Mittwoch, 5. November 2014

Der Mann und der Elch


Vorgeplänkel:

Ja, ich lerne immer noch. Vielen Dank für die vielen Ratschläge, das hat mir sehr weitergeholfen und ich teste mich gerade durch. Was die "Vokabeln" betrifft, die ich irgendwie noch in den Kopf kriegen muss, habe ich mir ein kostenloses "Karteikastensystem" runtergeladen, zu dem es auch eine App fürs Handy gibt und so kann ich auch zwischendurch und unterwegs eine Einheit einschieben.

Recht habt ihr jedenfalls SEHR damit, dass ich dafür Ruhe brauche. Aber durch die Gegend laufen klappt nicht. Dann renne ich Möblemang um. Oder kann mich nicht konzentrieren, weil ich befürchte, Möblemang umzulaufen. Aus einer Handvoll wichtiger, zusammenhängender Begriffe habe ich mir ein Gedicht gebastelt, aber zu manchen Wörtern fällt mir echt nix ein.

Naja, vielleicht muss ich mich auch einfach daran gewöhnen, ist ja ein paar Tage her, seit Mutti lernen musste...


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Jetzt möchte ich jedoch mit euch nach Lappland zurückkehren, damit bin ich ja noch gar nicht fertig. Menschmensch. Der Mann nörgelt schon eine Weile herum, weil er auf seine Geschichte mit dem Elch wartet. Kann man dem Mann einen Wunsch abschlagen? Also länger als zwei Wochen? Wenn er traurig mit DEN Augen schaut? Nein, selbst ich nicht.

Nun denn. Ich springe jetzt, nur wegen der Elchgeschichte, in der Zeit gründlich vorwärts (und in späteren Posts wieder zurück), denn tatsächlich fand die Begebenheit am vorletzten Tag unseres Urlaubs statt. Nur für den Mann!

Mann, das gibt aber Bonus, oder? Merk dir das...

Vor dem Urlaub hatten wir uns eine kleine Wunschliste über das erstellt, was wir gerne im Urlaub sehen würden.

Der Mann:
Bär, Rentier, Elch, Luchs und Wolf vielleicht (jedenfalls reichlich Getier), Berg, Wasser, Jokkmokk, Kvikkjokk, Polarlichter, Naturnaturnatur 

Ich:
Polarlichter 

Ihr seht, ich bin ziemlich bescheiden - Getier ist mir nicht soooo geheuer, ich hab ja schon Schiss vor Wildschweinen.

Man sollte vielleicht dazu sagen, dass der Mann die Reinkarnation eines Trappers und Tierdokumeisters sein dürfte. Wenn man ihm "die Macht" (Fernbedienung) lässt, gibt es in unserem TV nur Berge, Bergsteiger, Freeclimber, Tiere, Natur. Und vor allem viel Kieling (klickediklick)! Höchst überzeugt davon, dass er sich in der lappländischen Natur quasi von einem Tier zum nächsten hangeln würde, war er auch bestens kameratechnisch vorbereitet.


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Erneuter Exkurs in unser Privatleben:

Wisst ihr, es gibt Themen, da gerate ich recht schnell in den "Hmhm"-Modus. Eins davon ist glasklar "Kamera und Objektive". *rolleyes* Wenn der Mann sich nämlich für etwas interessiert, gibt es in der Phase kein anderes Thema mehr. Es werden Internetseiten und Fachliteratur gewälzt und anschließend alles mir vorgetragen.

Mann:
Blablabla... Spiegelreflex neee... blabla... Systemkamera.. blablabla... zukunftsorientiert...

Ich:
Hmhm

(Wichtig: Das "Hmhm" muss tunlichst interessiert rüberkommen. Sonst schlecht! Kommt gleich.)

Mann:
Objektiv... blablabla.. Festbrennweite... blabla.. Filter... blabla...

Ich:
Hmhm

Mann:
Blablablaaa... Olympus... blabla... Modell A guck mal... blabla.. Modell B guck mal auch... blabla

Ich:
Hmhm

Mann;
EY! Ich hab gesagt, du sollst mal gucken, welche Kamera besser ist.

Ich:
Ach so. Äh. Ich hab doch keine Ahnung von Kameras.

Mann:
Aber das habe ich dir doch alles erklärt. Du hörst mir nie zu... blablabla... Also noch mal... (siehe oben)

Ich:
Hmhm.

Mann:
Nix hmhm. Jetzt sag wenigstens, welche Kamera du "schöner" findest.

Ich:
(fange leicht an zu schwitzen, weil es an der Stelle deutlich einfacher wäre, SEINER Meinung zu sein, denn sonst...)
Modell A!

Mann:
Sicher?

Ich:
Ja.

Mann:
Aber warum? Guck mal.. blabla... Griffleiste.. blabla... Sucher.. blabla... Chip... blabla

Jaaaa... so geht das!
Dennoch war es irgendwann gebongt und der Mann flog bestens fototechnisch equipped nach Schweden. Puh! Glück gehabt.


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Jedenfalls stellte der Mann in den ersten Tagen in Lappland recht schnell fest, dass es mit den Tieren nicht allzu weit her war. Die waren einfach nicht da. Köööönnnntteeee daran liegen, dass wir gerade in der Jagdsaison da waren und die Viechers einfach keine Lust mehr auf Menschen hatten bzw. tot waren. Immerhin waren bereits mehr als 60 Bären, weiß der Geier wie viele Luchse und unzählige Elche erschossen worden. Wenn ich dort Tier wäre, hätte ich ebenfalls gründlich das Weite gesucht!

