Montag, 20. Oktober 2014

Ach, darum!


Wie ich schon schrieb, hatte der Mann vorgeschlagen zu IKEA zu fahren.
Die Kombination aus "Mann", "selbst vorgeschlagen" und "IKEA" fand ich recht verwunderlich. On top werfe ich noch den Begriff "an einem Samstag" hinterher.

Hmmmhmmm... gar nicht gut, gar nicht gut. Das ist nicht normal, wie mir auch durch eure Kommentare bestätigt wurde. Daher versuchte ich höchst investigatorisch der Sache auf die Schliche zu kommen. Das geht am besten, indem man versucht herauszufinden, WO denn die akute Schmerzgrenze des Mannes verläuft.

Vor der Abfahrt:

Ich:
"Super. IKEA. Dann können wir endlich die Hemnes-Kommode kaufen, die die Tochter braucht."

Er:
"Ja, das war auch mein Gedanke. Die nehmen wir direkt mit. Du kannst die ja Morgen früh zusammenschrauben."

Ich:
"Aber wir gucken in aller Ruhe und ich werde nicht von dir gescheucht und es wird nicht gemeckert."

Er:
"Neinnein, wir nehmen uns viel Zeit."

Hm. Hier stimmte doch etwas ganz grundlegend nicht. Ich traute dem Braten nicht über den Weg.

Ich:
"Wenn wir schon zu IKEA fahren, könnten wir vorher noch bei Dansk Design vorbei. Wir brauchen doch einen neuen Teppich in der Sofaecke. Und die haben so hübschen Schnickschnack da. Ob wir vielleicht sogar endlich einen neuen Couchtisch finden?"

Er:
"Gute Idee. Das machen wir."

Hä, gute Idee UND das machen wir? Gruselig, gruselig.

Kopfschüttelnd stiegen die Tochter und ich in das Auto. Tatsächlich fuhren wir zunächst zu Dansk Design. Innerhalb von 10 min. hatten wir einen Teppich aus reiner Wolle gefunden UND gekauft. Hm.

Provokant ging ich in die Schnickschnack-Abteilung. Das ließ den Mann völlig unberührt. "Ich gehe nach Couchtischen gucken." Langsam machte ich mir echte Sorgen um seinen Gesundheitszustand.

Prompt fand ich ein riesiges Kerzenleuchtergerät. Etwa einen Meter lang, aus Metall, mit vielen unterschiedlich großen Gläser für unterschiedlichste Kerzen. Das führte immerhin zu der Äußerung "Und wo verdammt soll das Teil nun schon wieder hin?". Aaahhh... leichter Hoffnungsschimmer am Horizont. Irgendwo in diesem Alien verbarg sich anscheinend doch mein Gatte.

Strahlend entgegnete ich, dass der supi auf den Esstisch im Wohnzimmer passen würde. 
"Aber du hast doch schon diesen siebenarmigen Kandelaber da stehen."
"Egal, den packe ich auf das Buffet." 
"Ah, okay, dann kauf den doch."

AH, OKAY???
DANN KAUF DEN DOCH???

Hallo... Ich bin seit mehr als einem Jahrzehnt Olympiasiegerin in "Kerzen-und-Leuchter-aller-Art-kaufen". Ich könnte spielend eine kleine, hübsche Boutique nur mit solchem Zeugs eröffnen und die ohne Zukauf von Waren bestimmt einige Monate entspannt bei gutem Umsatz führen. Die einzig natürliche Antwort wäre daher ein wild gequiektes "Nein" gewesen. SO macht das keinen Spaß.

Sicherheitshalber kaufte ich den supi Leuchter natürlich doch. Wenn schon, denn schon. Das konnte sich nur um eine vorübergehende Erscheinung handeln...

Ach, und eine schnieke Küchenreibe - obwohl ich eigentlich eine habe. Aber die alte ist eben unschnieke. Keine Reaktion seinerseits und ich überlegte, ob wir überhaupt ein Fieberthermometer Zuhause haben... Haben wir übrigens nicht. Darüber hinaus hatte er einen Couchtisch gefunden, aber den wollte ICH nicht. Verkehrte Welt.

Bei IKEA liefen wir zunächst zackzack durch die Ausstellung, die finde ich immer pottje-langweilig. Bevor es die Treppe zum Pimpim-Krempel runter ging, spielte ich geschickt ein Ass aus: "Magst du nicht rüber ins Klamottenoutlet gehen? Du kannst ja in einer Stunde nachkommen. Dann treffen wir uns vor dem Lagerregalbereich, wo wir die Kommoden holen."

