkel nahm mich mit in den Schuppen, um mir den Generator zu erklären, aber wie das so ist mit mir und der Technik... DEN Schalter schiebst du hierher, dann ziehst du dort und dann schiebst du den Regler dorthin - und vergiss nicht, dass du diesen Schalter... jaja... und das soll ich mir merken? Hm.

In Kurzform:


Licht:

Kerzen sind sehr gemütlich! Man sollte nur daran denken, sie vor Verlassen des Hauses frisch aufzufüllen, wenn man gedenkt, im Dunklen erst wieder heim zu kommen. Sonst wird es etwas fummelig, wenn man mit der Taschenlampe nach Ersatz sucht. Aus Sicherheitsgründen verwendeten wir fast ausschließlich Teelichter, das Haus ist aus Holz...


Heizen:

In dem kleinen Eisenofen kann man Feuer machen und das Haus wird dadurch sehr schnell erwärmt. Am ersten Abend haben wir den Fehler gemacht und zu viel geheizt, es wurde zu warm und dem Mann war es zu warm zum Schlafen. Aber ich hatte nicht wirklich die Traute, nachts das Fenster auf zu lassen, obwohl das total albern war. Da war niemand. Nirgends.


Kochen:

1. Es gibt einen Gasherd (mit Flasche dran - bis dahin einer meiner privaten Angstpunkte)
2. Vor dem Haus gibt es eine geniale Feuerstelle, auf der sich vortrefflich kochen lässt.





Kühlschrank:

Fragt mich nicht wie, aber der funktioniert auch mit dieser Gasflasche...


Fließendes Wasser:
Fehlanzeige!


Warmes Wasser:

Man stelle einen großen Topf auf den mit Holz befeuerten Ofen oder den Gasherd und warte eine Weile.


Spülen:

Man nehme zwei Kunststoffwannen und befülle sie mit einer Mischung aus kalten und heißem Wasser (auf das man vorher gewartet hat). In der einen spüle man  mit Spüliwasser sauber, in der anderen spüle man klar nach. Peng, fertig.


Trinkwasser:

Mein Onkel stellte uns zwei große Wassertanks mit Zapfhahn hin. Unser Wasser. Für alles. Ob spülen, waschen, trinken... bitte sehr!

Hö? Und wenn ich jetzt mehr brauchte? Ich sah ihn fragend an.

Mit einer großen Geste mit dem rechten Arm drehte er sich um und präsentierte mir den See: "Bitte sehr! Da ist dein Wasser. Reichlich!" Nja, ich hoffe, es klingt nicht zu gemein, wenn ich sage, dass ich den Mann zuerst von dem Seewasser habe trinken lassen und daraufhin einige Stunden gewartet habe, bevor ich den ersten Schluck nahm... Da war ich mir dann sicher, dass es zumindest nicht tödlich war. :)

Tatsächlich schmeckt es hervorragend und muss vor Genuss nicht abgekocht werden. Die Haare wurden beim Waschen mit Seewasser herrlich weich. Darin ist garantiert weder Kalk noch sonstige Ablagerungen enthalten.


Müllentsorgung:

Müll musste gesammelt und abtransportiert werden. Lediglich echten Biomüll durfte man weit entfernt vom Haus an einer Stelle abladen. Weit weg vom Haus, weil auch Bären und Füchse und andere Tiere durchaus Hunger haben könnten und die möchte man ja nicht direkt zu sich einladen.


Entertainment:

Kein Radio, kein PC, kein Fernsehen. Nur der Mann und ich. Mein Handy war mein kleiner Schatz, dessen Akku ich wohlweislich bei meinem Onkel bereits bis Anschlag gefüllt hatte und nun täglich für einige Minuten anschaltete. Denn.... tadaaaa... Whatsapp funktionierte meistens und so konnte ich mich bei manchen von euch zwischendrin sogar mit Bildchen melden. Um zu telefonieren, musste man hingegen eine bestimmte Stelle auf dem Grundstück aufsuchen und während des Telefonats still stehenbleiben.

Jedenfalls hatte ich vorsorglich eine Internetflat für die Aufenthaltszeit aktiviert, so dass ich daran auch nicht arm wurde. Aber ich hatte so gut wie keine Chance, bei Facebook reinzusehen und schon überhaupt gar keine, um auf eure Blogs zu kommen.


Fazit:

Das alles machte irrsinnig Eindruck auf uns und auch wenn es für manche von euch recht spartanisch erscheint: das war eine relativ luxuriöse Version eines Wildnisurlaubs! Das geht noch anders. Nicht wenige Touristen schlafen im Sommer in Zelten! Ich hingegen konnte abends theoretisch die Tür verrammeln und verriegeln und kleine Stoßgebete gen "oben" senden, dass meine Blase nicht auf die Idee kam, mitten in der Nacht aufs Plumpsklo zu wollen... (was sie natürlich doch wollte..)

Meine Tante erzählte uns von einem Deutschen, der jahrelang extra Geld gespart hatte, um eine gewisse Zeit in der Wildnis zu verbringen, ganz allein. Das war sein Traum. Es endete damit, dass man ihn mit dem Helikopter retten musste, weil er wegen der Stille aus Angst völlig nervlich zusammenbrach. Danach war er zunächst drei Wochen stationär im Krankenhaus und wurde seelisch aufgepäppelt, bevor er überhaupt in der Lage war, abzureisen...

Margareta kochte eine hervorragende Fischsuppe (mit selbst gefangenem Barsch), wir aßen gemeinsam und erzählten noch eine Weile, bis es für die beiden Zeit wurde zu fahren, bevor die Dunkelheit anbrach. Sie gingen, nicht ohne uns für den Abend noch ein hervorragendes Stück Rentierfilet da zu lassen. Wahnsinn, versucht mal, das in Deutschland im Geschäft zu kaufen. Ich war sehr gespannt, zumal ich noch nie in meinem Leben einen Gasherd angezündet hatte. Hm.

Wir winkten ihnen bei der Abfahrt noch hinterher und dann waren wir auf einmal auf uns selbst gestellt.









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