Der Mann und sein Kameraequipment waren eindeutig geknickt. Ich versuchte ihn damit zu trösten, dass wir zwischenzeitlich doch immerhin einen Fuchs, ein Eichhörnchen, bunte Vögel, einen weißen Hasen (was für ein Riesenremmel!) und Schneehühner gesehen hatten. Aber nein, das tröstete nur geringfügigst.

Am vorletzten Tag fuhren wir nach Kvikkjokk. Da wollte der Mann gerne hin, da hinter Kvikkjokk der Sarek-Nationalpark beginnt und man dort auf dem Kungsleden noch unendlich in die Pampa wandern könnte. Das war zwar nicht für diesen Urlaub geplant, aber man könnte doch zumindest theoretisch gucken gehen. Also hüa!

Fjälli Pirelli (klickdiklick) setzte Mann und Kameraequipment auf den Beifahrersitz und startete geschmeidig den Motor. Fjjjuuupppp, los ging es. Um dorthin zu kommen, muss man zunächst die 70 km vom Haus nach Jokkmokk fahren und von dort aus weitere 120 km nach Kvikkjokk. Nah ist irgendwie anders. Gas in den Boden gedrückt und ab dafür.

Nach einer gefühlten Ewigkeit kamen wir in Kvikkjokk an. Traumhafte Landschaft, meine Lieben, traumhafte Landschaft!









Ich weiß nicht, wie das bei euch ist, aber ich liebe "Fels und Wasser". Das sieht stark und mächtig aus. Streckenweise schoss das Wasser laut und irrsinnig schnell durch die Felsen. Wahnsinn.





Kvikkjokk an sich ist ein netter, kleiner Ort. Da wohnen nur "zwei Handvoll Menschen" ca.. Spontan dachte ich sogar, dass das der perfekte Ort zum Leben sei. So friedlich und ruhig. Mit diesen gewaltigen Wässerchen rundum. Aber ich wurde von meiner Tante, der "Trapperin", eines Besseren belehrt.

Es folgt daher eine exklusive Warnung für Marie-Johanna, die nächstes Jahr in der Gegend Urlaub machen möchte: Im Sommer soll es dort grauenvoll sowohl vor Touristen als auch vor Mücken wimmeln. Sag nicht, dass ich dir das nicht gesagt hätte. ;o)




Besonders hübsch fand ich die Holzkirche:




Vorbei an der Fjällstation, kamen wir an DAS Schild. DAS Schild, den Hinweis auf den Kungsleden (klickedicklick!). Der fängt zwar deutlich tiefer in Schweden an, aber ihn interessiert der Teil oberhalb von Kvikkjokk. Der Mann war ganz aus dem Häuschen, ich durfte das heilige Kameraequipment berühren und ihn fotografieren. Weil ich das Foto sehr schnucki finde und man darauf ganz dolle sieht, wie glücklich er in dem Moment war, habe ich ihn überredet, dass ich das Foto hier für euch einstellen kann.

Darf ich euch vorstellen?
Das ist der Mann!
Natürlich nicht rasiert - war ja Urlaub. 




♥♥♥
Mein grauer Wolf. (wobei ich daran übrigens auch Schuld sein soll... hihi)
♥♥♥

Der Tag war alles in allem recht kalt und der Mann auf der (zu dieser Jahreszeit geschlossenen) Fjällstation sagte uns, dass Schnee in der Luft läge und sie jeden Moment mit Schneefall rechnen würden. Daher machten wir uns lieber zügig auf den Rückweg.

Und Fjälli Pirelli fuhr und fuhr und fuhr - wie auf Schienen quasi. Die Wälder, Steinchen und das Wasser flitzten an uns vorbei, der Mann meditierte aus dem Beifahrerfenster heraus.

Bis plötzlich..

HALT AN!

Halt SOFORT an!!

Du sollst ANHALTEN!!

Da ist ein Eeeeeelllllccccchhhhhh

Bist du blöd? Du sollst brem-sen! Aaaahhhhhh...


Ich hab mich so erschrocken, bremste den Möglichkeiten entsprechend, der Wagen stand endlich und ich versuchte meinen Puls runterzuregeln. Der Mann zeterte wie ein tollwütiges Eichhörnchen auf dem Beifahrersitz herum.

FAHR ZURÜCK!

Den RÜCKWÄRTSgang. 

MACH! Fahrfahrfahr. Rückrückrück.

SCHNELLER!

Ich wurde sauer.

Das geht nicht schneller rückwärts. Aaaaahhhh.. Halt doch endlich den Mund, Mann. Du machst mich bekloppt.

Ich fuhr rückwärts. Langsam.

HALT AN! 
ANHALTEN!
DA ist er.

Und tatsächlich:
Am Straßenrand stand eine Elchdame (weil kein Gehörnsgedöns). Wunderschön und vom Fell her viel dunkler als ich mir das vorgestellt habe. Eher schwarzbraun.

Die Elchin betrachtete uns, wie wir so rückwärts auf sie zufuhren, eine Weile neugierig, überlegte es sich dann anders, drehte um und begann langsam in den Wald zurückzustelzen. Noch ehe ich den Wagen endgültig zum Stehen gebracht hatte, flog die Beifahrertür auf und der Mann sprang aus dem Auto, die Kamera im Anschlag.

Er fotografierte seinen allerersten Elch:





Lasst euch nicht täuschen, irgendwo auf dem Foto ist der Elch. Bestimmt. Der ist nur getarnt.

:)





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