Ja, KommodeN. Der Mann (!) hatte in der Ausstellung eine Kommode entdeckt, die 1 A in unseren Flur oben im Schlafbereich passt. DER MANN... Und er wollte sie kaufen, obwohl nicht zu 100% klar war, ob die nicht sogar zu breit war. Man kann schließlich umtauschen, meinte er. Ich war quasi sprachlos.

Der Mann folgte meinem Rat und ging ins benachbarte Outlet, während ich anfing, Gegenstände in den Wagen zu lasten. Neue Auflaufformen aus Glas, normale Kerzen, Duftkerze mit Vanille, drei Nupsibürsten, Blockkerzen, Servietten (eigentlich einer DER Mann-Aufreger.. Ich sammele nämlich auch Stoffservietten. Theoretisch könnte ich ein Jahrzehnt lang Weihnachten unterschiedliche Servietten kredenzen. Aber natürlich nur theoretisch, praktisch finde ich jedes Jahr neue), Geschenkpapier, .... Was man halt so bei IKEA kauft. Die Tochter packte sich zweimal Bettwäsche ein und brauchte ebenfalls dringend eine Vanilleduftkerze. Und eine Pflanze.

Am Eingang zum Lagerregalbereich fanden wir den Mann wieder. Jetzt aber! Siegessicher schob ich ihm meinen Wagen in den Sichtbereich.

NIX.

Also jedenfalls zu wenig. Es kam nur einmal ein "Was willst du damit?" und das betraf die Nupsibürsten, weil er die doof findet. Kommoden aus den Regalen gezerrt, Kasse, bezahlen, Heimfahrt.

Das war nicht normal.
Echt nicht.

Als wir abends zusammensaßen, fragte er mich:
"War ich heute nicht richtig lieb?"

"Doch, und ich würde irrsinnig gerne wissen, was du damit bezweckst. Bitte sag es mir."

"Komischerweise gar nichts. Ich weiß auch nicht. Das hat doch Spaß gemacht heute."

Das hat mich nicht wirklich beruhigt. Aber ich sollte bereits am folgenden Morgen lernen, was vermutlich der Hintergrund war. Nämlich als ich gegen 10 Uhr begann, die erste Kommode zusammenzubasteln, während er lecker wandern war.

Ja, ich bin bei uns traditionell die Möbelzusammenbauerin. Da ist es besser, wenn er weit weg ist, weil ich fürchterlich wütend werden und er mir dann mit seinen eingeworfenen Fragen richtig auf den Wecker gehen kann. Die wenigen Male, die er etwas zusammenbauen sollte (am Anfang unserer Ehe - wir waren beide noch jung und naiv), endete es immer damit, dass er hysterisch mit dem Imbusschlüssel herumwedelte und "Da fehlen Teile. Ich sehe das sofort. Dieses Scheißzeug, ich kaufe nie wieder was bei IKEA" schrie, bis ich ihn rauswarf und es selbst machte. Übrigens hat noch NIE irgendwas gefehlt. NIE.

Wo war ich.
Ach ja, Hemnes-Kommode mit acht (!) Schubladen. Alter Falter, dagegen ist PAX aufbauen ein Fall für blutige Anfänger. Und dann war da ja noch die zweite Kommode. Ich war dem Nervenzusammenbruch bald relativ nahe - ich kann irrsinnig wütend werden, lasst euch nicht durch meine zumeist netten Worte täuschen. Irrsinnig wütend - und das war ich dann auch.

Gegen 14:00 (!) kam der Mann leise lächelnd zu mir und fragte, wann wir denn essen würden und wie lange ich wohl noch bräuchte. Das wäre ja wohl nicht normal, dass der Aufbau von zwei albernen Kommoden derart lange dauern würde. Übrigens genau in dem Moment, in dem ich entdeckt hatte, dass ich einen Holzdübel an der falschen Stelle eingeparkt hatte und mir klar wurde, dass ich drei Teile der Kommode wieder abbauen musste, um das zu beheben... Wann sonst.

ARGH!
Bevor ich ihm den Akkuschrauber an den Kopf werfen konnte, war er fröhlich pfeifend wieder verschwunden, um unten gemütlich seine Bergdokus weiter anzusehen.

Gegen 16:00 Uhr war ich fertig, nicht nur mit den Nerven.

Eins sag ich euch:
Ich fahre so schnell nicht mehr zu IKEA.
Das macht mir keinen Spaß mehr.











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